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Neue jüdische Presse · 1913-11-14 · Heft 45 (14.11.1913) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 45 (14.11.1913)
Date
1913-11-14
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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ZK. 45 Kartons des Reisenden, die auf dem Boden standen, wieder zurück: „Vorjährig!" „Natürlich vorjährig.'" entrüstete sich der elegante Herr mit tief beleidigter Miene. „Was glauben Sie denn, mein Fräulein, diese Fasson hat im vorigen Jahr fünftmdfiebzig Mark gekostet." „Da sehen Sie wohl, daß es zu teuer war," versetzte Fräulein Rosa kaltblütig, „sonst würden Sie es doch verkauft haben." Sie hielt bereits ein neues Stück in die Höhe. „Mag passieren, aber Sie müssen bessere Knöpfe geben." „Weiter!" sagte der Reisende, seinen Bleistift schwingmd. „Nein, nicht weiter, ehe Sie nicht eine Mark auf Knöpfe abgeschrieben haben! Zieigen Sie mal Ihr Notizbuch her!" Der Reisende lachte. „Fräulein Hausmann, es scheint, Sie sind selber Bauernfänger!" „Stimmt!" nickte Rosa, ohne sich im mindesten zu ereifern. „Hier sind die Aermel in der Kugel nicht: ' ordentlich eingenäht, und hier diese Passamenten mag unsere Kundschaft nicht, sie werden zu leicht grau . . Weiter, — Nummer fünfundzwanzig nehme ich wie gehabt." „Faktisch, auf Ehrenwort, ich kann es nicht," beteuerte der elegante Herr; „weil Sie es sind, will ich eine Ausnahme machen." „Mein Herr, in unserem Geschäft gibt es nur Einnahmen,' die Ausnahmen kennen wir nicht." Fräulein Rosa sah etwas' kriegerisch drein und nahm abermals ein neues Stück auf, besah es prüfend von allen Seiten, schlüpfte endlich selbst hinein und musterte sich im Anf- und Äbgehen vor dem großen Spiegel. Der Reisende küßte seine Finger und rief begeistert: „So wahr ich lebe, Fräulein Rosa, Zucker, Zucker, puppensüh!" „Ja, aber das'ist bitter!" „Was?" ' „Das Futter. Zu ordinär für uns." Trotz aller Beteuerungen des eleganten Herrn, daß dieses Futter Gräfinnen und Fürstinnen tragen, fiel das Opfer in die Versenkung. „Weiter! Weiter! Beeilen wir uns! . . Diese Fasson steht drsüsbens bei der Konkurrenz in besserer Ausführung. Mit diesem Kragen ist sie ganz unverkäuflich." - Ter Reifende tobte, — es half ihm nichts: die junge Direktrice behielt ihren Willen. Jakob Wassermann kam aus dem Staunen nicht heraus. Es schien ihm unglaublich, daß ein so junges, unerfahrenes Wesen eine solche Arbeitslast in ganz kurzer Zeit spieleiü» bewältigen könne. Sie prüft^, beurteilte und wählte mit' ruhiger Sicherheit,., verlor nie die Geduld und war ebenso liebenswürdig, tvi^Lsie verstand, alle zudringlichen Aufmerksamkeiten fernzuhalten. Jedermann bezeigte ihr denn auch oie größte Hochachtung, und sie hatte für alle, die mit ihr sprachen, ein freundliches Wort und ein Lächeln. Jakob Wassermann bekam ordentlich Respekt vor der Auserwählten seines Sohnes. Dieses junge Mädchen besaß eine Warenkenntnis, eine Geschicklichkeit und einen Geschmack, die sich durch keine Einsprache beirren ließen; ihr Partner, der! ohne Zweifel ein gewiegter Kaufmann war, schien ihr lange nicht gewachsen. Der elegante Herr war sehr Leinlaut geworden. Heinrich kam einen Augenblick heran, faßte den Vater rundum imd jubelte: „Was sagst Du zu meiner Rosa? Fündig Stück hat sic bereits durchgesehen, und fünfzig harren noch Drei Abnahme." „Ja," bestätigte der Reisende, „die junge Dame da, — alle Achtung! Wir arbeiten zwei Jahre zusammen, und immer hat sie mich übers Ohr gehauen; aber darum keine Feindschaft, Fräulein Rosa, und wenn Sie michMphten . . . Sie wären mir lieber als zwanzigtaMAj' Taler Mitgift." „SieMckter Bandit," schalt Heinrich, „ich werde Sie wegen unlauteren Wettbewerbs verLagen." Aber . Rosa ließ sich nicht stören; abermals hatte sie einen Riesenkartvn aufgemacht und ausgeräumt und stand nun, von ganzen Ladungen weißen Seidenpapiers umgehen, wie eine Fee in Wolken. Unaufhaltsam, mit aller Sorgfalt arbeitetesie ihren Part auf, bis ihr etwas korpulenter Gegner sich den Schweiß von der Stirn trocknete: „Herr Gott, ich bin heute noch von drei Häusern bestellt! Laßt, Dame, genug sein des grausamen Spiels! Und morgen ist auch ein Tag!" „Morgen ist Sabbat!" lachte RÄsa. „Sie sind mir ein schöner Geschäftsreisender! 'Ich werde mich bei - Ihrem,- Hause melden , an Ihrer Statt! . . Weiter! Weitert Keine Kunstpausen! Nummer einundfünfzig ," Frankfurter Israelitisches FamillenblaK ».eit» 5. Um sechs llhr lvurde das 'Geschäft geschlossen. Heinrich und sein .Bater begleiteten Fräulein Hausmann nach Haus und machten sich ünf den Weg zur Synagoge. Bater Jakob wandelte wir auf glühenden Kohlen. Er hatte noch nicht aufgehört, sich den Kopf zu zer-. martern, wie er wohl die schvnendsten Worte fände, um den Sohn über die wahre Bedeutung feiner Reise aufznLären, als Heinrich seinen Arm an sich zog und mit bewegungszittcrnder Stimme sagiß: „Vater, so lange ich leben werde, will ich Dir dankbar sein und Dir Las nimmer vergessen, daß Du heut herkamst, um mein Glück zu begründen. Weißt Du, mein Mädel hat in all den Tagen sich das Herz abgestoßen vob Angst, Ihr werdet mir die Heirat mit ihr wehren, weil sie leider Gottes nichts hat. als ihre Schönheit und ihre Tüchtigkeit. 'Aber ich sagte: Sorge Dich nicht! Mein Vater ist der beste Mann von der Welt. Und so Ml er ist, so gescheit ist er, und wenn meine liebe Mutter auch noch so viel Widerworte und Einwendungen macht, zum Schluß wird der Vater doch mit ihr fertig." Vater Jakob lächelte verlegen: „Bielen Dank für die gute Meinung!" (Fortsetzung folgt.) Paradies-Reiher PrJZmleX’Z.- Eohte Straussfedern von Muk 5.50 an. Prachtstücke - Orient. Import' zu Mk. 24.— Kettenhofweg 26. die Art und Weise, ^ivi^ sie Gottes Erkenntnis zu verbreiten suchten. Denen, die von dem Dasein eines einzigen^ erhabenen Gottes noch nichts wußten, suchten sie diese Wahrheit nicht mit Bernunftsgründen, sondern durch Tatsachen .zu beweisen. Und darum eben mußte Abraham auf den Untergang von Sodom und Amora als ein in hervorragendem Maße erzieherisch wirkendes Ereignis ganz besonders hingewiesen werden. Th. Briese Gegründet 1882. Frankfurt a. M. Telefon Amt 18678. 84'y€N)etrhe8trasse 34 (nächst dem Opernhaus) ■oderne Wand- und Stand-Düren, Ttseheii-Qbnn. Gloshütter and Genfer Fabrikate. G-rnmrn oplione. Offizielle-Verkaufsstelle der Deutschen Grammophon-A -G. fltalser Frledricli Quelle — Ottenbach a. M. — > . Gegen Gicht and XthecmatlsmaB bewährt. Alleiniger General -Vertreter: Frladrloh Stahl, Frankfurt U.M., Güntheraborg-Allee 87. TeL259 u. 714. Hum Wochenabschnitt. .'•*«**: Von S. 'Adelm amt, Frankfurt a. M. „Und Gott sprach zu Mraham: Soll ich vor Abraham verhehlen, was ich zu tun beabsichtige? Da doch Abraham zu einem großen und mächtigen Volke werden wird, so daß sich alle Völker der Erde mit ihm segnen werden: Denn ich kenne ihn (nach einer anderen Deu- ,tung: ich habe ihn zum Freunde erkoren), damit er Deinen Kindern befehle, den Weg des Ewigen zu beobachten, Recht und Gerechtigkeit auszuüben, damit der Ewige über Ilbraham kommen lasse, was er ihm versprach." W>r finden in diesen Worten eine Schwierigkeit. Denn die Frage liegt nahe, welchen Vorteil unser Stammvater Abraham durch das Borauswissen eines künftigen Ereignisses hatte, das zudem ein fremdes Land betraf. Wohl geben die Kommentare verschiedene Gründe an, warum unserem Vater Wraham der Ratschluß des Ewigen in Bezug auf die Zerstörung der Städte Sodom und Amora offenbart werden mußte. Allein ihre Gründe können nicht befriedigen, weil diese nicht'in den angeführten Worten enthalten sind, in welchen der Grund für diese Offenbarung angegeben zu sein fcheint, ■ wie es heißt: Denn ich kenne ihn, damit usw.; . Wir wollen versuchen, die Schwierigkeiten durch folgende Gedanken zu heben: Nach der Ucberlieferung gelangte Abraham durch sein Nachdenken zu de» Prinzipien des wahren Gottesglaubens. Wie anzunehmen ist, hatte Abraham den sehnlichsten Wunsch, seine Glaubensgrundsätze auch auf. seine Nachkommen zu übertragen. Aber dabei stand ihm ein großes Hindernis im Wege. Durch welche Beweise konnte er sie von der Wahrheit seiner Glaubensprinzipien überzeugen? Durch die Ideen und Vernunftschlüsse, die ihn selbst zur Erkenntnis der Wahrheit des Gottesglaubens geführt hatten, konnte er dies nicht tun; hohe Ideen und Vernunftgründe können nur wenige erfassen, und eine Religion, die ans der Basis der menschlichen Vernunft gegründet ist, ist eine zweifelhafte. Daher wollte der Ewige unserem Erzvater einen faktischen Beweis geben; er ließ ihn also. den Untergang Sodoms schon vorher wissen, und so mußte das Eintreffen des Ereignisses für ein übernatürliches, göttliches Wunder angesehen werden. Der Untergang Sodoms konnte Abraham zum Beweise für seine Kinder dienen, daß es einen Gott gibt, der Herr über die Natur ist, sowie daß er das Geschick eines jeden Menschen lenkt, auf dessen Handlungen schaut und jedem nach seinen Taten vergilt. Auf Grund dieser Erkenntnis konnte dann auch Abraham seinen Kindern befehlen, in den Wegen Gottes zu wandeln. Recht und Gerechtigkeit auszuüben und von der Bahn der Tugend nicht abzuweichen, indem er sie auf den Untergang der Sodomiter. Hinweisen km diese furchtbare Strafe traf, weil sie dies unter, lassen hatten. ' In ähnlicher Weise sagt auch das Buch Kusari in bezug ans die Sendung Mosis an den König von Aegypten: Darum sagte, heißt es in diesem Buche, unser Lehrer Mosis zu Pharao: „Nicht der Gott des'Himmels und der Erde, sondern nur der Gott der Hebräer,hat mich zu dir gesandt, weil die auf die Vernunft gegründete Erkenntnis, daß Gott das Weltall hervorgerufen, mäünigfache Zweifel in sich birgt, aus Grund deren der äghptische- König Mosis Worte hätte abweisen können. Dagegen wären die Worte: „Der Gott der Hebräer hat mich zu dir gesandt geeignet gewesen,-auf Pharao einen Eindruck zu machen, wenn dieser «kein Gottesleugner gewesen wäre. Denn es war bei allein Völkern eine anerkannte Tatsache, daß Gott mit unfern Stammvätern in Verbindung gestanden, sie geleitet, ihnen Wunder r gezeigt und versprochen hatte, ihren Nachkommen .seinen Schutz zuteil werden zu lassen. " Wir sehen, daß unsere Lehrer schon von den ältesten Zeiten an einen Unterschied machten in bezug auf Wochen-Salender. Jr ' (Zeitangaben nach dem Loacb.J Samstag, den 13. November 15 Cheschwan.) Sabbat-Ansang 'ftl Frankfurt a M. 4 Uhr 15 Min. Sabbat-AuSgang in Frankfurt a. M. 5 Uhr 38 Min. in Berlin 5 Uhr — Min. Wochenabschnitt: Wajeiro. — Abrahams Gastfrennd- und Menschenliebe. Drei Engel, die er für ftemde!enfchen hält» bewirtet er. Dabei wird ihm die bald bevorstehende Geburt Jsaks verkündet. Die Engel wenden sich von Abrahams Hütte Sodom und Amora zu. Beide Städte nebst deren Umgegend sollen wegen ihrer Sünden mit dem 'Untergange bestraft werden. Auch hier zeigt sich Abrahams Herzensgüte. .Unaufgefordert betet er für die Sünder. Gott will verzeihen, wenn 50, 45, 40, 30, 20, ja nur 10 Gerechte sich dort finden. Sodom und Amora gehen durch Schwefel und Feuer unter. Lot wird gerettet; er zieht mit seinen Töchtern ins Gebirge. Abimelech, der Philisterkönig, raubt Sara. Auf ötot» tes nächtliche Mahnung aber gibt er sie wieder zurück, beteuert seine vollkommene Unschuld und überreicht Abraham Geschenke. Die Geburt Jsaks. — Hagars Sohn Jsmael pflegt verführerischen Umgang mit Jsak. Hagar und Jsmael werden aus Abrahams Haus entlassen. In der Wüste verkündet ein Engel Gottes der Hagar, daß auch ihr Sohn zu einem großen Volke werden soll. _— Der Philisterfürst Abimelech schließt mit Abraham einen Freundschaftsbund. — Am Schlüsse der Sidra wird uns Abrcchams.größte Prüfung geschildert: die Aussorderung Gottes, seinen Sohn Jsak zu opfern. Er ist gehorsam Im letzten Augenblick hält ihn der Zuruf Gottes von der Tat zurück. — Durch besonderen „Mische berach" werden die „Scheni-Chamischi-w'scheni" (Halb - Fchttage) verkündet. .Zweierlei Gründe: erstens wegen der Sünden» di« wir etwa in Leichtfertigkeit an den vorausgegangenen Feiertagen. begangen haben, besonders durch Entweihung der Chaulhamaued-Tage. — Zweiter Grund: wegen der in den Uebergangsjahreszeiten häufiger stattsindenden Erkrankungen^-s^.- Wochengottesdienste in Frankfurt. Morgens: 6 Uhr 45 Min. (Hauptsynägoge und Synagoge Königsteinerstraße 7 Uhr 30 Min.). Abends: 4 Mir (Hauptsynagoge 4 Uhr, Synagoge Königsteinerstraße 7 Uhr). Heu erSffaeftl Telephon Amt I, 6723. Weissfrauen-liad Herren-Abtrilnng. 1 Damen-Abteilung. Knr- und Bade-Anstalt I; Banges mit allem Komfort der Neuzeit ungerichtet. Frankfurt U.H., Welssfraueiislr. 12,1., (Lift) Trambahnhaltesteile Schauspielhaus Wefasfranenhof. gWwnenbSdegjLKt-Tn.Doocha, flieg eingericht.inkLWäsclieMkd.— 6 ri?ttenBedfllbäder lnkl. Wäsche Mk. 6— " "'WetektclMbe Lichtbilder Mk. 10.—. Natur. Kohtensänre und alle medio. Bäder und Massagen. Allgemeine Mitteilungen. odomiter Hinweisen konnte, dü^i. &-•Mfanb in bec Ala des *><§ulneu&aue3 traf weil sie dies unters der .unter, der Leitung Direktors Gans stehenden Handel s f a.chs ch ule für Mädchen in Anwesenheit von Vertretern derer Ktzkd Regierung, des Kgl. Polizei-Präsidiums, des hiesigen Bürgermeisters Dr. Luppe, der Städt. Schulbehördender Akademie für Sozial- und' Handels- Wissenschaften, der Handelskammer, des Rektorenvereins usw. die feierliche Etnweihnngsfeier des.neuen Schulgebäudes statt. ' Ein von einem Teile der Schülerinnen unter Harmoniumbegleitung vorgetragener Chorgesang leitete die schöne Feier ein. Rach einem sehr inhaltreichen, mit Begeisterung vorgetragenen Prologe hielt Direktor Gans die Festrede, in welcher er über die soziale Notwendigkeit der verschiedenen ^Frauenberufe sprach. Sehr interessant waren seine Ausführungen über die LeschiKtkiche Entwicklung des Handelsschulwefens, dessen Anfänge in Oesterreichs und in der Schweiz zu suchen find. Mit besonderem Dank an die städtischen Berwaltungszweige, die in hochherziger Weise alles taten, um den Neubau zu. ermöglichen, verband der Festredner das Gelöbnis, daß die. Anstalt jederzeft die

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