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Neue jüdische Presse · 1913-11-21 · Heft 46 (21.11.1913) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 46 (21.11.1913)
Date
1913-11-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Veite L M tuMll«tten - Szenen; wie endlich Ne Sache geendet Hat, weiß ich sticht, ist aber guch ganz nnwesenüich. Das Wichtige und Interessante an der Affaire ist, ihre symptomatische! Bedeutung für den moralischen Zustand dar alten Kolonisten. Das radikalste Mittel wäre unter solchen Umstanden dies, das altch untüchtige Bkaterial durch neue, junge arbeitswillige Kräfte zu ersetzen. So schwierig und keineswegs angenehm dies auch ist, so ist doch kein Zweifel, daß es früher oder später wird geschehen müssen. Es waren sv keineswegs angenehme Wahrnelsnümgen, die ich in diesen vÜergallläischen Kolonien überhaupt und in Metullah insbesondere machen mußte, und es tat mir dies umsomehr leid, als das die letzte Station meiner Route war. So suchte ich Mr denn durch den Genuß an der herrlichen Umgebung Metullcchs einigermaßen Ersatz zu schaffen. Diese Umgebung ist auch in der Tat geeignet, auch die niedergedrückteste Stimmung zu verscheuchen. Zehn Minuten von Metullah Mtfernt ergießen sich vier Wasserfälle,die in Europa gewiß einen Zielpunkt tausender Touristen gebildet hätten. Der gröAe von ihnen, an die 50 Meter hoch und von mächtiger Gewalt, ist eine natürliche Sehenswürdigkeit von solcher außergewöhnlicher Pracht, daß es sich von weither heczukonrmen lohnte, ihn zu sehen. Um einen solchen Wasserfall herum wären in Europa gewiß schon «m Dutzend Hotels und Billen entstcmden, zudem so und so viele elektrische Fab- ~ riken; hier liegt alles so unausgenutzt da, daß nicht einmal ein — so leicht hörzustellender Weg gebaut ist, um den Wasserfall in seiner vollen Ausdehnnng sehen zu Wunen; wen es danach gelüstet, muß auf stellen Felswänden hinaufllettern, ständig in Gefahr, bei dem geringsten falschen Tritt Kopfüber in den Strudel zu stürzen. So rst hier Äien alles: das Schönste liegt verlassen da. und harrt seiner Verwendung durch Menschenhand und Menschetttzeiff. Ädn letzten Tage meines Aufenthaltes in Metullah unternahm ich einen Ausflug nach einer einige Stunden entfernt liegenden mächtigen Ruine, einer mittelalterlichen Burg aus den Kreuzzugszeiten. Der Wetz führt zuerst, auf der Landstraße nach Sidvn und Beirut entlang und ist von unvergleichlichem Zauber. Die hohen Bergesketten des Anttlibanon erheben Ich iM Norden, nordöstlich ragt der HerMon empor, und weWich starren stelle Felswände entgegen. Zwischen den Bergen aber dehnt sich eine blühende, fruchtbare. Ebene aus, durchströmt von her Libauje, einem schäumenden GMrchsbache, der sich ins mittelländische Meer ergießt. Nachdem man eine Zeülang auf dieser Lmrdstraße dahingeschritten ist, führt dm Weg östlich die stellen Fklsberge hinauf. Der Ausstieg ist recht beschwerlich!, und man. staunt über die seltene Geschicklichkeit der Esel beim Hinaufklettern auf die stellen Berge. Mit äußerster Vorsicht und unfehlbarer Sicherhmt klettert ein solches Langohr von Felsen auf Felsen, seinen edleren Anverwandten, das Pferd, darin well übertreffend. Nach einem vierstündigen beschwerlichen Ritte gelangte ich auf die Spitze des Berges, zur Ruine selbst. Der Anblick, der sich uns bietet, ist märchenhaft; ich habe solche Bilder nur wieder in Panoramas tzeschen. Tief unten schlängelt sich! die Landstraße, braust der Mächtige Gebirgsbach, und unmittelbar vor mir erhebt sich der Hermon, ragen die Schneeberge .des Libanon und Anttlibanon empor. Fern . iM Westen aber erblickt man die weite, goldene Oberfläche des Mittelländischen Meeres, alles zusammen ein Bild von unvergeßlicher Schönheit und Wirkung. Ich rasftete ' im. Schatten der mächtigen, noch recht gut erhaltenen Ruine, und wie ich. so dalag, vor Mir dieses herrliche Naturbild, ergriff mich eine tiefe Stimmung, und allerhand Gedanken durchzogen mich. Ich befand mich auf dem nörd- Lchsten Punkte meiner Palästtnareise. Die vielen, mächtigen Erinnerungen an all das, was ich in diesen -letzten Wochen gesehen hatte, stiegen vor mir aus. Bor mir im Süden lag das herrliche Land, dem unser Volk das größte verdankt, was es besitzt, von dem uns ein grausames Geschick getrennt hat, und das wir nun in Vegeist-erteM Ringen uns wieder erwerben wollen. Was bereits geleistet ist, ' es ist, — gemessen an der Größe des Zieles gstviß nicht tnä, und doch wieder, zieht man die schwachen Kräfte in Betracht, die es geschaffen, denkt Frankfurter Israelitisches FamilirMatt. Man an Me unendlichen Schwierigkeiten, die es zu überwinden galt, so ntuß man es bereits als einen herrlichen Erstlg bezeichnen. Aber so groß die Schwierigkeiten waren, die man bereits aus dem Wege geräumt, noch viel, viel größer sind die. deren Beseitigung uns iwch bevorsteht. So zahlreich die Fragen sind, die wir gelöst, unendlich zahlreicher sind noch die, deren Lösung unser harrt. Und schier wollte mich eine skeptische Resignation, eine leise Verzweiflung erfassen, als ich! die Größe des Werkes, das wir errichten wollen, mit den spärlichen Kräften verglich, die uns erst zur Verfügung stehen, und gerade die Erfahrungen der letzten Tage hatten eine gewisse pessimistische Stimnmng in Mir hervorgerufen. Aber, wie um diese trüben Gedanken, die mich durchzogen, abzuschütteln, erhob ich meinen Kopf, und Mer mir erblickte ich die Sonne Palästinas in ihrem vollen Glanze strahlen. Die herrliche, mächtige Sonne Erez-Jsraels, die unerschöpfliche Krastspenderin, das Symbol des stetig sich neu verjüngenden Lebens! Und mit einem Male war. alles Trübe und Skeptische in mir geschwunden, 'wie zerschmolzen vor der Glut dieser Sonne. Und als ich mich, erhob und meiner: Blick bewundernd .über diese Landschaft schweifen ließ, da wußte ich es: So lange diese Sonne am Himmel Palästinas leuchtet und ihre lebenspendenden Strahlen versendet, so lange kann die Hoffnung des jüdischen Volkes ' aus seine Wiederkehr nach seinem Erez- Jsrael nicht ersterben. Und so sicher diese Sonne morgen und übermorgen aufgchen und strahlen wird, so gewiß wird auch der Tag kommen, wo sie bei ihrem Aufgehon ein neues Palästina erblicken wird: das neuverjüngte Erez-Jsrael, das seine nach zweitansendjahrigem Irren zurückgekehrten Söhne zu neuem Leben erlöst hat. (Schlußbrief folgt.) A«s Le« Ereiguiffeu des Tages. 3«m Juventag. Sonntag, den 9. Novencher fand in Hamburg die Hauptversammlung des Verbandes derDeutschen Juden, der „Judentag", statt. Ganz darauf angelegt, eine machtvolle äußere Demonstration der Deutschen Judenheit zu sein, pflegt der Judentag diese Aufgabe auch recht gut zu erfüllen und der Hamburger wird darin nicht hinter den früheren Tagungen znrückstehen. Umso weniger pflegt der Judentag innerlich zu bedeuten; für das innere Leben der Deutschen Judenheit ist er so .gut wie ohne Bedeutung; weder will er irgendwelche Parolen ausgeben noch Direktiven ertellcn, zu den inneren Zeitproblemen der Judenheit nimmt er kein« Stellung"/ und sv schrumpft der tatsächliche Wert dieser Veranstaltung sehr zusammen. Immerhin pflegt der Judöntag. auch manches Interessante und Beachtenswerte -zu bringen er pflegt in verschiedener Hinsicht symptomatisch zu sein. Denn auch die Art und Weise, wie wir Juden nach außen hin austreten, mit welchen Argumenten wir unser Judentum verteidigen, in welcher Form wir .unser« Gleichberechtigung fordern, auch dies ist ja nicht ohne innere Bedeutung. Und gerade .diese Form unserer Stellung .zu den anderen war es ja gewesen, an der die jungjüdische Bewegung zuerst ihre Arbeit begann Und eine Umwertung d«r Werte herbeiführen wollte. Nicht mehr durch Beteuerungen unserer Vaterlandsliebe, die Mür allen Zweifel selbstverständlich ist, nicht mehr durch die devote Versicherung unserer Unschuld und Ungcfährlichkeit sollen wir unsere Rechte zu erlangen suchen, sondern auf Grund unserer Würde yls Menschen und Juden wollen wir sie erkämpfen. Das gleiche gilt auch von .der Form unserer Apologetik. Wir halten cs für unter unserer Würde, durch alle erdenklichen Beweise darzulegvn, daß das Judentum doch aus gleicher Stufe mit dein Christentum stehe und wir deswegen Recht hätten, ihM treu zu. bleiben, wir lehnen die Apologetik, wo sie nur Apologetik sein will, ab und verwenden unsere wissenschaftlichen Kräfte ans die objektiv« .Erforschung des Judentums. All dies sindst ja Gedanken, die., man sich fast nvch zu wiederholen schämt, well sie bereits so oft und so ltzut gesagt worden sind. Betrachtet man aber den Judentag daraufhin, so wird miau mit Bedauern konstatieren .müssen, daß er Nr. 46 Nr. 4( Leo Schweinfest Damenschneider«! empfehle > tadellosen Sitz, gute Verarbeitung.. Gr. Eschenheimerstr. 19. I. Telef. 12206. Th. Briese Gegrttndet 1838. Frankfurt a> M. Telefon Amt 18679. 34 Goethestrasse 84 (nächst dem Opernhans) noch' immer zu denen gehört, die nichts gelernt, and-nichts vergessen haben. Heute wie vor l(j Jahren ist der eine der beiden Vorträge der Haupt-! Versammlungen.ein rein apologetischer, (Die soziale I Fürsorge der jüd. Religion), heute wie vor lo | Jahren läuft der zweite politische Vortrag (Die Juden im öffenllichen L«ben Deutschlands) daraus hinaus, die Vaterlandsliebe und Königstreue der deutschen Juden zu beweisen, und der diesjährig? Referent unternimmt es sogar, trotz seiner Zugehörigkeit zur Freisinnigen Volkspartei zu beweisen, daß die Juden gar nicht so liberal seien, wie Man es ihnen vorwirft, sondern in ihren« Weseir sehr, viel konservative Züge hatten, eine Behauptung, die an sich sehr richtig ist und in letzter Zeit gerade von nationalsüdischer Seite ausgestellt wurde, die aber, lediglich zu dem Zweck: in. die Welt gesandt, um Ne .Loyalität der Juden zu 'beweisen, recht unangenehm wirkt. Auch all - jene kleinen Imponderabilien, das Drun« mid Dran des Judentags, das aber doch in vielen« so bezeichnend ist, ist gan; unverändert geblieben; heute wie vor 10 Jahren bemüht man sich, bei der Festaufführung zu Ehren des „Judentags" das Jüdische ja nicht zu auffallend zu betonen, läßt vielmehr statt einci> namhaften jüdischen Gedichtes, an denen die jungjüdische Dichtung so reich ist, lieber „Jung-Dietridji" vortragen und krönt das Ganze mit der ehrwürdigen Ringerzählung aus „Nathan dem! Weisen" als dem. Inbegriff dör letzten Lösung der Judeufr age. Man glaubt sich in der Tat um ein Jahrzehnt oder meh!r noch zurückversetzt, wenn man dies liest, und staunend fragt man sich: Ist denn die ganze große mächtige nationale Bewegung an den Teilnehmern des Jndentags spurlos vorbeigegangen? Haben sie an ihren grünen Tischen denn nichts von den Stürmten vernommen, die inzwischen die Judenheitdurchbraust und so manche alte, morsche Eiche entwurzelt haben'-' Wer man versteht dies, wenn man sich die Zusammensetzung' des Judöntages ansieht; die Gemeindenotabeln, die.Juristjräte, die „Parnossim", sie sind es, die den Judentag bilden; kein Wunder, daß sie kein treffendes Bild" von den Wandlungen des Jahrzehntes geben können, .und so kommt es, daß den AsnßenwMt, der der Judentag noch immer als die Demonstration des gesamten deutschen Judentums gilt, dasselbe alte abgeschmackte Schauspiel geboten wird, während poch die innere Lage biv? Judentums inzwischen ritt« ■ ganz andere geworden ist. Unter all diesen jErscheinungen, die der Judentag.Mit sich brachte, bleibt das einzig erfreuliche lstlüoment die Resolution, di« in ihrer mannhaften Sprache doch 'ettbas von dem.Geist des neuen JudentuMüs .kündet. Besonders der Protest ,.;egen die rinseitige staatliche Unterstützung der christlichen Kulturzioecke aus .den Steuern, die doof llnch die Juden Mt zahlen ..und das energische Eintreten für die ausländischen Juden gegenüber 'ihrer Zurücksetzung durch die Regierung, berühren sehr sympathisch und werden dein uneingeschränkten .Mifall der Mamtöir deutsches Judenheit 'finden. Hoffen wir, daß der Verband dör Deutschen Juden in jseiner künftigen Tätigkeit sich ganz auf den Roden dieser Resolution stellt und ihre Forderungen ebenso furchtlos und energisch zu realisieren suchl, /die sie ausgesprochen wurden. Er wird, dadurch beweisen, daß die - großen innerjüdischen Ereignisfk auch an ihm.nicht Merlos .vorübergegangen sind, und daß er versucht mit den inneren Wandlungen des Judentums! Wenigstens einigermaßen Schritt zu gälten, wodurch allein er auch in Zukunft die Vertretung der Judenheit mit Würde zu sichren iu der Lage sein wird. Moderne Wand- und Stand-Dören, Taseben-Dhren. Glashütter and Genfer Fabrikate. Da als eine ablehnen iiteindc i Geld zu den Sttf Hie lästina i sich! in; sofort v dort au lehnt: C kein .Ge fernt, a bietet v Arbeitse sundheit znrückkel Es und Ge Kiewer klärt, e sorgen. Da dldler" herabges Blattes Juden dem xii Ziegelei antwort «in« Dc Ereigni Leben j immer Beilis Hinterg das go ist jetzt jeder n alt uni schnellst derte Ä wo Be jedes 1 Ai Wohn» Elektrif dort. e. buttem D und gl B ZimMc den« T ihn« z> bernes der Ai lis, vi I ihm E stundet iM Kei die Zt Schuld unter wv er! daß t Man i A deren Grr»mmoplioiae. Offizielle Verkaufsstelle der Deutschen Grammophon-A.-G.

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