Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 46 (21.11.1913)
- Date
- 1913-11-21
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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5tr. 46 Meiner Brief. Da Beilis'Verteidigest die Verteidigung Beilis als eine Ehre Betrachten und jegliche Honorierung ablehnen, haben die Borsteher der jüdischen Geineinde die Absicht, das für die Verteidiger bestimmte Geld zu einer die Namen der Verteidiger tragenden Stiftung zu bestimmten. Hiesige reiche Juden wollen für Beilis in Palästina Land kaufen, damit er und seine! Familie sich! in Palästina niederlassen. Natürlich hat Beilis sofort von Anterika glänzende Angebote bekommen, dort .auszutreten. BÄis hat alle.. Angebote abgelehnt: Er sagte: ,^Jch will aus Meinem Martyrium kein Geschäft Machen; ich bin' Mit davon entfernt, als Ausstellungsobjekt zu dienen; dies verbietet mir meine > jüdische Würde. Ich bin ein Arbeitsnwnsch und sobald' meine zerrüttete Ge-' sundheit wieder hestgeMlt ist, will ich zur Arbeit zurückkehren." Es treffen täglich bei Beilis Blunren, Geschenke und Geld ein, auch von Christen. Ein bekannter Kiewer Millionär (Treschzeinko), ein Christ, hat erklärt, er wolle Beilis für fein ganzes Leben versorgen. Das antisemitische Hetzblatt „Der zweiköpfige Adler" setzt seine .aufrührerische Tätigkeit ungeschwächt . fort. Sein Preis ist von 3 auf 1 Kopeke herabgesetzt worden. In einem Massenaufruf dieses Blattes heißt es: „Christen, schützt eure Kinder! Juden trinken .Christenblut! Auf die.Frage nach dem xituellen Charakter des Atordes auf Seizows Ziegelei haben die Geschworenen richtig „Ja" geantwortet." aar Echte Lincrusta in allen Farben ä Meter von 27 Pfg. netto an. Ringfreie Tapeten-Industrie €• Kupsch, Altegasse 27|29. Mein Besuch bei Beilis. Kie W, im November. Der Beilisprozeß, das große und' erschütternde Ereignisdieser Wochen, hatte auch dem hiesigen' Leben seinen Stempel aufgedrückt. Ueberall, wo auch immer nlan hinhören mochte, schwebte der Name Beilis auf den Lippen aller. Alles wurde in den Hintergrund gedrängt. Die Beilisereignisse haben das ganze Interesse absorbiert. Die ganze Stadt ist jetzt nach Beilis Behausung auf den Beinen. Ein jeder wünscht, ihn zu sehen, Juden und Christen, alt und jung besteigen die elektrischen Wagen, um schnellstens dem Dulder die Hand zu reichen. Hunderte Autos fliegen nach der Seizowschen Ziegelei, wo Beilis wohnt. Allle Autos sind bekränzt; ein jedes trägt eine Gabe für den Dulder. Auch ich verließ gleich in der Frühe meine Wohnung und begab mich zu Beilis. Ich bestieg die Elektrische, und in zwanzig Minuten Fahrt war ich dort. Die Wagen sind vollgepropst, und der Kondukteur fragt beim Billetaustöilen: „Zu Beilis?" Der Hof, wo Beilis Wohnung sich befindet, ist bestellt mit Autos.' Einige Polizisten postieren da, und gruppenweise läßt Man hinein. Ich gab einem Polizisten 15 Kopeken und erhielt Einlaß. Beilis bewohnt zwei kleine ZimMer, und das Zimmer, wo er sitzt, ist voll mit Blumen, und auf freut! Tische liegen verschiedene Gegenstände, die man ihm! zum Geschenk gebracht hat, darunter ein silbernes Service, das Geschenk eines Geistlichen, mit der Aufschrift: Ms Andenken für d'ön Dulder Beilis, von Georgi Schankov. Ich reichte Beilis Meine Hand und wünschte ihm Gesundheit.und schnelles Vergessen der äusgestftndenen Leiden. Er erzählte u. a., däß Man ihn iM Kerker sehr stärk geschlagen habe. Man habe chm die Zunge aus dem Munde gezogen, damit er seine Schuld anerkenne. Er fand.auch ein Rasiermesser unter seinem Kissen, und man fragte ihn: „Jude, wv erhieltst du dieses Messer?" Auf seine Antwort, daß er das Rasiermesser nie gesehen habe, schlug Man ihm alle seine Zähne aus deM Mundä. Mein Besuch war abgelaufen; ich mußte anderen Platz machen. I. I. Braun. ( Teppichhaus Eberhard UfBOBjalnzBrstr. TL, Eclu FriEdsnsstp. rsÄS*)J frankfurter FsraelftisktzB Famillenblaü. Kriminalität ««- Konfeffio«. Zu der kürzlich durch einen großen Teil der Presse gegangenen, aus der „Statistischen Korrespondenz" entnoMmeiron Notiz über die Beteiligung^ der einzelnett Konfessionen an der Kriminalität in Preußen schreibt uns das B u r e a u f ü r S t a t sti k der J uden in Berlin: Die 'Ziffern der gesamten Kriminalität Wunen ein richtiges Bild ' von ‘frönt Anteil der Konfessionen aM Verbrochen nicht geben. Hierzu wäre es Vielmehr nötig gewesen, die in dem; „Statistischen Jahrbuch für den Preußischen Staat 1912" veröffentlichte Tabelle mitabzudrucken, welche^ Äie iZahlen für die einzelnen Delikte enthält. Bei der Betrachtung. Ider Tabelle ergibt sich z. B., aus welchem! Grunde hie Gesamt kriminalit'ätsziffer der Juden höher ist. als die der Evangelischen.!EÄ wurden nämlich wögen der perschie-! 'denen Kergöhen gegsen die Gewerbeordnung von je 100000 straftnündigen Zivilpersonen bestraft: Evangelische 69 Katholiken 62 Sonstige Christen 62 Juden 288 Bringt Man diese Zahlen von den Gesamtzahlen in Abtzjug, ändert sich das Bild vollständig und die Kriminalität der Juden weist die niedrigste Ziffer (Mit Ausnahme der „Sonstigen Christen") auf. Daß die Juden pber an joneit Gewerbevergchen so unverhältnismäßig stark beteiligt sind, ist natürlich die notwendige Folge ihrer Berufsgliederung. Aus aller Well. Deutsches Reich. Köln. Die Organisation für jüdische Wanderanuen- Fürsorge in der Rhcinprovinz hat für eine j ü d i s ch e Herberge das Haus Rubensträße 33 gemietet und mit allen die Hygiene berücksichtigenden Einrichtungen (Bad :c.) ausgestattet. Ein wesentlicher Bestandteil der Einrichtung ist die dort untergebrachte Holzarbcitsstätte, ferner hat sich in dem Hause das Bureau der „Zentralarmenkasfe der Rheinprovinz und Birkenfeld für jüdische Wanderarmenfürsorge", welches Pie Abfertigung bisher in den Berwaltungsränmen der Synagoge. Glockengasse vorgenommen hatte, etabliert. — Der vom Jsr.. Fraueiivcrein unterhaltene „Unentgeltliche Stellennachweis für Frauen und Mädchen" hat ebenfalls sein Heim dort eingerichtet, desgleichen die „Jüd. Lesehalle". Die „Jüd. Arbeitsstätte und Brockensammlung Peah" war bereits vor einem Jahre dort tätig. Offenbaeher Druckluft - Anlage Offanbach a. HL Telefon 123. (AnHrblnRR mit Frankfurt). Bewährteste Tapulchralnlgung, 100,000 gm jährlich sowie nnflbertroffene Betten- und Bettfedernreinigung mittelst Druckluft und Wasserdampf. Oefterrelch-Ungaru. Me«. Im Abgeordnetenhaus richteten Breiter und Genossen an die Regierung eine Interpellation wegen des Antisemitismus in den Wiener Kran ke >c Häuser n. Es heißt in der Interpellation: „Seit einiger Zeit gibt es in Wien Spitäler, in deneu seit Jahren überhaupt kein Jude mehr a n g e st e l l t wird, so im Sophien- und Elisabeth-Spital. Bezeichnend ist, daß dem letztgenannte» Spital eine jüdische Abteilung, die Bettina-Abteilung, eine Rothschild-Stiftung, ungegliedert ist. In den anderen Spitälern sind zwar noch jüdische Hilfsärzte angcstellt, doch trachtet man diese hinauszudrängen. Besonders charakteristisch äußert sich dieses Bestreben am Kaiser Franz Josef-Spital. Auch diesem Spital ist eine jüdische Millionenstistung, die Kinderabteilung des Bernhard und der Regina Pollack von Parnegg, ungegliedert. In diesem Spital geht der Antisemitismus so weit, daß sich da zwei durch eilten Strohsack getrennte Speisezimmer für die A e r z t c befinden, ein arisches ü n d e i n j ü d i s ch e s. Im Kaiser Franz Josef-Spital existiert ein Tennis- Platz mit einer separaten Stundencinteilung für die jüdischen und nichtjüdischen Aerztc: es gibt eine „arische Kegelbahn" und ein „jüdisches Billard". Die jüdischen Aerztc 'werden angewiesen, nach Galizien zu gehen, oder es wird ihnen unverhüllt gesagt, daß man sie nicht gern aufnimmt, ja, es wird gedroht, daß man einen Numerus clausus werde einführen niüssen. Die jüdischen Sekundärärzte werden systematisch umgangen. Als im Oktober 1913. die Stelle eines Assistenten auf der ersten medizinischen Abteilung besetzt wurde, und die ältesten jüdischen Sekundärärzte sich bewarben, wurde der jüngste von allen Bittstellern, ein Nichtjude, ernannt. Auf die zweite medizinische Abteilung des Prof. Türk wird seit Jahren lein jüdischer Siete 8 Sekundärarzt geschickt. Der Assistent dieser Abteilung, Dr. Schuster, ging so weit, daß er einem christlichen Arzt, der sich auf Waffennbung befand, telegraphierte: ,Svmme sofort, sonst bekommen wir "Juden." Man hat hier wieder einmal den Beweis dafür, wie vorsichtig jüdische Stifter sein in ü s s e n, wenn sie nicht wünschen, daß ihre Stiftungen nachher in Praxis die Klausel haben: „Mit Ausschluß der Juden." Rußland. Brest-Litowsk. Auch hier hat eine scharfe Aufh c tz u n g s t ü tigteit gegen die I ud en eingesetzt. Es bedarf schon einer solchen, um zu wirken, denn das Verhältnis zwischen Jude» und Christen ist ein friedliches. Montag war Feiertag, und so war ein großes Publikum vor der neuen Kirche an der Dworjanska-Straße versammelt. Plötzlich schrie eine Frau, daß ihr ihr Kind verloren gegangen sei. Zur gleichen Zeit bemerkten in einer Nebenstraße einige Leute einen verdächtigen Menschen, der ein schreiendes Kind hinter sich Herzog. Man rief die Polizei: der Mann, der das verlorene Kind bei sich führte, wurde verhaftet. 'Er ist einer von der Bande, die gegen die Juden aufwiegelt. D. Sch. (Decorationsblumen Brautkränze, Brautschleier Arrangements für Festlichkeiten geschmackvollst und billigst. . Krankfurter Kunstblumenu. Kranzfabrik Wolseli endorff Meissner 38 ,T5n g»»ga«8« 38 Ü Mhton. I! Besiegt. Erzählung von Clemens Berg. (Fortsetzung.) „Ja," fuhr Heinrich fort, „was hätte ich denn gehabt, wenn ich die Sidi bekommen hätte, wie Mutter wollte? Die Sidi! Weiß Gott, von wem sie den Dünkel her hat. Zehntausend Taler kriegt sie mit und dreißigtausend wird sie ausgeben wollen. Sie trägt nur das Eleganteste von Kvpf bis zu Fuß, und weil ’ ihre Eltern bloß die eine Tochter haben, wird ihr jeder Wunsch erfüllt, so Unvernünftiges sie auch verlangen mag. Meine Rosa aber kennt nichts wie Arbeit, imd dabei sieht sie in ihren einfachen Kleidern ebenso schön aus wie eine Prinzessin in Seide und Geschmeide. Wir lieben uns von ganzem Herzen, und wir sind sehr glücklich. Findest Du nicht auch, Vater, daß sie ein bildhübsches Weibchen sein wird?" Das konnte Herr Wassermann mit gutem Gewissen bestätigen. Mer sonst sprach er nicht mehr viel. Sie waren ja auch schon vor der Synagoge angelangt. „Höre mal, Rosa," sagte Sidi gnädig, „der Vater von Heinrich Wassermann macht einen tadellosen Eindruck! Der Me Herr hat eine feudale Natur, sehr ruhig, und gemessen!" „Mir hat er auch gut gesMen," sagte Frau Meyer; „er scheint' große Sanftmut und viel Herzensgute zu besitzen." „Sehr nette Eigenschaften das," bemerkte Sidi, „für den Hausgebrauch gar nicht zu unterschätzen! Aber heutzutage verlangt jedes vernünftige Mädchen nach sichtbaren Aeußerungen des schwiegerväterlichen Wohlwollens." „Wie meinst Du das?" ftagte Rosa beklommen. Die spöttische Ueberlegenheit der Cousine bedrückte fte immer. Ihr Feingefühl verbot Rosa, dem Kinde ihrer Wohltäter mit gleicher'Münze zu dienen, wenn sie auch sonst über eine reiche Gabe Mutterpitz verfügte. „Wie ich das meine?" Sidi lachte laut auf, ließ sich auf den Schaukelstuhl am Fenster fallen und wippte sich vergnügt hin und her. „Ich bin begierig, zu wissen, was Dir Herr Wassermann als BerlobungS-- gabe anbieten wird. Hast Du Dir ein Kollier bestellt oder einen Ring, wie ich Dar geraten habe?" Rosa war sehr rot geworden. Und fte sagte etwas verlegen, indem sie sich über die Rosen in den Vasen auf dem sabbatlich-festlich geeckten Tisch beugte: „Es bedarf keiner Geschenke, liebe Sidi. Ich bekomme ja Schneiderei Crössmann Kaiaenmtnaamo tOa, Entrosol- Kaiser Wilhelm-Passage. Telefon Amt I, 6930. Englische Jacken-Ktoiderm s==; Garantie für gute Passform. — Prima Stoffe und Zutaten. Solide Preise. — Auf Wunsch zuverl, koschere Verarbeitung.