Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1914-01-09 · Heft 1 (9.1.1914) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 1 (9.1.1914)
Date
1914-01-09
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2692297-2692872-2692873--08175-2703300
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

m Säte 4. Rranlfutter FsraelkttWeS MmiltzMrül. Nr. 1 Dsk6 umj Oonöiwi'si Sülsok!^ Besitzer V Hein Gallas-Anlage 2. Tel 201, 316, 278 I Gleichzeitiger Inhaber von: BoMitmel L CafG „Peirinoid tepelmif Baden-Baden. Eigene Erzenguisse.von Pralinees n. Bonbons. Allsbevcllick famUien&onzect. (ausser Samstags nnd Sonntags.) Bund gesetzestreuer jüd. Lehrer. Frankfurt A. M., 2. Januar. Gestern fand in der Aula der Realschule der Israelitischen Religionsgesellschast die zahlreich besuchte Generalversantmlung statt. Nachdem der Vorsitzende, Direktor Dr. Lange, die Anwesenden, insbesondere die Vertreter verschiedener Korporationen, begrüßt hatte, erstattete er Bericht über die 'Tatigkeit des Bundes seit der letzten Generalversammlung im Jahre 1911. Dem Berichte entnehmen wir, daß der Bund' Erfolge nach außen und nach innen zu. verzeichnen hat. Mit allen Fragen, die die Lehrerwelt bewegen, hat sich der Bund eingehend beschäftigt. Prinzipiell aus dem! Standpunkte der jW.-konfeffionellen Volksschule stehend, betrachtete er es als seine helligste Pflicht, für deren Gründling und .Erhaltung ein- Kltreten. und hat wicderhdlt Besprechungen in dieser Angelegenheit mit der „Freien Vereinigung" gehabt. Ein von .dem Zweigverein „Rheinland" dahinzielender Antrag wurde von der Generalversanmrlung einstimmig angenommen. Ebenso wurden mit 8er Freien Bereinigung Verhandlungen angeknüpst, um der Landflucht und der Auflösung kleiner jüdischer Gemeinden entgegeirzuarbeiten. — Zur Vertiefung in den jüdischen Disziplinen subventionierte .'der Bund 13 Fortbildungskurse, die er zur» größten Teil neu geschaffen hat. Um den jungen Lehrern, die das Seminar verlassen, Gelegenheit zu geben, ihr jüdisches Wissen zu bereichern, hat sich der Vorstand an den Leiter der Jeschiboh gewandt mit der Bitte, einen Kursus für deren Fortbildung einzureihen. Wenn auch eine offizielle Antwort noch nicht eingetroffen, ist, so wurde bereits privatim mitgeteilt, daß das Gesuch berücksichtigt werden würde. Wegen Neuordnung des zweiten Samens hat der Bund eine Petition an den Minister .gesandt, daß den Lehrern an nicht öffenllicheN Schulen ermöglicht werde, ihre.Prüfung ablegen zu können. — In Angelegenheit der Privatbeamten-Versicherung hat der Bund, um nicht abseits zu stehen, gemeinsam mit demLehrerverband und dem D.--J. G.-B. gearbeitet, obgleich er von der Aussichtslosigkeit dieser Versicherung überzeugt war. — Danauf folgte der Kassenbericht, aus dem wir entnehmen, daß der Kassenbestand.31.650 Mk. beträgt. Hierauf referierte Direktor Dr. Lange über „Die Mihureden und. ihre Stellung zum Ganzen des Buches Job". Der Vortrag tvurde mit großein Beifall von den Anwesenden ausgenommen. Nach der»'' gemeinschaftlichen Mittagsmahle, das durch schöne Thorarvvrtc, durch ernste und humoristische Tischreden gewürzt. war, vereinigte man sich wieder zur weiteren Arbeit. Ehrmann-Friedberg referierte über das Bundesthemä: „Die rechtliche Md Materielle Stcllmrg des Religionslehrers". In einer Fülle von Beispielen zeigte er die rechtlose Stellung und traurige Lage der Religionslehrer. Seine Ausführungen fanden den wohlverdienten Beifall der Versammlung. Zum Schluffe stellte er folgende Thesen Ef: Die rechtliche Stellung der jüdischen Religionslehrer in viele» deutschen Bundesstaaten ist recht unbcsritbigend; sic hat im Lause der .Jahrzehnte in den lvichtrgstc» Punkten eine ivcscntlichc Verschlechterung erfahren. 2. Das Einkoiniucu der übcrgrvszeu Mehrheit der jüdischen Religionslehrcr reicht nicht zu ciiter standesgemäßen Lebensführung: cdcnso sind ihre Pensionsvcr- ■ hältnissc sowie die Fürsorge für ihre Hinterbliebene» ganz unzureichend. 3. Eine Besserung der rechtlichen und materiellen Verhältnisse der jüd. Religionslehrcr kaitn nicht von einer -Zentrale aus bewirkt werden, sondern mxjj den Lehrern eines jeden einzelnen Staates überlassen bleiben; die Zentrale kann nur Anregung geben. 4. Alte Bestrebungen, die aus eine Besserung der materiellen, rechtlichen Lage der jüdischen Religionslehrcr abzielen, haben bie w c i t g e h c n d st e Förderung zu bcmrspruchcn. ' Der Korreferent, Gott s ch ä l k - Esens, : beschränkte sich in seincint Referat auf die Verhältnisse in seineir Provinz. Nachdem Heinüman lt-Bergen dem Vorsitzenden den Dank der Anwesenden für .die Leitung der VerhaMungAt ausgesprochen hatte, wurde die Versammlung um?V» Uhr geschlossen. Kartell Zion. Verbindungen. Berlin, Ende Dezember. Ter 7. Kartelltag ist würdig und ürgebiüsreich verlaufen. Er erbrachte den sicheren Beweis, daß das K. Z. B. in eine Periode großen und raschen Aufschwunges eingetreten ist. Zwei neue Korporationeit find imi letzten Jahre in den Verband der K. Z. B. eingetreten. Zunächst tvurde die Zephirah iu Breslau gegründet. Bor allem aber erftillt der Einttitt der KadiMah-Wien, der ältesten jüdischen Verbindung, die K. Z. B. Mit Stolz und Freude; wird doch so endlich in der zersplitterten österreichischen Studentenschaft ein festes Zentrum geschaffen. Die hebräische Bewegung in Palästina fand natürlich auch auf deM.Kartelltag ihren Widerhall. A. H. Dr. Hantke hielt einen Vortrag über die gegenwärtige Lage, der begeisterte Zustimmung erweckte: und an den sich sofort eine sehr ergebnisreiche Sanünlung für das hebräische Schulwerk anschloß. . Im übrigen suchte der Kartelltag die finauzielle Leistungsfähigkeit zu stärken und. die innere Organisation weiter auszubänen, uw. das Kartell zu weiterer Expansion zu befähigen. Auch das Verhältnis zu anderen Organisationen kam zur Sprache. Alle Beschlüsse tüurden gettagen von dcM Gedanken, daß das K. Z. B. und der Zionismus eins seien. In das neue Präsidium wurden gewählt die A. Z, A. H. Dr. Egon Rosenberg als Vorsitzender, Dr. Max Rosen zweig, Parteisekretär Kurt RosenöauM, Dr. Walter Fischer, Dr. Gustav Krojanker und die i. a. B. i. a. B. Walter Riese und Hans Blocks Auch nach außen trat der Kartelltag durch einen glänzend verlaufenen Kowmers vor die Oeffcntlichkcit. Den KomMers leitete Dr. Egon Rosenberg. Hans Bloch (HasMonääl hielt die Tcndenzrede, cand. Med. Felix Mandl eine Rede für die Kadimäh, Professor Marburg sprach als Präsident der Zion. Organisation. Pr. Schwa rja Lev in sprach ergreifende Worte von dem Kampfe um die hebräische Sprache. Die Fuxenrede hielt NahuM Beer mann, ein .Abiturient des hebräischen Gymnasiums, auf hebräisch; ihm erwiderte ebenso A. H. Dr. GrAnfcldcr. Es ist unmöglich, alle die anderen vorzüglichen Reden des offiziellen Teiles zu erwähnen. In dev Fidülität hatte dann „Sauls Ende" von H ans Bloch, eine historische Tragödie, einen lebhaften Lachcrfolg. Fast eine Woche währten die Beranstältungen und Beratungen. Erst Sonntag gegen Mitternacht wurde der Kartelltag geschlosseu. Informationsu.Ueberaetzungs-Bureau: I. Weinstein, 1 für Laiidg.-Uez. Frankfurt a. M. n. Wiesbad. Kafseretrasso 11. Frankfurt am Hain, Telephon 9831.1. Boreas L d. Verkehr nach Boaalasi. Ueheieett, Aaekfafte, nie. Sehteftmaach. Rassisches Die Fortschritte des Jüd. Natioualfouds. ' Der Jüdische Nationalfonds hat iw »ergangenen Jahre 1913 die Jahrcscinnahm'e von 1 M i l l. Francs erreicht. Wenn Man die Beiträge und Spenden berücksichtigt, die aus fernen Ländern angekündigt sind. imd bei Jahrcisschlus; xrst untertvcgs waren, so hat der diesjährige Eingang des Nationalfonds die erst0 Million sogar überschritten. Dieses Ergebnis ist deshalb so bemerkenswert, tveil der Jüdische Nattonalfond's ein Bolksfonds ist, der in erster Reihe durch die freiwilligen Beiträge der Armen und. Acrmsten geschaffen wurde. Durch dieses Jahresergcbnis ist der Nationalfonds in die Reihe der lcistnngsfähigstcn jüdischen JnstitMioncn gerückt, denn die größten jüd. Organisationen können sich, nicht rühmen, Mitglicdsbetträge in dieser Höhe zu erhalten. Die Steigerung der Einnahmen des Jüdischen Nalionalfonds ist aus das wachsende Werständnis für seine ftuchtbare Wirksamkeit ziirückziiftihren nnd auf die Liehe der breiten Schichten des -jüd. Volkes! zu einem Fonds) der berufen ist, den nationalen! Besitz in Palästina zu mehre» und vor altem I den besitzlosen .einwapdernden Massen die Verbin-1 düng mit der heimatlichjen Scholle zu. erleichtern.! Die Erfahrungen des letzten Jahres beweisen! auch, daß der Nationalsonds ans die Sympathien! und die werktätige Forderung auch nichtzionistischer! Kreise der Judenhett rechnen darf. Die Mtion zu! Gunsten der ArbeiterundiJelwnttenhauser^ dies dem Nationalfonds mehr als 300,000 Frs. znge- . führt hat, wurde in großherzigsten Weise von I jüdischen. Gemeinden, Logen, Körperschaften und Kolonisations-Vereinen ohne 'Rücksicht auf ihres politische Gesinnung unterstützt. Offenbaeher Druckluft-Anlage| OHanbach a, H. Telefon 123. (Anschluss mit Frankfurt). Bewährteste Tapolcliraliilgiiiig, 100,000 4M jährlich | sowie unübertroffene Bettennnd Bettfederarelnlgiing | mittelst Druckluft and Wasserdampf. Aus aller Wett. Deutsches Reich. Berlin. Der 11. Jahresbericht der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums erwähnt an erster Stelle die letzte Generalversammlung! iu . Breslau, welche von großer werbender Kraft war > und viele der Gesellschaft fern steheitde Kreise für sie und ihre Bcstrebufigen interessierte. Die Gesellschaft Hai! die wirtschaftliche Krise des letzten Jahres glücklich überstanden; es gelang ihr nicht nur, ihren Mitgliederstand zu behaupte», sondern noch um rund 60 Mitglieder zu! vergrößern. Aus dein reichen literarischen Schassen der Gesellschaft! heben wir das Erscheineit des bedeutsamen Werkes von | I. Elbogcn „Der jüdische Gottesdienst in seiner geschichtlichen Entwickelung" hervor, das noch kurz vor Jahrcsschlnß angczeigt werden konttte. Nicht welliger als brei | Werke, nämlich die letzte größere Arbeit des eben verstorbenen, . um die Wissenschaft des Judentums so hoch > verdiente» Budapcster Professors Wilhelm Bacher, „Tradition und Tradeutcn", der zweite Band des „Mai-1 monides-Gedenkwerkcs" und der erste Band der „Germania Judaica" sind im Druck, und lveitere drei Werke. I nämlich den zweiten Band der „Wirtschaftsgeschichte" von Georg Caro, die „Historische Geographie Palästinas" von Sainuel Klein und die zweite -Auflage von Leo | Baecks „Wesen des Judentums" beabsichtigt die Gesellschaft demnächst in Druck zu geben. Nimmt man hierzu die zahlreichen Werke, deren I Erscheinen die Gesellschaft durch Zahlung von Subventionen ermöglicht — der Bericht erwähnt nicht lvenigcr als 17 solcher Subventionen —, so muß allerdings anerkannt werden, daß die Gesellschaft immer mehr zum Mittelpunkt des wissenschaftlichen Lebens und Arbeite»- innerhalb der deutschsprechenden Judenhcit wird. Ein | Blick in die Mitgliederliste zeigt sogar, daß die Gesellschaft auch in »ichtdentschen Länder», auch außerhalb I Europas, sich einer ständig wachsendefi Mitglicdcrzahl | erfreut. Beachtenswert sind auch die Leistuifgefl der Ludfvig > Philippson-Gcdächtws-Stistuffg, die in diesem Jahre ihre Tätigkeit bcgonnefi hat.! Berlin. D'e vor wenigen Jahren zum Zwecke der! Planmäßigen Kolonisierung der osteuropäischen jüdische» | A uswandcrcr im Orient gegründete Allg. Jüd. Kolonisations-Organisation! findet gcgenioärtig in allen größere», jüdischefl Gcmeiifde» Deutschlands die Unterstützung der sührcuden Kreise. Rach den zahlreich besuchten Bersaffunlungefi in München, Augsbftrg, Cassel, Mailifhcim, Gießcff, Heidelberg, fanden vor kfirzenl ähnliche Veranstaltungen ufftcr der Aegide ber I iiaiflhastcstcff Gemeindefflitglicder in Bcuthcn, Brcsla», Äiürnbcrg, Würzburg nnd Bamberg statt und wurde» afi diesen Orten Lokalkomitecs gegründet. Hamburg-Altona. Unter Beteiligung von etwa 4üü Personen hielt die Jugcndgrnppe der Moria-Ortsgruppc \ Hamburg-Altona eine Protestversaminlung gegen die antisemitischen Treibereien des Deutschen Wandervogels ab. Raüb. Dr. Löwcn thal, der Resercnt, sprach sach- > lich über die allgemcincir Vorteile des systematisch bctricbcnen Wandcrns für die Judefi, berichtete kurz übcr die Gründung nnd schnelle Entwicklung des Deutschen Wandervogels, über die Jlntciluahnie der jüdischen Jugend an diesen Bestrebungen und ging dann ans die sattsnm bekannten antisemitischen Hetzereien ein. Er schilderte ». a. einige recht bedenkliche'Vorgänge, die sich in jüngster Zeit bei Ausflügen der Hamburger Ortsgruppe abgespielt haben. Zum Schlüsse betonte er, das; nach dem Fchlschlagcn der auf Erledigung der Difsercnzcn durch die Behörden abzielenden Schritte naturgcuiös» J der Austritt aller Juden aus dem Wandervogel zur Notwendigkeit ivcrde» irürdc. Der Vorsitzende, Max Bund.heim, teilte »ach dem Vorträge mit, daß sich ans Anregung der Jngendgruppc ein W a n d e r b u n d gegründet habe, der 'alle Jude» anfnchmc mit der Bedingung, daß die Führerschaft nur in orthodoxen Händen liegen solle. Hieran schloß sich eine zum Teil recht stürmische^ Diskussion. Ein junger jüdischer Wandervogel suchte den Bwlb zu verteidige», iubcnt er darauf hinwies, daß'verschiedene

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.