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Neue jüdische Presse · 1914-01-09 · Heft 1 (9.1.1914) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 1 (9.1.1914)
Date
1914-01-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Eine Aeutzerung der Bayerischen Staatszeitung. Unter dem Titel: Ein Sprachenstreit in >al äst in a veröffentlicht die: „Bayerische itaatszug.", das Organ der daher. Staats- :gicrung, unterm.31. Dez. folgenden Artikel: „Während dis jetzt der Hilfsverein der d'eutijcii Juden, und' die! zionistische Weltorganisation i palästinensischen Schulfragein friedlich zusammen carbeitet haben, istnunmehr plötzlich ein.Streit atbrannt, der für weitere Kreise von Interesse ist. iislang sah man es als selbstverständlich an, atz die neun jüdische Generation in Palästina ii der Sprache ihrer Ahnen — also hebräisch - unterrichtet wurde. Mit diesem Prinzip will nun er Hilfsverein her einigen Anstalten in .Haifa rechen und an Stellte der hebräischen Schulftrache die deutsche Sprache einführen. Die zio-, listische Weltorganisation kann aus natioNal-jüdihen Gründen dies nicht billigen, aber sie würde Deutschland auch gar keinen Dienst erweisen, wenn ie im Orient, wo .man doppelt vorsichtig sein mtz, sich als den freiwilligen Agenten der deutlhen Regierung aufsprclen wollte. Der ZionisNrus at von jeher — und nicht nur durch die deutschen Zionisten, die als deutsche Staatsbürger selbstlerständlich nur Deutschland Wohl iM Augü haben önnen — den größten Wert auf das Wohllvollen »er amtlichen deutschen Kreise und auf ersprießiche Beziehungen zu deM wirtschaftlich und höllisch so starken Deutschland gelegt. Gerade die große Nasse der russischen, jüdischen 'Auswanderer und Kolonisten versteht deutsch— znm!mindestenjüdisch- »eütsch — und bringt so natürlich gegebene Berührungspunkte zu Deutschland Mit. Wenn Man iber diesen jüdisch-national begeisterten Massen ne deutsche Sprache aufzwingen will, so wird män nit diesem Zwang nicht 'Sympathien schaffen, ondcrn Manche bestehende Syinpathie vernichten. Für Deutschland ist der Orient ein wichtiges Äebiet, und Palästina Mit seiner — in den amtichen deutschen Konsulatberichten gerühmten — leißigen aufblühenden Kolonistcnbevölkerung ist für Deutschlands Wirtschaft ein bedeutsamer zuüinftiger ülbsatzfaktor. Hier kann Uebereifer nur schaden, und :r hat schon geschadet. Der übereilte Schritt des üilfsvereins hat 'Frankreichs Konsule bereits ans )en Plan gerufen. - Es ist ja ganz selbstverständlich, wenn die >eutschen Juden die deutsche Sprache herlangen, varum sollen die englischen und französischen Nicht ebenfalls entsprechende Wünsche haben. Darum! ljat die .zionistische Organisation mit .der Betonung des Hebräischen Recht gehabt. Man erwirbt Deutschland Mehr Sympathien, wenn nmu die Dinge sich ruhig entwickeln läßt, und nicht, wie >er Hilfsverein, mit gutgemeintem DranfgängertniN Scheinerfolge erzielt, die in Wirklichkeit Mehr Bcrufle als Gewinne bringen. Die palästin. Bevölkerung ist über das Vorgehen des Hilfsvcrcins ehr erregt und will ganz natürlich am Hebräischen efthalten. Es wäre zu wünschen, .daß 'die Aktion )es Hilfsvereins eine durchaus private bleibt." Soweit der Artikel der „Bayer. Staatsztg.", der so klar und vernünftig gehalten ist, Laß Mn »nr'wünschen kann, er ntöge beim Hilfsverein güten Loden finden. ' I. F. , Ein offener Brief Achad Haams. .Achad Haäm, der berühmte hebräische Essayist, hat an den Redakteur von „Ost und West" einen offenen Brief gerichtet, der in der nächsten Nummer von „Ost und West" erscheint. Achad HaaM, der — nebenbei bemerkt —nicht der zionistischen Organisation angehört, hatte nach den verhängnisvollen Beschlüssen des Kuratoriums der technischen Hochschule in Haifa sofort seinen Sitz ftr dieser Körperschaft niedergelegt. Er schreibt diesbezüglich: „Wenn ich nicht der kleberzeugung gewesen wäre, daß Liese.Beschlüsse, die die hebräische Sprache in das enge Gebiet 8er judäistischen Unterrichtsfächer verweisen, dem Grundprinzip unserer ganzen Kulturarbeit in Palästina schnurstracks zuwiderlaufen Und geeignet sind, der Entfaltung dieser Arbeit die größten Hindernisse und Schwierigkeiten zu bereiten, so hätte ich gewiß picht einer Gründung den Rücken gekehrt, an deren Aufbau ich Inich mit besonderer Liebe beteiligt und der ich einen beträchtlichen Teil Meiner Zeit und Kraft sechs Zähre lang gewidmet habe." AÜs deM weiteren Inhalt seines Briefes sei noch folgende Stelle angeführt: .„'Es ist iwtwendig, daß alle Welt begreife, daß die hebräische Kultur, die in Palästina wieder aufblüht, nicht eine zionistische Angelegenheit, überhaupt nicht die Angelegenheit irgend einer Partei, sondern eine allgemeine, jüdische Sache ist, die jeden Juden bis tief in die Seele hinein angeht, insofern er es treu und redlich Mit seinem Volke Meint und dessen Lage in der. Gegenwart begreift. ..." In einem.Nachwort tritt dann die Redaktion von „Ost und West" AchaL Haams Worten bei. Sie meint, daß der Hilfsverein' an „unseren naiven Glauben viel zu starke Anforderungen" stellt, lvenn er uns „Einreden" wolle,, daß „ein paar Agitatoren die sonst so ruhige, besonnene und fwedliche, stiller Arbeit ergebene jüdische Bevölkerung ohne weiteres znM Aufruhr verleiten könnten". Ter HftfsveveLtt hübe sich getäuscht, wenn er glaubte, kommandieren zu körmen, wie er es wolle. Ueberdies habe er gar kein Recht, auf das von ihm! gegebene Geld zu pochen. Denn „ die Sumbren, aus denen sich die Fonds des Techirikums zusaMmensctzen, staMmen nur zu einem verschwindend geringen Teil vom! ,',Hilfsvcrein der deutschen Juden". Sie sind hauptsächlich von russischeil und amerikanischen 'Inden ailfgeörachit und dem Hilfsverein auch nur unter der ausdrücklichen, von Herrn Jacob Schiff, New Pork, gestellten Bedingung überimesen worden, daß sie nicht einen Bestandteil der allgemeinen Fonds dieses Vereins bilden, sondern ausschließlich den Zwecken des jüd. Instituts für technische Erziehung in Haifa dienen sollen. Folgende Ziffern beweisen das. Es haben für das Technikum! in Haifa gespendet: Herr Wissotzky in Moskau 430,000 Mark, Herr Schiff in New Pork 420,000 Mark, Herr Rosenwald in Chicago 20.000 Mark, Herr Karpas in Jekaterinoslaw 10,000 Mark, zusammen also 880,000 Mk. Dieser Summe steht die Spende des Herrn Dr. James Simon von 100,000 Mark gegenüber, ferner Erträgnisse von etwa 13,000 Mark aus der Cohn-Oppenheimschcn" Stiftung. An Stipendien wurden gestiftet: 10 L 1000 'Mark für zehn Jahre von Herrn Rosenwald in Chicago. 15 ä 1000 Mk. von den amerikanischen.B'nei Berith-Logen; .einzelne Organisationen und Privatleute in Amerika haben zusammen 17 Stipendien gestiftet. Ein Stipendium auf Len Namen?lchad Haams hat Wissotzky errichtet, 12 Stipendien sind in Deutschland gesammelt worden. Alle aus Amerika stantmenden Geldspenden und Stiftungen.sind, ausschließlich der Propaganda des früheren Duma-Llbgeorimeten, des Dr. SchMarja Levin, zu verdanken, der in verschiedenen Städten Amerikas ca. 50 Borträge über die Notwendigkeit eines hebräischen Technikums in Palästina gehalten hat. Die Herren Wllensky und Feiwel haben in Rußland ca." 80,000 Mark für das TechnikuM gesammelt. und der Leitung des Hilfsvereins übergeben. (Daß diese Summe einstweilen anderen Zwecken zugeführt worden ist, kann weder den Spendern noch den Sammlern zum Borwurf gereichend Der jüdische Rationalsonds hat das Areal, auf deM die Gebäude des Technikums sich erheben, iM Werte von '100,000 Frs. zur Verfilzung gestellt. — Man sieht, der Hllfsverein und seine leitenden Männer haben sich pekuniär nicht allzusehr angestrengt, um die Mittel für das geplante TechnikuM' hürbeizuschaffen. Aber wtt betonen nachdrücklich, daß dies nur Nebensache ist. Denn „gäbe einer auch alle Schätze seines Hauses hin, spotten würde man seines, wenn er sich deswegen anmaßen würde, ein Volk zu tyrannisieren. Völker sind.nicht feil für Geldsummen. Wer sie lenken und regieren null. Muß ihr Vertrauen und ihre Liebe gewinnen, und. uM. dies zu erreichen, Mutz er mit dem Herzen und der Seele bei ihnen sein. Bor allen Dingen Muß er ihnen tiefstes Verständnis entgegenbringen. . „Ost .und West" schließt: „Faßt Man also Len Kämpf, den die Juden in Palästina jetzt gegen, den Hilfsverein führen, ruhig ins Auge, so wird Man zugeben niüssen, daß es ein Kampf für xin hehres; Ideal ist gegen eine leichtfertige, dllettan--^ tische Politikasters, die jüdische Mittel und jüdi sche Kraft Zwecken dienstbar machen .null, die mtt - Inden und Judentum nichts zu tun haben." Die Aeldipeude«. In Palästina sind schon 30,000 Frcs. aufgebracht, eine SuMine, die angesichts der Verhältnisse ein Zeichen großer Opferwilligkett ist.! Die Zioü. Organisation hat bereits 100,000 Mark Zusammen. Die Odcssaür Gcscllscha ft der Zionsfreunde hat einen Jahresbeitrag von 25,000 Frcs. bewilligt. In Berlin haben 25 Personell 8000 Mk. gegeben, in Teplitz (Böhmen) eine Daum 1400 Kronen, Elberfeld zeichnete 1850 Mk. Jahresbeiträge. Proßnitz (Mähren) 660 Kr. Jahresbeiträge, Wien gab bisher 4500 Kr., Pilsen 1000 Kr., Prag 2100 Kr., Gablonz 4000 Kronen. Aussig und UMgegend 1600 Kronen. In Nürnberg und München wurden nach dem.Bortrage Rechtsanwalts Dr. Klee-Berlin 1000 beziv. 2000 Mark Jahresbeiträge gezeichnet. Bon Rußland liegen heute schon Einzelzeichnungen in Höhe von 5000 und 3000 Mk. vor. In Moskau ivurden bisher 12,000 Mk. aufgebracht, in Charkow 4800 Mk. In Petersburg. wo die Sammlung . erst begonnen hak, wur- "den bis jetzt schon 8500 "Mark gegeben. Warschau als erste Raljv 3000 Mk., E k a t c r i n o s - law zeichnete 6200 Mark. Die Zionisten Kvnstantinopels sandten telegraphisch 2500 Frs. Bei,, der Jahresversammlung der Federation of Zionist «ocieties of Canad a wurden 3500 Mark gesammelt. Der bewährte Freund des palästinensischen Schulwerkes, Jacob Moser in Bradford (England). stiftete 5000 Mark. Aus Galizien liegen Nachrichten Über Einzelzeichnungen vor, darunter mehrere in Höhe-von 500 und 300 Kr.

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