Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1914-01-23 · Heft 3 (23.1.1914) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 3 (23.1.1914)
Date
1914-01-23
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2692297-2692872-2692875--08208-2703335
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Rt. ä km. It . ii A.-C mir «lnua vrddr ir.Ge si». uar.. ft ü d?r mi insuni Zei «saus leut katlp lüdisch ct di ptfcnci :t . ah irit de N M je «in rziger iichci t bc [ich ft ' si!?r U S i 1 Geis! ind, deutsch Borsij e heil! :fjenbci nd> ga ch Boi sönlich kannte Q bur, ft. Itfoi u Dr euer die . p nnd ib. D Wer chzeitij oercnii Mndxi lgeni -Aehai llen d iüdischi nd - d< ußers n.M ne vi iser sei vic fach - die irotmeitdige. Anlchiumg an - die Form der Familienerziehimg zu verlangen. Ae Zahl der Kinder/ in den Anstalten dürfe 25—30 nicht überschreiten, Masscnabfütterung und das System der großen Schlafsälc möge möglichst.beseitigt werden. Die Sitte, die' Waisenkinder Kaddisch für Gründer und Spender verrichten zu lassen, vermindere den Respekt des Kindes vor dem Gebet als eine Aeusterung der Pietät für die eigenen Eltern uird flöße den Kindern Respekt vor dem Gelde ein. Ein Fehler sei es, wenn die Erziehungsanstalten zu modern — d. h. mit allem Komfort der Neuzeit — ausgestattet seien, und dadurch ihre Zöglinge verhindern, zahlreiche .hauswirtschastliche Handhabungen kennen zu lernen, die sie später nötig gebrauchen. Das Korreferat hatte Direktor Guttmann- Berlin. Er behandelte mehr die pädagogische Seite. Sehr richtig verurteilte er scharf die.moderne Art der Chanukahfeier, die eine Parade sei. Nach der Debatte tiber das Thema Anstaltserziehung sprachen Frl. Sidvnie Werner-HaMburg und Frau N a s s a u e r-Frankfurt über „W ö i bl i ch e I il g c n d p s l e g e" und.Referendar O l l e ndorf-Breslau Wer „Männliche Jugendpflege" und zumi Schluß. Rabb. Warschauer- Berlin über „Religiöse Erziehung". Offenbaeher Druckluft - Anlage Offanbaeh a. H. Telefon 123. (Anschluss mit Frankfurt). Bewährteste Tapolchralnlgunp, 100.000 qm jShilich ne unübertroffene Betten- und Bettfed>‘raretnlgung mittelst Druckluft und WafworHnrmtf. Aus aller ZSeu. Deutsches Reich. Berlin. Dem. Reichstag lag ein Gesetzentwurf über die Sonntagsruhe t ui H a n d e l s g e w c rb c in erster Lesung vor, der die Sonntagsruhe noch weiter ausdchiien will (in den Büros volle Sonntagsruhe, in den Läden 3, .ausnahmsweise 4 Stunden Verkaufszeit). E r z b c r g e r (Zentrum) erklärte, daß seine Partei den sabbattrcuen Inden, wie der Entwurf es vorsieht, entgegenkommen will. Er fuhr dann fort: „Es wäre sehr gut, alle Juden des Deutschen Reichs wären sabbattreu, dann kämen wir viel besser mit ihnen aus als mit den anderen. Die gcsetzestreuen Juden werden schon die Bestiminnngei: taktvoll durchfuhren und sie z. B. nicht zum Dekorieren der Schaufenster und ähnlichem Außendicnst benähen. Die gesehcstreuen Juden sind sehr religiös. Sic ösfnen keine Briese, sie nehmen kein Geld an am abbat und das will doch schon viel heißen." L i st (Rationallib.) erklärte sich für seine Partei gleichfalls für Ansnatzmebcstimninngen für die gcsetzestreiicn Juden. Es kämen höchstens 2—3000 Geschäfte kleinerer Art in Betracht. In Holland, in Amerika und im Kanton Luzern habe cs sich gezeigt, daß solche Ausnahmebestimmungen gut gehen. — Nachdem sich auch der Koncrvative C a r wer, für die Ansnahmebcstiinmnng ausgesprochen hatte, sprach als erster G n n ß e r (Fortschr. cl® Bolksp.) dagegen. Er sagte: „lieber die Bevorzugung der jüdischen Geschäfte müssen wir uns noch in der Kommission. unterhalten. Die ausgesprochene Kontrolle,/die "her jüdische Geschäfte stattfinden soll, damit sie auch wirklich den Sabbat Heiligen, ist schlechterdings unmöglich. Es liegt zweifellos in dieser Bevorzugung ein gewisser Widerspruch zu den sonstigen Bestimmungen. Besonders . bedenklich ist die Bestimmung mit Rücksicht-auf Belebung des Antisemitismus. Es ist bedauerlich, daß wir diese Erscheinung überhaupt noch haben. Aber wir müssen doch in der Kommission eingehend prüfen, ob wir ihm hier Wasser auf seine Agitationsmühle liefern wollen." Natürlich sprach auch der Vertreter der Sozialdemokratie — es war der Frankfurter Dr. Qnarck — gegen den Paragraphen, — und jo zeigte es.sich wieder einmal, daß. wir Verständnis für unsere religiösen 'Bedürfnisse bei den Parteien jjer Rechten und nicht denen der Linken sinden. Berlin. In der ersten Sitzung der R'präsentanten der „Adas; Jisrocl"-Gemeinde hielt Prosessor Dr. Berliner eine längere Rede, in der er von dem Phantom einer Weltorganisationder Orthodoxie sprach. Es sei durch die Gründung der Agudas Jisroel innerhalb der gesetzestrenen Judenheit eine Spaltung cingetreten, über die man nur trauernd das Haupt veri in dl hüllen könne. Auf der einen Seite berufe man sich auf die talmudischen Größen Rußlands, die doch aber bei all', ihrer Gelehrsamkeit und Frömmigkeit für Fragen des Kultus und' der Kultur, für System und Organisation nichts bieten können. Auf der anderen Seite sei auf ureigenstem Gebiete eine Gegnerschaft entstanden, wie sie nicht -erbitterter gegen die eigenen Brüder anftreten könne. Die Gegnerschaft Rabbiners Dr. Breuer und seiner » - w Anhänger wisse, trotzdem sie usrprünglich gemeinsam mit den andern das erste Projekt der Agudas Jisroel gefaßt-habe,-heute.-kein anderes Urteil zu fällen, als die Worte: „Schon krächzen die Raben um Agudas Jisroel." - Caie Bacaenneimnr , Warte Eratklaaafgaa FamiUon-Oafö. —— - MF*. Massige Preise. *VW Besitzer: Ennat Dunkolm Frankfurter Israelitisches FanrilieWlatt. Perio»aiie» «. Kleine Mitteiluuge». verli«. Die Mendelssohn.Toleranz-Stiftun g — Jury: Geh. Regierungsräte Prof. Dr. Hermann Cohen und Ludwig Geiger und Geh. Justizrat Dr. Eugen Fuchs — erteilte von 27 eingetanfenen Arbeiten der von Dr. Aisred Woiff-Beriin den 1. Preis und der von Prof. Dr. H o r o witz-Charlottenburg, den 2. Preis. Berlin. Ptvf. Dr. Bter erhie-t den Roten Adterorden 2. Klasse mit Eichenlaub. Lffenbach a. M. Der Neubau der Synagoge ist jetzt so weit gediehen, daß an die Innenausstattung gedacht werden kann. Der Opfersinn unserer Gemeinde gibt sich dabei in schönster Weise kund. Eine Liste zur Stiftung von Gegenständen für die Jnnenansstattung, die zur Zeit zirkuliert, 'weist bereits namhafte Beträge auf. Llkenyetm bei Bingen D r Grotzherzog har den Abraham Wolf'scheu Ehelenten anläßlich ihrer gol- - denen Hochzeit sein Bild in goldenem Kranz mit Unterschrift überreichen lassen. Trier. Witwe Abrabam Samuel vollendete in körperlicher und geistiger Frische das 100. Lebensjahr. iL.) Posen. Der im 80. Lebensjahre verichiedene Israel Asch wirkte Jahrzehnte hindurch in der Leitung verschiedener Wohltätigkeitsvereine. Im Alter von 104 Jahren starb in Wiclnü die Witwe Malta L n b i cf a. Sie hinterließ 248 Enkel, Ur- und Uritrcnfel: Wien. Mendel Beilis. der unerkannt von K'ew dis zur Grenze gefahren war, wurde in der galizischcn Grenzstadt Podwoloczyska von 3000 Juden unter großen Ovationen begrüßt. Eine Anzahl Personen begleitete ihn bis nach hier. Hier in Wien ist er nur ein Tag verblieben. Erwirb in Jafsa seinen Wohnsitz nehmen. Wien. Em Mitarbeiier der „Neuen Freien Presse" hatte mit Beilis eine Unterhaltung. Beilis sagte n. a.: „Die Kinder müssen eine gute Erziehung bekommen, gut und fromm. Ich bin nicht so gewesen; erst im Gefängnis habe ich begonnen, tief an Gott zu glauben, — und Gott. hat mir geholfen. Wir fahren nach Jaffa. Dort will ich mich als Landarbeiter und Gärtner beschäftigen, wie es früher mein Fach war." ** Buoapest. Julius Klein, Direktor der Ungar. Allgcm. Kreditbank, erhielt das K o m t u r k r e n z des Franz Joseph-Ordens mit dem Stern. *4 Paris. Der int 96. Lebensjahre verstorbene General Brisac hatte von 1841 bis 1879 alle Feldzüge mitgemacht. Paris. Der wackere General Picauart, bekannt durch das Einsetzen seiner ganzen Persönlichkeit, in dem Justizverbrechcn gegenüber dem Kapitain Dreyfus, ist — 60 Jahre alt — infolge eines Unfalles — er wurde vom Pferde geworfen — verschieden. Petersburg Der hier jüngst verstorbene Grilliches, Medailleur der kaiserl. Münze, ist jetzt nach seinem Tode zur Anerkennung gekommen. Die Weltausstellung in Gent hat eine seiner Arbeiten ausgezeichnet, und die Gesellschaft der Medailleure in Gent hat diese Arbeit zu hohem Preise angetanst. Selbstverständlich hat Grllliches Famllie nach seinem Tode das Wohnrecht in Petersburg verloren. RewAork, Nathan Barnert in Paterson (Pcrsey) spendete 1 Million Dollar für ein interkonfessionelles Spital. Bariirrt wurde 1838 in Santomischcl (Posen) geboren. Er errichtete in Paterson die hebräische Freischule und eine Prachtsynagoge. Auch für Palästina, besonders^ für das Jerusalemer Diskin'sche Waisenhaus, hat er viel gespendet. Er war einige Male Bürgermeister in Paterson. Neu eröffnet! Cafe Corso; Ecke Kaiserstrasse und Moselstrasse. Franz Kr ist. Frankfurter Berichte. „Moutefiore" - Berel». Es muß dem Vorstand des Vereins Moutefiore rühmend nachgesagt werden: Er stellt die geistige Kost für seine Mitglieder ans den verschiedensten Gebieten zusammen und ist so bemüht, die Mitglieder nach jeder Richtung hin zu belehren. Vergangenen Mittwoch sprach Herr Assessor Dr. Berliner: ,-Ueber die staatsrechtliche Stellung der israelitischen R e l i g i o n s gcm e in d en in D e u t s ch l a n d", ein recht interessantes Thema, das leider noch zu wenig beachtet wird. Der Redner machte uns bekannt mit dem für die israelitischen Gemeinden in Deutschland geltenden Rechtszustande. Diese Gemeinschaften sind regelmäßig Korporationen des öffentlichen Rechts und genießen als solche gewisse Bevorzugungen seitens des Staats, der sich für sie interessiert, weil sic schon mit Rücksicht ans die sittlichen Lehren ihrer Religion zu den staatserhaltenden Elementen zählen. Bemerkenswert sind zunächst die Ausführungen bezüglich der Geistlichen, die zu den sog. mittelbaren Staatsbeamten zählen und sich besonderer geistlicher Standesrechte erfreuen. Weiter sind aus dem reichen Inhalte zu erwähnen: Gewährung von Dotationen aus Staatsmitteln an jüdische Verbände, Befreiung von Stempel und Abgaben, Zwang zur Gemeindemitgliedschaft, Austritt aus Kirche bzw. Shnagogengememde, parlamentarische Vertretung der reichsländischen Juden in der 1; Kammer Leite 3 durch ein Mitglied des Straßburger isc. Konsistoriums, Vereidigung jüdischer Rekruten in der Synagoge,-Staats-' - aufsicht, kirchliche Vermögensverwaltung. In der Diskussion brachten Dr. med. Hanauer, R.-A. Horovitz und Dr. Ettlinger noch eine Reihe recht interessanter Momente zum Thema vor. Jüd. Wanderbund. Der I. W.-B. setzte ani verslosscnen Sonntag seine Wlntertätigkeit durch eine Wanderung von Oberursel nach Sandplacke», Homburg fort. Die in respektabler Anzahl erschienenen Teilnehmer zogen mit frischen, geröteten Wangen über die teilweise verschneiten, teilweise vereisten Wege dahin, in lustiger Stimmung und sröhlichstcr Laune, jüdische Wanderlieder singend und mörderische Schneeballschlachten veranstaltend. Berel« „Edle Tat'. Der seit 27. Jahren bestehende Verein erfüllt eine wichtige soziale Aufgabe innerhalb der Israel. Gemeinde. Für die meisten Familien wird der Schmerz bei einem Stcrbcfall gestört durch die materielle Sorge, die der Tod im Gefolge hat. 'Alles, was zur letzten Ehre nötig ist, kostet Geld und zwar viel Geld. Da kommt denn der Verein „Edle Tat" und nimmt die Sorge.. Er zahlt 200 .ii. Sterbegeld, 20 -ih Schiwogeld, stellt zwei Wagen bei der Bcerdigimg und Mini an während derSchiwo. 'Aber noch eine andere für viele wertvolle -Einrichtung - hat der Verein: einen eigenen Gottesdienst an den hohen Feiertagen. Das Raffenprobkem. 'Als Einleitung zu seinem am kommenden Sonntag stattsindendeu Bortrag über die jüd. Rasse sprach am 18. Jan. Theo Harbnrger im Verein „TisereS B a ch u r i m" über Rassenprobleine. Redner übte Kritik an den Ansichten Gobineaus und Chambcrlains, die die arische Rasse allein als wertvoll hinstellen und namentlich die Inden in ihrer Gesamtheit «Sä minderwertig bezeichnen. Er sprach sodann über die Auffassung, die man im Zause der Zeiten von den Rassen gehabt hat. Auch die Einteilung der Menschen nach Hautfarbe und Schädelform habe sich nicht als berechtigt er- . wiesen. Wesentlichen Einslutz aus die Rasse übe die Umgebung aus. Mit dem Maß der Freiheit ändern sich die Körpererscheinungen, und ebenso sei auch die geijnge Entfaltung wesentlich abhängig vom Milieu — An der lebhaften Diskussion beteiligten sich namentlich Dr. W. Hanauer und Dr. G. Löffler. Paradies und Hölle im jüd. Schrifttum. Rabb. Dr. Lewenstein -Zürich sprach in der „Jüd. Frauenvereinignng" über ein Thema, ÜaS in das Gebiet des Ucbersinnlichen übergreift und daher in unserer Zeit recht eigentlich modern ist. „Paradies und Hölle", — wie steht die jüdische Weltanschauung zu diesen? Redner beschästigte sich zuerst mit den beiden Begrissen- Das Wort „Paradies" stamme aus dem Persischen und sei in das Hebräische und Griechische übergegangen. Der eigentliche hebräische Ausdruck laute Gau Eden. Das Wort „Hölle" — die „Schwarze" — gab es im Hebräischen nicht; es werden nur Lehnsworte (so Geihinnom — Hinnomstal) dafür gebraucht. Redner behandelte nun die vier zusammengehörigen Begriffe „Paraadies, Hölle, Wiederbelebung der Toten, und zukünftiges Leben" bei unseren drei größten Religionsphilosophen, bei Saadja Gaon, Maimonides und Nachmanides. Es war hoch interessant, die ganz verschiedenartige Auffassungendieser drei kennen zu lernen. , Kleine Notizen. Börsenmakler Holzmann erhielt den Roten Udlerorden 4. Klasse. Sonntag nachmittag 3 Uhr wird Oberkanlor P. Bln- - m e ns c l d aus Rumänien im Lokal des Mekor Chajim —■ Langestratze 18 — ein Konzert geben. Dcni vom Ausschuß der israelit. Gemeinde ausgesprochenen Wunsche entsprechend, hat sich der Vorstand mit der Vermehrimg der Mitglieder der Ritualkommission um zwei einverstanden erklärt. Dr. med. Simon Fromm und Willy Mainz sind imnmehr noch in die' Ritualkommission eingetreten. Auch die Syuagogenkominission in der Börneplatz-Synagoge ist vergrößert worden. Christ. Wilhelm Lei» Telef. I, 3667. Hoflieferant. Goetbeatr. A» Herren-, 2)amenu. Uvreaschneiderei. Spazlal-Sportgascbäft. —, .■ 1 Auf Wunsch koschere Verarbeitung. --■- Feuilleton, ü Ei» Gelübde. Roman aus dem jüdischen Gemeindeleben. Bon S. Laß-Mannheim, (Fortschimg.) 6. Kapitel. . Simon fühlte sich erleichtert, daß er wenigstens nicht ein feierliches Gelübde zu brechen gezwungen war. Da er von der Lieferung einer Sefer Thora durch die Entscheidung des Lehrers losgesprochen worden war, gab er in jede der in der Gemeinde bestehende« Wohl-- tätigkeitsbüchfen 18 Heller, und nach der anchr «r Per °

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.