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Neue jüdische Presse · 1913-12-12 · Heft 49 (12.12.1913) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 49 (12.12.1913)
Date
1913-12-12
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 49. frankfurter FsraeWMeS FamilfenSIM. Siete 3. Nahuni! fcheiqt endlich die Schönheit und Größe des RaVbinats in seiner ganzen Bedeutung ausWkostien nach dein!.bekannten Wort, daß Rabbiner sein ganz schön Iväre, wenn inan nicht .mit Juden. W tun hätte. NuN, wir wissen ja, daß vr trotzdütt nicht hat erreichen können, daß die Bachurinr der Jischoböths in Jerusalem bisher vom Militärdienst! 'befreit wNrdÄr. Ja, wenn diese Feschiboths ein französisches Rabbinerse'minar wären und lieber französische Moderne und Kultur pflegten als jene „Narrheitein" des Chassidismus und anderes mehr, — wer .weiß, wie es dann gekommen wäre. Herr Bigqxt ist, mit der Älliance und sich zufrieden, wir auch; denn Herr Bigart hat wieder einmal gezeigt, wie wenig jüdisches Leben und jüdischer Geist in den leitenden Kreisen der Alliance herrscht. Hoffentlich! lassen sich die traditionell gesinnten Mitglieder der Leitung nicht! länger ntit Lieb'enswürdigkeitÄr abspeisen, sondern greifen endlich einmal energisch an die Schäden. Information»- u.Ueberaatzungs-Bureau: I. Weinstein, BÄ« für Landg.-Bea. Frank fart a.SLu. Wiesbae. Kaiser* trasse 11, X’nmfctart am Hain, Telephon 9831 I. Bawaa t. i. Teilato naoh SomImI Uetemta, AnaMaft», um. gataftmaach. Die orthodoxe Zentralkommissio«. Budapest, Anfang Dezember. Die orthodoxe Zentrallo'mmission ist die höchste Behörde der. jüdischen Orthodoxen Ungarns. Offiziell sollte sie viermal im Jahre tagen, in Wirklichkeit tagt sie aber nur höchstens dreimal, und trotzdem dauern die Sitzungen dann auch nur wenige Stunden. Mehr braucht es nicht, um zu zeigen, in welchen Händen die Interessen unserer Orthodoxie liegen, um zu beweisen, mit welchem Ernst unsere Führer ihre Aufgaben erfaßt hüben. Sogar dem gehorsamen offiziösen Preßorgan der orthodoxen Zentralkanzlei, der „Mg. IM. Zeitung", sind diese Dinge schon zu bunt geworden. Ein Redakteur kann sich eben der Wirklichkeit nicht ganz verschließen, die in der Orthodoxie Ungarns so trostlos aussieht, daß das süße Nichtstun ihrer Führer geradezu ein frevelhafter Leichtsinn genannt werden muß. Die Zentralkommission besteht aus fünf Rabbinern und zehn Laien. Zu der diesmaligen Sitzung, der ersten nach sechs Monaten, war nur die Hälfte der Mitglieder erschienen. Die Sitzung währte vier Stunden, und sie wurde zu ihrem größten Teil ausgefüllt Mit der Verteilung der staatlichen Dotation und einem Protest gegen eine Rabbinerwahl. Kein Wort von der so brennenden Jeschibah-Frage und der so dringlichen Pensions-Frage der KultusbeaMten! Doch diese Dinge kosten Geld, — und in Geldfragen leiden unsere Führer nicht gerade an Großzügigkeit und Weitherzigkeit! Leider, leidest ist auch in unserer Orthodoxie die Führerschaft von der sozialen Stellung und nicht voM persönlichen Wert, besonders dem wahrhaft jüdischen Interesse, bedingt. Es sind das Vorwürfe, die wir sonst — Mit einer spöttischen Geste und dem Gefühl des Stolzes auf unser demokratisches Denken — der Neologie machen, doch wir verdienen diese Borwürfe heute nicht Minder. Besser wird es aber nur dann werden, wenn unsere Jugend sich endlich einmal ermannt und sich auf ihr Schönstes, den Kanipf für ideale Werte, besinnt. x. Russisches Caf6 o. Conditorei Bütschly Besitzer C Heim Gallus-Anlage 3. Tel. 201, 316, 278 I Gleichzeitiger Inhaber von: ModIM d. Cafe „Penlnonl IW Baden-Baden. Eigene Erzengnisse von Pralinees n. Bonbons. Montag, Mitt woch n. Freitag v.8%-1 Uhr abends |B* ganz dazaniBB KonzarU AaüresberiAt der Anglo-Jewish Association. London, 1. Dez. Der soeben erschienene Jahresbericht der Anglo-Jewish Association öietes manches Interessante. ' Die Verhältnisse, die London zum diplomatischen Mtteltzunkt Europas während dich: Balkan- Wirren Machten,. Haben /es der dtnglo-Jewish Association, wenn auch nur in engen Grenzen, ermöglicht, die Interessen der jüdischen Bewohner der Balkanlänöer wahrzunehnteu! Es bleibt abzuwarten, welchen praktischen Wert die Versicherungen des englischen auswärtigen Amtes haben würden, daß die Juden in den Balkanstaaten auf seinen besonderen Schutz rechnen können. Jedenfalls war unter den gegebenen Umständen wohl nicht mehr zu erwarten. Die Haupttätigkeit der Anglo-Jewish Association war auf das Erziehungswerk im O r i e n t gerichtet, und die Ausgaben für diese Zwecke beliefen sich auf 90,000 Mark. Davon entfallen 48,000 Mark auf die Evelina de'Rothschild- Mädchenschule in Jerusalem. Bedeutsam ist es, daß in drei von den fünf Klassen des Kindergartens Hebräisch die einzige Unterrichtssprache ist. Eine Spende von 80,000 Mark von Herrn Jacob KronsheiMer aus Melbourne. (Australien! für wohltätige Zwecke in Jerusalem bezeugt das wachsende Interesse für Palästina unter den Juden aller Weltteile. Gin Analogon zur Duisburger Affäre. Man schreibt uns aus Dessau: Die Duisburger Wahlaffäre hat hier Nachahmung gefunden. Bei dein Wahlen in der jüdischen Gemeinde spielten sich ähnliche, Vorgänge ab. 15 Gemeinde Mitglieder wurden als nicht wahlberechtigt erklärt. -Außerdem gab es Schlagest ei. ©tn Kandidat der liberalen Partei ohrfeigte einen Zionisten. Die Zionisten und ein Gemeindeverein klagen auf Annullierung der Wahl. Dr. Ascher, der Führer der Zionisten, hat Landtagsabg. Dr. Cohn, den Führer der Liberalen, wegen Beleidigung verklagt. Außerdem schweben noch einige Beleidigungsklagen. Der 14. ordentliche Gemeindetag des dentsch-israeltt. Gemeindebnndes. Bon Lehrer Adolf R o t s ch i l d , Achim-Bremen. Berlin, 8. Dezbr. Reicher als eines der vorhergehenden Jahre ist das nun ablaufende an großen jüdischen Versammlungen gewesen. Der Verband der Deutschen Juden, die Zionisten, der Gemeindebund hielten ihre Kongresse ab, und ehe noch das Jahr völlig zur Neige geht, wird Breslau - in seinen Mauern den - Lehrervcrbandstag bergen. Sind alle diese großen, beiocgenden Bersaminlungen ri>nd /Kongresse nicht zuin wenigsten als Zeichen dafür anznsprechen, daß neben den alten neue Kräfte im Judentum unserer Tage am Werke sind, unsere Art zu erhalten, und daß noch jüdisches Blut in den Adern der deutschen I u d e n h c i t pulsiert? * Heute liegt es mir ob, über den Gemeindetag zu berichten, der mit Sonntag, den 7. Dezember in Berlin abgehalten worden, ist.; 400 Delegierte aus allen Teilen Deutschlands mit zjnfamincn mehr als 1200 Mandaten hatten sich pünktlich eingefundcn. Eine gewisse Erwartung herrschte vott vornherein vor und drückte der Versammlung ihren Stempel auf. . Nach den Ereignissen der letzten Wochen machte nia» sich — wie es sich bald heransstellte: mit Recht — auf 'interessante Zusainnteitftöße und Erörterungen gefaßt. . Hier und da find auch die Geister ganz gewaltig aufeinander geplatzt; merkte man doch einigen Schützen mi, daß sie ihr Pulver in der Tasche hatten, das sic auch gerne verschießen wollte». * Professor Ä a t i s ch e r, würdig und eindruckssicher Ivie immer, begrüßte als erster Borsitzender die Delegierten. Hierauf schritt man zur Konstituierung des Gemeindetages (Präsidium: Pros. K a li s ch e r, Justizrat Breslauer und Rabb. Dr. Mnn k-Marburg). Das erste Reserat hielt Herr Justizrat Dr. 2 a - lomvn, in dem er sich sachlich und interessant über das Reglement für die M a n d a t p r ü f u n g s k o m - Mission verbreitete. Schon dies gab Anlas; zu einer recht heftigen Debatte. Referent betonte, daß die Kommission die Mandate nojtt 836 Gemeinden geprüft und für richtig befunden habe. v Dr. B i k t o r-Wandsbek führte ans, das Komitee der Freunde des D.-J G.-B. hätte Blanko-Mandate eingesordert und sie in seinem Sinne ansgenutzt, was er entschieden bekämpfen niüsse. Es wurde ihm erwidert, daß er seine Bedenken in der Kommission hätte geltend machen müssen, nicht aber vor dem iForum des Gemeindetages. Rechtsanwalt Dr. Loh n-Dessau plaidierte für Schluß der Debatte über , diesen Punkt und warf dabei in seiner temperamentvollen 'Art einige pariei-politische Schlagmörter in die Versammlung, die ivie Platzpatronen wirkten. Moritz A. Lob- Berlin opponierte in heftiger Weise. . Hiermit stellte Dr. I a k o b s o h w- Lüneburg einen Zusatz-Antrag. des Inhalts, die.Kommission »löge in Zukunft bm Ungültigkeitserklärungen der. Gemeinde Mitteilungen machen und ihre Aenßerungen anhören, wofür'eine Frist von 3—5 Tagen zu gewähren sei. Der 'Antrag wurde mit der Begründung, daß man der Kommission das Vertrauen für eine sachgemäße Prüfung der Mandate entgegenbringen müsse, abgekehnt. Ebenso erfuhr der Antrag M. 'A. Löb, die Kmmnission auf 16 Mitglieder zu erhöhen und ihre Bescklnßvfähigkeit erst bei 8 Mitglirdern. anzuerkennen, eine'glätte Ablehnung. - . - In recht scharfen Worten führte Dr. Cohn-Dessä» aus, daß die Richlungspolitik ans dem Gemeindebunde heraus müsse. Er sei kein Spring- und Tummelplatz von. Parteien, .hier werde keine Parteipolitik getrieben, hier gebe es keine Richtungen — wederpolitische noch religiöse —, hier seien alle Juden, die dem Gänzen dienen wollen und sollen. . i Die vielbesprochene Resolution zu § 24, die sogar von dem Einbringer, Landgerichtsrat Dr. Löwe, für nicht notwendig gehalten wird, wurde angenommen. Man schritt hierauf zur Wahl von 43 Ausschuß--. Mitgliedern, die zu wählen Landgerichtsrat Löwe mit der Bemerkung vorschlug, die beiden fehlenden Stellen ofsenzulassen für die ausgesckiedencn Mitglieder Direktor Dr. Adler-Frankfurt und Rektor Feiner-Hamhurg. Er hoffe, daß ans dem Breslatier Lehrerverbandstage der Friedc zwischen dein Lehrerverband und Gemeindebundwieder 'hergestellt werde und diese beiden riihrigenund treuen Mitarbeiter in den Ausschuß wieder emtreten werden. Ganz besonoers wurde hierbei allseits zum Ausdruck gcbrackit, daß Direktor Dr. 'Adler stets mit allen seinen Kräften auch innerhälb des GcmeiiidebNndes Großes geleistet habe. Die vorgcschlagenen 13 Mitglieder wurden hieraus durch Stimmzettel gewählt. ' ‘ " Pros. K atische r erstattete B e r i ch t über die letzten 4 Jahre. Er bat u. a., daß die Delegierten, in ihren Gemeinden Spende» für die „Fürsorge-Erziehungsanstalt für Mädchen" sammeln mögen, für die noch 30-000. ,./f. nötig seien. 'S 'Als recht nnersreutich bezeichnete er die Tatsache, daß der Gemeindebund immer noch nicht finanziell so gestellt worden ist, leistungSschivache Gemeinden in der notwendigen Weise zu unterstützen und auch den, Religionsunterricht, der als der wichtigste Faktor zur Erhaltung und weiteren Ausbau des Judentums anzufehen ist» in der gewünschten Weise fördern zu können. Nur 20 000 .IL stehen für diese Zwecke zur Verfügung. Im Anschluß an diesen mit großem Beifall ausgcnommenen Bericht bemängelte M. A. Lob-Berlin. daß die P o l k s s ck u l f r a g e, die doch nach seiner Ansicht picht nur eine religiöse, sondern eine Kulturfrage für die deutschen Inden sei, so wenig Sympathie innerhalb des GetneindebnndeS gesunden habe. Sehr richtig , fragte er, ob denn hier nicht auch parteipolitische Gesichtspunkte mitgesprochen hätten, denn vom Standpunkte des-Gemeindebundes aus müsse man gerade die jüdische Volksschule billigen. Das vom D.-J. G.-B. angestellte Enquete sek vollständig Lückenhaft und gäbe ein salsckes Bild. Dort sei von 24« Volksschulen die Rede, während iw Wirklichkeit 482 vorhanden seien. Zur Klärung der Frage sei einwandfreies Material erforderlich. Prof. Ä a l i s ch e r sagte dies zu. Lehrer Steinhardt - Magdeburg, 'der Führer der Lehrerschaft, verteidigte in seiner, ' ihm eigenen leidenschaftlichen 'Art ' seinen Standpunkt in der Volksschnlsrage. Auch er habe nur im Interesse des Friedens' das Wort ergriffen undfordere auf diesem Gefühl heraus die Ablehnung der Resö- - Intimi.*) Wenn der Gemeriidebuiid neutral bleiben wolle, müsse er die Resolution ablehnen, da darin gleichsam eine gewisse Beeinflussung doch herauszulese» sei. Er hoffe, daß mit der Zeit der Gemeindebund seinen Standpunkt ändern werde. Die Resolution wurde trotz der überzeugenden 'Ausführungen Steinhardts auf Anraten Dr. C o h n-s- Dessan angenommen. ' >." Landgerichtsrat Löwe berichtete hierauf über ' die Verhältniswahl und beantwortete die -Fragen, ob das Proportionalwahlsystem einfach, praktisch und löslich sei. Die gemischte Kommission sei zu. dem Ergebnisse igekommen, daß es nicht ratsain sei, nach Lage der Verhältnisse die PropvrtionSwahl. einznführen. - Trotz der gelungenen Einwendung M. A. L ö b s wurde nach den schneidigen Ausführungen Dr. Cohns-Dessau die P e r h ä l t n i s w a h l mit überwiegender Majorität a b g e l e h n t. 1 * Dr. Viktor- WandSbck zog bei der hieraus folgenden Besprechung der A n't r ä g e den Antrag des Schleswig-Holsteinischen Gemeinüeverbandes init der-! Begründung, daß er eine sachliche Beratung auf diesem Gemeindetage doch nicht erfahren werde, zurück. . Prof. Dr. G n 11 m a n n - Breslau meinte, daß die Frage der jüdischen Volksschulen nicht vor den Gemeindebund gehöre, da es nickt in seiner Macht läge» die Gemeinden in irgendeiner Weise zu beeinflussen, S t e i n Hardt- Magdeburg widersprach in ' ganz euer-' gischer Weise. Gerade der Gemeindebund sei der Ort, wo diese Frage, behandelt werden müsse. Mit der. unverständlichen 'Ablehnung säge er den 'Ast ab, ans den; er sitzt. Habe nickt der Gemeindebund in die 'Autonomie der Gemeinden eingegriffen durch den Normalvcrtrag, Inspektion des Religionsunterrichts, obligatorischen Religions-, imterricht, Bezirksrabbinate nfw.? Aus religiösen und *) Diese lautet: „Der Ausschuß steht auf dem Standpunkt, daß es der von ihm stets gewahrten Autonomie der Geineinden entspricht, wenn alle Gemeinden in der. Schulsrage diejenige Stellung einnehmen, die sie auf Grund ihrer Beurteilung der örtlichen Verhältnisse für richtig halten." .

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