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Neue jüdische Presse · 1913-12-19 · Heft 50 (19.12.1913) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 50 (19.12.1913)
Date
1913-12-19
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Nr. 50. Seite 4 9. Die Organisation muß Lei Frauen und Mädchen sowie Kindern den Nationalfonds populär machen und ihn viel mehr wie bisher in den jüdischen Häusern einsühren (Spendenbuch, Blumentag, großzügige Materialsammlungen). 10. Die Organisation muß Broschüren über zionistische Frauenarbeit und zionistische Jugenderziehung Herausgaben, desgleichen sich bemühen, in den verschiedenen Ländern ZUgendzeitungrm einznrichten. Ebenso die Herausgabe eines zionistischen Jugendbuches, wenigstens jedes Jahr eins, in Form eines Kalenders vielleicht. ' 11. Die Organisation soll Fühlung nehmen zu jüdischen Pensionaten und .jüdischen Schulen und versuchen, gut jüdische nationale Erziehung da einzuführen, vielleicht auch sÄst zionistische Kensivnate ins Scben rufen. Ebenso Vorbereitung der Einrichtung von landwirtschaftlichen Schulen hier in Deutschland, damit Frauen und Mädchen, die nach Palästina hinübergehen, schon mit Kenntnissen versehen sind. 12. Die Hauptaufgabe ist natürlich, für Verbesserung und Vergrößerung der Vereine zu sorgen, um durch anhaltende planmäßige Agitation die Schckclzahlcr zu vermehren. Dazu müssen ferner vor allen Dingen so viel wie irgend möglich neue Frauen- und Mädchenvereiu: geschaffmi werden. Sie muß Fühlung nehmen zu den Beärauensdamen in. den einzelnen Städten, u>n dann durch Rednerinnen Frauenvercinc zu schaffen. Wie». Ueber Stephan Großmann, von dem im ,März" ein Artikel „Grablied des Zionismus" erschienen ist, schreibt die „Jüd. Ztg.: „G. ist Literat und typischer Wiener Assimilant dazu. Er hat alle möglichen politischen Ueberzeugungeu gehabt. Ec war Liberaler, dann Anarchist, zuletzt bei einem sozialdemokratischen Blatte tätig . . . Eine oberflächliche um» stielerische Natur, daher auch sein größtes und innerstes Interesse für Theaterangelegenheiten, von denen er wirklich etwas versteht . . Bndnpeft. Aufschwung des Misrachi in Ungarn. Der Budapester Zentralverein hat durcy zahlreiche Ilebertritte von Foederationsziomsten, welche zufolge der Vorgänge auf der letzten Landeskonferenz aus dem Verband getreten sind, eine ansehnliche Stärkung erhallen. Auch aus der Provinz werden zahlreiche Anschlüsse an den Misrachi angemeldet. Das Clublokal in der Andrassystraße ist stets gut besucht. Jetzt ist unter Führung des Advokaten Dr. Simon Stern und des Lb^es Dr. L a s z l o Mohn ein Sportklub gegründet worden. Ingenieur Leopold Lindenbanm, der Präses des Landesverbandes des Misrachi, und L e b o - w i ts ch sind mit Energie an der Arbeit, die Organisation auszubauen. „Ungarl. Jüd. Ztg." Informationsu.Ueberaetzungi-Bureau: I. Weinstein, noiSÄr t für Luidg.-Bez. Frankfurt m.U.n. Wiesbeu. Ealseratragse 11, Franktnrt am Kain, Telephon S831,1. totta t S. Twtafa itth Snstlatii. VetonetL, AmWltfte. na. Eduettmueh. M« Gelübde. Roman aus dem Wischen Gemeindeleben. '.Von S. Lutz-Mannheim, (Frischung.) „Nun, ich will Dir einmal einen Stuß von ihm erzählen. Bor kurzem ist zufällig ein Antiquitätenhändler aus Frankfurt, der die ganze Gegend abgekiopft Hai, auch nach Ganzebach gekommen, wo er ein mit alten geschnitzten Brettern benageltes Scheuncntor ficht. In der Nähe der Scheuer stcht Simon Gotischalk vor seiner Haustür, und der Fremde sagt zu chm: „Hören Sie einmal, junger Mairn, glauben Sic, daß der Bauer dort die Bretter von seinem Tor verkauft?" „Warum nicht?" antwortete Simon, „für Geld kann man alles haben." „Wollen Sie hingchen und die Bretter für mich Luisen? Gegen einen Fremden sind die Bauern oft mißtrauisch." „Gewiß," sagte Simon, „recht gern, >vas soll ich chnt denn bieten?" „Bieten Sie chm hundert Taler und sagen Sie chm, ich ließe ihm außerdem noch neue Bretter hinnageln und das ganze Tor mit Oelfarbo streichelt, - und für Ihre Bemühungen, wenn Sic den Kauf so übschließen, erhalten Sie zehn Taler. Wollen Sie das tun?" „O ja, recht gern," sagt Simon. .Was meinst Tn denn, was der Narr tut? Er geht hin und bietet dem Bauer wirllich hundert Taler imd so weiter, und hat das Glück, zehn Taler zu verdienen, wo er Gelegenheit hatte, das zehn- und zwanzigsache, zu verdienen, denn der Bauer hätte die Bretter für einen Taler auch hergegebcn, wenn man chm das Tor neu hergerichtet hätte. Der Simon hätte außer seiner Provision also noch 99 Taler verdienen können und vielleicht noch mehr." „Narrheit ist das nicht," meinte Zlbraham, „er konnte Loch nicht sagen, er habe es fiir hundert Taler gekauft, wenn er nur einen dafür gegeben hatte." „Das nicht, aber er hätte dem Freniden sagen können, er habe es für sich gekauft, dem Fremden konnte es egal sein, der hätte ihm vielleicht noch fündig Taler mehr gegeben, denn er schien auch ei» Narr zu sein." Frankfurter FsraelktiWeS GanrülatSIäB. Th. Briese Gegründet 1832. Frankfurt a> M. Telefon Amt 18679. 34 Goethestrasae 34 (nächst dem Opernhaus) Moderne Wandand Stand*Düren, Taseben-Uhren. Glashütter and Genfer Fabrikate. Grammoplioue. Offizielle Verkaufsstelle der Deutschen Grammophon-A.-G. „Wieso?" „Erstens bietet - man nicht gleich Hundert Taler, wenn man etwas kaufen will, alte Bretter gibt's genug in der Welt, und dann, um die alten Bretter Herunter . zu machen, Hat er drei Schreiner aus Frankfurt kommen lassen, die zwei Tage daran Herumgearbeitet Haben, das Hat ein Vermögen gekostet, ein Schreiner von Ganzcbach Hätte ihm in ein paar. Minuten die ganze Geschichte heruNtergezwängt, das hätte ein paar Groschen gekostet." „Der Frankfurter wird sein Geschäft schon verstehen." „Meinetwegen, aber hör nur weiter. Ein paar Tage darauf begegne ich dem Simon und werfe ihm seine Dummheit vor, daß er nicht die Breiter für sich gekauft und sie dem Frankfurter wieder für 109 oder meinetwegen für 150 Taler verkauft Hai, was meinst Tu, was er mir da geantwortet hat? Nun, das wirst Du iir hundert Jahren nicht erraten." „Nun, dann hsag's." David lacht: jetzt noch in der Erinnerung an Simons unerwartete Antivort, die nach Onkel Davids Meinung der sicherste Beweis der Dummheit war. „Der Franksiirter hatte mich doch gefragt, ob ich hingehen und für ihn 100 Taler bieten wollte, und ich hatte darauf „ja" geantioortet, also konnte ich doch nicht anders, denn mein Wort konnte ich doch nicht brechen." „Aber das ist doch nicht dumm, Onkel, im Gegenteil, ich habe alle Achtung vor einem Menschen, der so unbedingt treu an seinem Wort hält, vielleicht ist das gerade der Grund, daß ihn die Leute so auszeichnen." „Bah," meinte Onkel David, „wer so tiselich ist mit seinem Wort, der bringt es nie zu etwas. Wie wollte ich ein Geschäft fertig bringen, wenn ich jedes Wort aus die Goldwage legen wollte?" „Bist Tu reich geworden, Onkel?" David wurde bei dieser Frage sichtlich verlegen. „Bei mir ist das etwas anderes, ich habe nie ein eigenes Geschäft gehabt, ich habe immer mir vermittelt, — und wie soll man als Vermittler reich werden?" Man kehrte zum Ballsaale zurück, — und da mußte David noch eine andere Ueberraschnng erleben. Samuel Stert, tanzte iwch mehrere Male mit Rahel, und gegen Mitternacht bestellte er sich gar eine Extratour, bei der er allein - mit seiner Tänzerien Rahel tanzte und alle andern rings im Kreise als Zuschauer standen, n,td am Schlüsse warf Smnuel vor aller Augen einen harten Taler fiir die Extratour in die Baßgeige. David und Jettcheu Reinwale waren noch mehrere Tage nach dein Ball in einiger Aufregung; Samuel, für den sie die. reichsten Partien in Aussicht hatten, drohte, ihnen durch Verliebtheit zu entgehen. Als die Festtage .vorbei waren, wagte David ei»- . mal, gegen Rüben Stern etwas über seine Beobachtimgen aus dem Balle' zu äußern, mib zu seiner Verwunderung begegnete diese Mitteilung nicht der entschiedenen Zurückweisung, die er befurchtet hatte. Rüben lächelte nur diplomatisch und meinte, Samuel könne eine Frau ernähren, ivenn er auch keine große Mitgift erhalte. Nun wurde David dringlicher, und, als der Winter seincin Ende nahte, hatte er die Zustimmung Rubens, fiir Samuel um Rahel zu werben. 2. Kapitel. Ter lange und hagere David Reinwald neigte den Kopf im 'Gehen immer etwas vor, als ob ec etwas auf dem'Boden suche oder über etwas Wichtt'ges nachdcnkc, aber heute, als er aus dem Hause des Josef Hcilbrinm kanr und so langsam über den Marktplatz schlürfte, erschien seine Haltung noch geduckter, als sie gewöhnlich war. Er hatte eben eine Enttäuschung erlebt, wo er eiucn sicheren Erfolg erhofft hatte. Enttäuschungen war David Rcinivald gewöhnt, das brachte seine Tätigkeit als mw Echte Lincrusta ~w , in allen Farben ä Meter von. 27 Pfg. netto an. Ringfreie Tapeten-Industrie C. Kupscln Altegasse 27|29. Vermittler mit sich, das Vermittlcrgeschäft besteht, wie man sagt, aus 99 Prozent Enttäuschungen und das letzte Prozent wird am Ende, gar oft auch noch zu Wasser. Gerade weil er auf häufiges Mißlingen seiner Pläne gefaßt sein mußte, ivar Reinwald als Schadchen vorsichtig und überlegte mit seiner Frau Jettchen alles in stundenlangen Beratungen, ehe er einen Schritt tat, und nun mußte cs ihm heute begegnen,. als er Josef Heilbrunn, dem Parnes und angesehenen Gemeiudcmitglied, einen großartigen, mit langer Ueberlegung und vieler Mühe ermöglichten Vorschlag für seine Tochter Rahel machte, daß dieser Antrag kurz, ja mit beleidigender Kürze abgelehnt wurde. „Du machst ja ein Gesicht wie drei Tage Regenweiter," sagte Jettcheu, als ihr Mann sich langsam und gebeugt durch die Tür schob und sich in den Sessel neben dem Ofen fallen ließ. David gab keine Antwort, sondern blickte nachdenklich und kopffchüttclnd zu Boden.. Er hatte den Mißerfolg noch nicht überwunden. „Hat denn der Josef nicht mit beiden Händen zugegriffen, als Du ihnr den glänzenden Eintrag machtest?" fragte Jettchen schließlich verwundert. „Zugegriffen?" fragte David dagegen, „ich bin sioh, daß er nicht mit beiden Händen zugegriffen und mich hinausgcworfen hat." „Was?" kreischte Jettcheu, „ist Saniuel Stern nicht der einzige Sohn von Rüben Stern, und ist nicht Rüben Stern der reichste Mann in der Khille?" ' . „Was. sagst Du inir Tinge, die ich so gut weiß wie Du, und die ich mir so klar und deutlich zurecht gelegt . hatte, das; ich keinen Augenblick an der Sache zweifelte, nachdem ich von der andern Seite die Zustimmung hatte? Ich hätte drauf geschworen, daß der Schiduch mit einem Gang fertig wird." „Was hat er denn gegen die Sache?" „Der Junge gefällt ihm nicht." David konnte sich . nicht enthalten, diese Berichterstattung mit eiirciN verärgerten Lachen zu begleiten, Md Jettchen schlug vor Verwunderung die Hände über dem Kopf zusammen. „Der Junge gefällt ihm nicht? Samuel Stern gefällt ihm nicht?" rief die fassungslose Frau ein' über das andere Mal, „die beste Partie in der ganzen Khille gefällt ihm nicht? Da weiß ich nicht mehr, was ich sagen soll." David zuckte ärgerlich mit den Achseln. „Das weiß ich alles so gut wie Du, aber was ist zu machen, wenn er nicht will? Tu kennst doch den Joses. Wenn er was will, dann rennt er Mauern um mit seinem harten Kopf, und wenn er etwas nicht will, wirft ihn ein ganzes Regiment Soldaten nicht um, ein eigensinniger Mensch, mit dem nicht zu reden ist." „Er muß. Dir doch, einen Grund angegeben haben für seine Ablehnung, oder bist Du so ohne weiteres wieder wcggegangen?" „Ich werde Ml Eirde noch von Dir schadchcnen lernen sollen! Geredet habe ich wie ein Buch, und er hat mir iwch nicht einmal eine Antwort gegeben, sondern hat gesagt: „Du hast recht, David, der Hafer ist dieses Jahr nicht so schtver wie voriges Jahr," — und ich habe von Hafer feiti Wort gesprochen gehabt." „Eine solche Behandluitg ist eine Chuzpe." „Was heißt Chuzpe? Du kennst ihn doch, ivenn er auf eürc Sache keine .Antivort geben will, darf der König kommen, er bekommt keine." sf „Hat er auch im Anfang gar keinen Grund angegeben, ivarunl ihnk der Junge nicht gefällt?" David lachte höhnisch auf. „Natürlich hat er, aber Du darfst hundert Jahre raten, so wirst Du es auch mcht raten, obgleich sie so recht zum Josef paßt." „Nun?" fragte Jettchen ungeduldig. „Du kennst doch das Wörkchert, das er immer im Mund hat: „Am Worthalten kenn ich den Mann". „Wenn ein Mann," hat er schon einmal gesagt, „versprochen hat, nächstes Jahr an dem und dem Tage um zehn Uhr am Ende der Welt zu sein, dann ist er da, und wenn es Brennessel und Kieselsteine regnet, wenn er aber kein Mann ist, wird er schon nicht kom- 1E. Ettinger Söhne Pelzhandlung und Pelzkonfektion. Anfertigung nach'neuesten —— Pariser und Wiener Modellen. -— Frankfurt a. M. Langestrasse 31. Telephon Amt T, 5281. ‘

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