Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 1 (9.1.1914)
- Date
- 1914-01-09
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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(Sin aus 3ßitg!id)CEn der beide» vereinigten Verbände bestehender Ausschutz würde gebildet zur Regelung der gemeinsamen Arbeit. Dem Ausschuß gehören an: L. Perlmutter, Direktor Dr. Lange, H. Fraukenth a l - Frankfurt, Dr. Bibcrfeld, Dr. Moses-Berlin und Ettliuger--Karlsruhe. Jnbezug aus das Kartell-Verhältnis mit! dem B. j. A., den Moria-Jugcndgrnppen und anderen gesetzestreuen Verbänden wurde folgender Antrag angenommen: Der Zweck des Kartells ist: - 1. Dahin zu. wirken, daß Reibungen unter den gcsctzestreucu Verbündeten vermieden werde», zn verhindern, daß von den au einem Ort bestellenden Einzclvereineu - konknrrcuzwcise gewisse Veranstaltungen eingerichtet werden und zu veranlassen, daß Veranstaltungen, bei denen dies möglich ist, gemeinsam eingerichtet werden. 2. Eine starke Vertretung der gesamten gesetzestrenen Jugend nach außen zu schassen. Z. Vereine, die einen bestimmten Zweck vertreten, insbesondere Limud-Hatauro, Palästina-Arbeit und die im Sinne eines dem Kartell angehörendcn Vereine wirken, zu sördern und eventl. deren Neugründung - zu unterstichen. In der Kommission zur Gründung von Mädchengruppen wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: - ■ \ Um die weibliche jüdische Jugend vor den destruktiven; Auswüchsen moderner Kultur zu schütze», ist die Pflege - der altüberlieferten jüdischen Ideale, im Kreise jüdischer } junger Mädchen, eine gebieterische Notwendigkeit. Diese Tatsache erheischt den organisatorischen Zusammenschluß! der weiblichen gesetzestreuen, jüdischen Jugend innerhalb j der A. J.-Jugendorganisation. Die Fonn des Zuj sammenschlusscs der Atädchcn richtet sich nach den lokalen i Verhältnissen. Die A. J.-Aiädchengruppen erwarten von f der A. J.-Jugendorganisation die kräftigste Förderung : ihrer BestrÄungen. Die A. J.-Mädchengruppe rechnet auf die Mitarbeit - der Mädchen aller Kreise. Als Ausgaben betrachtet die A. J.-Mädchengruppe: . 1. Die Erziehung der Mitglieder im Geiste der t Thauro durch Kurse in Tnach, Dinttn, jüdischer Geschichte.? hebräische Sprache, sowie durch Borträge über aktuelle z Fragen. i 2. Orientierung der Mitglieder über Stmid -und Auf- - gebe der großem sowie der A. J.-Jugendorganisation. - 3. Pflege der Palästinasürsorge ü» thaurotreucn Sinne. - 4. Gesellige Veranstaltungen zur Förderung des cngc- : ren Anschlusses der Mitglieder untereinander. | 5. Kurse im Wirtschaftsleben. i 6. Propaganda: ->) Heranziehung der weiblichen Jugend gleich nach chrer Entlassung aus der Schule, I,) Gcwinmmg der jungen Mädchen, der aus dem Osten ««gewanderten Familien. c) Die A. J.-Mädchcngruppcn . der Großstädte erachten es als ihre vornehmste Pflicht, mit den jüdischen Mädchen der umliegenden kleineren Gemeinden in Fühlung zu treten. 7. Soziale Arbeit soll gemeinsam mit den an den Orten bestehe,wen jüdischen Fraucnvcrcinen geleistet werden. . * / Sonntag vorinittag fand bei starker Beteiligung die « öffentliche Schlußsitzung statt, die in ihrer - ganzen Anftnachung einen nachhaltigen Eindruck hinterj ließ. j Der Vorsitzende cröffncte die Versammlung mit Worten ° 'des Dankes an die Referenten, Berbäiwe usw. und kony skalierte, daß die Jugendorganisation sowie eine Mädchcnorganisation nunmehr bestehende Tatsachen sind." : Darauf ergriff Martin Feist das Wort zu einem ' Referate über „Die Jugendbewegung der Agndas Jisrnel". Der Reserent gab einen klären Ueber- 3 blick Äer die Arbeit der Tagung und schloß seine Aus-" z führungen hoffnungsfroh und siegesgewiß: „Wie wir dem i! Chanukalenchtcr Licht für Licht' hiuzufügen,. so werden z sich unserer Organisation Stadt für Stadt, Land für Land 7. anschlietzen, bis die Menora in vollem Lichterglanze crl strahlt." i Wolf Jacobson-Hamburg referierte über „Un- ) sere Weiterarbeit". In trefflicher Weise verstand er es, das Publikum zu fesseln und die Jugend für L das die Agudasarbeit beseelende Thora-Ideal zu begeistern. . Von der Versammlung herzlich begrüßt, richtete nun Adolf Stern im Namen des Provisorischen Komitees ■ ein paar tiefempfundene Schlußworte an den Jugendtag. i Die Jugend möge trotz mannigfacher Widerstände in der . Arbeit nicht erlahmen. Den Ausgleich etwaiger Gegenl sätze möge man den Führern überlassen; er wird sicherlich , gefunden werden. Der Baum wird die Winterleiden glücklich überdauern, und seine Früchte werden den späteren Gcneis rattonen zu Gute kommen. ü ' Jakob Rosen heim schloß sich diesen Ausfüh-! rnngen an. Er betonte, daß die anerkannten G'daulc [ Jisroel der Diaspora, an ihrer Spitze der G'daul Hadar! Zttckbi David W:iedmann, es sind, von denen die.Leiter! der Aguda in ihrein galten Tun und Lassen bestimmt l' werden. s. , Damit erreichte unter gewaltigem Jubel der Teilnehmer der erste Jugendtag der Agudas Jisroel seinen » harmonischen Abschluß. Eeke Kalserstrasge und Moselstrasse. Fr am* Krimi* Mrs aller Welt. Oesterreich-Ungar». Wien. Der von der Zentralstelle für das jüdische Armcnweseu in Wien veranstaltete Vortrag der Frau Stephanie Forchheimer- Fialla aus Frankfurt a. M.» der vor einem dichtgedrängten Auditorium stattfand, zeigte ein vornehmes gesellschaftliches Bild. Rcdnerin bot in ihren cinstündigeu fesselnden Ausführungen zunächst einen geschichtlichen lleberblick über die Entwicklung der sozialen Franenarbcit, erörterte dann die Aufgaben des „Jüdischen Frauenbundes" in Deutschland, der heute 7 60 Vereine mit 35Q00 Einzelmitgliedcrn umsaßt,. und gab die Anregung, daß amh in Wien, respektive Oesterreich, durch die Zentralstelle und im Anschluß, an den von ihr bereits geschaffenen organisatorischen Sammelpunkt die Gründung eines solchen Bundes eingclcitet werde. Die Diskussion . der angeregten Fragen, au welcher auch die in. Wien anwesende Vorsitzende des „Jüdischen Frauenbundes", Frl. Berta Pappenheim-Frankfurt a. M., tcilnahm, fand einige Tage später statt. Universitäts-Cafe Bocw"X,m"r ■ Ermtklammlgoa Famlllen-Oafö. - ■V* Mflssige Preis«. Besi'zer: Ernat Dunkol> Perdo»»Ue» u. Kleine MttteUuuge». Frankfurt a M. Wie uns Dr. Hugo Salbendi (Oederwcg 3, Postscheckkonto 6406,/ mitteilt, setzt er die Sammeltätigkeit seines Vaters s. A. fort und läßt auch das „Spendenverzeichnis für alle Zweige jüd. Wohltätigkeit' in unversicherter Fonn weitererscheinen. Die nächste Nummer mit einer Wirdigung des Lebenswcrkes seines Vaters wird Mitte Januar erscheinen. Berit«. Julius Freund, vekannt als Verfasser der im Metropoltheater unter der Direktion Schultz aufgcführteu JahreDrcbue - Operetten, ist — 51 Jahre alt — in Garmisch - Partenkirchen verschieden. Berlin. Jüdische Typen in der Kirche! Dicilstag fand in der Dreifaltigkeitskirche die Trauung von Frl. von Friedläuder-Fuld, die reichste Erbin Deutschlands, mit Honourablc John Mitford, Sohn Lords Rodcsdale, statt. Brautjungfern waren zwei Frl. von Schwabach, deren Großväter gleichfalls noch Tefillin gelegt hatten und zwei Töchter Professors Max Lieb ermann; unter den Bränttgamsführern war Herr Michel Cä l l m a n n, ein Vetter der Braut. Darmttadt. Dr. Bernhard Neumann, äuget« ordentl. Professor au der Tech,,. Hochschule, hat einen Ruf als ordentl. Professor der anorganisch-chcm. Technologie nach Breslau erhalten. Breslau. Rentier <§>. Brieger, Vater tes Geb. Mcdizinalrats Prof. Dr. Briegcr in Berlin, feierte seinen 30. Geburtstag. Hans Aron, Dr. phil. et mcd., Laboratoriumsvorstehcr an der Univcrsitätskinderklinik, erhielt den Titel Professor. München. Kommerzienrat Moritz Bickler, der verdienstvolle Schatzmeister der Gewerbeschau und anderer Ausstellungen, wurde vom Magistrat und Gemeindekollegium mit einer künstlerisch ausgeführtcn Plakette überrascht. Rechtsanwalt Dr. Eduard Bloch, in letzter Zeit genannt durch seine Artikel zur bayer. Königsfrage, erhielt den Roten Adlerorden 4. Klasse. Glocken-Drogerie Allerheiligenfitrasse 53. Telephon I, 3217. Vorteilhafteste Bezugsquelle für alle Parfümerien, Neifen nnrt Toilette-Artikel. : »US der ztoutMche» Beweg»»«. München. Ein hiesiger hervorragender Zionist, der auch sonst als eines der ersten und besten Gemeindemitglieder weit über Münchens Mauern hinaus bekannt ist und sich allenthalben der größten Hochachtung erfreut, wurde vom Präsidenten und einigen Expräsidenten - der Bnei Bc.rilh-Loge veranläßt, sich der Loge anzuschlicßen. Obwohl vom Vorsitzenden der Münchener Kultus- .gemeinde selbst vorgeschlagen und anderen hervorragenden Mitgliedern uMerstützt, wurde die Aufnahme durch einige schwarze Kugeln in der Ballotage verweigert. Nach der Mstimmung kam es i.n der Loge schon zu hefttgen Auseinandersetziuigen, als deren Folge von einer Anzahl Austritte imd ähnlichem gesprochen wird. Dies kurz der Sachverhalt, der als Interna der Loge nicht Wetter behandelt werden soll. Was uns interessiert, ist nur die Entwicklung, welche die Agitation der Autizionisteu allmählich hervorruft. Während bisher Zionisten und Gegner in gesellschaftlicher und sozialer Beziehung in freundschaftlichster Weise verkehrte«, versuchen nun anttzionistische Heißsporne, an Stelle sachlicher Gegensätze Und Kämpfe, den persönlichen Haß zu entfache«. München. Am z9. Dezember sprach bier in der Zionist' Ortsgruppe vor einer sehr zahlreichen Zuhörerschaft Dr. Alfred Klee-Berlin über ,Liouismus und Vaterland". In der ihm eigenen temperamentvollen Weise verstand er, es, sein Thema in einer Art zn behandeln, die ihm die größte Aufmerksamkeit bis. zum. Schlüsse sicherte. , '!; ' ■ Leo SoliweInf es t n DamaRaohnclilaral , K empfehle tadellosen Sitz, gute Verarbeitung. Gr. Eacbanhelnüntr. 19,1. Telefc 12206. W Frankfurter Berichte. Der »hei« in »er Mische« Geschichte. lieber dieses Thema hielt Räbb. Dr. Kober- Wiesbaden im Verein für jüd. Gefch i ch t e nn d Literatur einen Bortrag. Der Rhein ist, so begann der Redner, nicht nur ein Sinnbild der deutschen, sondern auch ein Sinnbild derjüdischen Geschichte. Auch vom Rhein sind viele jüdische Sagen zn erzählen. Redner erzählte die schönsten dieser Sage», die von Rabbi Ammon in Mainz, dem Verfasser des „Unesanu taukef", die von Rabbi Amran nfw. Auch verweilte er bei einer Sage, nach der schon zur Zeit Josuas Juden (Bcnjaminiten) nach Deutschland gekomnien seien. Geschichttichr Nachrichten liegen jedoch erst aus dem 10. Jahrhundert vor. Damals sowie Ende des 42. und des 13. Jahrhunderts zogen große Masse» vom Rhein nach Palästina; der Ruf, daß der Messias gekommen sei, hatte sic in Bewegung gesetzt. Heinrich IV. gab den Juden die weitgehendste Bewegungsfreiheit für den Handel; auch die Bischöfe schützte» die Juden aus materiellen Gründen. Trotzdcnr kamen häufig furchtbare Jndenfnetzeleicn vor, so 13.50 zur Zeit des schwarzen Todes. Im 12. und ii» 13. Jahrhundert entstanden neben den alten jüdischen Gemeinden in Mainz, Worms und Speyer solche in Lindau, Basel, Andernach, Königswinter und Bonn. Im 17. Jahrhundert kamen Mannheim und Düsseldorf hinzu. In Düsseldorf machte Brännell von Geldern, der Ahne Heinrich Heines, von sich reden. Die Verfolgungen des Mittelalters überstanden die Juden siegreich, um dann 1707 endlich zn menschenwürdigerem Dasein zu erwachen. Noch einmal versuchte 1808 Napoleon die jüdische Freiheit durch ein Dekret zu beschränken, bis dann die neueste Zeit die volle Gleichberechtigung brachte. Anttfemttelei. In der „Frkf. Bolksztg.", dem hiesigen katholischen Organe, lesen >vir: „Religion i st P r i v a t s a ch e. So heißt es, wenn die Genossen anss Land hinauszsehen, um glärchige Christen cinznfangen. Wie aber schreibt der rote „Vorwärts" am Weihnachtsmorgcn? Da liest man unter der Verhöhnung des Evangeliums „Friede auf Erden!" einen Artikel mit der Aufschrift „Kampf ans Erden!" und in diesem die Worte: „Wir wären elende Wichte, wenn wir in dieseni Weihnachtscvangelium, das den.Hungernden verkündet wird von de» Satten, etwas anderes sehen wollten als das alte Eiapopeia vom,Himmel, womit man cinlullt» wenn es greint, das Volk, de» großen Lümmel. Aber dieser große Lünunel, oder mit einem ähnlichcic Ausdruck des englischen Staatsphilosophen Hobbcs zu reden, der ge,ir rohustus ac malitiosus, der Knabe stark und trutziglich, greint nicht mehr, sondern fordert, und läßt sich erst recht nicht mehr ei,»lullen, sondern kämpft. Darum weise» ivir auch die matte Limonade der christlichen Liebe zurück, die in den Staatskirchcn zn diesem Tage verschenkt wird." Diese Unverschämtheiten am Weihnachtsfeste kann nur ein jüdischer Sozialist dem christlichen deutschen Volke bieten." * ■ ' Diese Unverschämtheiten am Weihnachtsfeste kann nur ein jüdischer Sozialist dem christlichen deutsche» Volke bieten. — Dieser Ausspruch kan» nur einer waschechten antisemitischen Gesinnung sein Dasein verdanken, das ist sicher; das; aber der Erguß im „Vorwärts" einen Jude» zum Schrttbcr habe, hierzu fehlt jeder Anhaltspunkt. Berel« „TilereS vachnrim". Der Verein „Tiferes Vachnrim" hielt Sonntag seine G c n e r a l v e r s a m m l u n g ab. Aus dem Bericht ist hervorzuhcben, das; der Verein Herrn Dr. May als Dozenten gewonnen hat, und daß sich demzufolge an die Vorträge, die fast immer gut besucht waren, eine rege Diskussion anknüpste. Gewählt wurden in den Vorstand: Will): Rosen, 1. Vvrs.; Kormis, 2. Bors.; Soudh c im, Bru„ o Rosei;th al und FrihSnlzb acher. Seminar »er zionistischen Jugendgrusttie. Zu den Beranstalttingen der „Zion. Jugendgruppe" gehört auch das in diese«! Herbst ins Leben gerufene Seminar. Seine Aufgabe besteht in der Vertiefung der den Zionismus begründenden Erkenntnisse. Insbesondere soll jüngeren Anhängern der Idee Gelegenheit geboten werden, ihr Wissen vom Zionismus zu festigen und zu erweitern. Mit Rücksicht aus diesen Zweck wird in den wöchentlich einmal stattfindenden Stunden mittels eines kurzen Referats und daran anschließender Aussprache folgender Plan verfolgt: lleberblick über Zahl, Verteilung und Lage der Jiiden in Rußland, Galizien, Westösterreich und Ungarn, - Deutschland, West- und .Nordeuropa, Südeuropa (mit Ausnahme der Balkanländer), Amerika, Zentral- und Ostasien und Australien, Afrika, Balkanländer und Türkei (Kleinasien), Vorderasien und Palästina (ca: 12 Stunden). Resümee und Folgerung über die wesentlichen Ursachen der gewonnenen Resultate (l Stunde). /Vorschläge zur Besserung der Lage der Juden (Erhaltung durch Pflege der Religion," Auflösung durch Taufe und Mischehe, Rassenpflege und Rationalismus) (1—2 Stunden^ Forderungen des Zionismus: Mickkehr nach Palästina zwecks Erhaltung des Volksganzen, in wtttschaftlichcr Hinsicht (1—2 Stunden); in knlttlreller Hinsicht (l—2 Std.). Geschichte des Zionismus: Heß, Piusker, Chowewei Zion, Herzl, Kvngreßperiode" (5—8 Std'.). ' " ' Errungenschaften des Zionismus: Im Galnth '(1 Sjd.'). In Palästina (3 Std.). ■ / ■ ’ Im; Rahmen dieses Programms. wird natürlich., auch das kulturelle Verhältnis der Judenhett unter sich und mit "den 'Völkern, unter denen sie cherstreitt ist,, behandelt werden, wie auch die RassenfrgHe unlersucht werden soll: — Bisher war die Veranstaltung - ttirö-im kleinsten Kreise bekannt und dementsprechend . besucht. Eine: lKckveiterung