Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 48 (5.12.1913)
- Date
- 1913-12-05
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Frankfurter Israelitisches FamiKeMaS. Schritte in dieser Sachiö konnte eine Lösung. noch immer nicht erhielt teetben. Der Berich schreibt, daß „die russische Regierung chren Vertretern Instruktionen erteilt habe, aus denen zu folgen scheint, daß die Rabbiner der KultusgösellsHasten in standesamtlichen Fragen den russischen Kronrabbinern gleichMstälen seien. Jedoch müssen noch die letzten Schwierigkeiten bei den Agenten Rußlands in Frankreich aus dem Wege geräumt werden." Heber „die PaßfragS in Rußland" äußert sich der Bericht in sehr diskreter Weise; er bedauert, daß die Regierung den Forderungen, die im Parlamente jm Namen der Gewissensfreiheit und der Prinzipien des öffentlichen Rechtes firrmuliert werden, ihre Unterstützung versagt hat. -?rakiiscftes Wefonac&tsg2scbenk - „Saiiognrcs“ ' Wunderbare Kochmethode. — Vornehmster Gasofen. Alleinverkauf: ßreitmieser z franke8 Münchener Brief. Das jüdische Bereinsleben hat in dieser Saison schon anregende und ckbwechselungsreiche Veranstaltungen geboten. Am Dienstag, den 25. Nov., bot sich z. B. in der Zionist. Ortsgruppe die besondere Gelegenheit, einen in seiner sachlichen Güte und eindringlichen Gründlichkeit nicht häufigen und daher bemerkenswerten Vortrag mit anzuhören. Der Redner des Wends, Dr. Mayer, behandelte mit fachmännischer Ausführlichkeit das weite und epochale Gebiet der „Haskal a", deren Begriff und Bedeutung an Aktualität „in praxi" auch heute noch für manche Kulturwinkel nichts verloren zu haben scheint. Jedoch für das Milieu des Redners wie des Publikums konnte nur die theoretisch-historische Seite einer längst abgelaufenen Entwickelung in Betracht kommen, einer Enüvickelung, die in den einzelnen Ändern der Diaspora so ganz veschiedene Ergebnisse gezeitigt hat und deren direkte Wirkung auf uns Westjude» vom Gesichtspunkte des jüdischen, positiven Gewinnes als, unfruchtbar, ja schädlich zu bezeichnen ist. Es stände hier über die Gründe und Ursachen dieses vom obigen Standpunkte aus so unerfreulichen Ausfalles ein interessantes Kapitel offen, ein Kapitel von verlockenden Problemen. Es ist nur schade, daß der Redner uns hieran vorübcrgeführt hat. Er hat überhaupt, was zweckentsprechcn-' der, wertvoller und interessanter gewesen wäre, weniger auf die charakteristischen großen Züge, auf das „Wie" einer Orientierung, auf das Ergebnis einer allgemeinen Beurteilung Wert gelegt, als auf die Darstellung der äußeren Geschichte der Haskala, auf eine Vorführung ihrer Persönlichkeiten und Werke. „ Die Kritik der Haskala erfuhr daher nicht die ausgesprochene Behandlung, die sie als das für den Zweck wesentliche Moment beanspruchte. Der Redner vermochte jedoch mit seinen höchst eingehenden, reichen und lehrreichen Darbietungen auf warmes Interesse und berechtigten Beifall zu stoßen. — Das hiesige jüdische Leben pflegt übrigens nicht nur einseitig kulturelle Ausbildung, sondern hat auch für ein gesundes Muskeljudentum etwas übrig. Als Beweis möge neben - der Existenz eines Turnvereins auch der der kürzlich gegründete Ortsgruppe des Blau-Weiß- Bundes gelten. Am 16. Nov. fand, vor allem ° auf die Bemühungen von Herrn Dr. Wassermann hin, die Gründungsversammlung statt, in der Frl. H e n n y Feuchtwanger und Herr stud. jur. Leo Cohn in den ZBhrerausschuß gewählt wurden. Die hiesige Wandergruppe wird sich an die schon bestehenden anschließen und sich an der Herausgabe der Blau-Weiß-Blätter beteiligen. W. Aus öfter Wett. Deutsches Reich. Berlin. Rach eingehenden Vorbereitungen fanden am 2L. März und am 18. Nov. Vorbesprechungen von Vertretern des Deutsch-Israelitischen Gemcindebundcs und des Jüdischen Frauenbundes unter Mitwirkung je eines Vertreters des Rabbinerverbandcs und des Verbandes der jüdischen Lehrervereine statt, in welchen beschlossen wurde, am-4- Januar 1914 in Berlin die erste Erziehungskonserenz zu veranstalten. .„ Es handelt sich darum, das Interesse der weitesten Mischen Kreise für die durch die veränderten Zeitverhältnifse notwendig gewordenen Maßnahmen auf dem Gebiete unserer Jugenderziehung zu wecken. Daher wird beabsichügtz die Konferenz auf breiter Basis aufzübauen und alle die Kreise, die sich, auf irgend einem Gebiete der Jugendfürsorge betätigen, heranzuziehen. Hauptsächlich aber soll das Interesse der jüdischen Oeffenllichkeit —. vor allem der Eltern und Erzieher — für die großen Fragen der Erziehung geweckt werden. Das Programm für die Erziehungskonferenz ist vorlaufig folgendermaßen in Aussicht genommen: Eröffnung (Pros. Kalischer) — lieber Familienerziehung (Rektor Spanier-Berlin, Frau Dr. Goiiein-Mannheim) — Ueber- Anstaltserziehung jBertha Pappenheim-Frankfurt, Direktor Guttmann-Berlin) — lieber Jugendpflege (Dr. Engelmänn-Berlin, Sidonie Werner-Hamburg, Referendar Ollendorf-Breslau, Paula Nassauer-Frankfurt) —, lieber religiöse Erziehung (Rabb. Dr. Warschauer-Berlin). Wenn die Konferenz die erhofften günstigen Ergebnisse zeitigt, w'ird beabsichtigt, in künftigen Jahren weitere folgen zu lassen, die sich mit dem Thema der Berufswahl für das männliche und weibliche Geschlecht und mit der Fürsorge für die gefährdete Jugend beschäftigen sollen. Adresse der Geschäftsstelle: Frau Henriette May, Berlin 81V. 11, Königgrätzerstr. 97. Posen. Bor dem Landgericht stand der Zimmermeister Leon Pawlicki unter der Beschuldigung, die Staatsanwaltschaft in zwei Eingaben beleidigt zu haben. Der Angeklagte hatte sich in die fixe Idee verrannt, daß an dem Kausmannslehrling Musial ein Ritualmord verübt fei Und daß die Staatsanwaltschaft aus' besonderen Gründen gegen die Juden nicht Vorgehen dürfe und dem Publikum „die Augen mit Sand verschmiere." Diese Ansicht gab er auch in Briefen an die Staatsanwaltschaft kund, teilte gewisse Verdachtsmomente gegen Juden mit, daß er die Mörder in der Hand habe und die Staatsanwaltschaft die Pflicht habe, die Sache zu prüfen. Am 18. August d. Js. richtete er einen Brief an die Staatsanwaltschaft, in dem er mitteilte, daß die Staatsanwaltschaft in der Musialschen Mordsache Geheimnisse verberge, daß es. ihr aber nichts nützen würde, denn die Juden seien es doch gewesen, die emen Ritualmord begangen hätten. Unterschxieben War der Brief: „Ohne Achtung — Leon Pawlicki." Während der Verhandlung erkannte der Angeklagte an, daß er unrecht gehandelt hatte, und bat uin Verzeihung. Das Urteil lautete auf 300 JL Geldstrafe eventl. 30 Tagen Gefängnis. In der Begründung wurde ausgeführt, daß der Angeklagte des festen Glaubens gewesen sei, daß ein Ritualmord vorliege, und daß er deshalb Fiilde beurteilt werden müsse. Oesterreich-Ungar*. Lemberg. Eine Konferenz mehrerer Bankdirektoren, an der auch der Präsident der israelit. Krrltus gemeinde Dr. Schaff und Haiidelskammerpräsident Samuel Edler von Horovitz teilnahmen, beschäftigte sich mit der f finanziellen Krise der jüdischen Kauflcutc und der Bankinstitute. ' Die Enquete befaßte sich mit der zu unternehmenden Hilfsaktion sugunjteit der kleinen Bankinstitute, welche infolge der Stagnation in eine kritische Lage verfielen. In den letzten Monaten wurden diesen Instituten 65 Millionen Kronen onkogen, so daß viele bankrottierten und ein kleinerer Teil seine Geschäfte liquidieren mußte. Von 800 jüdischen Lankgenossemschaften konnten kaum 260 sich erhalten, und auch diese haben einem sehr beschränkten Umsatz. Nicht besser geht cs der jüdischen Kaufmannschaft. Nach einer längerem Diskussion wurde folgender Beschluß gesaßt: ,D>er Lemberger israelitischen Kultusgemcinde wird zur Pflicht gemacht, sichan Hie Jca in Paris zu weichen, daß sie in Ansehung der schrecklichen Lage der Juden in Galizien erstens mehrere Kassen in Galizien gründe, zweitens die .bereits bestehenden Kreditinstitute mit größeren Kapitalien fuichierc und drittens den solchen jüdischen Institutionen größere Kredite zu einem kleinen Zinsfuß erteile." Budapest. Der angesehene Verlag F. Wodianer Söhne plant eine Talmudausgabc in ungarischer Sprache. Etwa 30 Gelehrte werden sich an der Arbeit beteiligen. Das Redaktionskomitee besteht aus den Professoren am Rabbiner-Seminar Dr. Ludwig Blau und Dr. Michael Guttman», dem hiesigen Rabbiner Dr. Simon Hevesi und dem Redakteur Max Szabolcsi. Dem Redaktionskomitee steht ein Verwaltungsausschuß zur Seite, der sich aus Dr. Moritz Mczei, Franz Szekely, Baron Adolf Kvhner, Manfred Weiß v. Csepel und Baron Moritz Herzog zusammcnsetzt. Rußland. Kiew. Eine neue Verordnung des Gouverneurs hat 1200 jüdische junge Leute in eine kritische Lage gebracht. Die neue Verordnung entzieht näinlich de» jüdischen Schülern der zahnärztlichen Schulen das Wohnrecht und verlangt deren Allsweisung innerhalb einer Woche, — und unter den 1600 Schülern der zahnärztlichen Schulen sind nicht weniger als 1200 Juden. Sollte die Verordnung nicht zurückgenommeir werden, so dürfte das für die Schulen selbst kritisch sein und auch den Polikliniken der Schulen, die jährlich von etwa 50000 Atenschen ausgesucht werden, ein Ende bereiten. Kiew. Die Jüd Em igrätionsgel e lischaft beschloß in ihrer Jahresversammlung im Prinzip die- Gründung einer . jüd. .Emigrationsbank. Eine besondere Konferenz wird Ende Januar das weitere beschließen. Kiew. In der Nacht vom 12 auf den 13. Nov. wurden plötzlich 12 Mädchen der Zahnschule Golowcziner et Lnrja arretiert. Die armen, unschuldigen, zitternden Mädchen mußten die ganze übrige Nacht im Polizeirevier zubringen, und erst am anderen Tage wurde ihnen verkündet, daß sie binnen 3 Tagen-Kiew verlassen nlüßten, da den jüd. Zöglingen der Zahnschulen das Wohnrecht entsagt sei. Am 13. wurde eine zweite Jagd ausgeführt. Herr Lnrja, Mitinhaber der Zahnschule Golowcziner et Lnrja, ist nach Petersburg abgereist; ich glaube aber kaum, daß seine Bemühungen irgend welche Früchte tragen werden. Daß diese schreckliche Ausweisung so schnell, nicht vorbereitet folgte, daran soll das neu errichtete Donservato- Rr. 48 rium schuld haben. Bis jetzt existierte hier eine Music schule unter dem Namen: „Kiewcr Filiale der russische,, Musikgesellschaft", wo alle jüdische Kinder Aufnahme fanden. Bis vor 2 Jahren gab diese Schule allen jüdische,, Schüler und Schülerinnen, wenn sie ausgenommen waren Wohnrecht in Kiew. Das e^st errichtete Konservatorium nahni aber keine jüdische Schüler ans, bis sie nicht von, Gouverneur eine Bestätigung vorzcigen konnten, daß sie andere Wohnrechte bereits besitzen. Was taten die Armen, wenn sie bei dem Kiewcr Konservatorium vergebens Einlaß erflehten, sie bezahlten Rbl. 175 das Jahr einer hiesigen Zahnschule, und sie bekamen Pas Wohnrecht, und erst dann konnten sie im Konservatorium Aufnahme erlangen vermittels der Wohnrechte der Zahnschnle. Nun kam dies an den Tag, und man zog die Wohnrechte der hiesigen Zahnschule ei». — I. I. B r a n n. Kiew, I. Dez. W'eder steht ein Teil der jüdischen Bevölkerung vor der Vertreibung. Diesmal sind es die jüd. Metzger. Bereits 1901 hatte der Senat entschieden, daß das Metzgergewerbe kein Handwerk sei, die jüd. Metzger also nicht außerhalb des Ansiedlungsgebietes wohnen dürfen. Infolge des Krieges und des nachherigen freieren Kurses blieb es jedoch beim alten. Jetzt hat der Senat entschieden, daß die jüd. Metzger aus Kiew auszuweisrn sind. Gate u. Conditorei Bütschly Besitzer C Heim Gallus-Anlage 2. Tel. 201, 316, 278 I Gleichzeitiger Inhaber von: Baden-Baden. Eigene Erzeugnisse von Pralinees n. Bonbons. Montag, Mit'woch u. Freitag v. 8%-l Uhr abends IW ganz dozantoa Horizont. *BI Bulgarien. Rustschuck. Mit mehreren Hunderttausend Franks Aktien ist hier eine Jüdische Bolksbank gegründet worden. Die Bank will das jüdische Kleinbürgertum wirtschaftlich kräftigen. Die Leitung der Bank setzt sich aus angesehenen Persönlichkeiten — besonders Zionisten — zusammen, die auch auf anderen Gebieten jüdischer Wohlfahrtspflege mit Erfolg tätig sind. Leo Schweinfest# A Damenechneiderel A empfehle tadellosen Sitz, gute Verarbeitung. Br. Eschenheimerstr. 19. I Telnf. 12206. W lenilfettm. Besiegt. Erzählung von Clemens Berg. (Schluß.) . „Ueber was alles Tu Dich gleich ereiferst!" begütigte Frau Cassilde vorsichtig. „Der Drucker wird es! verdruckt haben; was ist da so schlimmes dabei? Und tvarum sollen wir nicht zu den Raabcs gehen? Es snrd nicht die ersten Besten. Es soll großartig hergehen bei ihnen. Einen Gärtner haben sie sich extra bestellt, um die Tafel zu schmücken, und ein Theaterstück lassen sie von ihrer Tochter und einem Neffen aus Berlin spiele». . . . Uebrigens," setzte Frau Cassilde mit befriedigter Miene hinzu, „ich weiß genau, Feuersteins sind nicht geladen." „Sic konnten uns auch ungeschoren lassen, — ungeladen, wollte ich sagen," brummte Vater Wassermann. „Ueberhaupt, was ist das für eine Manier, .uns am letzten Tag zu laden? . . Paßt mir nicht, gehe ich nicht," erklärte er und setzte mit. einem bei ihm sehr ungewöhnlichen Kraftaufwand seine Tasse fest auf den Tisch. Cassilde rückte unruhig auf ihrem Sessel hin und her. Mit denk letzten Einwand war ihr Mann int Rechte, das wußte Ire ganz gut; aber um nichts in der W'elt hätte sie ihrem Manne das Rechthaben zugestanden. „Gewiß haben die Raabes von irgend jemand eine Absage erhalten," fuhr Jakob, seine Frau scharf ansehend, fort, „nnd nun bitten sie uns als Notbehelf." „Was Dir nicht einfällt," sagte Cassilde, nicht ohne Verlegenheit, und resolut eine Ausrede erfindend, bc- Neu er öffnet I Telephon Amt I, 6723. W eissfrauen-lSad | Herren-Abteilang. Damen-Abteilnng. Kur- und Bade-Anstalt I. Banges mit allem Komfort der Neuzeit eingerichtet. Frankfurt a. H., Welssfrauenstr. 12,1., (Lift) Trambahnhaltestelle Schaaspfelhaus Welssfranenhof. OWannenbäderl.Kl. m.Doa<ihe,eleg.elngerioht.,lnkl.WäsoheMi.-J.— 6 JFIchtffntiädplto&der iokL Wäsche Mk. 6.— 6 elektrische IiidnbÄder Mk. W.-. - - Katar*Kohlensäure und. alle medlc. Bäder nnd Massagen. Nr. 4E FRA an dei hauptete seit acht Deiner j] hu zeugt wa „Mi die wen» fuhr Frc wollte einzigen ..Ml sagte Raabe r W. 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