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Neue jüdische Presse · 1913-12-31 · Heft 52 (31.12.1913) · p. Seite 12

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 52 (31.12.1913)
Date
1913-12-31
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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«ch.lL - wäre» I. L. Perez, dessen Romane einen symbolischen Zug'tragen und deshalb für die große Menge unverständlich find, dann Schalom Asch, der doch hauptsächlich Novellist ist und endlich ^Schalom Alechem (Rabinowitz) zu zu erwähnen. Dieser letztere ist ein ausgezeichneter Humorist und wäre mit Mark-Twain zu vergleichen. Er ist ein hervorragender Kenner des jüdischen Lebens und auch ein getreuer Schilderer desselben, weshalb er so populär und beliebt ist. Einer der großen Lyriker ist Morris Rosenseld. Am Schluß des Vortrags liest der Redner eine kleine Erzählung von Schalom Weichem und einige Gedichte von Rosenfeld vor. Kvlew. 3«m Heimgang Ignatz KanffmannS. Fast sämtliche jüdische Zeitungen brachten kürzere, oder längere Berichte über das Hinscheidcn des allseits bekannten, und besonders in den Kreisen der jüdisch gebildeten Belt hochgeschätzten Berlagsbuchhändlers Ignatz Kausfuumn. Die einen hoben sein kaufmännisches Wirken hervor,, die anderen seine großen Verdienste um den jüdischem Buchhandel; während die vorzüglichen menschlichen Eigenschaften, die den Verblichenen in so hohem Miste ünszeichneten, nur eine ungenügende Würdigung fanden. Dem Schreiber dieser Zeilen war es vergönnt, 7 Jahre lang mit dem Heimgegangenen zusammen zu arbeiten und. zwar aus dem wissenschaftlichen Gebiete des jüdischen Buchhandels, auf dem er so erfolgreich, ja man darf sagen, bahnbrechend, gewirkt hat. Wenn heute in Deutschland ein moderner jüdischer Buchhandel existiert, so hat er sein Dasein nur allein der ebenso unermüdlichen, wie hochstrebenden und zielbewnßten Tätigkeit dieses energischen, klugen Mannes zu verdanken. Es gibt kaum einen jüdischen Buchhändler in Deutschland, der nicht aus seiner Schule hervorgegangen wäre. Es sind mir während der Zeit meines Zusammenarbeiten mit dem nunmehr Verklärten viele seiner edlen Charaktcrzüge offenbar geworden, die, wie ich glaube, selbst seinen eigenen Angehörigen verborgen blieben. Er war seinen Angestellten, nicht nur Chef, sondern auch Lehrer, beratender nikd teilnehmender Freund. Auch in Angelegenheiten des privaten Lebens stand er ihnen helfend und schützend zur. Seite. Zu all diesen Tugenden gesellten sich eine schlichte, .herzliche und väterliche Art in Ton, Rede und Umgang, die ihm eigen war, und die chm allseitige Liebe und aufrichtige Verehrung eintrng. Daraus erklärte es sich, daß die, die um chn waren, ihre Arbeit nicht nur in Erfüllung chrer Pflicht taten, sondern freudig, treu und dankbar, ihr ganzes Sein ihrem Wirkungskreis Wechten. Mit Ignatz Kauffmann ist eine interessante, markante jüdische Persönlichkeit, ein mustergültiger Ches und in echter Linie ein ausgezeichneter Mensch aus unserer Mitte geschieden. Diejenigen, die chn in seinem Schaffen, in seiner Pflichtechüllung, in seiner Güte und Ehrlichkeit kannte», werden chm dauernd ein ehrendes und liebevolles Andenken bewähren, und sich sein praktisches und weises Wällen zur Richtschnur und zum Vorbild nehmen. —n. Ehaunkafest des „Mou'efiore.Vereins. Die Chanüka- und 18. Stiftungsfeier des Vereins „Montcfiore", die am vorigen Samstag abend im großen Saale des .Kaufmännischen Vereins" stattfand, fiel insofern diesmal ungünstig, als ein großer Teil gerade der ältesten und treuesten Mitglieder das schöne Winterwetter und die berussfreien Tage zu Reisen und Wandechahrten benutzt hatten. Wenn trotzdem im Laufe des.Festes der riesige Saal und die Galerie sich fast bis zum letzten Platze mit einer festlichen Menge füllten, so darf der Verein dies als einen Beweis für die große Beliebtheit seiner Veranstaltungen, zumal seiner Chanukafeier, betrachten. Das Programm des Abends wies diesmal nur fünf Nummern auf, die aber eindruckssicher waren. Dr. May zog in der eröffnenden Festrede eine Parallele zwischen dem Ringen der Makkabäer und der Arbeit der heutigen jüdischen Jugend an chrer Vervollkommnung. Es folgte eine Aufführung des klassischen Dramas „AHatie" von Racine in deutscher llebertragung. Es muß dankbar begrüßt werden, daß man ein SBerf des großen französischen Tragödiendichters gewählt hatte, der diese Beachtung von Mischer Seite wohl verdient, nachdem er hier, wie auch in seinem Drama „Esther'" eine starke Verehrimg für die jüd.- Geschichte bewiesen hat. Seine pachctffchc, mit bekannten Psalmenstellen durchsetzte, auch au. Lyrismen reiche Sprache verfehlte auch. diesmal die Wirkung auf die Hörer nicht, zumal die äußerst geschickte Regie des Herrn Otto Bernstein (vom „Neuen Theater") durch kräftige Striche die der jüdischen Königsgeschichte entnommene Handlung klar hervortrcten ließ. Lut« seiner Leitung hatten offensichtlich die Darsteller der verschiedenen Haupt- und Nebenrollen eifrig studiert, so daß manche überraschend reife Leistung geboten wurde. Wir erwähnen besonders rühmend die mit großer Gest¬ und . kraftroll - sonorem Organ wiedergegebene Titelpartie des Frl. Liesel Schott (oom Schauspielhaus), die auch durch ihre Erscheinung die majestätische Königin gut repräsentierte, den würdigen Hohenpriester des Herrn Frie.dr. Strauß, dessen Leistung eins» Dillettanten alle Ehre machte, den markigen Abner des Herrn Bittmann, den als Nathan gut charakterisierenden - Herrn Drescher, die empsindungsvolle Josabeth des Frl. Rosi Hermann, das in Spiel und Sprache gleich fesselnde Frl. Net ly Bambergex in der rührenden Rolle des königlichen Kindes, Frl. Eil ly 'Frau l c n ty a l als lieblich - kindlicher. Zacharias- Frl. Dora Straust als vorzüglich sprechende Chorführeric und' Sülamith. — In kl-meren, aber nicht minder beachtenswerten Rollen machten sich Frl. Martha Feist und die Herren Lebi, Simon', Dannenberg und Grüneb aum nebst den recht hübsch anssehenden Damen des Chors verdient. Ws Ouvertüre und vor dem letzten Wte wurden von einem kleinen, aber gut klingenden Orchester Stücke aus dem Oratorium „Athalie" von Felix Mendelssohn gespielt; Kapcllmei,.er Artür Holde (oom Neuen Theater), der sich bereits in früheren Jahren um den orchestralen Teil der Monte,iorefestc Verdienste erworben hatte, dirigierte auch diesmal bestimmt und gut nüancierend. Er brachte im 2. Teil des Abends noch 2 Militärmärsche von Franz Schubert zu Gehör, die besonders schwungvoll gelange». Darnach konnte man sich an der feinen und reifen Kunst der beliebten Koloratursängerin Frl. Melitta Heim vom hiesigen Opcrnhaüse ergötzen, deren Vortrag von 2 Arien, einem Volksliedc und deni Brahms'schc» Ständchen mit stürmischem Beifall belohnt wurde. Alois G r o ß m a n n, der gefeierte Interpret komischer Rollen im „Neuen Theater", brachte den Solistenteil zum heitersten Abschluß. Seine urkomischen Szenen aus dem Leben, des Vereins zur „künstlerischen Klebung ungezackter Reklamemarken" versetzten die Äachmuskln der Zuhörer in geradezu beängstigende Bewegung und fanden naturgemäß stürmischen Applaus. Den Darbietungen folgte ein Ball, der bis in die frühen Morgenstunden gedauert haben soll. Bere a für jüd. Kultur. Donnerstag abend sprach im Verein „Jüd. Kultur" Herr A. Labin über das Thema: „Morris Rosenfel d". An der Hand von reichem Material demonstrierte der Redner die Eigenart und Bedeutung des großen jüdischen Lyrikers und hintcrließ bei den Zuhörern einen nachhaltigen Eindruck. Kleine Notizen. Hier weilt 'gegenwärtig Rabb. Abraham Sack heim aus W o l i a (Rußland), der zu den bedeutenden Rabbinen Rußlands zählt. Er ist Verfasser mehrerer rabbinischer Schriften und Herausgeber des Sammelbuches „Hapisgo", des ersten periodischen Organes der russischen Orthodoxie, von welchen 10 Jahrgänge erschienen sind. Er hat ferner in russischer spräche ein großes Werk über „Die soziale und Arbeiterfrage im Talmud" versaßt. Montag finden zwei interessante Veranstaltungen statt: eine große öffentliche Versammlung der Zion. Ortsgruppe, in der der berühmte Redner, Rechtsanw. Dr. K l e e - Berlin sprechen wird (siehe Inserat) und ein Vortrag Rabbiners Dr. Kober-Wiesbaden im Verein für jüd. Geschichte und Literatur. Eingesandt. Aus der Generalversammlung -er Israelitischen RetlgtoasgeseUslyatt Die Verwaltung der Israelit. Religions-Gesellschaft steht, wie die Generalversammlung wieder einmal zeigte, keine Probleme. Daß aber doch sehr erhebliche ungelöste Fragen sich im Laufe der Jahre aufgetürmt haben und einer Erledigung harren, ist völlig unverkennbar. Die Frage der scharfen Propagandierung des Austritts, die Aenderung der alten Statuten, die absolute Freiwilligkeit der Mitglicdsbeiträge, die fast alle Jahre ein neues Defizit veranlassen, alle diese und noch manche andere dringende Fragen stehen immer und immer wieder im Mittelpunkt der leider nur so kurzen Diskussion. Wenn auch Herr Bankier Wolfs aus diese Fragen nur hinwies, so hatte er doch völlig rechst daß die Generalversammlung nicht das Forum sein könne,wo solch wichtige und auch wohl einschneidende Fragen erörtert werden können. Schon früher, so führte der Genannte aus, sei die Notwendigkeit zur Regelung dieser Fragen von einem großen Tell des Vorstandes selbst anerkannt worden» und es nahm sich daher wie eine Ironie aus, daß gerade Herr Rosenheim, der Sprecher des Vorstandes, der in seinem damaligen Referat an den Vorstand schriftlich darauf hingewiesen hast daß es in der alten Form nicht mehr weiter ginge, und daß die Wanderung der Statuten, die Erweiterung der - Mitgliederzahl des Vorstandes und Ausschusses sowie seiner Befugnisse eine dringende Notwendigkeit des heutigen Geschlechtes sei, wenn es auch für die Zukunft jauze sein wolle. Eine völlige Sinnes- und Meinungsänderung bei dem Redner in so verhältnismäßig kurzer Zeit, woher mag die nur kommen? Mit keiner Silbe hat es der Redner, für angebracht und notwendig gehalten, der Versammlung, dieses kund zu tun! Prinzipiell aber ist doch nachstehende Betrachtung von hohem, ja man kann ruhig sagen sittlichenr Interesse. In welcher Weise Vonseiten der Religionsgesellschaft Propaganda für den Austritt aus der jüdischen Gemeinde gemacht wird, das ist wohl genügend bekannt. Man sollte denn doch annehmen, wenn diese Maßnahme religionsgesetzlich unerläßlich ist, daß auch die Möglichkeit vonseiten der Religionsgesellschaft geboten isst jedem, der sich meldet — ganz einerlei, ob er zahlen kann oder -__ Nr, . 52 nicht — die Mitgliedschaft,. sofern. er die Bedingungen des § 4 der Statuten erfüllt, zu gewährleisten. Dem ist aber niM so. Zunächst hat der Vorstand daS Recht, ohne Angabe von Gründen jeden zurückzuweisen, und ferner ist dann noch die Aufnahme von der Zahlung eines Beitrages sowohl zur Kultusals auch zur,Schuf-' kasse direkt abhängig, sodaß es daher unseren, unbemittelten Glaubensgenossen gar nicht möglich ist, sich 'auch mir zur Aufnahme auzuinelden, da sie sich naturgemäß - vor einer Zurückweisung fürchten, lind es ist ja in der Tat ein offenes Geheimnis, daß die Verwaltung mit allen Mitteln zu verhindern suchst daß die hierhergczogcncn galizischen oder osteuropäischen 'Juden sich der Religionsgesellschaft anschließen. Immer und immer wieder wird man von ausschließlichen Mitgliedern der ReligionscpieUschaft darauf hingewieseii, daß man gar nicht derartige Mitglieder, die der Gemeinde doch nur zur Last falle», haben wolle. Wenn man auch, gegen die Richtigkeit dieser Argumentation vielleicht nichts Vorbringen kann, so liegt doch in der prononzierten Betonung der religiösen Notwendigkeit Mitglied, ja ausschließliches Mitglied der Religionsgesellschaft zu sein und der Verhinderung, zahlnngsschwache und zahlungsunvermögenbc Glaubensgenossen anfznnehmen, ein himmelschreiender, unwürdiger Widerspruch. Es ist uns bekannt, daß der Vorstand Ausnahmen direkt von der Leistung höherer Beiträge abhängig gemacht hast als Aufnahmesuchende gewähren wollte oder konnte. Es war notwendig, einmal auf diesen Zustand hinzuweisen, um die Aufrichtigkeit, mit welcher der Austritt verfochten wird, llarzustellen. Hoffen wir, daß nun wenigstens nach dieser Richtung eine Aenderung. eintreteii wird, damit der Religionsgesellschaft der Vorwurf erspart bleibt, daß sie das Prinzip, daß sie theoretisch vertritt, in der Praxis nicht zur Ausführung kommen läßt, sobald cs nicht auf einem entsprechend gestillten Geldsack ruht. Einer für Biele. Tie Tekufoh. Unter den vielen Ungereimtheiten, die der Beilis-Prozeß zum!. Vorschein brachte, befand sich auch die Aeußerung über die Tekufoh, die Juden seien der Ansicht, daß viermal im.Jahre..etwas vom Himmel fiele, wogegen sie sich durch abergläubige Gebräuche zu schützen suchten. Es dürste daher von Interesse sein, in Erinnerung zu bringen, was es tatsächlich für Bewandnis damit hat. Bekanntlich haben wir Juden den Mondkalender, aus verschiedenen Gründen jedoch ist auch der Umlauf der Erde um .die Sonne in Betracht zu ziehen. Man denkt sich dahör vier Punkte in dieser Bahn, bei denen angelangt die Sonne ihren Lauf zu ändern .scheint, und zwar Frühlings-, SomMer-, Herbst^ und Winterbeginn, und nennt sie Tekufauth (Kreislauf der Zeit). Die Dauer des Sonnenjahres nehmen wir mit 365 Tagen 6 Stunden an, sodaß tzon einer Tekufoh zur anderen 91 Tage 7% Stunden zu zählen sind. In jedem jüd. Kalender ist nun der Eintritt der Teknfoh angegeben, was schon für die Lithurgie von Wichtigkeit ist, da die Einschaltung , des Regenbittgebetes sich nach dür Tekufoh richtet. Aus Erfahrungen, die Man vermutlich im Orient machte, entstand der Gebrauch, zur Stunde der Tekufoh alle Flüssigkeiten, die man zum Genuß gebrauchte, zu bedecken, möglich, weil man bemerkt hatte, daß bei manchen atmosphärischen Erscheinungen Speisen verdarben, wie auch beispielsweise bei uns bei 'Gewitterentladungen die Milch manchesmal gerinnt. Dem Wahne der unteren Volksklassen — der in Deutschland, auch durch den Sprachgebrauch: „Die Tekufoh fällt ans den Trog" erklärlich ist —, daß hieran etwas, was vom Himmel falle, Schuld sei, wurde schon von Rabbinern vor 900 Jahren entgegengetreten. In Schriften, die im vorigen Jahrhundert erschienen, wurde die Vermutung laut, der Eintritt per Tekufoh wirke ähnlich auf die Zersetzung der Speisen wie ein Gewitter, womit man auch zu. erklären versuchte, daß empfohlen wurde, zu dieser Zeit, ein Stück Eisen neben die Speisen zu legen. Neueste Forschungsresultate haben diesen Brauch teilweise bestätigt. Im jüngsten Heft .der Meteorologischen Zeitschrift veröffentlicht nämlich Schuster Untersuchungen und statistische Angaben, die einen bemerkenswerten Einfluß der 16, 6jährigew Mandperiodc auf die wichtigsten meteorologischen Ele-

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