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Neue jüdische Presse · 1913-11-28 · Heft 47 (28.11.1913) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 47 (28.11.1913)
Date
1913-11-28
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 8 Mrief Mts der Türkei. Die Organisierung der ottomanischen Judenheit sollte jetzt den Mittelpunkt der Tätigkeit unserer Führer und RaLbiner bilden. Leider aber ist noch alles wie zuvor, ntan hat . keinen einzigen Schritt vorwärts getan. Noch .herrscht der frühere Tvhuwabohu in Men Gemeinden und die meisten sind ans der Suche nach geistlichen Führern, Chachmn-Baschis. Man weiß hier sogar im Großrabbinat nicht, wieviel und wo in der Türkei jüdische Gemeinden sind. Es wurde zwar wegen der Schaffung einer Zentralverwaltung gesprochen, und ein diesbezügliches Projekt, wurde hier sogar ausgearbeitet, — doch das ist alles. Und doch wäre ein Konsistorium .von großer Bedeutung, — besonders für die Palästinenser Gejneinden! In Palästina ist dis jüdische Leben schön enüoM&ft, und wo Leben ist, entstehen zahlreiche Fragen. Die Palästinenser Genieinden sind reich an Fragen, die. immer Prompte Beantwortung fordern. Lokale wie allgemeine Angelegenheiten verlangen Erledigung. Da war der Streit in Liberias, Schließung des Bst - Din, Verhaftung . von Chachams, Rabbinerfrage u. a. In .Jerusalem verlangt man einen „Rischon - Lchion" (Großrabbiner); die Jeschibaschiller werden wegen des Militärdienstes beunruhigt, trvtzdÄii sie frei sein sollten; die JeschiLot sollen offiziäl als Rabbinerseminare anerkannt webest; eMich die Angriffe der .Araber gegen die jüdischen Kolonien und noch viele andere Angelegenheiten. All dies kostete den Palästinenser Gemeinden viel Geld. So z. B. wurden wegen der Rabbinerfrage von Liberias mehr .als 6000 Mark und dieselbe Summe für die Miliiardienstsrage der Jeschibaleute vergeudet. Wären aber die Gemeinden PMstinas hier vertreten, dann hätte Man an Geld und. Zeit gespart. Nun aber geduldet sich die ottomanische Judenheit in ihrem bekannten Jndifferentismus, bis ihr. ihre Leiter die> gewünschte Nationalversammlung schaffen werden. Das Palästinenser Judentum-jedoch kann nicht dieselbe Geduld haben; dcshalb sollte es schon jetzt wenigstens eine offiziöse Vertretung hier haben. In Jerusalem' haben di« mllitärischen Autoritäten von neuem angefangen, die Jeschibaschüler zu beunruhigen und sie zürn Mllitärdienst zu fordern, obwohl der Kriegsministör auf Bemühen des Großrabbiners telegraphisch befahl, diese jungen Leute frei zu kaffen. Me Mllitärfrage der Jeschibaschüler ist von großer Wichtigkeit und bedroht fast di« Existenz der Jeschibot. Es scheint mir nur einen Ausweg zu gäben. Die Jeschibot sollen dieselben Privilegien wie die Klöster genießen. So wie die Mönche ihrer religiösen Beschäftigung (selbst ohne bestimmten Posten) wegen sollen auch die Jeschibaleute, dabei dm Juden das Torastudium eine religiöse Beschäftigung ist, vom Militärdienste frei sein. Während der Unterredung der Jerusalemer Delegierten mit dem Großrabbiner hat Schreiber dieser Zeilen diesem Ausgang vorgeschlagen, und hoffentlich wird der Chachank-Baschi in diesem Sinne, rvonn nicht ein besseres Mittel da ist, die ^nötigen Schritte bei; der Regierung unternehmen. Josua Kantorowitz. Neu. eröffnet! Cafe Corso Ecke Kaiserstrasse und Kowlstrasse. Fnaw»x Kristm Deutscher Verband Jüdischer Krankenpfleger innen ' Im Anschluß an den Verbandstag der Deutschen Juden in .Hamburg fand eine DAegiertenversüMmlung stjatt. Die Tagesordnung galt irr der Hauptsache der Propaganda für die größere Verbreitung des Berufes der Krankenpflegerin in jüdischen Kreisen undderegr Versorgung. Die Versammlung, die Stadtvürordn. Louis Sachs-Berlin zum' Vorsitzenden, Theodor H. Schlesinger-Franffurt a. M. zum. stellvertret. Vvr- Franksurler Israelitisches- ^famillenklall sitzenden, Landgerichtsrat Goldfeld-Breslau, Geh. San.-Rat Maretzky-Berlin, Dr. Sielmann-MünckM zu SchriftMrern, Dr. Korach-Hambürg, Dr. Auerbach-Köln zu Beisitzern wählte, war von etwa 40 Delegierten besucht. Bezüglich der Propaganda für die Verbreitung des Berufes dpr Krankenpflegerin wurde von der größeren Mehrheit der Schwesternvereine gewünscht, daß tunlichst überhauch seitens der einzelnen Vereine davon abgesehen werde, zu inserieren. Dagegen soll dür Verband von Zeit zu Zell in geeigneter Weise — sei es durch gemeinschaftliche Inserate oder entsprechende redaktionelle Hinweise — auf die Ausbildungsmöglichkellen usw. innerhalb des Verbandes aufmerksam machen. Es soll den einzelnem Vereinen, wenn sie es in ihrem eigenen Interesse nicht entbehren zu können glauben, jedoch gestattet sein Inserate zu erlassen, in welchen aber jede Reklame zu vermeiden ist. In Bezug auf die Erhöhung des Gehalts, wurde eine Einigung dahin erzielt, daß das bisherige Höchstgehalt von 600 Mk. auf 720 Mk. erhöht werden kann. Ferner können die Vereine das bisher aus höchstens 1000 Mk. festgesetzte Ruhege- HM aus 1200 Mk. erhöhen. Hierbei ist es den Vereinen anheimgestellt, auf die Anrechnung der den Schwestern ans der Jnvaliditäts-. und Altersversicherung zufallenden Rente zu verzichten. Wenn die Schwestern zu der Angestellten-Versicherung (Gesetz vom' 20. D^embör 1911)' Beiträge geleistet haben, soll auch der diesen Beiträgen entsprechende Teil der Rente auf das Ruhegehalt nicht angerechnet werden. Nach 25jähriger Dienstzeit haben die Schwestern bei. Dienstfähigkeit und einem Alter von 55 Jahren Anspruch auf Ruhegehalt. Die staatliche Prüfung der Schwestern ist nach Beendigung oder während der Lehrzeit, welche IV« Jahr beträgt, abzulegen. Zum Vorort wurde bis zur nächsten Delegierten-VersaMmlung der Verein .für jüdische Krankenpflegerinnen zu Berlin wiedergewählt, welcher den Vorstand sowie drei Kassenrevisoren wählen wird. Sv kam trotz der verschiedensten zum Ausdruck gekommenen Anschauungen eine Einigkeit zustande, die geeignet ist, Men beteiligten Vereinen zu ihrem Rechte zu verhelfen und den ihnen angehörigen Schwestern ein auskömmliches Einkommen sowie ein ausreichendes Ruhegehalt zu sichern. Offenbaeber Druckluft - Anlage Ottenbach a» H. Telefon 183. (AnachiuBB mit Frankfurt). Bewährteste Tapnlchrnlnlgonii, 100,000 qm jährlich sowie unübertroffene Betten- und Bettfedernrelnigang mittelst Druckluft und Wasserdampf. Aus cuter WeU. Deutsches Reich. Berlin. Am 18 November fand hier unter Vorsitz des Reichstagsabg. Bergrat Gothein die Generalversammlung des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus statt. Der Vorsitzende erstattete den Geschäftsbericht und Dr. Bärwald -Frankfurt den Kassenbericht. Sodann nahm Pros. Jastrow das Wort zu seinem Bortrage „Der Tolcranzgcdanke in Vergangenheit und Gegen war t". Der Vortrag war interessant und erschöpfte das Thema. Doch die Grundlagen, aus denen sich dir Ausführungen gufbauten, sind sehr anfechtbar. Das möge der Teil zeigen, der uns als Juden besonders angeht. Redner sagte da nach dem Stenogramm: „Die drei größten dieser Staatsmänner, die über das Problem der Weltmonarchie sich ausgesprochen haben, sind Jesaias, Jeremias und der babylonische Jcsaias. Alle raten davon ab» den Widerstand gegen die Weltmonarchie dnrchzuführen. Jesaias hält es nicht für ratsam, gegen diese , Weltmonarchie anzukämpfen. Jeremias begnügt sich nicht damit, von einem Kampf gegen die Weltmonarchie abzuraten, er nimmt ganz direkt für das große und ihm sympathische Prinzip der Weltmonarchie Partei: er tritt für das assyrische Weltreich offen ein; er hat seine politische Karriere im Kerker beendet, und erst die hereinbrechenden Assyrer haben ihn befreit. Aber der dritte der Staatsmänner, der babylonische Jesaias. hat die Perser noch erlebt, er hat es noch erlebt, daß diese Weltmonarchie die Toleranz nicht als eine mühsam abgerungene Konzession, sondern als ein grundlegendes Prizip gewährt, und er schließt sich diesem Weltreich aus ganzem Herzen an. Ihm ist Cyrus der Gesalbte -Gottes. Aber der Erfolg auf dem Boden Palästinas selbst ging nach der gegenteiligen Seite. Ter finstere (sie! D. Redakt.) Esra gab dem zurückgekehrten Volke eine neue'Verfassung, die auf dem Grundgedanken beruhte:' mit anderen keine Gemeinschaft der Familie, keine Gemeinschaft des Tisches, keine Gemeinschaft der Feste." Rr- 47 Rr. 47 Zu -diesen Ausführungen möge uns die Stritit erlassen werden. Das Urteil ist so verkehrt, die Verkennung ist eche so weitgehende, daß man am besten stillschweigend darüber hinweggeht. Landtagsabg. Landgerichtsdirektor a. D. Kanzow sprach über „Ritualmorde". Er charakterisierte die Ritualmordbcschnldigung gegen die Juden als-eine „wahnwitzige, unwürdige und nichtswürdige Beschuldigung." Reichstagsabg. Pfarrer Heyn schloß sich voll de» Worten des Redners an. Er sagte u. a.: „Zweimal in der letzten Vergangenheit habe ich mich des Handelns ganzer christlicher Völker bis. in de» tiefsten Grund meiner Seele hinein schämen müssen. Das einc Mal war es, als die Völker des Balkans zmn Kriege gegen den Halbmond aufriefen im Namen des Kreuzes, im Namen' Gottes, und dann nicht imstande waren, ihre Soldaten von Greueltaten an wehrlosen Frauen, Kindern und Kreisen zurückzuhalten und sich zuguterletzt selbst noch dir Köpfe einschlugen, und das immer alles ini Namen Gottes und inr Namen des Christentums. Wenn das nicht ein Hohn aufs Christentum und auf das Evangelium ist, dann möchte ich wissen, tvas überhaupt noch Hohn' ist. llnd nicht minder scharf kam, mein Urteil sein über das, was der russisch: Staat seit Jahrhunderten immer noch seinen jüdischen Staatsbürgern bieten kann. Wer die heiligen Ueberliefernnge» und die Bräuche des Judentums kennt, der lveiß, daß die Anklage wegen Ritualmordes eine gemeine Verleumdung ist." Reichstagsabg. Geh. Rat Prof. Dr. v.o n Liszt polemisierte besonders gegen die antisemitische Presse, die die Masse sanatisiert und so an Ritualmordbeschuldigungen die Schuld trägt. Es sprachen noch Justizrat Dr. Löwinsohn als Vertreter des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens und ein Protestant namens Fleischer, der den Bestrebungen des Vereins ' Glück wünscht, und sodann fanden die Wahlen statt. Köln a. Rh. Bei dem Hauptbüro deS Jüd. Nationalfonds sind bis jetzt ca. 280000 Frcs. für Jemntitenhänscr in Palästina eingegangen. Dieser Erfolg im Zusammenhang mit den bisherigen Erfahrungen hat die Nationalsondsverwaliung veranlaßt, _ sich mit der Errichtung von Arbeiterheimstätten in Palä- ' stina daueriid zu beschäftige» und die Werbearbeit hierfür in sein ständiges Tätigkeitsprogramm aufzunehmen. Rußland. Kiew. Das Urteil im Beil ispr ozeß sstnunmehr rechtskräftig geworden. Die Kosten des Prozesses wurden der Staatskasse auferlegt. Berditschew. 484 jüdisch e Familien sind nach den diesjährigen Miliiäraushebungen mit der nur für die Juden eingcsührte Erprcssungssteuer, der. 300 Rubel-Strafe, bedacht worden. 145 200 Rubel Strafe sind also zu zahlen für junge Leute, die sich nicht zum Militär gestellt haben, weil sie schon als Kinder gestorben .sind, oder für längst Ausgewanderte. Mai Vaster dl Bing Palästina. Jaffa. Die jüd Kolonien in Judäa haben sich zu einem Verband zusammengeschlosfen. Die Zentrale des Verbandes wird in Rischon te-Zwn sein. Der Verband soll die judäischen Kolonien nach außen, namentlich den Behörden gegenüber, vertreten. Rischon-le-Zion. S. Ginskin, der Leiter des jüd. Winzersyndikats, schlägt in der Presse die Gründung eines Mandelsyndikats vor. Er schreibt: „. . . Die Mandelernte belief sich im abgelaufene» Jahre auf mehr als 300000 Kilogramm und wird wohl in nächster Zeit eine Million und mehr erreichen, zumal da die neuen Siedlungen ihre Pflanzungsarbeiten mit dieser Kultur beginnen. Dieser rapide Aufschwung regt zum Nachdenken an. Zwar waren die Preise in den letzten Jahren durchweg günstig und dank der Arbeit des „Karmel Misrachi" wickelte sich auch der Absatz glatt ab, ohne daß die Produzenten genötigt waren, sich selbst Märkte sür ihre Erzeugnisse zu suchen. Indessen muß man bedenken, daß die ungewöhnlich guten Preise, die in den letzten Jahren erzielt wurden, auf - die Mißernten in Südeuropa zuriickznsühren sind. Ein Sinken der Preise iw den nächsten Jahren erscheint daher nicht unwahrscheinlich. Dazu kommt, daß vorläufig die Zahl der Kaufleute, die sich mit dem Export der Mandeln nach Europa befassen, gering ist und die palästinensische Mandel hauptsächlich auf 'den ägyptischen Konsuln angewiesen ist, (Nur ein kleiner Teil «wird nach Marseille versandt.) Der europäische Markt verlangt auch meist eine Mandel mit harter Schale, während in Palästina überwiegend die feinschalige Mandel kultiviert wird." Gluskin schlägt nun vor, daß sämtliche jüdischen Kolonisten, die Mandelpflanzungen besitzen, sich zu einer Genossenschaft vereinigen mögen. Heu eröffnet! Telephon Amt I, 6723. Weissfrauen-ltad Herren-Abtrf-llung’. Damen-Abtrilnng. Kor- und Bade-Anstalt I. Banges mit allem Komfort der Neuzeit eingerichtet. Frankfurt a.Ha Weissfranenstr. 18,1., (Lift) Trambahnhaltestelle Schauspielhaus TVelssfranenhof. 6Wannenb&drrl.Kl. m.Dpunhe, eieg elngerioht, lnkl.WäadheMk.4.— 6 JFlctm-niimdelDÄder läkl. 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