Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 50 (19.12.1913)
- Date
- 1913-12-19
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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tßefte 2. Ne LYtiskiHDchG AivilklaM, wah«nd die WHl DHc AWcEÜWxr imt? einigen Zeilen <t&f gettnrs»«rveüi WMgenügtÄ ober diesen frommen Blattern nicht! Es folgen erläuternde Artikel -über verschiedene „Ritualmorde" der Vergangenheit mit angMichen „Geständnissen" der Angellagt«l. Auch Äe Einzelheiten der Ritualnwrdzeremonien wurden nicht erspart. Ein klerikales Witzblatt brachte sogar ein „authentisches Dokument": eine Photographische Reproduktion aus einer alten , „Agava", in der das bekannte Bild' „Pharao badet ich Blute jüdischer Knaben" zu finden ist. Das ist — nach diesem' Blatte —, ein authentisches Bild des Rituülmordes! 'sBesonders die Units Cattolica in Florenz, die sich der besonderen Gunst des Vatikans erstellt, hat. eins systematische, unaufhörliche Propaganda gegen Bellis geführt. Ein Versuch Oberrabbiners Dr. Margulies, der besonders scharfen Hetze der Units durch Vorsprechen beim Sekretär des Florentiner Erzbischofs Einhalt zu tun, istvoklständig mißlungen, da — ungeachtet der Versprechungen, die .er erhalten haben soll —, die Units ihre Hetze fvrtfstzt und erst dieser Tage ihren Lesern ein besonders giftiges Buch über „Das christliche Blut in den Riten for modernen Synagoge" empfohlen hat. Wasuns befriedigen Muß, ist .die Haltung der übrigen Presse aller Schattierungen — von der konservativen bis zur .sozialistischen—: alle fanden Worte des tiefsten Milleids für den Atärtyrer Bellis. Biel Aussicht hat die Judenhche im llalieaischeir Bolle mcht, — und so brauchen^ wir die Hetze der klerikalen Presse nicht schwer nehmen. Ben David. Antisemitisches aus Kanada. Zwischen der jüdischen und der katholischen Bevölkerung vvn Quebeck herrschen in der letzten Zell ernste! Unstimmigkeiten. Nachdem die Juden energische Versuche gemacht haben, sich gegen die sinnlosen Beschuldigungen zu wehren, die im Anschluß an den Beilisprozeß von katholischer Selle gegen sie erhoben worden sind, hat 'vor kurzem ein bekannter Richter in Quebeck, Maloutn, entschieden, daß von jüdischer Seite eingkbrachte Klagen wegen Beleidigung der jüdischen Religion künftig vom Gericht nicht Mehr angenommen Wörden sollen. Diese Erklärung schloßt sich an eine Klage, die auf eine öffentliche Rede hin erhoben worden War und in welcher behaufNÄ wurde, der Talmud saktionierte die Ermordung vvn Christen, Die Kläger gaben an, daß durch dcrarllge, Aeußerungen der Haß der katholischen Bevölkerung gegen sie geweckt und. ihre wirtschaftliche Lage geschädigt würde. — - Die Juden in Kanada sind entschlossen, es nicht bei dieser richterlichen Entscheidung bewenden zu lassen. In einer Sitzung der Rechtskom- -miffLon des. Baron Hirsch-Instituts, das. eine Art Bertretungskörperschaft der kanadischen Juden darstellt, wurde beschlyssön, gegen das Urteil des Richters in Quebeck beim höchsten englischen. Gerichtshof, dem Court vf Appeal, Berufung einzulegen. Ei« K»tt«rkampf in Palästina. Jerusalem, 14. Dez. Der Hilfsverein d«r Deutschen Juden, der um die Neubülebung der hebräischen Sprache .in Paläsüna große Verdienst« hat, ist auf dem Wege, alle Sympathien in Palästina zu perliören. Seine neueste Taktik geht -Mehr und mehr dahin, .die von ihm selbst.gefördert« hebräische Sprache wieder zurückzudrängen, ohne daß .man recht weiß, worauf dies« Sinnesänderung zurückzuführcn wäre. Mll der gewaltsamen Propaganda für die deutsche Sprache, die der Hllfsver- .ein jetzt stillt der hebräischen in den Vordergrund stellen wlll, wird jedenfalls das Gegenteil der ve a b s i ch t i g t e n W i r k u n g erreicht werden: die Juden, die bisher mll Vorliebe deutsch sprachen, werden in ein« Kampfstellung gegen die deutsche Sprache gedrängt. , Dazu kommt noch, daß. die Methoden, deren W der Hllfsverein Mient, umseinen neuen Ten- Erankfurter Israelitisches AauMenSlaü. denzen WgönMler' WepEnWÄmgckHeiAzMlkmuH put DürchbrMr zu iwrhelfen; tzanD aK if W - Polizeimetho-dcn 'erinnern. LDier' fümtlichenhiesigen Schuleir dös Hllfsvereins wurden Ende dieser Woche von türkischer Polizei besetzt. Man sagte die anwesenden Lehrer mit brutaler Gewalt hinaus, weil sie mll der ganzen intelligenten Bevölkerung für den Vorrang der hebräischen 'Sprache eintreten, und versuchte, neue gefügigere Lehrer einzusetzen. Das mißlang allerdings, well sämtliche Schüler zusammen Mll ihren mißhandelten Lehrern die Schulen verließen. „N. I. K." Der Verband der hebräischen Lehre r P a l ä st i n a s, der bereits 150. .Mitglieder — darunter David Iellin — zählt, und dem nahezu sämtliche geprüften jüdischen Lehrer Palästinas angehören, hat folgenden Beschluß gefaßt: In Jerusalem wird ein neues Lehrerseminar mll David Lettin an .der Spitze gegründet, ferner werden neu eröffnet eine Töchterschule und einige Klassen einer Knabenschule. In diese Schuleir bezw.- in das Lehrerseminar werden die Schüler der bisherigen Hiflsvereinsschulen eintreten, die vollzählig ihre alten Schuten verlassen haben. Da die Mittel zur Gründung weiterer Schulen für Jaffa und Haifa bereit sind, so dürfte der Hilfverekn der Deutschen Juden, wenn er sich nicht sehr bald zu einer nachgiebigeren Haltung entschließt, ganz aus Palästina hinausgedrängt werden. „N. I. K." -?caktiscfcs Yfcihnachiscjs&cM - „SanogiTs“ Wunderbare Kockmethode. — Vornehmster Gasofen.- Alleinverkauf: ß eitoiiser * franke K*Xb«“T.e 8 A»s de» Ereignisse» des Tages. Der Kampf um die hebräische Sprache in Palästina. Ter Kampf um die Gleichberechtigung der hebräischen Sprache, den der unselige Beschluß des Kuratoriums des Haifaer Technikums verursacht hat» nimmt immer heftigere Formen an. Die Erregung der palästinensischen Judenheit steigert sich von Tag zu Tag. Und cs tut vor allem not, diese Erregung - richtig zu verstehen. und zu bewerten. Wer die an dieser Stätte noch nie dagewesene Entrüstung des neupalästinensischen Judentums als von außen her künstlich angefacht darzuflellen sucht, macht sich bewußt oder unbewußt einer argen Verdrehung. der Tatsachen .schuldig. Diese Erregung ist ganz nur aus dem neuen Jischub heraus geboren; keine fremden Kräfte haben sie hervorgerufen; und man verleumdet die palästinensische Judenheit, wenn Man ihren Kampf als eine Mache gewissenloser Agitatoren hinstellen will. Man dokumentiert aber auch eine unverständliche Verständnislosigkeit für die innersten und heiligsten Ideale des modernen Judentums, wenn man diesen Kampf als Auen Zank um äußere Formen zu. charakterisieren sucht; cs zeugt von .einer haarsträubenden Blindhell den elementarsten Postulaten des nationalen Judentums gegenüber, wenn Man die Frage des Hebräischen "als eine reinö Formftage ansieht. Mit der Form des Hebräischen steht. und fällt der Charakter der nationalen jüdischen Kultur! Und so ist der jetzt in Palästina tobende Kampf in Wahrheit der Kamps des palästinensischen nationalen Judentums um die Wahrung seiner helligsten Güter, die allgemeine Empörung gegeilt den Hllfsverein ist der Ausdruck eines in seinen helligsten nationalen Gefühlen tief verletzten Volkes, und. der Streik der Schüler uitd Lehrer der Htlfsvereinsschulen ist das verzweifelt« Kampfmittel des seiner historischen Pflichten bewußten palästinensischen Judentums, das weiß daß es in diesem Kampf um seine höchsten Werte vor keinem Mittel zurückschrecken darf. Unp wenn das junge Geschlecht Nr. 50 Palästinas den Kampf in so energischer und begeisterter Weise ausgenommen hat, wenn diese jungen Lehrer all« Sorge um! ihre Existenz vergaßen und ohne Schwanken ihr« Stellen niederlegten, wenn diese Schüler alle 'Rücksicht auf ihre Interessen, auf ihre Heranbildung hintansetzten und in den Streik eintraten, wenn, in wenigen Tagen so große Summen in Palästina gesammelt wurden, dann haben doch diese heldenmütigen Kämpfer das Recht, von der.Diasporajudenhell, die in ihrer Trägheit und Kraftlosigkeit niemals sich zu «inen, solchen energischen Auftreten auftaffen könnte, zu fordern, daß sie den Kampf versteht. Es ist in der Tat bewundernswert, nnt wet-! cher Energie in Palästina der Kampf geführt wird. Bereits ist .in Jaffa eine neue Schule gegründet, aus allen Städten und Kolonien fließen die Spenden. in großen' Meetings hat 'sichalles, was im palästinensischen Judentum gesund. und lebeirssähig ist, wie ein Mann gegen die drohende Gefährdung des hebräischen Schulwörks erhoben, und cs ist nicht daran zu zweifeln, daß diese Energie' nicht Nachlassen und die Begeisterung nicht verpuffen wird. Dies wird auch die Reis« des Herrn Dr. Paul Nathan nicht fertig bringen. Und wenn der gewandte Börtteter des Hllfsvereins in Palästina, Herr Ephraim Cohn, noch so viel „Sympathiekundgebungen" für den Hllfsverein inszeniert, wenn er noch so viele Deputationen zusammentrommelt, die Dr. Paul Nathan ihr Vertrauen aussprechen, das gesamte Judentum wird er durch solche Regiekunststücke und Mätzchen nicht täuscheir können; das gesamte Judentum weiß, daß all diese Vertrauenskundgebungen für den Hllfsverein aus den abhängigen Kreisen stammen, die die Erde unseres Erez Israel entwürdigen; das Judentum, weiß, was es auf diese Kreaturen geben darf, und es gereicht döM. Hllfsverein . wahrhaft nicht zur Zier, daß er, der doch in seiner Gesinnung . keinerlei Gemeinschaft nnt diesen Kreisen hat, sie doch dazu benutzt,, um der Welt vorzutäuschen, daß er das Vertrauen der palästinensischen Judenhell besäße. Es ist ein eittwürdigcnder und gefährlicher Weg, den Dr. Paul Nathan unter der Führung seines Vertreters in Palästina betteten hat, und es ist gar nicht abzuschen, ztl welchen Konsequenzen es führen.kann, wenn er auf seinem Standpunkte verharrt. Schon meldet die hebräische Presse von den.ärgsten Skandalszenen in Jerusalem!, schon soll Ephraim Cohn die türkische Polizei hörbeigeholt haben, nM die streikenden Lehrer zur Wiederaufnahme ihres Unterrichts zu zwingen, schon soll es zu Schlägereien- und brutalen Mißhandlungen.der-Lehrer gekommen sein, und soll fürchten nur zu sehr, daß B «n- Jehuda recht hat, wenn er in seinem.mannhaften Briefe an Paul Nathan erllärt hat: „Die Eröffnung des Technikums wird nicht ohne Vergießen jüdischen Blutes abgehön, nicht ohne daß Dutzende junger Leute ins Gefängnis wandern werden." Wenn aber Tr. Paul Nathan und 'Ephraim Cohn glauben, dank solcher Mittel dön Widerstattd des palästinensischen Judentums zu brechen, so werden sie sich, sehr schwer täuschen. Jüdisches Blut wird fließen, wenn der Hllfsverein seine Politik fortsetzt, Dutzende junger Leute werden ins Gefängnis wandern, der Widerstand der palästinensischen Judenhell aber ivirtz nur heftiger und stärker werden, und das einzige, was der Hilfsverein erreichen wird,- wird: das sein, daß er .sich um den Rest döc Sympathien bringen wird, die er noch auf Grundseiner ftüheren Verdienste besitzt. „Man ist zuM Aeußerstöit, zu allem und jedem entschlossen", erllärt Ben-Jehuda, „und keine menschliche Kraft würde das verhindern können." Wer das begeisterte, heldenmütige, junge Judentum Neupalästinas kennt, weiß, daß dies keine Phrase ist, sondern lediglich den Tatsachen entspricht. Wir haben Gottlob heute bereits in Palästina eine neue Generatton, die entschlossen ist> ihre Geschicke selbst zu regeln und sich nicht' von Philanthropen und Notabeln yr ihren heiligsten Idealen knechten lassen wlll. Dies wird Dr. Paul Nathan nur allzubald einsehen müssen. Darum Möge er und die übrigen. Herren des Kuratoriums zur rechten Zeit «in Einsehen haben. Mögen sie erkennen, daß es nicht angeht, gegen den einmütigen Willen Neupalästinas und auch der Unabhängigen Altpalästinas über die wich--