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Neue jüdische Presse · 1914-01-16 · Heft 2 (16.1.1914) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 2 (16.1.1914)
Date
1914-01-16
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Heile Ü; Nr. 2 , Frankfurter Israelitisches FamrlieMatk. S besonders .berufen ist.—Wenn, es-dem-Misrachi. ge- , 'dieser großen und schweren Aufgabe. Herr zu werden, so/'wird er. dadurch .die Stellung in Palästina und^ im Zionismus erreicht .haben,, die', ihm, als. .dem ^Träger des alten Tauroidcals in der ,nodernen> jüdischen Volksbewegung zukommt. An den mit lebhaftem Beifall der Versammlung ausgenommeneu Bortrag schloß sich noch eine rege Diskussion, äu der sich Dr. Fink, W. Möller, Dr. Blau und Dr. Frank beteiligten. Die in der Versammlung veranstaltete Saminlnng ergab einen Ertrag von ca. .lL, 300 für das neue Schulwerk in Palästtna und brachte unserer Misrachigruppe außerdem eine Anzahl neuer Schekelzahler. M. Ettinger §öline PeJzhandlung und Pelzkonfektion. Anfertigung nach neuesten -r— Pariser and Wiener Modellen.-- Frankfurt a. M. Langestrasse 31. Telephon Amt I, 5281. A»S De« vereine«. Alton«. Im Israelitisch - Wiffenschafilichen Verein sprach N a ch u m G o l d nt a n u - Franksilrt über das neue jüdische Leben in Palästina. Redner schilderte in fesselnder Weise beit Werdegang der Kolonisation Palästinas und entwarf ein getreues Bild von dem gegenwärtigen Stand der Kolonien sowie von den Schulen. Er gedachte zunächst der Schulen, deren charakteristisches Merknial es ist, daß sie das Hebräische als Sprache heranbilden, an der Spitze das Jaffaer Ghmnasiuni, dessen religiöser Standpunkt jedoch sehr zu verurteilen ist. Die Schulen des Hilfsvereins und der Alliance werden leider nicht nach rein pädagogischjüdischen Prinzipien gelehrt, svdaß sie kranken an einer gewissen Politik. Die Schulen der „Freien Vereinigung" sind als gute jüdische Volksschulen anzusehen, haben aber den Fehler, nicht in I c r u s a l e m zu sein. Es ergibt sich daher die Notwendigkeit der Gründung jüdischer Volksschulen ans religiöser Grundlage. ' Dem interessante» Vortrag schloß sich eine rege Diskussion an. Emde«. Der jMontesiore-Verein Emden hat in seiner Generalversammlitng einstimmig beschlossen, ab 1. Jamiat 1914 aus dem Verbände jüd. Jngendvereine Deutschlands auszutreten. Bvdopeft. Die Ung'ar. Misrach i-Organisation erklärte sich mit dem Borgehen des Zion. Nationalkomitees in Sachen des Schulstreites in Palästina vollkommen einverstanden. Frankfurter Berichte. Frauen Vereinigung der Kranlf«rt.Loge. Die Franenvereinigung der Frankfurt-Loge beging jüngst ihr zehnjähriges Stiftungsfest. Die akademische Feier nahm einen würdigen, stimmungsvollen Verlauf. Dem Harmonimnspiel und Gesang folgte ein einleitender Vortrag von Frau Ella S e l i g m a n n „Wandlungen im Leben, der jüdischen Frau", dem sich ein Vortrag von Frau M a r t h a S ch l e s i u g e r „Zehn Jahre Arbeit" anschloß. Die Großlogc hatte mit Justizrat Apfel-Cöln zum ersten Male einen ofsiziellcn Vertreter zu dem Feste einer Franenvereinigung entsandt, verschiedene andere auswärtige Logen waten gleichfalls durch Delegierte vertreten. Dem Festmahl nach der akademischen Feier folgte die Ausführung eines Festspieles „Die Ueberweiber" von Er- 1v i n S e l i g in a n n, das, von A l f r e d H a u k vorzüglich cinstudicrt, großen Beifall bei den Zuschauern anslöste. Gemütliches Beisammensein und Tanz beschlossen die wohlgelungene Feier. Nach Ablauf von zehn Jahren.kann die Frauenvereinigung der Franksurt-Logc auf ersolgreichc Arbeit zurückblicken. Die Mitgliederzahl wächst stetig und ist jetzt auf ca. 500 gestiegen, davon sind mehr als 100 Frauen tätige Mitglieder. Die Arbeitsgebiete der Frauenvcreinigung geben ein Bild vielseitiger 'Wirksamkeit. Das soziale Komitee widmet sich der Haus- Pflege in bedürftigen Familien — entweder in Verbindung mit denc Frankfurter allgemeinen Hans- Pflegeverein oder sür sich allein in solchen Fallen, in denen die allgemeine Hauspflegc statutengemäß nicht eintreten kann. In den beiden letzten Jahren wurden gemeinsam mit dem allgemeinen Hauspflcgevercin 183 Fälle behandelt, von dem sozialen Komitee allein 200 Fälle. (Sin Kleiderdepot versorgt bedürftige Frauen und Kinder mit Kleidern, Wäsche, Stiefeln usw. Es sind in den letzten 2 'Jahren 412 Familien auf diese Meise wirksam unterstützt worden. Die Kinder-Sparkasseueinrichtung hat einen erfreulichen Aufschwung genommen. Die Sparkassen finden in den Kinderstuben ihr Plätzchen. Bis jetzt sind ca. 330 Kassen verteilt. Der Ertrag der Kassen ist für die Kinder-Wohlfahrtspslegc bestimmt. >Eine gemeinschaftliche -Schöpfung der Frauenvereiniguug und der Frankfurt-Loge ist das „Israelitische Mädchen heim". Zur llnterhaltung desselben hat sich jetzt ein selbständiger E. V. gebildet. Demnächst wird das Mädchenheim aus seiner provisorischen Wohnung in ein ' eigenes. Haus übersiedeln, das cä. 50 Mädchen eine zweite Heimat bieten soll. Schon vor mehreren Jahren hat die Frauenvereinigung eine Hugerrdgruppc ins Leben gerufen, die sich bald zch einer, selbständigen Institution entwickelt.hat. Bon: : den--Mitgliedern — ca. 250 junge . Mädchen — höben edväi 60 soziale Arbeit überiwmmen. Sic Helsen in Volkskindergärten, Krippen, Kinderlesehallen, Kinderhorten, Suppenanstaltcn, Milchküchen, und bei Kinderausflügen. Mehrere geben unentgeltlichen Musik-, Sprach- und Nachhilfe-Unterricht an arme Kinder: einige schreiben Blindenschrift. In einem regelmäßig stattfindcndeu Nähkursus werden Kleider und Wäschestücke für das Kleiderdepot der Frauenvercinignng angefertigt. In Krankennud Sicchenhäusern, Irren- und Blindenanstalten und Jugendpslegcvereinen erfreuen die jungen Mädchen durch musikalisch - deklamatorische Unterhaltung ihre dankbaren Zuhörer. Vortrüge, religionsphilosophische Kurse, Bibcllesen, allgemein wissenschaftliche Kurse, ein Zeitungsleseknrs u. a. m. dienen zur geistigen Fortbildung der jungen Mädchen. Die Frauenvercinignng ist bemüht, ihren ÄMgtiedern reiche, geistige Anregung durch regelmäßige Vorträge auf allen, die jüdische Frauenwelt interessierenden Gebiete» zu geben; auch Tee-Nachmittage mit Rezitationen und kurzen Referaten werden aus vielfachen Wunsch der Mitglieder veranstaltet. ■ Dem jüdischen Frauenbund und dein Bund deutscher Fraiienvereine ist die Franenvereinigung angeschlosfcn. ebenso dein Verband Frankfurter Frauenvereine. Im November 1912 gelang cs der Frauenvereinigung. einen langgehegten Plan zu verwirklichen, gemeinschaftlich mit anderen Frauenloge», die Frauenvereinigungen der ll. O. B. B. - Logen zu einem Verband znsammenzuschließen. Durch diesen Verband soll einmal die Einheitlichkeit aller Fraiienbestrebnngcn innerhalb der Logen zum Ausdruck gebracht und andererseits ein ständiger Gedankenaustausch zwischen den einzelnen Organisationen vermittelt werden. Ein engeres Zusammenarbeiten von Männern und Frauen auf erzieherischem und charitativem Gebiete wird vor allem angebahnt, und Anregung zu Neugründnngeu von Frauenvereincn der Logen und sozialen Nenschöpsiingen im Sinne der Logen sollen gegeben werden. Der Verband hat sich als korporatives Mitglied dem Jüdischen Frauenbund angcschlossen. Zion. Jugendgruppe. Am 12. d. M. hielt Herr Sundheimer einen Vortrag über das Thema „I i o b und Faust". Redner meinte, daß, als Goethe sein geniales Drama schrieb, ihm Hiob vorschweble: denn zwischen dem Faust Goethes und Hiob besteht eine starke Aehnlichkeit. Beide verkaufen sich dem Satan. Hiob aus physischen Gründen, Faust ans moralischcn. Beide geraten in Berzweifelung und kommen dadurch zur Lästerung Gottes. Darauf zitiert der Redner einige Stellen aus dem Buche Hiob und aus Faust. Wir sehen also, wie unerschöpflich die biblischen Quellen sind, daß sogar der genialste Dichter sich an sic anlchnen mußte, als er sein größtes Werk Leider schenkte das Publikum dem Redner keine große 4lusmerksamkeil, was wohl darauf znrückzusührcn ist, daß der Redner wegen Mangel an Zeit seine Ausführungen in gekürzter Form und in etwas schnellerem Tempo Vorbringen mußte. Zum Lobe des Vorstands muß gesagt werden, daß er solche interessante und lehrrcickw Vortrüge für die Jngendgrnppe besinnlich Allerdings müßten für solche Vorträge ganze Abende eingeräumt werden, damit sie nicht beiläufig nach einem Geschichtsvortrag gehalten werden müssen. Dasselbe war auch vor ungefähr drei Wochen, als Herr stad. jur. HaaS seinen Vortrag über „Unsere Stellung zu den Parteien" hielt. Es ist ja dem Redner unmöglich, aus solch ernstes Thema näher einzugeycn, wenn die Aufmerksamkeit des Publikums schon eine Stunde in Atisprnch genommen worden ist. K. O. Ausschutz der Israelitischen Gemeinde. Der Ausschuß wählte in seiner 11. Sitzung Dr. R. Merzbach zum Vorsitzenden und Dr. W. Hanauer zum stellvertretenden Vorsitzenden. E l i M i ch a e l wurde in die Ritualkoinmission und in das Pflegeamt des Gcmeindehospitals delegiert, EliaS O p p c nh cimer in die Höchbergstiftung, Prof. Dr. Gräffenberg und Dr. Katzenste in in die Religiousuntrrrichtskommission, Dr. W. Hanauer in die Örganisationskominission und die Baukommissiön des Hospital-NcnbauS, in letztere Kommission auch Dr. Hanau und Dr. A. Bärwald. Der Ausschuß nahm davon Kenntnis, daß das Verwaltungsgebäude des .Hospital-Neubaus am.15. Januar, das .Wirtschaftsgebäude am 1. Februar und das Jnfektionsgebäude am 15. Febr. fertiggestellt ist. Als letzter . Punkt der Tagesordnung betraf einen alten Streit. Der Schulrat des Philanthropin erklärt sich zur Rechnungsäblage nicht verpflichtet/ ist aber unter Betonung dieser Nichtverpflichtung bereit Rechnung abzulegen. Der Ausschuß' wählt eine Unterkomniissioii zur Prüfung der Frage. Berei« für jüd. Geschichte und Literatur. Mttwoch abend wird Otto Bernstein, Mitglied des Neuen Theaters, im „Verein für jüd. Geschichte und Literatur" rezitieren ifcnd'zwar aus Martin Ander, Arthur Silberglcit, Abraham Reisen, Richard Bee-Hofncann, I. Löwenberg und Rubens Brandes. Samson Raphael HirschGedenkfeier. Anläßlich . der 25. Wiederkehr des Todestages von Samson. Raphael Hirsch s. Ll. veranstaltet die Vereinigung zur Pflege jüdischer Lebensanschaunng „R a ch l a ß Z w i" am Sonntag, .25. Januar, Sy2 llhr abends, im Saale des Hochscheu Konservatoriums, Eschersheimer Landstr. 4, eine größere Gedenkfeier, in deren Mittelpunkt eine Gedächtnisrede von Rabbiner Dr. A. Klein - Mrnberg stehen wird. Im Hotel „Türkattr".*) „Wenn Ihr -billig' und doch fein '•> unterKitniüÄ wollte, so verlaßt Euch aus mich," , sägte mein'Kutscher zu mir und führt mich vor ein zweistöckiges' Haus mit arg beschädigter Fassade, das in großen Buchstaben die Aufschrift trägt : „Hotel Türkalia": Er klopft mit der Peitsche an die Tür und schreit: „Nojech! Nojech! Wo stecht Du denn, zum Teufel! Mach auf! Ich habe Tir einen Hecht gebracht V* Tie Tür geht aus, und es erscheint der gerufene Nojech, der Portier des Hotels. Er packt meinen Koffer und trägt ihn ohne weiteres tu den zweiten Stock. Sowie wir oben sind, fragt er: ' . . „Was für ein Zimmer wollt Ihr'? Mit Gesang oder ohne'?" „Gesang?" „Ja, Gesang. Bei uns wohnen nämlich die Schauspieler vom jüdischen Theater und außerdem ein Chasen») aus Litauen mit zwölf Chorknaben. Sie sind zum Sabbat hergckoinmen. Es soll kein übler Chascn sein, sagt man. Eine Rarität von einem Chasen!" „Tas kann ja sein, daß er eine Rarität von einem Chase» ist. Aber ich verzichte. Gebt mir ein Zimmer vhne Gesang!" „Wie Ihr wollt," sagt Nojech, der Portier. „Ich kann» Euch auch ein Zimmer ohne Gesang geben. Mer ivemi's Euch dort nicht ganz paffen sollte, so will ich. dann keine .Berantlvortung haben." „Was versteht Ihr unter „nicht ganz paffen"?" frage ich ihn mißtrauisch. „Na, zum Beispiel," antwortet er, „wenn's Euch beißen sollte." ' „Wer soll mich beißen?" „Wer Euch beißen soll? . . Ich sicher nicht:' Es wird schon welche geben, dir Euch beißen werden. Man hat erst vor kltrzem gereinigt: vor Pejft sach. .Aber es hilft nichts. Auch Petroleum nicht," „Wenn dem so ist, dann lieber schon mit Gesang," — sage ich. Nojech, der Portier, führt mich nun in ein sinsteres Zimmer, in dem es nach frischen, erst abgezogenen Häuten und faulen, verschimmelten Gurkend riecht. Und ehe ich mich noch zurechtfinde, packt er irgend etwas und kolpft darauf los, so etwa, wir man ein Kissen klopft, das man fiit jemanden zu seiner Behanglichkeir Herrichten möchte. Tabei schimpft er mörderlich: „Tu Lümmel! Tn Schwein! Du Ochs! Gleich kriegst Tu noch eine über Deine Fratze, daß Dir alle Zähne herausspringen! Alle Welt kommt von der Bahn, und er legt sich mit den Stieseln ins Bett, streckt' sich aus, wir bei Vater zn Haufe aufs Heu, macht'» sich'» bequem! Ein schöner Diener das! .Hast noch keine Zeit gehabt, die Läden zn öffnen? Den Samowar anfzustellen? Den Schauspielern die Schuhe An putzen? -Beim Chasen und bei den Chorknaben rein zn machen? Noch keine Zeit gehabt, Mojsche Mordche? Was? .Hol Dich der .Henker!" Erst jetzt erblicke ich den Menschen, den alles das angeht. Es ist ein baumlanger Kerl mit großen,. gut gefetteten Schuhen, — und nun begreife ich auch den Geruch im Zimmer . . . Er steckt übrigens die. Ohrfeigen des Portiers ganz ruhig ein, streicht, sich mit den Fingern über die Lippen, als ob er damit nichts zn tun hätte, und dann öffnet er die Fensterläden, glotzt mich an und beginnt fröhlich zn „Vielleicht wißt Ihr, warum er lacht!" sagt der Portier zu mir. „Wahrscheinlich freuen ihn die Ohrfeigen auf nüchternen Magen! Scher Dich zum Teufel, Tu abscheulicher Kerl! Tu Kartoffelfresser! ' Tu Lokschenschlinger! Tu Bretzelmarder! Noch ein Hieb in den Nacken, und Mojsche Mordche fliegt zur Tür hinaus. „Ein ganz ordentlicher Junge," sagt dann der Portier zu mir, „nur ein wenig faul und schläfc zn fest. Ohne Ohrfeigen ist er nicht zn wecke». Sonst aber arbeitet er wie ein Esel.' Und'was er' verdient,, gibt er seiner Schwester. Ich habe es kaum brr ihm durchsetzen, können, daß er sich ein paar.neue Stiefel machen ließ . . Was wollt Ihr zum Tee habe»? Frisches Gebäck, Bretzeln, Mohnbrötchen oder vietleichi gar Berditschewer Prenseln?" *) Aus dem soeben erschienenen Buche „Die ver l v r e n e S ch l a ch t, humoristische Erzählungen von Scholem Ale ich cm. (Pappband 2 Mk., Leinen-' band 3 Mk.) Berlin, Jüdischer Verlag." . x) Kantor, Vorbeler.

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