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Neue jüdische Presse · 1913-11-28 · Heft 47 (28.11.1913) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 47 (28.11.1913)
Date
1913-11-28
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 , ., . , ■ MI». Gogrßndet 1832. FraaMiirt a. W. Telefon Amt 18679. 34 Goetheotrasse 34 (nächst dem Opernhaus) ■•tarne lataand Stand-Düren, Taseüen-Düren. Glashfitter nnd Genfer Fabrikate. O-ranunoplione. Offizielle Verkaufsstelle der Deutschen Grammophon-A.-G. „SSBitrunt soll er nicht Ansprüche machen? Ein Kaufmann braucht doch Geld! Ich will Dir's glauben. Dein Heinrich ist auf eine große Mitgift angewiesen: mein RechtÄmwalt hatte das nicht nötig!" . Das war Tusch'! Wenig fehlte, so hätten vor dem Eingänge der Leinen Beschul Cassilde und Mathilde einander aufgeboten wie weiland Kriemhilde und Frau Brünhilde vor der Tür zum Wormser Münster. Zum Glück bewies Mathildens Gatte, der lange.Feuerstein, ein Einsehen; er kannte aus Erfahrung die ZungenauÄdauer seiner Ehehälfte und der Wassermann und mahnte die beiden Kampfhennen: „Schwatzt morgen und gcht heute in Schill! Meint Ihr, der Rebbe wird auf Euch warten?" Das half: die eine rauschte rechts, die andere stolzierte links davon; Mathildens seidene Schleppe peisichte den ^Erdboden, daß eine dunkelgraue, zum GrÄftn dicke Staubwolke hirller ihr aufflog, und Cassildens Hutbänder flatterten stolz in der frisch bewegten. Morgenluft wie das Banner eines kühnen Eroberers. i Es ist sehr schwer andächtig zu sein, wenn man in einer Gemütsverfassung wie die, die soeben Cassildens Herz erschütterte, das Gotteshaus betritt. Immer war sie die Besiegte. Sie hätte weinen mögen vor Zorn und Wut, aber das wäre der Feuerstein, die von ihrem Platze an der Ecke der zweiten Reihe recht gut zu ihr hinübersehen konnte, nur ein neuer Triumph gewesen. Und was hatten die Nachbarinnen von ihr gedacht! Da Faß Cassilden zur Rechten die steinreiche Raabe, eine Frau, die für sich und ihre Tochter nur in Wien und Hannover die Toiletten arbeiten ließ; „in Berlin hat man so wenig Geschmack," versicherte die Daum den in ehrfurchtsvollen Schauern . ersterbenden Kleinstädterinnen. Und Brillanten besaß sie! Wie Bohnen so groß, einfach kostbar; jede Fürstin konnte diesen Schmuck zur Galatollette ttagen, wenn die Raabe ihn ihr gckorgt hatte. Sonderbar, trotz ihrS grüßen Reichtums waren die Raubes gar rächt sonderlich angesehen im Orte; .man wußte nicht, woher er kam, der Reichtum nämlich; und die ^eingesessenen jüdischen Ftünilien des Ortes mokierten sich über die zugezogenen Parvenüs, daß sie nicht genug LÄenÄrrt hätten, „die Sonne von sich scheinen zu lassen". Weniger bildlich gesprochen: Herr und Frau Rackbe taten nichts für das Gemeinwohl mch waren such sonst als führ geizig verschrieen. Aber ihr einziges Töchterlein war ein niedliches Frärckein, gut erzogen, angenehm und geschett, mch Frau Eassilde trug schon lange eine zarte Sehnsucht in ihrem Herzen, sich dS^ netten Rcuchenkindes Mütterlich anzunehmen . . . Wo war sie nur heute mit ihren Gedanken! . . . Wo in aller Welt ließ sie fie herumspazieren! Eben sprach der Rabbiner das NeuMondgÄbet; Frau Cassilde erinnerte sich voll Beschämung, daß>, es Zeit wäre, dem' licken Herrgott ihre Privatwünsche und Hoffnungen vorzutragen. Und der Schutzengel, welcher, beladen mit ihren großen und Leinen Bitten und Sorgen, in die Höhe schluckte, hatte tüchtig zu schleppen. Zuletzt stellte sie betr^fs ihres Heinrich einen Dringlichkeüsantrag: ihrem Sohn sollten, endlich die Augen aüfgehen zu erkennen, wie gut es seine Mutter mit ihm meine, und dann, ja dann,— konnte die Feuerstein ihre Prcchlerei auf dem Jahrmarkt austrvmpetcn; kein Mensch vÄrde darauf Obacht geben, da alle Welt sich drängte, den Glanz und den Wohlstand von Wassermann jumor und seiner Frau Gemahlin, geborenen Rmwe, anzustaunen. Konnte die Nachbarin in ihrer Seele lesen? Ahnte sie, welche Lustschlöffer die übcrgeschästige Phantasie Kcau Cassildens baute? Der Gottesdienst war zu Ende. Frau Raabe reichte ihr mit-. freundlichem Lächän die Hand. ,/Liebe Frau Wassermann, Sie haben schon längst versprochen, uns Christ. Wilhelm Leux Telef. 1,8667. Hoflieferant. Goetheetr. 21. Kerrsn^^am«n> u. tivreoschneiderei. SpezIal>SportgesebafL Auf Wunsch koBchere Verarbeitung. 'r- ■; . Wanlfurter gffradWeS WünillsGlM. r. 47. einmal die Ehre zu geben. Kommen Sie. doch iworgen abend gemütlich zu einem Glas Tee mtt Ihrem Herrn Gemahl!" Cassilde wurde tot vor Vergnügen. Sie schielte ein wenig um die Ecke, ob auch die Feuerstein sah und hörte, daß und was die steinreiche Raabe mit ihr sprach und antwortete dann mtt ihrem süßesten Lächeln: „Sie sind zu liebenswürdig. Die Ehre ist ganz.auf meiner Seite, Madame Raabe; aber gewiß, gewiß: sowie mein lieber Mann von seiner Reise zurückkehrt, werden wir uns das Vergnügen machen." Mtt nochmaligem, herzlichstem Händeschütteln verabschiedete sich Cassilde unb ging sehr schnell nach Haus. Einen zweiten, gleich guten Abgang konnte sie nicht mehr finden, und sic hatte nicht Lust, der ganzen Gemeinde Rede zu stehen, wohin und aus welchem Grunde sich ihr Mamr auf Reisen begeben Hatte. Tenn auch die Männer besprach«: auf dem Heimwege Wassermanns plötzliche Fahrt nach der Residenz. „Was hat er da zu tun?" fragte der eine. „Was er hier tut," antwortete ein Spottvogel. „Nachschaucn, ob die Schrauben in den Stühlen locker sitzen." „Vielleicht will er feinen Heinrich dort etablieren," rief ein dritter. „Dann wäre sie hingefahren," erklärte der lange Feuerstein, der trotz der intimen Zornesausbrüche seiner Frau eine große Hochachtung vor Frau Cassilde hatte. „Ja," bestätigte ein anderer; „das Geschäft, das der schlemielige Wassermann aufmachen würde, wäre schon im voraus eine aufgelegte Pleite." „Em Schlemiel äst Wassermann nttht," entgegnete Feuerstein "bedächtig. „Der Mann hat Geld; einen Kvzen hat noch niemand gewagt, einen Schleniicl zu heißen!" „Er hat es nicht erarbeitet," muckte sein Wider- Mtt auf; >,gefdjafft ijaf■ «£. feine :§fraü." „Soll sie Gott danken, daß er ihr nichts verbracht hat!" antwortete Feuerstein hitzig.! „Ich sage Euch, Wassermann ist ein hochanständig«: Mensch." ' Das wagte niemand zu bestreiten. Aber die guten Leutchen fingen an, sich gegen-den stllleu Jakob ernstlich zu erbittern: Was fiel ihm ein, förtzüfahren? Und gar noch über Schabbes wegzubleiben! Frau Cassilde Machte sich allerseits sehr mißliebig, daß sie den Grund' der Reise ihres Gatten hartnäckig verschwieg. * Am nächsten Tage traf der Herr, welcher so stark die Gemüter seiner Mitbürger beschäftigt hatte, wohlbehalten im Städtchen mittler ein. Frau Cassilde, die ihre guten .Gründe hatte, den Gatten nicht alsbald durch eine längere Sttafrede über sein unmotiviertes Ausbleiben aufzubringen, fragte nach der ersten Begrüßungsfteudc: „Nun, wie ist es gegangen?" „Gut," antwortete Jakob, „cs ist alles in Ordnung." . ' : „Ist es sehr schwer gefallen?" forschte Cassilde Wetter. „Hast Du Dich mtt dem Jungen ärgern müssen?" „Nein, gar nicht," erwiderte Kckob, und da Hm; bei den vielen Fragen sehr ungemütlich wurde, sagte; er fürs: „Er läßt Dich grüßen': . . Aber weißt Du; 'was Neues? Ich bin totmüde!" Uird dann, — wer hätte das von Vater Wassermann gedacht; wer hätte Hm je ein solches Komödienspiel zugetraut: dann markiertc er ein sehr lautes Gähnen und zog sich auf das rettende Ledersofa in dem Leinen Kontor neben der Gaststube zurück. Aber er schlief nicht; er zermarterte sich den Kopf, wie er sich und seinen Jungen aus dieser unbehaglichen Klemme herausziehen werde. An einem war nicht mehr zu rütteln: seine Frau mußte Hren Widerstand gegen Hres Jungen Wahl aufgeben; er durfte das blinde Vertrauen des glücklichen Paares zu seiner Beschützerrolle nicht täuschen. Die hübsche Rosa hatte sich dank ihrem zärtlichen Wesen und all Hrer bestechenden Tugenden, Hrer hausfraulichen und geschäftlichen Tüchtigkeit schon so tief in sein Herz hineingeschmeichclt, daß sie der sehr fein besaitete Mann aufrichtig liebgewonnen hatte. Und er gelobte es sich mtt heiligem Eidschwur: wenn in dem dreißigjährigen Krieg Hrer Ehe seine Frau bis dato kampflos alle Siege erfochten hatte, diesmal sollte sie eine empfindliche NiHerlage erleiden. Dieser Gedanke berauschte ihn so stark, daß er sich ordentlich tapfer und zuversichtlich fühlle: nun mochte Cassilde nur kommen! Cassilde kam auch wirllich. Sie steckte schon ihr -MW,, Mitze^.,WM-neugesicht -durch die,. Tür und i tief:* TBKterHm; ' komm jetzt ^"znM ^Kaffee!" - & : c; Jakyb ^Wassermann war sogleich auf der Hut: wxnn, feine, Kmlx„Bäterchen^ sagt^, ..mußte ^er Hwnit rechnen, daß" sie zu irgend einem 'Vorhaben, das Hm nicht genehm war, seine'' Zustimmung^ wünschte. Er sollte seine Annahme -sostrt;; bestättgt erhalten. Nachdem sie ihn am Kaffeettsch sehr aufmerksam bedimt hatte, — das tat sie immer, denn im Grunde war sie eine sehr liebevolle Eheftau —, griff sie in die Tasche ihrer Schürze, zog einen Brief heraus und sprach: „Rate einmal, was ich hier habe!" „Sag es mir nur gleich!" lachte'er. „Du weißt, im Rätselraten bin ich niemals ein Held gewesen." „Eine Einladung ist es zu einer Silberhochzeit," sagte Eassilde, faltete mit einer respektvollen Geberde das steife Papier des Bogens auseinander und las mit .großem Ausdruck: „Herr und Frau Raabe ge&cir sich 'die Ehre, Herrn und Frau Wassermann zu ihrer am dreizehnten Oktober stattfindenden Silberhochzeit zum Supö emzuladen." - Jakob Wassermann runzelte die Stirn. „Zeig mal das Ding her!" sagte .er nicht allzu freundlich uud nahm seiner F«u die Einladung aus der Hand. „Die. Leute sollen auf gut Deutsch' „Abendbrot" sagen, wenp sie nicht richtig französisch zu schreiben verstehen," rief Vater Wassermann sehr ungnädig. „Und ich weiß nicht, was uns die ganze Geschichte angeht; wir sind Mit den Raabes weder befreundet noch verwandt." ' (Schluß folgt.) ä 2.50 s 3.50 pS Hg im Verbrauch. Alfred Kerr über „Hinter Mauern". Im „Tag" bespricht der bekannte berliner Krittler Alfred Kerr des .dänischen Judeustämmlings Nathansen Drama „Hinter Mauern". Die Worte, die Kerr da spricht, sind leider treff«ld. Die ganze Verächtlichkeit des Assimllattonsjudentums kann nicht richtiger charakterisiert werd«t, als ihre Charakterisierung in Kerrs Wort«: zum Ausdruck kommt. Kerr schreibt: I.: . . Die Juden finden sich auf dem Theater Berlins, — das sie geschaffen haben (mit Aronsohu- L'Arronge und!Wrahamsoh::-Brahm, hinterher Goldmann-Reinhard, BaruvwsH, Bernauer, Meinhardt, Altmann, vom Rest zu schweigen) — finden sich auf diesem Theater selbst abgebildet. Aber . . . Alber nicht gut. Am wesentlichsten immer iwch durch den Außenseiter Hebbel. Der Riesenbursche, selber ein Gemeng von Spitzfindigkeit und Urwucht, klomm zum Eingang, ihrer verschwisterten Seel«. Was jedoch heute Kinder Israels an Judentum . zusammendramatisieren, ist für die Katz. Herr Nathansen, ich kann gar nicht mit. Sie zeigen eine mieße Mischpoche von Schwächlingen uud wollen das Ende noch traulich befunden haben? Warum nehmen Sie nicht stärkere Juden? Ich möchte; den meisten der Ihren einen Tritt geben, daß sie drei Nächte bloß auf der Seite schlafen können. Diese Hey er man ns und Nachwuchs bringen heute mit Gewalt Verkleinertes. Einen .Leu«:, der aus dem Milchtopf triutt, sein Halsband (mit Marke) trägt und manchmal' „behaglich" schnurrt. Alles mit Vorsicht. Güttserbarmen, Versöhnlichkeit, um ja kein«: Anstoß im Parkett zu finden. Mir ist Widerlicheres nicht bekannt. Jaknbowski! Etwa: „Der junge Jude und.der junge Germane reichten einander die Hand. Eine Zähre . ." lläh. Verständigung schon.. Weinerlichkett — nicht. Das kann Cohns Kutscher auch. Wäre heut ein Hebbel unter den israelitischen Dramatikern; schriebe morgen ein wirklicher Kerl unter ihnen ein Jndenstück: der Mann käme mit ganzen,Knochen schwerlich ans dem Hanse. Denn erzeigte die Verwandten, als" was sie waren und sind: die star- M. Ettinger Söhne PeJzhandluns und Pelzkonfektion. Anfertigung nach neuesten —— Pariser und Wiener Modellen.- Frankfurt a. H. Langestrasse 31. Telephon Amt l, 5281. RonnefeldtsThee * E» aromatisch & ausgiebig, bii

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