Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 1 (9.1.1914)
- Date
- 1914-01-09
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Veite 2 Besondere! Beachtung verdient auch! die Energie, mit der die akademische Zugend 'Deutsch-- länds die Aktion fördert. Dür BundiZÜdischer Korporationen Hat auf seinemin Königsberg i. Pr. jüngst abgehaltenen Kartelltag 10,000 Mark zur Verfügung gestellt, und das Kartell fion. Verbindungen hat auf seinem'. Kartclltag in Berlin «ne Sammlung begonnen, die nnndfftens 5000 Mark ergeben dürste. Auch in deir Bereinigten Staaten von Nordamerika und'^jn Südafrika, ist von zion. Seite eine großzügige Sammeltätigkeit eingeleitet Worden. Ter dauernde Bestand.und die ungestörte Entwicklung des hebräischen Schulwerks in Palästina kann heute schon als zweifellos gesichert gelten. Es Mag in diesem Zusammenhang noch einmal darauf hingewiesen werden, hast es sich in keiner Weise um.einen Kampf gegen die deutsche Sprache handelt, sondern .nur um die notwendige Berücksichtigung des Hebräischen als der tatsächlichen Umgangssprache der jüngeren jüdischen Generation in Palästina. Daß die Berechtigung dieses Strebens auch von nichtzionistischer Seite unerkannt wird, "beweist die Tatsache, daß die jüdische Kultusgemeinde. in Wien, von 8er einst die jetzt von dem Hilfsverein der deutschen Juden verwaltete Lämqlschule in Jerusalem gegründet worden ist, unddie diese Schule bisher subventioniert hat, ihre Subvention für so lange eingestellt «Hat, als die durch die Beschlüsse des Hilfsvereins hervvrgerufene Lage nicht geklärt ist. Eine Arutzeruug des deutsche« Generalkonsuls tu Jerusalem. Generalkonsul v. Schmidt äußerte sich,.gegen Frl. Pinczower, die Vorsteherin der neuen hebt. Mittelschule, wie.folgt: ,/Jch Wäre unter keinen Umständen mit Polizei in .die Schule ^kommen, wenn ich die tatsächlichen Verhältnisse. gekannt und geahnt hatte, mst welcher Ruhe und, wie ich nrich überzeugen konnte, ohne jede Aufreizung der Schüler, die suspendierten Lehrer ihre Lehrtätigkeit beenden würden." ° Depesche. Krnstantinopel, 6. Jan. Dreizehn der angesehensten Mohammedanischen Notable ln Haifas veröffentlichen in den hiesigen Tageszeitungen die Erllärung, daß sie in dem jüd. Technikum ein großartige s Vorbild für die kulturelle und wirtschaftliche Entwilllung der Bilajets Syrien und Beirut erblicken. Die ganze .einheimische Bevölkerung sei vollständig damit Einverstanden, daß im DeMrikuM als allgemeine Unterrichtssprache das Hebräische eingesührt werde, außerdem Türkisch und Arabffch Äs obligatorische Facher und Fremdsprachen fakultativ. Gleichzeitig veröffentlicht der bekannte . Politiker Agajef Achmed in 8er hiesigen Tageszeitung „TerdschuMan hakikat" einen Artikel, der sich stm -die Berechtigung der hebräischen Unterrichtssprache in den. Schulen Palästinas vom Standpunkt des türkischen Gesetzte s ausspricht. Der HUfsvereiu. Der geschästsführeude Ausschuß des Hllfsvereins hielt am 4. Januar in Berlin eine Sitzung ab. Nach einer großen Rede*) wurde Dr. Nathan aus Antrag des Vorsitzenden JaMes Simon einstimmig der Dank votiert und seine in Palchtina getroffenen Maßregeln gebilligt. Die Debatte wurde auf eine deMuächstigc Sitzung vertagt. Auf Antrag Dr. Nathans wurde zu seiner Entlastung, deren er wegen seiner schwankenden Gesundheit bedürfe, einUnterausschuß— Ernst SiMon, Meiscl, .Pwf. Schaeser und Generalsekretär Dr. Cahn — eingesetzt. Aus Leu Ereigniffeu des Tages. Der Sieg im Spracheukamps in Palästina. Das große historische -Drama des Sprachenkumpses in Palästina hat bereits beinahe sein Ende erreicht. -Mit der unvergleichlichen, die *) Wir bringen Lie Rede-jm Auszug in der nächsten Rnmmcr. Die Redakt. Manksurter Israelitisches tzamilirMatt. höchste Bewunderung erregenden Energie, mit der die palästinensische Judenheit den Kampf ausgenommen hat, har sie ,in rascher Zeit einen glänzenden Sieg errungen. Kaum einige Wochen sind seit dem Beschlüsse des Kuratoriums des Haifaer Technikums vorbei, und schon sind überall an Stelle dür Hilfsvereinsschulen neue Schulen gegründet; schon hüben alle-Lehrer und Lehererinnen des Hllfsvereins Mit Ausnahme einiger weniger ihm Valet gesagt, schon, ist der größte Teil des notwendigen Geldes gesammelt worden; schon erhebt sich auf den. Trümmern der Hilfspereinsschulen das neue glänzende Gebäude des hebräischnationalen Schulwerks in Palästina. -Nichts hat genutzt. Weder die persönliche Anwesenheit Paul Nathans noch die Machinationen Ephraim Cvhns, weder die unfaire Hetze gegen t«n > Zionismus noch die brutale Biachtpolitik, die sich auf Soldaten und Kvnsulc - stützte; trotz aller vom Hllfsverein aufgewandten Mühen und Mittelchen, die alle Skalen der Beeinflussung durchlief, von den Zuckerplätzchen, die man den Mädchen des Waisenhauses gab, um sie zum Besuch deir Mädchenschule zu bewegen, bis p dein Bajonetten der Soldaten, mit denen man die.Lehrer aus den Schulen vertrieb, trotz allem ist die Judenheit Palästinas konsnquent geblieben und hat gesiegt. Schon .hat Man das Recht, das Schulwerk des Hilfsvereins in Palästina, als zertrümmert auzusühen; daran ändern alle noch! so klug formulierten Telegramme nichts. Mit denen man dür Welt einreden will, daß alles wieder in Ordnung sei, daran ändert auch die Taffache nichts, Latz dÜM Hllfsverein einige Lehrer und ein .Tell her Schüler verblieben sind; wer weiß, daß es lediglich einige in Jerusalem geborene Lehrer sind, die aus „Liebe zum Deutschen" dem Hllfsverein treu geblieben sind, wer weiß, daß es die Minderwertigste Kategorie der Eltern ist> jene, die für einige lumpige Pfennige bereit ist, ihre Ueblörzeugung preiszugeben,. die jetzt Me Kinder zwingt, die Hilfsvereinsschulen zu besuchen, der wird ermessen können, was an diesen Versicherungen, daß alles wieder in Ordnung sei, wahr ist. Alle Vertuschelung wird jetzt nichts mehr nutzen.. Für alle Welt — di« jüdische wie die nichtjüdische — steht es fest, daß das ganze Schul werk des Hilfsbereins in Palästina heute nur noch! ein.Wrack ist. Und so gllt es jetzt, wo der eigentliche Häuptkampf bereits vorüber ist, noch einmal "klar zu zeigen, was dieser Kampf bedeutet. Es tut dies umsoMehr not. Äs Man von verschiedenen Sellen immer noch! veffucht, das Wesen und? die Bedeutung des Kampfes zu entstellen. Der Kampf geht uM das Hebräische und nur darum. Das sei gegenüber allen Verleumdungen von rechts und links deullich gesagt. Der Kampf geht nicht gegen das Deutsche/ und wenn dM Hllfsverein und seine Freunde immer wieder diese Behauptung, aufstellen, so ist dies eine einfache glatte Unwahrheit. Niemand in Palästina ist gegen die deuffche Sprache, und die Taffache, daß Äle Lehrerinnen,, die aus Deutschland staMmen, sowie alle Lehrer aus Galizien deM.Hilfsverein den Rücken gewandt haben und es charakteristischerweisc nur einige JerusaleMer sind, die ihm treu geblieben sind, beweist doch aufs schlagendste, wie wenig sich der KaMpf gegen das Deuffche richtet. JM Gegenteil. Unter den Lehrern, die den Hllfsverein verlassen haben, befinden sich viele, die das Deuffche deM Französischen in Palästina vorziehen, und 'in dön neu gegründeten Schulen nimmt denn auch das Deuffche den Rang der wichtigsten Fremdsprache, ein und wird demgemäß auch den ihm gebührenden Platz in der Verteilung der Unterrichtsstunden bekommen. Und deswegen läuft es nur auf eine Irreführung der öffenüichen Meinung hinaus, wenn man in die ganze Angelegenheit, die sich lediglich um ..jüd. Dinge und Fragen dreht, deuffche Interessen hineinziehen will. Die deuffche Regierung ist völlig zufrieden, wenn im Technikum das' Deuffche als wichtigste Fremdsprache unterrichtet würde, und das in denr „Hamburger Israelitischen -Familienblatte" veröffentlicht« Jnterwiew mit dem Dezernenten für Orientpolllik iM Auswärtigen Amt .hat. diese Ilnsicht durchaus bestätigt. Es ist daher lediglich ein Mmwver, wenn Man diedeuffche Regierung mll in diesen Kampf ziehen will, wodurch man nur M Ansehen schädigt; wie letzten Endes das ganze Mif- Ut. 1 .1. -■ ■ ' J ... ' 11 '' . . ■ I treten Paul Nathans lit. Palästina nur geeignet I ist, die Sympathien für 8aS Peitsche, die in der -palästinensischen Judcüchell: voiHanden sind, gründlich zu vernichten, und angesehene Organe der! deutschen Presse geben dies offen zu (vergleiche die Aeußerung her „Bayer. Staatsztg.").! Es ist.^ a-ber eine ebenso arge — wenn nichffA« ch - rgere: Verdreh ung - der Ta man hie« Sprachen-! kämpf als,iMröMktion gegen .die Religion zuv'eMI°uMden sucht. Es ist. dies vielleicht diü'Äaürigste Erscheinung in diesem Kampf, daß ein/ gewisser Tell der Orthodoxie sich nicht gescheut, .hat, aus Haß gegen die Zionisten sich auf die Seite des Hllfsvereins zu stellen. Wenn solches in Jerusalem von einer Klique der Chalukäl) aus geschehen konnte — die zudem auch von dem größeren, maßgebenden Telle düs ChalukahjudentuMs sofort desavouiert worden ist —, könnte Man sich dies noch erklären, aber daß.solches in Deutschland Möglich , war, stellt den Gipfel dür Merrannthell und 'Verbohrtheit dar. Ja, noch Mehr: Ist es nicht Än trauriges Zeichen dür .religiösen, Gesinnung, wenn.orthodoxe Männer die zur Schau.getragene Frömmigkeit der Hilfsvereinsschulen loben und preisen? Ist es nicht unerhört, daß jttiait James Simon, Paul Nathan und Ephraim Eo hn für zuverlässigere. Stützen der Religion hält als David Pellen, A. S. RaÜbinowitz, Lipschitz, Dr. Marschak und noch Manche andere Männer unter den ausgeschiedenen Lehrern des Hllfsvereins, deren religiöse Gesinnung über alle Zweifel erhaben steht? Heißt das nicht, die Würde und das Ansehen der Religion gefährden, wenn Man ln dieser Weise von orthodoxer Seite die nationale Sache, die Sache unserer Sprache, im Stich läßt und ins Läger der Gegner übergeht? Heißt das nicht, das Unschön und den Ritz der Orthodoxie auf das schwerste diskreditieren, wenn Man der staunenden Welt das Schauspiel bietet, wie di« , extremste Orthodoxie i" diesem historischen Kampf um .unsere nationale Sprache an der Seit« der extremen Assimilation marschiert? Wahrlich, der Haß gegen den Zionismus muß diese Leute gar sehr geblendet häben, wenn er sie p Standpunkten verführt, die die Interessen der Orthodoxie in unheilvollster Weise schädigen. Erfreulicherweise aber ist es nur ein lleincr Teil der Orthodoxie, der dieses traurige Schauspiel bietet. Der weitaus größte Teil her Orthodoxie wie di« große Majorität des Judentums überhaupt hat sich in konsequenter Weise auf die Seite dös palästinensischen Judentums gestellt. Und dies ist das Bkdüuffamste, historisch Wertvollste am Kampfe: Di« Judenheit Palä stinas war es gewesen, die den Kampf eröffnet hat, und wix Juden der Diaspora folgen nun ihrer Führung. Zum ersten Male seit Jahrhunderten hat die Judenhell Palästinas ihre Geschicke selbst in Äü Hand: genommen, ,pt ersten Male hat sie dür Diaspora die Parole gegeben, und der Galuth hstt Palästina willig rind freudig als seinen Führer .anerkannt. Kaum war der Ruf aus Palästina erschollen, als schon ein Funke der Begeisterung, .der die dortigen Kämpfer beseelt, auf die Diaspora hinüöersprang, und in zwei Wochen ist' dierSnmme von 100,000 Mark aufgebracht worden. Palästina ist erwacht, ist selbstständig geworden. Dies ist das große historische Fazit der aufregenden Ereignisse der letzten Wochen. Es hat hie Verteidigung unserer nationalen Güter selbst übernommen und der glänzende Sieg hat bewiesen, daß es seine Mter wohl zu verteidigen versteht. ' Ein Monat etwa ist seit deM Beschluß pes Kuratoriums verstrichen, und .schon ist der Sieg errungen. Es gllt nur noch, ihn auszunutzen und p befestigen. Es gilt, dem palästinensischere Judentum die finanziellen Mittel zu geben, um sein Werk p vollbringen. Ein glänzender Anfang ist bereits gemacht. Wir Hoffen, daß die Fortsetzung ihm würdig entsprechen wird; .daß jetzt, wenn der Ruf nach Spenden für das Schillwerk in Palästina an alle jüdische Kreise ergehenwird, jeder einzelne es Äs seine heiligste Pflicht änsehen wirb Mitzuhelfen am Aufbau dieser großen Sache. Es ist ein erhebendes Bewußtsein, an einem Kmnpfe tellzunehmen, der von so begeisterten Führern ge- Stadtu. Univ.-Bibl. Frankfurt am Main