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Neue jüdische Presse · 1914-01-30 · Heft 4 (30.1.1914) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 4 (30.1.1914)
Date
1914-01-30
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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eette 2. gäbe gar nicht klar durchdenken konnten. Da wurde der Lehrer vom Direktor für einige Minuten heransgerufen. Sofort begannen die Schüler unter einander die Aufgabe nachzurechnen, rmn natürlich hebräisch, und im Nu war sie gelöst. Aber neben diesem Schaden, den alle übrigen Gegenstände litten, wurde noch ein zweiter bemerkt: das Deutsche wurde den Schülern verhaßt. Weil, man chncn das Deutsche als Unterrichtssprache aufzwingen wollte, sic sich aber gegen diesen Versuch sowohl .aus psychologisch-natürlichen, wie — die älteren Schüler bcsoniwrs — aus nationalen .Gründen wehrten, wurde ihnen mit der Zeit das Deutsche zur Qual, zum Gegenstand ihres Hasses. Wahrend sonst der Jude überall, auch in Palästina, willig und gern fremde Sprachen lernt — die Schüler des Jaffaer Gymnasiums lernen mit großer Lust 'Französisch, Deutsch und Latein —, während die Juden Osteuropas — und die meisten Schüler des Lehrerseminars stammen aus Osteuropa -• stets von einer lebhaften Sympathie für das Deutsche, dem sie durch ihr Jüdisch-Deutsch! ja so nahe stehen, beseelt sind, sind es gerade die Schüler der „deutschen" Hilfsvereinsschulen, die gegen das Deutsche eine lebhafte Antipathie besitzen, und dies nur einzig und allein dank der sinnlosen Methode, ihnen Deutsch als Muttersprache aufzudrängen. Daß dies aber wieder das Verhältnis von Lehrern und Schülern in höchst ungünstiger Weise beeinflussen mußte, ist klar. Die Schiller unterschieden unter den Lehrern zwischen der „deutschen" und der „hebräischen" Richtung, stellten sich zur ersten — vor allem zum Direktor — in ausgesprochenen Gegensatz, die hebräisch gesinnten Lehrer — die weitaus größere 'Zahl — kämpfte einen stillen, aber erfolglosen Kampf gegen die „Deutschtümler", die von Berlin unterstützt wurden, und so herrschten in den Hllfsvereinsschulen tatsächlich die unerquicklichsten Zustände: Gegenseitiges Mißtrauen zwischen den Schülern und einem Tell der Lehrer, scharfe Gegensätze unter den Lehrern selbst; clll dies steigerte, noch die . Systembosigkeit und Uneinheitlichkeit, die von vornherein in den Schulen gelegen war, und. so waren sie in letzter Zeit — pädagogisch gesehen — in einer recht ungünstigen und kritischen Lage. Alle, die die Verhältnisse kannten, erkannten, daß die Lage mit der Zeit unhaltbar wurde und sahen . eine Krise mit Notwendigkeit kommen. Tie Seminaristen und der größte Tell der Lehrer, vor allem die jüngeren, lebten in ständiger höchster Unzufriedenheit, und es kam öfters zu -offenen Konflikten .zwischen ihnen und der Leitung, und nur der besonderen Geschicklichkeit und Diplomatie des Direktors gelang es immer wieder, eine Krise abzuwenden und die Berliner Leitung im Glauben zu halten, daß alles in bester Ordnung sei, die öffentliche Meinung aber glauben zu lassen, die Hüfsvercinsschulcn seien noch immer hebräische Schulen, was sie schon lange nicht mehr rvaren. So ist denn der jetzt in Palästina tobende Kampf keineswegs ein unerwarteter Ueberfall radikaler Heißsporne, wie cs den Berliner — über die wahren Berhällnisse völlig falsch unterrichteten— Leitern des Hilfsvereins scheinen wlll. Der Kampf ist vielmehr' ein Ereignis, das alle Kenner der Verhältnisse schon seit geraumer Zeit mit Notwendigkeit kommen sahen, und er wirkt daher Lediglich reinigend, und llärend. Durchs ihn wird die.verworrene, alle Well irreführende Situation beseitigt, daß Schulen' existieren, die ihrem Programme nach hebräisch, sein sollen, und es in Wirklichkeit nicht sind, durch, diesen Kampf wird aber auch der Hllfsverein endlich zu der Erkemckms gelangen, wie unsinnig und utopisch sein Ziel, den Kindern Deutsch nick» Hebräisch als gleichberechtigte Muttersprachen einzuimpfen, war. An diesem Ziel, und nur a.n ihm, ist das großes imposante Werk des Hllfsvereins gescheitert.' Wäre er seinein proklamierten Prinzip« treu geblieben, hätte er — ohne alle Einschränkungen und Ausnahmen — Las Hebräische als wirkliche 'Unterrichtssprache eingeführt und Deutsch als fremde Sprache unterrichtet, .in noch so ausgiebiger Werse unterrichtet — die hebräisch gesinnten Lehrer und Schüler haben stets die Leitung ersucht, trüber mehr Stunden für das Deutsche einzufichren, aber alle allgemeinen Fächer hebräisch zu unterrichten er hätte sich, die Sympathie des Palästinensischen Zudärtums bewahrt und hätte das Frankfurter Israelitisches Familienblatt. mächtigste und beste Schulwerk in Palästina zu errichten vermocht. Und.mit diesem Scheitern hat Palästina aller Welt bewiesen, daß'.Palästina eben nicht der Galuth ist, sondern die Ueberwindnng desselben bedeutet. Es geht eben nicht, dorthin die Zweiheit und Halbheit des Galuthjudentums zu verpflanzen. In Palästina wollen wir den neuen Juden heranziehcn, den ganzen, geschloffenen, einheitlichen Juden, der ein Vaterland, eine Muttersprache und eine Bolkskultnr kennt. Und— dies hat der Kampf gegen den Hllfsverein und die rasche, totale Niederlage desselben bewiesen —, Palästina hat bereits die Kraft, alle diejenigen, die — wenn auch in der besten Absicht — es in der Erfüllung dieser seiner heiligsten Aufgabe hindern und stören wollen, aus seinem Bereiche zu verdrängen. Wie fteudig man.ursprünglich von Seiten des nationalen Judentums in Palästina das Wirken des Hllfsvereins begrüßte, wie tatkräftig man ihn unterstützte, ist in aller Erinnerung und beweisen all die Anstalten des Hilfsvereins, die konsequent hebräisch sind: die Schulen llr Rechoboth und Hebron, vor.allem aber seine Kindergärten. Niemals hat jemand Legen diese Anstalten ein Wort der Kritik gerichtet, und überall begegneten sie nur freudiger Anerkennung und tatkräftiger Unterstützung. Wie sehr man dem Hilfsvcrein entgegenkam, beweist auch die große Zahl der nationalen Lehrer, die an seinen Schulen wirkte. Es waren. zum Tell .die besten Männer der Lehrerschaft Palästinas, über die er verfügte, und die Tat'ncke, daß diese ihm so lange die Treue gewahrt haben, ^und trotz der immer stärker werdenden deutschen Tendenz doch auf ihrem Posten verharrten, in der Hoffnung auf Besserung, zeigt, welch schweren Herzens das nationale Judentum Palästinas den Kampf gegen den Hllfsverein pufnahm, der bei allen Grundfehlern sich doch! große Verdienste um das Schulwerk Palästinas erworben hat. Aber bei der Verblendung der Berliner Leitung mußte es einmal zur Krise kommen. Und als der Beschluß" des Kuratoriums des Haifaer Technikums, der — wie alle Welt weiß — einzig und allein durch, James Simon und Paul Nathan .Herbeigeführt wurde, vorlag, erkannte man in Palästina, daß auf eine Besserung der Lage nicht zu hoffen sei, paß im Gegenteil die deutsche Tendenz in Zukunft Noch wachsen werde, und so verließen denn die national gesinnten Lehrer die Schicken, an denen sie die besten Jahre ihres Lebens gewirkt und gearbeitet hatten. An seinen verkehrten, übertriebenen deutschen Operationen, an seinem sinnlosen, antinationalen Programme der zwei Muttersprachen ist der Hilfsverein in Palästina gescheitert. AuS de« Ereignisse» des Tages. 1. Eine eutscheiaenüe Wendung in der Frage des Haifaer Technikums. Tic Frage des Haifaer Technikums ist in ein neues Stadium getreten. Tie amerikanischen Mllglieder des Kuratoriums, die bekamcklich an der Sitzung des Kuratoriums, in der die Sprachenresolution gefaßt wurde, nicht teilgenommcn haben, sind zu einer Sonderkonserenz zusammengetreten und haben einstimmig eine Resolution gefaßt, die zwar nicht ganz den Forderungen entspricht, die Achad-Haam, Tschlenow und- Schmarjahu Lewin gestellt hatten, die sich aber doch zudem gefaßten Beschlüsse des Kuratoriums in diametralem Gegensätze besindet. Faßt mau den kurzen Sinn der etwas langen und unllaren Resolution der amerikanischen Kuratoriumsmitglieder zusammen, so fordert sie prinzipiell das Hebräische als Unterrichtssprache; für das Technikum. Zwar ist .dieses Prinzip nicht konsequent genug ausgesprochen. — man merkt es der Resolution an, daß sie die Basis zu einem etwaigen Ausgleich schaffen wlll —, zwar sollen im Verkehr mll der türkischen Bevölkerung hebräisch, arabisch, türkisch offizielle .Sprachen sein, im Verkehr mit Europa deutsch, ftanzösisch, englisch, zwar soll erst im Laufe von sieben Jahren das Hebräische für alle Fächer als Unterrichtssprache eingeführt werden, aber auf die einzelnen Bestimmungen kommt es ja im gegenwärtigen Momente nicht an, was allein wichtig ist und nur was allein gekämpft wird, ist. das Prinzip des Hebräi¬ Är 4 scheu als Unterrichtssprache, und dieses Prinzip haben die amerikanischen Kuratorinmsntttglieder anerkannt. Damit ist die Frage des Technikums de facto in ein neues Stadium getreten. Einmal bedeutet diese.Resolutton einen unschätzbaren moralischen Erfolg des zionistischen Standpunttes. Denn unter diesen amerikanischen Kuratoren sitzen Männer, deren Name einen guten Klang im Judentum hat, wie Jakob Schiff, Prof. Sch echter, L. Marshall, aber auch Männer.! die niemand des Zionismus für verdächtig halten! wird. Es hat sich hier mit eklatanter Deutlichkeit wieder gezeigt, was von zionistischer Seite von vornherein betont worden ist. was Achad-Haam in seinem Arttkel in „Ost und West" unterstrichen hot, daß Hier gar nicht um eine zionistische An-1 gelcgenheit gekämpft wird, sondern um eine allgemein jüdische Sache. Die große Zahl der Sym-1 pothiekundgebungen aus nichtzionisttschen Kreisen Hot das bewiesen, der Beschluß der amerikanischen | Kuratoren hat es noch deutlicher gezeigt. Ferner aber: infolge dieser Resolutton stehtI nunmehr die Majorität des Kuratoriums in offenem Gegensatz zu dem bereits gefaßten Beschlüsse. Denn auch^ die russischen Mtalieder Wissotzky und Zeitl i n haben bereits öffentlich erllärt, daß sie ihre Zustimmung zum Beschlüsse zurückziehen, und haben! eine erneute Verhandlung der Sache in einer neueilt [ Sitzung, an der auch die amerikanischen Mitglieder teilnehmcn sollen, gefordert. Damit hat sich | die überwiegende Majorität des Kuratoriums prinzipiell zum hebräischen Standpunkt bekannt, und! es wird nunmehr wohl den Herren James Simon und Paul Nathan nichts übrig bleiben, als eine neue Sitzung anzuberaumen, die einen anderen | Beschluß herbeiführen wird. Fragt sich nun, ob James Simon und Paul Nathan sich dem Stand-! Punkt der Majorität fügen werden oder nun, da sie in der Mnorität sind, ihrerseits —. austreten werden. Dieser Fall ist sehr möglich. Und auch d e! amerikanischen Mitglieder des Kuratoriums scheinen mit dieser Eventualität gerechnet zu haben, denn sonst .wäre der letzte Passus ihrer Resolution! nicht ganz erklärt. Dieser . Passus ist hochbedeutsam. In ihm wird nämlich die Zionistische Ornanisation ersucht, das Technikum moralisch und materiell zu unterstützen. Im gegeirwärtigen Moment des heftigsten Kampfes zwischen Hllfsverein und Zionismus! bedeutet dieses Ersuchen eine deutliche Brüskiernng des Hllfsvereins und. eine klare Andeutung, daß man nichts dagegen einzuwenden hätte, wenn I das Technikum vom Hllfsverein in die Hände des! Zionismus überginge. Es ist interessant, was nun der Hilfsverein, das heißt die Herren James <Limon und Paul Nathan, tun werden. Schon werden Gerüchte verbreitet, daß sie aus dem Kuratorium ausscheiden wollen, und diese Gerüchte llingen — wie gesagt — gar nicht so unwahrscheinlich. Denn wenn sie nicht den Standpunkt der Majorität anerkennen wollen — und nachdem sie den Kampf soweit getrieben haben, ist dies schwer anzunehmen —, wird ihnen nichts übrig bleiben, als aus dem Kuratorium auszuscheiden. Daß damit aber die Existenz des Technikums keineswegs gefährdet sein wird, ist llar. Die im Kuratorium verbleibenden Mitglieder — unter ihnen Schiff, Wissotzky und andere bedeutende Philanthropen.— mit Hilfe der Zionistischen Organisatton. und der Unterstützung der breitesten. jüdischen Kreise werden wohl imstande sein, das Werk des Technikums durchzuführen, auch ohne James Simon und Paul Nathan. Die nächsten 'Wochen müssen die desinittve Entscheidung bringen. Bald wird man wissen, ob James Simon, und Paul Nathan im Kuratorium verbleiben und ihren Standpunkt revidieren oder in autokrattscher Versteifung demissionieren; bald wird man auch erfahren, ob die drei ausgeschiedenen Mitglieder nun, da sich die Verhältnisse so völlig geändert haben, wieder in das 'Kuratorium eintreten, wozu sie sowohl die. russischen wie die amerikanischen Mitglieder des Kuratoriums dringend aufgefordert haben. Bald wird die Entscheidung da sein. Und es Sann heute kein Zweifel mehr darüber bestehen, daß die Entscheidung im günstigen Sinne, im Sinne per pälästtnensischhebräischen Forderungen ansfallen wird. 7 L die F scheu! Erz"b die A lebhas intcn'i aber jemer Sie s Juden semitti die,g< so he Gunst mache; die E so Ötl Litton .Msch gang ist gc Auch ten T judeni mus währe nelle raten und ä diktier der % denen arten der « und l ralisi Vcrw aller zu T den \ Wan, Gebic muß greife herig beifid < zur russi! derer Pässe Gesej ausli zu n schen gege, nntn beut« deüts amte And yerzi lllus. Bert

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