Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 45 (14.11.1913)
- Date
- 1913-11-14
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2692297-2692819-2692864--08038-2703156- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Weite 4 Lie Bellisaffäre zur Spräche; doch entzog ihm der Präsident das Wort, da die Sache noch nicht alle Instanzen passiert habe. Mrrischiewitsch, Markow und .Antonow sprachen gegen den Antrag, »er dann mit 152 gegen 92 Stimmen «wgelehnt wurde. Frankreich. Parts. Am 5. November fand die jährliche außerordentliche Sitzung des Zentral-Komitees der Alliance Jsraelite Universelle statt. Außer den meisten Pariser Herren waren meh-?rere. auswärtige Mitglieder zugegen. Den Vorsitz führte .Pros. Dr. Netter. . Der zur Verlesung gebrachte Bericht behandelte .die politischen Ereignisse auf dem Balkan und in MorLafrika aufs ausführlichste. Der Angelegenheit der rumänischen Juden und Len von verschrienen Seiten zur Erlangung der Bürgerrechte für die eingeborenen Israeliten vorgeschlagenen Mit- Äu würde eine besondere Aufmerksamkeit zugewendet. Auch wurde der,, lächerlich-tragische Prozeß in Kiew 'ins Auge Kfaßt, Wer dazu inszeniert wurde, um durch »einen ung^Mchen Juden die ganze jüdische Bevölkerung zu brandmarwu, deren liberale Tendenzen man befürchtet und zu vernichten bestrebt ist. Hervorgehoben wurden ferner die in Marokko erzielten Resultat undnamentlich die Wohltat des dort eintzeführten Regimes, dank welchem die Juden, die seit Jahrtausenden der Willkür und der Demütigung preisgegeben waren, sich nunmehr eines tatkräftigen Schutzes erfreuen. . ,Der Bericht enthält einen lleberblick über die Wirren aüs dem Balkan, über deren Nachwirkung auf die Verhältnisse der vom Kriege heimgesuchten Länder und über das zugunsten der dortigen - Juden eingeleitete Unterstützungs- Werk. - Besonders erwähnenswert ist die Tatsache, daß trotz -der politischen und geographischen Umwälzungen sämtliche Allianceschulen auf dem Balkan gleich nach dem Bukarester Frieden wieder eröffnet werden konnten, was den besten Beweis dafür liefert, daß die Anstalten der Alliance feste Wurzeln geschlagen haben, und sich der Sympathie der Gemeinden erfreuen. Anläßlich des neuen Jahrgangs sind neue Anstalten gegründet worden und War namentlich in Bulgarien und in Mesopotamien. Der sehr ausführliche Bericht gab zu einem längeren Meinungsaustausch Anlaß, aus'dem sich ergab, daß unter sämtlichen Mitgliedern des Zentral-Komitees über alle "Angelegenheiten allgemein-jüdischen Interesse volle Uebereinstimmung herrscht. Es wurde im Laufe der Sitzung die Wiederwahl des Vorstandes vorgenommen. Citoeken-Drogerie AUerheiligenstrasse 53. Telephon I, 3217. Vorteilhafteste Bezugsquelle für alle Parfümerien, . , ■ Seifen und Toilette-Artikel.. . RmnSrrie». . [v, tBotarefi. Die verbreiMen Zeitungen von hier bringen den Text siegenden Telegramms : Ew. Exzellenz Atinrsterpräsident - Bukarest. . . Beim Prozesse Millian stand in der Anklageschrift der Satz: „Es ist dies nur dem Benehmen des Volkes zuzuschreiben, von dessen Ursprung er stammt". Als geistiger Chef der bedeutendsten jüdischen Gemeinde des Landes protestiere ich mit der ganzen moralischen Kraft eines Juden gegen diese unüberlegten und ungerechten Ausdrücke eines Vertreters der Öffiziälität. Rabbiner Dr. Thenen, Jassy. Die Vorgeschichte dieses Telegramms ist kurz folgende: -Millian, ein lehr geschätzter Journalist, der Jude ist, beschrieb den Marsch nach Bulgarien von diesem Sommer, den er als Reservist mitmachtc. Obwohl seine „Aufzeichnungen" von höchstem Patriotismus getragen sind, so konnte ihnen dennoch nicht auchdie kritische Seite sehlen, besonders, da sie Millian mit einem, wundervollen tumor niederzuschrciben verstand, k Daraufhin wurde er vor das Kriegsgericht zitiert, was lgemein empörte. Und beim Prozesse kamen jene Worte der-Mnklageschrist zum Vorschein, die Anlaß gaben zu dem -obenerwähnten Telegramm. Offenbaeher Druckluft - Anlage pttanbach a. H. Telefon 123. (Anschluss mit Frankfurt). Bewährteste Tapple hralnlguufi, 100,000 qm jährlich sowie unübertroffene Betten- und Bettfedernreinigang , mittelst Drncklnft und Wasserdampf. AmerUa. New -Aork. . In ihrem letzten Berichtsjahre verschaffte die Bereinigung orth. jüd. Gemeinden Amerikas ca. 1500 Personen sabbatfteie Stellen. Ferner hat sie mit einer halben Million Dollar Kosten eine TaubstummenEnstalt errichtet, Normal School Bovano Seswstr. 7. SpracbBQ-llBtlBF&BtZllIlSeS. Tel. 12428. Privafc-Zirkel- und Elassenantenicht Besondere Zirkel ffir Damen besserer Kreise. | .öeffentLFrpbestnnden Mittwochs am 11,5, 7 u. 9 .Uhr.,: Fraickfurter JfraMWS FmMeMM ^alsick - Linoleumtepoiche Muster durch und durch 200/300 cm gross Hk. 15,75. JEtingtreie Tapet en-Iudustrie C. Kupsch. Altegasse 27/29. □ Besiegt. Erzählung von Clemens Berg. (Fortsetzung.) Solch eine unangenehme Geschichte!. Natürlich! Wie unerquicklichen Tittge halste Frau Cassilde chm auf. Es war doch rein unmöglich, Menschen,, die ihn wie einen lieben Verwandten ausnehmen, zu sagen: „Ihr irrt Euch; ich bringe Trennung und Unfrieden." Und dabei, wer durste es dem Jungen verübeln, wenn er sich in das reizende Geschöpf, die Rosa, verliebt hatte? „Bildhübsch ist; sie, und das liebenswürdigste Schmeichelkätzchen." Wie zärtlich kam ' das „Väter" über den frischen Mund. Wie zutraulich hatte sie sich an ihn geschmiegt, als sie sprach: „Ich habe meine Eltern schon vor langer Zeit verloren; wie glücklich bin ich, daß ich zu Tir Vater sagen darf!" Ganz heiß war es chm in die Augen gekontmen, und ob es Frau Cassilde gütheißen würde oder nicht, er konnte nicht anders: er chatte den braunen Lockenkopf sanft gestreichelt .... Aber in einer schönen Patsche sah er da! .Fünfundzwanzig Jahre und darüber hatte er keinen linderen Willen gekannt als den seiner lieben Frau; alles hatte sie für das Haus, für ihn, für die Kinder getan! Und da er zum ersten Mal in seinem Leben einen Hauptschlag vollführeu sollte, erging cs ihm wie der Maus: er wußte alle Wege ins Nest und keinen hinaus. Es klopfte. Frau Meyer kam und bat ihren Gast „zu einem Schluck Kaffes. ' „Und dann, Herr Wassermann, wenn es Ihnen paßt, führt Sie Sidi zu Ihrem Sohne in das Geschäft. Heinrich wollte Sie vorhin wecken, aber' Rosa erlaubte es nicht. Da läßt er Sie sehr bitten, ihn abzuhvlen, um mit chm in die Synagoge zu gehen." Ter Kaffee mundete prächtig, und die Kuchen, welche Frau Meyer dazu anbot, konnten sich getrost neben denen Frau Cassildens sehen lassen. Frau Meyer erzählte, daß sich ihre Nichte, nachdem . Heinrich des Vaters Depesche empfangen, sofort nach Geschästsschluß, obwohl sie todmüde war, noch zu später Stunde in die Küche gestürzt habe, um Kuchen zu backen und „Kreppchen" in die Suppe zu machen; denn sie hatte Heinrich! bestürmt, ihr die Leibgerichte des Vaters zu verraten. Beim' Kaffeetischl erschien auch Fräulein Sidi, des Hauses liebes Töchterchen, — groß, blond, elegant, ihren Eltern ganz unähnlich und von einer gewissen hochmütigen Kälte. Sie war ausgesprochene.Sportdame, erzählte viel von ihren Tennis-Partien und ihrem fernen Verkehr, sodah es Water Wassermann gehörig gruselte bei dem Gedanken, die nächste Viertelstunde allein in Gesellschaft dieser Weltdame zu verbringen. Sidi war wirklich sehr vornehm. Ihre Aussteuer und Einrichtung wurden, wici sie mit Genugtuung hervorhob, in Berlin angefertigt; ihre „rückständigen" Eltern hatten zwar, wie Sidi mit spöttischem Lächeln weiter berichtet, zuerst die Notwendigkeit dieses „einzig vernünftigen Gedankens" nicht recht einsehen wollen, aber Fräulein Sidi besaß die Gabe, die Menschen zu überzeugen ... Vater Wässermann betrachtete das „pikseine" Wesen, das ihm da seine höheren Ansichten über Leben und Genießen entwickelte, mit heimlicher Scheu. Die kriegt gewiß einen großen Sack Geld mit, dachte er bei sich; er konnte gar nicht ausdenken, daß nach Cassildens Befehl Heinrich eine solche Zierpuppe hätte wählen, daß sein Junge Zettlebens hätte tanzen sollen, wie die flötete. Und wenn es noch Flötentöne wären! Vater Jakob hatte die sehr richtige Ahnung, daß dieses hypermoderne, schlanke, zarte Fräulein zu kommandieren verstehe wie ein ArtLIerie-General . .. „Herr Wassermann, wenn Sie belieben, gehen wir jetzt. Ich habe um fünf Uhr eine wichtige Besprechung mit meiner Schneiderin." Gehorsam brach Vater Jakob auf. Unmöglich, Fräulein Sidi warten zu lassen, — und er sehnte sich nach seinem Jungen, Ar 45 Vor der Haustür winkte Sidi einem. Wagen und lud . ihren Gast, gnädig zum Einsteigen .ein.. „Hier muß man sich mit Droschken behelfen," seufzte sie, Berlin fahre ich immer Auto." „So! So!" . Und als sie bemerkte, wie sehr sie mit ihrer eleganten Ueberlegettheit dem Kleinstädter imponierte, setzte sie die Unterhaltung fort: „Ich wollte, daß Sie heute abend mit uns ins Theater und nachher ins Nachtkabaret kämest; aber des Freitag-Abends wegen bestanden meine Eltern darauf, wie immer das Souper zu Haus einzunehmen. Meine Eltern sind. in dieser Beziehung noch schrecklich rückständig, — altmodische Leute, die sehr am Hergebrachten hangen!; ich, als modernes Weib, mache mir aus dem alten Zopf nicht viel." Herrn Wassermann ward es sehr unbehaglich. „Und Fräulein Rosa?" fragte er nach einer Leinen Weile. „Wie denkt sie darüber?" „Rosas Geistesflug ist naturgemäß nicht so - - ein hoher wie der meinige . . Gott! Rosa!" Es klang ein klein wenig geringschätzig, als Sidi fortfuhr: „Rosa hätte. vorzüglich zu einer kleinstädtischen Rabbinersftau gepaßt." „So! So!" Von Vater Wassermanns Herzen rollte ein erratischer Block herab. 4 „Rosa hängt in der Tat noch sehr an den alten Bräuchen," ließ sich Fräulein Sidi wieder vernehmen, „aber sie ist sonst sehr lieb und ein patentes Mädel, wenn sie auch natürlich nicht die 'Ansprüche machen darf wie unsereins." Nach kaum sechs Minuten hielt der Wagen an der Filiale; Vater Wassermann dachte im Stillen, sie hätten die kurze Strecke wohl zu Fuß auch erreichen können. Fräulein Sidi verabschiedete sich mit graziöser Verneigung von ihrem Schutzbefohlenen; sie habe ein Rendezvous mit Freundinnen in einer nahen Kondftorei. In der Filiale sah es aus wie im Mitteltreffen einer großen Schlacht. Heinrich entwickelte die, Talente eines Prestidigttateurs. Er umarmte seinen Vater stürmisch, und Jakob Wassermann griff es ans Herz zu sehen, wie der Junge sich freute: mit genau so leuchtend-verklärten Blicken war er dem Vater als ganz Keiner Bube entgegengelaufen, als dieser von der einzigen großen Reise seines Lebens, von einer Karlsbader Badekur, wiederkam. Dann plazierte Heinrich mit unglaublicher Geschwindigkett den Vater aüs den bequemsten Sitz, der sich im Laden vorfand, — einen grünen, schon vor Alter etwas wackligen Lehnstuhl —, schob ein Kissen darauf und räumte eine Meüge Waren bei Seite, die dem Vater die Aussicht versperrten. Gleich darauf war er wieder im vollen Feuer des Gefechts hinter dem Ladentisch, einer jungen' Frau Stöße von Kinderkleiochen vvrlegend, blau, und blau-grün und blau-schottisch. Daneben half er einem Dienstmädchen in einen Regenmäntel hinein, und über diese sehr wählerische Kundin hinweg mühte der Teufelsjunge sich ab, einer alten Bäuerin, die mit aller Hartnäckigkett vorsintflutliche Muster von türkischen Shawls verlangte, ein modernes, bequemes Tnchkape cinzureden. Und Heinrich siegte auf der ganzen Linie und fauchte den Lehrling an, weil er nicht schnell genug die gekauften Gegenstände verpackte und die nicht gewählte Wäre bei Seite räumte. Er nahm Briefe in Empfang und befahl, Rechnungen aufzuheben und warf sich kampfesfroh neuen Kunden entgegen. Und jetzt flog auf eine Minute Fräulein Rosa heran und begrüßte Herrn Wassermann senior mit einem Lächeln' und einem innigen Händedruck; dann emschwand sie nach einer Estrade im Hintergründe des Ladens. Wenn das Frau Cassilde gesehen hatte! ' , Jakob Wassermann stand auf und ging dem jungen Mädchen nach. „Komm nur!" sagte Rosa erfreut. „Du störst uns Nicht." Sie bot ihm "tüten. Sessel. ultb wandte sich sogleich wieder an einen mtt blendender Eleganz gekleideten, noch jüngeren Herrn, der, umgeben von Kartons und Schachteln und KosferN, wie ein Feldherr dastand und Bleistift und Nvttzbüch mtt aller grvßarttgen Wichtigkeit schwang, die den Berliner Engrvs-Reisendeü kennzeichnet. Fräulein Rösa war an der Arbeit, Jacken und Mäntel für die SoMmer-Saisvn auszuwählen. Eine stattliche Anzahl aller Möglichen Jacken lag auf dein Tisch und dem Sessel hoch aufgefchichtet neben ihr; aber eine dreifach größere 'Menge harrtenoch ihrer Besichtigung. Men hob Rosa ein solches Gebilde aus Sammet und Spitzen wieder in die Höhe, beschautees nach allen Setten und legte es sehr , behutsam in-einen der Jh W. Albert, Optik Fi ts - n. Fine enfc * - viEs Äk. 7:50, - Nickel Mk. 4.00. Weissfrauenatraaso II, Ecke Nene MainzereträBse.