Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1913-11-28 · Heft 47 (28.11.1913) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 47 (28.11.1913)
Date
1913-11-28
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2692297-2692819-2692866--08071-2703191
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 47 Frankfurter AraeWfcheS FsmAeMM. jnlaid - binoleumteppiche Master durch und durch 200/S00 ein gross Mk.15,75. Ringfreie Tapeten-Industrie C. Knpsch. Altegasse 27/29._ Amerika. Rew-Nork. Vom 16. bis 19. November tagte httr die fünfte Jahresversammlung des Verbandes jüdischer Farmer i» Amerika. Der VerbaudSvorstaud und die einzelnen Delegierten erstatteten aussnhrlichc Berichte über die wirtschaftliche Lage der jüdischen Farmer. Eine» breiten .Raum nahm in den Verhandlungen die Frage der Schaffung kooperativer Kreditgenossenschaften ein. Es wurde über die Tätigkeit deS EinkaufsbnreanS, der Feuerverficherungsgefellschaft und anderer Einrichtungen des Verbandes berichtet und das Problem der landwirtschaftlichen Ausbildung und der religiösen Erziehung in längerer Aussprache erörtert. Auch verschiedene fachwissenschaftliche Borträge wurden gehalten, und es wurde den Delegierten Gelegenheit geboten, landwirtschaftliche Musterbetriebe in der Nähe Newyorks gemeinsam zu besichtigen. Der Verband gibt unter dem Titel „The Jewijh Farmer" eine in englischer und „jiddischer"- Sprache erscheinende Monatsschrift heraus, die bereits iin sechsten Jahrgänge erscheint. IRotoert G-erlaola ■ Frankfurt am Hain, Mainzerlandstrasse 166 I ' Telephon-Amt I, 5375. -■=— ■ Konstn. Bauschlosserei, Eisen-Konstruktionen, Schan- I fens ter-Anlagen, Werkstatt fürkunstgewerbliche Metall- B 'arbeiten in Eisen, Bronce. Messing, Reparatur arbeiten. M Perfo«atte» u. Kleine Mitteilungen. 'Berlin. Emil Kaufmann, Bankier ». Handelsrichter, Finänzschriststcllcr, eine in weiten Kreisen, angesehene Persönlichkeit, ist verschiede n. Sietzen. Adolf Busch- H mburg, ein Kind unserer Stadt, hat der hiesigen israclit. Gemeinde 10000 ,/f. für verschiedene wohltätige Zwecke vermacht. Läulenburg iWestpr.) Wieder hat der Tod unserer Gemeinde ein teures Mitglied entrissen. Nach..kurzem, schweren Leiden, getragen mit seltener Geduld und großen: Gottvcrträucn, starb die Vorsitzende unseres Israel. Fraueuvercins, Frau Marie S eg all, ein Biederweib in des Wortes schönster Bedeutung/ Ein goldenes Herz, das Freud und Leid der Mitmenschen so innig mitempfunden hat, cs hat ausgehört zu schlagen.. Sic speiste die Hungrige», bekleidete die Nackte», tröstete die Trauernden. An jedem Krankenlager war sie zn finde», an keinem Sterbebette fehlte sie. Und keine andre paßte so zu dem verantwortungsvolle», oft große, edle Selbstverleugnung erfordernden Amte der Leiterin eines' Francnvcreins, als die Verblichene. Sic war auch ein leuchtendes Vorbild des Gottver-' trauens und der Gottesfurcht. Diese echte Frömmigkeit bewog sic nach dem Tode ihres Gatten, eine Sefer Thora schreiben zn lassen, welche sie als Geschenk der hiesigen Gemeinde überwies. Groß war die Menge derer, die der Verstorbenen das letzte Geleite gaben. Am Grabe'entwarf Rahb. Dr. P i ck - Strasburg ein Bild der Entschlafenen als Gattin, als Verivandte und als Wohltäterin, während Lehrer T r e n m a n n ihr Wirken als Vorsitzende des Israel. Franenvereins schilderte. Darmftadt- Anläßlich des Gevurtstaaes des Großherzogcs-erhielten Auszeichnungen: Bankdirektor Heinrich N i e d e r h o f h e i m - Franksurt, . Händ'elsrich ter Josef Jakob Reinach-Mainz (Ritterkreuz 1. Kl.), Kommerzienrat Louis H o m m e l - Mainz (Geheimer Kommerzienrat), Stadtbibliothekar Dr. Heinrich Hei - denheimer -Mainz (Professor), Dr. Adolf Cah n- Mainz (Sanitätsrat), Justizrat Dr. Friedrich Carle» bach-Mainz (Geh. Justizrat), Notar Dr. Max Golds ch m i d t-Ofseubach (Justizrat) und Regierungs- und Baurat Hermann L e v y - Frankfurt (Ehrenkreuz). Hüufelv. An Stelle des von Burghaun verzogenen Äreisporsteher H. Speier wurde Nathan N u ß b a u m in Rhina von den Gemeindeältesten einstimmig zum Kr eis Vorsteher gewählt. Heidelsdeim. Hier sind zwei 80 jährige Zwillingsschwestern zur gleichen Zeit verschieden. Eine wurde durch einen Herzschlag Plötzlich getötet. Als die andere Schwester Hisfe herbeirufen wollte, brach sie unter der Türe tot zusammen . Lichtenau. Emil Roos ist einstimmig in den Gern e i n d c r a t wiedergcwählt worden. Stratzburg t. Eis. Edmund Israel wurde zum .Handelsrichter ernannt. München. Anläßlich der jüngsten Anwesenheit des Königs von Sachsen am bayerischen Hofe wurde der sächsische Generalkonsul Dr. Willmersdörfer durch Verleihung des Ofsizierskreuzes des süchs. Albrechtsordens sowie des bayrischen Verdienstordens vom heiligen Mchael 3. Klasse ausgezeichnet. Dresden Die Konservativen der zweiten Kammer haben wiederum einen Antrag über, ein zu erlassendes S ch ächtverbot eingebracht. Altona. Anläßlich der vor 50 Jahren er» folgten Emanzipation der Juden in Holstein fand in der Synagoge ein Festgottesdienst statt, bei dem der Oberbürgermeister, der Bürgerworthalter, Stadtverordnete, die Hamburger Rabbiner usw. anwesend waren. Es schloß sich ein Festakt im kleinen Saal des Kaiserhof an. Hier sprachen Dr. med. Frank-Altona, und Sanitätsrat Dr. Jakob-Kiel.' Dessau. Hier verschied Geheimer Kommerzienrat August Tuchmann. - ::: Marlsurg. Hier verschied: Gu st a v - Oppau h)ei.m,> langjähriger Vorsteher der jüdischen Gemenrde. Wie«. Cm er ich Kris, der bekannte Klävierdirtuose, erhielt vom Herzog von Koburg die Medaille für Kunst und Wissenschaft. Petersburg. .Nicht genügend getauft! — Auf Befehl des BildnngsmiuistcrS Kasso sind von der Moskauer Universität 20 getaufte jüdische Studenten ausgeschlossen worden, weil ihre Taufe bei dein sinnländischcn Pastor Piehre ohneininisterielle Erlaubnis vorgenommen wurde. Kiew. Sechstausend Rubel sind Beilis von amerikanischen Verleger» für seine M c in o i r e u geboten worden. — Beilis hat für sich und -.seine Familie Schiffskarten nacki Amerika zugcsandt erhalten. Warschau. Josef Rosenthal, einer von den letzten der Maskilinr, ist — 69 Jahre alt — verschiede n. Mit 22 Jahren begann er seine literarische Tätigkeit im „.Hamagid". Dann arbeitete er am „Hakarmel", „Haineliz" und „Hoeschkanl" mit. In „Brockhaus-Efrann Jiid.- Russ.. Enzyklopädie" schrieb er über jüdisches Recht. Ans dem Gebiete deS Rechts war'er in der rnss. Juristenwelt; eine bekannte Kapazität. . Saloniki. Marius Naar, Dragomanbeim spanischen 'Konsulat, erhielt das K ar v a l i e r s kr eu z des Ordens der katholischen Jsabella. Rew-Aork. Der am 2. Sepr. verstorbene Samuel I.' Silbermann hat jüdischen philanthropischen Institutionen i. Sa. 25 000 Dollar hinterlassc». I s a a c W c i n g a r t von der Firma Leumann, Boesch u. Weingart,' eine in dem philanthropischen und in dem geschäftlichen Leben Newyorks bekannte Persönlichkeit, . ist v e r s ch i c d c n. Montreal. Der englische Generalpostmeister Herbert Samuel hat bei seiner Anwesenheit in Kanada verschiedentlich ein lebhaftes jüdisches Interesse bekundet'. So besuchte er in Toronto das neue Heim der Gesellschaft der arbeitenden jüd. Mädchen und hielt eine Ansprache, in der er. die Arbeit und die Achtung , vor der Frau als größte jüdische Tugenden feierte. Caf& u. Conditorei Bütschly Besitzer C Heim Gallus-Anlage 2. Tel. 201, 316, 278 I Gleichzeitiger Inhaber von: Holtosiiioiei i M J enlmmd RoBpeimajer*1 Baden-Baden.. Eigene Erzeugnisse von. Pralinees n. Bonbons. Montag, Mittwoch n. Freitag v. 8%-1 Uhr abends BV ganz dezantoa Konzert* “BR Oer ziouifttlcheu Bewegung. Berlin. DieSitzung des Aktionskomitees beschloß, daß So.kolow eine Agitationsreise nach Nordafrika,Palästina und der Türkei mache und Dr. L e w i n im Interesse der jüdischen Universität nach Amerika fahre. Dr. Lewin wurde gleichzeitig zum Generalsekretär für die Universitätsfrage gewählt. lieber die Universitätsfrage hielt Prof. Dr. S.c i z - mann ein Referat; er wräuscht vorläufig nur eine Fakultät und zwar die medizinische. Posen. In einer von etwa 500 Personen besuchten Versammlung, einberusen von der Zion. Jugendgruppe, sprach . Handclsredaktenr Goslar-Berlin über das Thema „Der Antisemitismus in der beut* schen Iugend." Dem Vortrag schloß sich eine lebhafte Diskussion an. W|av|||i nl| B Gustav Schwarz -1 P al |l 1 r P cutleuistr.14. nächst Schanspielh. 1 «['['llllv Kein laden. Telefon 13479. M iPettUTeton. □ Besiegt? Erzählung von Clemens Berg. (Fortsetzung.) Ja, die Feuersteine lagen Frau Wassermann gehörig im Magen; den Schlucken bekam sie, wenn sie an die Gesellschaft nur dachte. In der ganzen Welt gab es keine so großsprecherige Person wie diese „unausstehliche" Mattzflde! Hatte sie doch einmal geprahll, ihr Sohn, — sie hatte sich wirklich erdreistet, einen Sohn zu bekommen, zur nämlichen Zeit, als ihr Heinrich zur Welt kam, natürlich, sie äffte ihr ja alles nach! —' ihr Sohn, der Rechtsanwalt, könne einmal heiraten, wen er Lust habe, ihretwegen auch ein armes Mädchen; er habe es ja dazu: sein gutes Einkommen erlaube chm, ganz nach seinem Heiden zu wählen. Sie wußte recht wohl, warum sie die , Edelmütige spielte, die verschmitzte Frau Mathilde. Dieser . Sohn, ein ausgewecktersehr strebsamer, kluger Mensch, chatte einen wahren Feuereifer entwickelt, seine-Studien zu beenden und sich in seinem Heimatstädtchen als Anwalt niederzulassen, recht zum Tort und Schabernack für Ftau Cassilde, - bereit Sprößling .es bis zum Kauftnämr gerächt hatte. Und,. getreu, sm- ~ «Bitte a. nem LebensprogramM ^hch^der snngäMeuerstein vor sechs Wochen "eine ^nzstunNnliehe 'MM: den Txau- . 'Himmel geführt,'.hin'. Kükarmes 'Mädchen) und darüin sollte Heinrich Wassermann reich heiraten, schwer reich! . Mit einer gehörig großen Mitgift söllre:°erÄdMSohi8 . der Verhaßten überflügeln: hübsch war sie, die Feuersteiusche Schwiegcrtoch-. ter; Frau Wassermann konnte sich eben wieder davon überzeugen, denn sie '.waudikktd ap "der Seite^ ihrer sich vor Muttcrstolz blähenden Schwiegermutter - ebeir „in Schul",, sittsam, den zierlichen Kopf unter einem sehr kleidsamen Hütchen leicht geneigt, keine blendende Erscheinung, aber -sehe anmutig und zart, „pikfein" angezogen, — kein Wunder: Feuersteins, die im engeren Haushalt oft bis' zur Knauserei knickerig und geizig, lebten, nach außen hin aber immer protzten und prahlten, hatten ihr ja die ganze Aussteuer gekauft! Und Eassildens kundiger Frauenblick stellte sofort eine un- ' fehlbare Diagnose: man durfte der jungen Frau Rechtsanwalt bereits die Ehre erweisen, ihr die Spitze des) Esrogs zum Abbiß anzubieten; selbst darin war sie ihr wieder um eine Nasenlänge voraus, diese „unverschämte Person", diese Mathilde! Wen» Cassilde daran dachte, wie .viele Nächte ihre Trude um den Doktor geweint hatte) hätte sie am liebsten der alten Schlange da drüben den .hals .... Was siel chr. denn ein'?! Mit welchen Gedanken wollte sie eben das Gotteshaus betreten! Das wäre ja schändlich- und sündhaft über jedes Maß! Nun, der barmherzige Vater, da droben würde ihr schon diesmal - noch verzeihen. Er weiß ja, wie Weiber sind. Er'hat sie ja geschaffen. Und sie gönnte auch der Feuerstein nichts. Böses; ihretwegen konnte die Schwiegertochter ihr noch zehnmal die Freude bereften: ihr Heinrich würde es ja auch nicht einmaldaran fthlen lassen,. — hoffentlich!- Sie verdoppelte ihre Schritte, um dem Feuerstein- > scheu Quartett schnell voraus in den kleinen Tempel zu gelangen. Mathildens Mann trottete langsam undwohlgefällig mit seinem Sohne, dem Rechtsanwalt» seinen Damen nach; aber die kampflustige Mathilde hatte ihre alte Gegnerin längst aufs Korn genommen und redete sie mit ihrer lauten, über die ganze Straße schallenden Stimme herausfordernd, mit verstellter . Freundlichkeit, an: „Nun, Wässermännin, wie geht's? So allein? Wie schickt's sich? Wo ist Dein Mann'?' Cassilde nahm sich zusammen. „Gut Schabbes!" sagte sie, so freundlich, als sic es nur chrem verwundeten Herzen abzuringen vernrochte. „Wie beffntwn'; Sie sich, Frau Rechtsanwalt? .. Mein Mann mußte in sehr wichtigen Geschäften dringlichst verreisen." „Was Du sagst! Merkwürdig!" . Frau Mathilde dehnte und' zog das „merkwürdig" so über die Gebühr, daß Cassilde nicht im unklaren bleiben konnte: die schlaue Person glaubte ihr kein Wort. Dreist und keck machte die Erbfeinden aus ihrem Herzen auch keine Mördergrube und suhr fort: „Wassermann, - wcggesahren über Schabbes?! Das hat. er doch all sesn Lebtag nicht getan? Geh! Du'machst uns. etwas vor, Cassilde! Ich meine, es wird ein Lchiüduch mit Deinem Heinrich ans dem Wege sein!" . Cassilde errötete wie ein Backfisch, den die Klassen- . lehrerin beim ersten Stelldichein ertappt hat,. und stammelte: „Ach bewahre!" Aber die Feuerstein ließ nicht locker. „Ich habe doch ein Bögelchen singen hören von der Tochter. von Heinrichs Prinzipal." In Wahrheft sprach sie nur eine Mutmaßung aus, die sie sich, wohlvertraut mit allen Familienbeziehungen aus zwanzig Meilen im Umkreis,,) schnell fertig zusammengereimt hatte, nur daß Cassilde ' die Ueberkluge sehr schnell durchschaute und hart näd unfreundlich Antwort gab: . - „Dein Bögelchen war eine alte Gans. Mein Heinrich' macht ganz andere Ansprüche, als diese Leute zu. erfüllen vermögen." Wenn Cassilde zornig war, sprach sie Schriftdeutsch; aber desto breiter und ungenierter. ließ sich rein aus -Opposition gegen die gebildete Wassermännm - die Feuerstein gehen; ihr imponierte so leicht, niemand, lind mit einem hochmütigen Lächeln und einem noch erhabeneren Ton, in dem Geringschätzung und Spott wetteiferten, ihre Widersacherin zu demütigen, sagte.sie: . Kataonatnammo, lOa, Eniräaot, Kaiser Wilhelm-Passage. Telefon Amt I, 6930. Engl/scha Jacken-Klatdarm Garantie für gute Passform. — Priina Stoffe nnd Zutaten. Solide Preise. —. AufWunsch zaveil. koschere Verarbeitung^

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.