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Neue jüdische Presse · 1914-01-30 · Heft 4 (30.1.1914) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 4 (30.1.1914)
Date
1914-01-30
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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fette i - Frankfurter Israelitisches Fanlilrenölats. Är. 4. guten Schriften recht arme jüdische Jugendliteratur rin unvergängliches Verdienst erworben. Wie sehr dies in weiten jüdischen Kreisen anerkannt wird, beweist die Tatsache, daß, die Großloge U. O. B. B. eine Sammlung seiner besten -Märchen preisgekrönt hat. Nun möchte der Leser auch etwas über de» Lebensgang des Heimgegangenen Dichters wissen. Das ist bald gesagt. In Cöln geboren, wandte sich Jakob Lev>) dein kaufmännischen Berufe zu, in dem er es zu achtenswerten Erfolgen brachte. Warmes Interesse aber brachte er stets der schönen Literatur entgegen, und hier besaß er iviederum im jüdischen Schrifttum eine große Belesenheit. Zu eigenem Schassen gelangte er erst in spätere«! Jahren, da er sich mehr und mehr von seiner beruflichen Tätigkeit zurückziehen konnte.' Aber er wird, vor allem als Dichter der jüdischen Märchen, sortlebcn bei der jüdischen Jugend. Sein Märchenbuch wird nicht fehlen in den jüdischen Schülerbibliotheken, nicht fehlen aus dem Geburtstagstische so manches jüdischen Kindes. Saarbrücken. Der in Antwerpen verstorbene Kaufmann Ernst Karchcr vermachte seiner Vaterstadt Saarbrücken 100000 .JL für wohltätige Zwecke. Wnrzbnrg. Unter großer Beteiligung von nah und fern wurde Frau Lehrer Fanny Sonn zu Grabe getragen.' Treu wirkte sie an der Seite ihres Gatten für Emunoh und Gemilus-Chesed, für alles Gute und Edle. Sie war eine ideal-jüdische Fraucngcstalt. M. (L) Posen. Max Kroger tesnerre den« jüdischen Krankcnhause (Rohrsche Stiftung) 20000 J(. Die Rohrschc Stiftung nahm im vergangenen Jahre 493 jüd. und 78 uichtjüd. Kranke aus.. Wie». Benedikt Fischer, Chefredakteur der „Polit. Korrespondenz", erhielt den Titel R e g i e - rungsrat. P«ckS. Baron Edmond de Rothschi ld ist nach Palästina abgefahren. Oftrowo. Das hiesige „Schutzkomitee des Hilfsvcreins der Deutschen Juden" unterstützteim vergangenen Jahre 1320 Durchreisende mit 5465 AL, die von der „D rutschen Zentralstelle für jüd. 22 a n de r a rui enf ü rso r g e" gedeckt wurden. . Amsterdam. Sophie Dupary, Tochter des Schriftstellers und Politikers Arjc Duparg, ist zur st n d k i schon Archivarin ernannr ivorden. Kouftauriaopel. Generatstabsarzt Dr. Behor Bey Camhi Erhielt den O s m a n i - D r d c n 3. Klasse. Cafd und Conditorei Butschly Besitzer C. Hein Gallas-Anlage 2. Tel 201, 316, 278 I. Gleichzeitiger Inhaber von: BifaidllBKi a. Cafi „PeniUBd Runpelaaier Baden-Baden. Eigene Erzeugnisse von Pralinees u. Bonbons. Allsbevälick famitienkonzect. ’ (ansser Sonntags.)' lenilleton. Ei« Gelübde. Roman auS dem jüdischen Gemeindeleben. Von S. L u ß - Mannheim, (Fortsetzung.) „Du kennst doch den Kaspar Schmidt, den Pächter des Gutes Weißenbcrg?" „Selbstverständlich." „Weißt Du auch, daß Schmidt das Gut an eine,' Asterpächter weitergegcben hat?" , „Ja, das weiß ich." „Nun höre! lieber einen Teil der Ernte konnte Schmidt sich «nit dem ucneu Pächter nicht 'einigen, weil er zur Erhebung einer großen amerikanischen Erbschaft viel Bargeld braucht. Schmidt will also einen großen Schlag Weizen für eine Sunnne von zweitausend Talern verkaufen, der ganze Kaufpreis muß aber sofort auf ein Brett bezahlt werden. Wer hat aber in fetzigen Zeireir zweitausend Taler bares Geld? Höchstens Rüben Stern, mit dem mache ich aber keine Geschäfte, weil mich sein Samuel voriges Jahr, als ich Hm einen Handel verraten, um die Provision geprellt hat. Ich habe das Geschäft also unserm Parnes angeboteii, und der kann auf den Stutz nur tausend Taler zusannnenbringen. Da Tu nun Euer Häuschen verkauft hast und die Mitgift für Deine Schwester gewiß schon liegen hast, meinte der Josef, «nit Dir zusammen würde er es machen." „Das Geschäft mache ich nicht." „WaS machst Du nicht? Wo doch gar keine Gefahr und der Verdienst sicher ist? Wo Du in acht Tagen de» Weizen mähen lassen und ihn in vicrzHn Tagen mit hundert Prozent Gewinn verkaufen kannst?" „Ich mache es nicht, denn in vierzehn Tagen kan» gar viel passieren, und ich habe nicht das Recht, das mir anvertrante Geld meiner Schwestern auch nur der geringsten Gefahr auszusetzen, um mir einen Gewinn zu verschaffen." „Im Hcrcingchen habe ich »och gehört, daß Du gewünscht hast." „Wenn Sic gehorcht haben, ist das Ihre Sache, ich mache das Geschäft nicht." David mochte reden und bitten, soviel er wollte, er schwor sogar .mit „weis; Gott ' und anderen Schwüren, daß gar keine Gefahr vorhanden wäre, alles war vergebens, er hatte eben wieder eine der häufigen Enttäuschungen des Bermittluiigsgeschästs erfahre». Im Lause des folgenden Vormittags hatte David doch noch Erfolg. Wenn auch kein Mann in der Khillc war, der 1000 Taler flüssig, hatte, so gelang es ihm, zehn zusammenzubringen, die jeder 100 Taler geben wollten, um an den« gefahrlosen Geschäft sich zu beteiligen. Mittags in der drückendsten Hitze gingen Josef Heilbrunn und David Reinwalt zusammen »ach dem drei Stunden entfernten Gut. Beiin Verlassen der Stadt begegnete chnen Samuel Stern, der auf dein Stuhlwägelchc» seines Vaters ihnen entgegen kam. Samuel grüßte nicht nur freundlich herüber, er lächelte ihnen sogar übcrfrcundlich zu. David wunderte sich im stillen, daß Samuel die Zurückweisung, die er erfahren, gar nicht übelzunehmen schien. „Er ist doch nicht so dumm, wie ich geglaubt, er läßt sich nichts merken," dachte David für sich. Wie groß war aber •itu Schrecken, als er aus dem Gute Weißenberg erfuhr, daß Samuel schon früh am Morgen das Geschäft abgeschlossen hatte. 'Nun tarn ihm das Lächeln Samuels nicht mehr freundlich, sondern tückisch vor. Siegcssreude war es wirllich gewesen, denn beim ''Abschluß hatte er ja erfahren, wer der andere Interessent ivar. Joses hatte, als man ihm den vollendeten Bcrkans niittciltc, nichts gesagt als „Gamsu". „Was willst Du mit Gamsu? Wer ist das?" fragte David. „Es ist ei» Jamiiicr, daß Du so gar kein hebräisch verstehst. „Gamsu" heißt: „auch das" und erinnert an einen sehr großen Weisen, der bei jedem Mißgeschick sagte: Gamsu letoivv: „auch das ist zum Gute»." „Das soll zum Guten sein, wem« ich meine Provision und Tu 1000 Taler verlierst?" „Gewiß, wie oft kommt cs vor, das; ivir mei- «icn, etwas sei ein Unglück, und nachher erweist es sich als Glückssall." David schüttelte mir dcni Kopf. „Doch, David, Du brauchst nicht zu schütteln, jeder kaim im eignen Leben solche Beispiele finden, wenn er nur nachdcnkt, wir können eben nur die Folgen der Dinge erkennen, wie Gott zu Möses sagte: Mein Antlitz kannst Tu nicht sehen. Ich will' Dir aber, weil Du so zweifelvotl lächelst, eine kleine Geschichte erzählen." „Das ist recht, Deine lleincn Geschichten höre ich gern." „Der berühmte Rabbi Akiba hatte sich auch angewöhnt, bei allein, was ihm begegnete, zu sagen: Auch das ist zum Guten. Einmal kam er spät gegen Abend «nit seinem Esel und einem Hahn an die Tore einer Stadt und verlangte Einlaß und Herberge für die Nacht. Der Einlaß wurde ihm verweigert. Gamsu Ictcloo, auch das ist zum Guten, sagte er und ging auf einen nahen Wald zu, um da zu'übernachten. Eine brennende Laterne erhellte ihn« den Weg. Da lani ' ein Sturm und löschte ihm die Laterne. Auch das ist zum Guten, sagte er und tappte im Dunklen iveiter seinen« nahen Ziele zu. Im Wald überfiel ein Bär seinen Esel nitd fraß ihn auf. Auch zum Glitcn, sagte er. Kaum hatte er sich in« Waloe nicdcrgelegt, als eine Katze sich auf seinen Hahn stürzte und ihn tötete, sodaß er gar nichts inehr besaß. Gamsu letowo, auch das ist zum Guten, sagte er und schlief ruhig ein. In der Nacht ivurde die nahe Stadt, die ihm die Herberge geweigert hatte, von einem Heer überfallen, ausgeplündcrt und alles, ivas darin lebte, getötet. Als Rabbi Akiba am ander«« Morgen die Trüninirrstadt sah, sagte er: Hatte ich «im« nicht recht, als ich sagte, alles was Gott schickt, ist zum Guten? Hätte ich ii« der Stadt übernachtet, «väre ich mit getötet «vorden, hätte der Sturm ««icht die Laterne verlöscht, der Bär nicht den Esel zerrissen und die Katze nicht den Hahn getötet, so hätte der Schein der Laterne, das Schreien des Esels, der Morgenrus des FRANZÖSISCH. Jede 2)ame kann sich I an dem21/2 monatig. GRATIS'KURSUS I am Tage oder abends beteiligen. I Weserstr. 7 HOPffiUl SdtlDDl BOVaUO. Tel. 1.12428. | Christ. Wilhelm Leux Telef. I, 3567. Hoflieferant. Goethestr. 21. Herren-, Damenu- Uvreeschneiderei. Spezlal-Sportgescbäft. —- - Anf Wnnsch koschere Verarbeitung. Hahns meinen Lagerplatz der plündernde» Räuberbande verraten." „Sehr schön, erzähle noch so eins," sagte David. „Mcinctivegen. Die Jude«« waren seil dem Anszug ans Aegypten immer gerade das Gegenteil; so vielmal auch die rettende Hand Gottes sich ihnen augensichtlich offenbarte, immer waren sie von Neuem.'kleingläubig' und miirrtcil." „TaS kenne ich, Chumcfch habe ich gelernt." , „Ich habe aber da ein Gleichnis gelesen, ivie inan sein soll." „Mache nur keine Vorrede««, erzähl's." „Der Führer eines Blinden sagt: Da steht ein Baun«, da antwortet der Blinde: ich glaube es ««ich«. Ter Führer geleitet den Blinde«« an den Baun« und läßt ihn durch Tasten sich überzeugen, daß ein Baum da ist. Gleich daraus sagt, der Führer: Da steht ei» großer Stein am Wege, und als der Blinde auch da wieder die 'Wahrheit der Mitteilung bezweifelt, läßt er es «Hit mit HKilden greifen, daß ein Stein daist, und daß sein Bericht wahr ist.. Einige Zeit nachher sagt der. Führer: Weit dahinten «vird eine Stadt sichtbar. Ich glaube es, sagte der Blinde. W.iriin« glaubst Du mir jetzt? fragte der Führer erstaunt, als ich Dich nach ein paar Schritte» von oer Wahrhtit meiner. Worte überzeugen konnte, hast Tu mir nicht geglaubt, jetzt, ivv der Gegenstand, den ich zu sehe» behaupte, weit entfernt ist, glaubst Dn mir. Ja, sagte der 'Blinde, weil ich zweimal gesehen habe, daß Dein Wort der Wahrheit entspricht, obgleich ich es »ich« mit Augen scheu fouiite, bin ich jetzt überzeugt, daß alte Deine Worte wahr sino." ' David machte ein böses Gesicht zu dieser Geschichte, weil er argwöhnte, cs könne darin eine Spitze gegen sei».' oft angczweifeltc Wahrheitsliebe liegen, aber er wagte cs nicht, dagegen eine Bemerkung zu machen. Unter solchen und ähnlichen Reden und Erzählungen gingen die beiden den« Heimatsstädtchen zu und verkürzten sich den Weg, der bei der herrschenden Hitze beschiverlich genug war. Der Tag neigte schon zu Ende, als Josef und David den letzten steilen Berg hinauf keuchten, der sie noch voi« Lochstadt trennte. Das Steigen zwang sie zum Schweigen, und die schrvere, drückende. Luft erpreßte ihnen Ströme von Schweiß. Als sie endlich die Spitze des Berges erreicht hatten, sahen sie die beiden auf der Jcnseite des Tales emporrageuden Bergkuppe» in dichte Wolken gehüllt. Plötzlich zackte ans dem Wolkcngcbälk ein Blitz) und ein fernes. Rollen ließ sich vernehmen. „Gut, daß ivir bald nach Hause kommen," meinte Joses, „dem« wenn das Wetter sich von den Bergen loslöst, gibt cs einen schweren Regen." Kaum hatten die beiden Wanderer ihr hcuna«- lichcö Obdach erreicht, da setzten sich die Wolkeiimas'en in Bewegung, niid unter heftigen Gewittererscheinniigen goß und hagelte es heftig, jedoch war das Unwetter so rasch vorbcigezogcn, daß Lochstadt nur die angenchme Abkühlung empfand, die >«ach einem so heißen Tage eine wahre Erquickung genannt werden unißtc. „'Wehe dem Ort, wo das Gewitter sich entlädt," sagte. Josef, „cs sieht gar zu gefährlich ans."' ‘ ~ «Fortsetzung folgt)!_-_• kbateer Jfrledricn Quelle —— Ottenbach a. K. ——— Gegen Gicht and Bheamati»mmB bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Stahl, Frankfnrta.H., Güntheraburg-AUee 37. TeL259 n. 714, Wocheu-Aalenver. (Zeitangaben nach dem Im ach.) Samstag, dm 31. Januar (= 4. Schwat.) Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr 45 Min. Sabbat-AuSgang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 05 Min. in Berlin 5 Uhr 30 Min. Wochenabschnitt: Ban. — Aus Gottes Befehl kündigt Mojes eine tz e » s ch r c ck e n p l a g e an. .Dabei gerät Pharao, der nur teilwcis Konzessionen an Israel mache» will, in Zorn und vertreibt Moses. und Ahron. Die Heuschrecken vernichten alles Grüne. Eine dreitägige Fiu > stcrn i s entsteht. Nux Israel hat Licht. Pharao will das Volk sortlasjen, nur das Vieh soll zurückbleiben. — Das Sterben der Erstgeborenen. Um Mitternacht sollen alle Erstgeborenen, hoch und niedrig, dem

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