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Neue jüdische Presse · 1913-11-14 · Heft 45 (14.11.1913) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 45 (14.11.1913)
Date
1913-11-14
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seth 2 des Rechts gegen die ^Gewalthaber geeifert. DaS jüdische Strastestst ist dabei humaner und der unverlierbaren Menschenrechte mehr eingedenk als irgend ein anderes antSes Recht. vDann Mach Stadtrat Dr. Haas, M. d'. R., Wer: Die Juden im! öffentlichen Leben Deutschlands und zeigte, wir! sich in der regen BetelliMNg der Juden mit öffentlichen Leben Deutschlands ihre Liebe zum deutschen Vaterlande Zeige. . Der.Vorsitzende Eiest nunmehr die folgende Resolution, die einstimmig zur.Annahme ge- W:4 erstreben: Verbreitung der Erkenntnis der.jüdischen Religion und dadurch die gerechte Würdigung ihrer grundlegenden Lehren, Wir bekämpfen: alle Darstellungen vom Judentum, durch die der Wischern erweckt wird, als entsprächen seine Lehren nicht den höchsten Forderungen der Sittlichkit. Wir uneingeschränkte Durchführung der Wr Verfassungs- und Gesetzesbestimmungen über die Gleichberechtigung aller Staatsbürger ohne Rücksicht auf ihre ' Religwn, Wir bekämpfen: j«en Versuch, durch Vorwände die Verletzung jener -Bestimmungen zu beschönigen. Wir bekämpfen amtliche Befragungen und Aufzeichnungen über die Religion der Staatsangehörigen, auch der Heeresangehörigen und Beamten, soweit nicht Rechte oder Pflichten gesetzlich von -er Zugehörigkeit zu einer bestimmten . Religionsgemeinschaft abhängen, Wi r er st r eb e n: Gleichmäßige Zuweisung von Staatsmitteln zu kirchlichen Zwecken an alle Religionsgemeinschaften, solange der Staat an einzelne von ihnen Zuschüsse leistet. Wir bekämpfen: Heranziehung von Vermögen der Juden zu Gunsten der christlichen Kirchen durch Beitragsleistung aus den auch von Juden aufgebrachten Staatssteuern allein für christliche Kultuszwecke. Wir erstreben: tatkräftige Stellungnahme der deutschen Behörden gegen die Zurücksetzung deutsiber Juden bei Reisen nach Rußland und grundsätzliche Ablehnung jeder Mitwirkung an -Religionsunterscheidungen bei Paßerteilung. Wir bekämpfen: alle Maßnahmen, durch welche bei Ausweisung und Einbürgerung Juden anders behandelt werden als Christen. Es schaffen sich die Wahlen und andere FormWtäten an. Am Abend vereinte ein Festm ähl im H am- Ärrger Hof die Delegierten wieder als Gäste der -Deuffch-Jsraelitischen Gemeinde. . Den mit den Delegierten erschienenen Damen Äot zur gleichen Zeit im Logenheim ein Komitee der Hamburger Damen ein Souper und eine Lunte Reihe musikalischer und anderer Vorträge. In einer für dre DÄegierten am Montag vormittag von der Gemeinde veranstalteten Besichtigung der Auswandererhallen. fand die Tagung des Verbandes dein Abschluß. Kn großen und ganzen verlief die zahlreich besuchte Hauptversammlung ziemlich eindruLlos. Wie vorauszusehen wvr, wurde alles vom Vorstandstische Ssagte als unumstößlich! richtig Eingenommen und beklatscht. Es fohlte jedoch tiefere eisterung. Es fehlte unter dein Tellnehmern insbesondere die Fugend. Zionisten konnte Man nur recht wenige erblicken. Wir bemerkten Herrn Justizrat. Dr. Bodönheimer-Cöln. Hermann Struck-Berlin, "Dr. Bietor-Wandsbeck Wenn der Zweck Los Berbatrdes lÄiglich die Gleichberechtigung ist, dann ist doch Mindestens der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüd, Glaubens, der sich, dieselbe Aufgabe gestellt hat, überflüssig. Wir meinen, ein Berbmrd. der deutschen Faden hätte weit mehr Aufgaben als lediglich die Gleichberechtigung. K. Eitinger Söhne PeJzhandlung und Pelzkonfektion. Anfertigung nach neuesten — Pariser and Wiener Blodellen. -—- Frankfurt a. M. Langestrasse 31. Telephon Amt I, 5281. Frankfurter Israelitisches FamiMMatt. Aus de» Erkiguiffe» des Tages. Zum AuSgaugdes Beilisprozeffes. Der Beilisprvzeh ist zu Ende gegangen; die Spannung, in der sich die gosamte Kultnrmenschheit, in der sich vor allem das GesamtjudentuM befunden hat, ist vorüber, und man atmet wieder freier auf. Bellis ist sieigesprochen; man hört es und möchte jubeln: das arme, unglückliche Opfer einer brutalen, mittelalterlichen Machtjustiz ist endlich. sieigegeben worden, darf wieder Frau und Kinder umarmen, das Schlimmste, Fürchterlichste ist mcht geschehen, immerhin ein Erfolg, ein Triumph. In der Tat! Für russische Verhältnisse ein 'Erfolg, bei Geschworenen von der Intelligenz und Bildung derer, die in Kiew auf der Geschworenenbänk saßen, ein Trinnchh, aber sonst auch nichts. Nur weil Man die Korruption Rußlands in diesem Prozeß in xfjidt ganzen Widerwärtigkeit wahrgenoMmün hat, nur well Map erkannt hat, ^daß auf deM Gebiete' der Fustiz und Politik in diesem Lande nichts unmöglich ist, nur darum, vermag man sich über den Ausgang düs Prozesses zu freuen, nur darum darf man im Urteil einen Erfolg der gerechten Sache erblicken. An sich aber ist das Urteil iM höchsten Grads unbefriedigend. Haben doch die Geschworenen die Frage bejaht, daß Fustschinski in der Saizetv'schen Farbrik ermordet 'norden ist. Diese Bejahung aber bedeutet nicht viel weniger als die Konstatierung eines Ritualinvrdes seitens der Geschworenen. Mit diesem Urteil in der Hand kann der Staatsanwalt jeden Tag ein neues Untersuchungsverfahren wegen eines RitualiNordcs einleiten, kann er jederzeit einen andren Juden unter der Anllage, an Justschinski einet: Ritualmord begangen Au haben, ins Gefängnis sperren, können die Sanigslowskis und Schmakows und ihre Gesinnungsgenossen. immer von neuem die Behauptung von einem' Ritualmord aufstellen, und den Pöbel zur Rache an den Juden aufhetzen. Man erkennt es dem Urteil an, daß es so ist, wie :nwn es im Justizministerium in Petersburg haben wollte: An Beilis selbst lag der Regierung von vornherein nicht viel, und die Anklage gegen ihn ließ sie und mit ihr die Privatlläger de facto im Verlaufe des Prozesses fallen; selbst — das Plädoyer des Staatsanwaltes richtete sich mehr gegen die Juden überhaupt und einen gewissen Schneersohn im besonderen als gegen Bellis. Worauf es der Regierung ankam', das war, den Mord als in der Saizew'scheN Fabrik stattgefunden zu erklären und so die Grundlage des Ritualmordes festgestellt zu wissen. Und dies hat sie erreicht. Wiej weit eine direkte Beeinflussung der Geschworenen vorliegt, kann niemand sagen!; aber die Unzahl indirekter Beeinflussungen, die allen Elementarregeln der Justiz hohnsprechende Leitung des Prozesses haben es aller Welt klar offenbart, was Kenner bet Verhältnisse von Anbeginn an behauptet haben: der Prozeß ist ein Werk der Petersburger Regierung, nicht die Geschworenen entscheiden ihn, sondern der FuMjminister Schzeglewitow. Und so istwenn Bellis auch befreit ipt> die Behauptung des Ritualmordes vom Gerichte nahezu bestätigt würden. Die furchbare Anllage der schwarzen Hundert gegen das gesamte Judentum ist vom Gericht nicht Mrückgewiesen worden, die Reinwaschung des jüdischen Bolles, sofern Man überhaupt von ihr angesichts des kulturellen Niveaus und der Moralischen Qualität .der Verleumder sprechen darf, hat das Kiewer Gericht nicht vorgenommen. Und darum sollen wir nicht billig triumphieren. Sillen nicht glauben, als Sieger aus dem' Prozeß hervorgegangen zu sein, der Kern des Ganzen, die wahnsinnige, niederträchtige Märe ist bestehen geblieben, die Gefahr, die dem russischen Judentum droht, ist nicht abgewandt worden, die russische Justiz ist.sich Ws zuletzt konsequent und treu.geblieben. Jetzt angesichts dieses Urteils gllt es mehr als früher unsere Stimme gegen die Ritualmordmäre zu erheben, jetzt, wv die Gefahr der Pogrome sich droherü> am HiMmril der russischen Jndenheit zeigt, gllt esj ihr Wfreich zur Seite zu stehen, laut Md öffentlich unsere Solidarität mit ihr An erklären, und noch einmal der Entrüstung über die Schmach dieses Prozesses Ausdruck geben. Fetzt wjäre es an der Zeit, daß . die Nr. 45 großen jüd. Organisationen eingriffM, jetzt itnrbl ja auch das zarte juristische Gewissen des Hi!rri, Fustizrat Horwitz nicht dem widersprechen, denn nun, heißt es ja nicht mehr in ein „schwebendes Ber^ fahren" eingreifeN. 7 Jetzt, wo die unmittelbare Spannung vorüber» ist, vermag man erst all die Erscheinungen 3J überblicken, die der Prozeß aufgedeckt .hat, beginnt! man erstdie ganze Furchtbarkeit der Lage der! russischen Jndenheit zu . erkennen, wie sie der Pro-! zeß offenbart hat. Jetzt, wo die Sorge um! das! Schicksal des Angeklagten geschwunden ist, kann inaii! sich erst ganz dem Schmerze über die nationale! Tragik hingeben, die in diesem Prozesse liegt. Ma„! beginnt, voll und ganz die Augen zu öffnen fürs das Anormale, Unhaltbare, Menschenunwürdige! unserer nationalen Existenz, und auch jene, die! sich so gern. Illusionen Md Einbildungen üb»! unsere Lage hinzugeben pflegen, würden jetzt wieder! Wahrnehmen, wie wir eigentlich leben und existie-I ren. Ueber .seine nwmentane, zeitliche Bedeutung! hinaus als Symptom des Elends und der Leiden! unserer Brüder in Rußland erhebt sich der Beilis-! Prozeß zu einer bleibenden historischen Bedeutung; I er wird zum Ausdruck unseres zweitausendjährigcnj Martyriums, zum Symbol unseres Golusdaseins und unserer Ahasverexistenz. Es ist stets die Eigenart dös jüdischen Volkes und der jüdischen Geschichte gewesen, daß imsere! Feinde stets auch unser Gutes bewirk Haben, in-! deM .sie unsere innere Solidarität geMrll haben.! Hoffen wir, daß auch der Bellisprozeß .dieses eine! Gute wenigstens zur Folge haben wird:"den Blin-I den in unserent Volke die Augen zu öffnen, de»! Bequemen und Lässigen neue Energie einznflößen,! die halb 'Abgefallenen wieder dem Judentum zurückzuführen und das ganze Volk mit neuer Kraft zu beleben in seinem Streben nach der Besserung ] und Gesundung seines Daseins. ne. 45 Neu eröffnet! I Cafe Corso I Ecke Kaiserstrasse und Moselstrasse. Il Franz Krist. W Die Ausläuderfrage a« den preußischen Universitäten. Berlin. Die Ausländersiage., ist nunMühr an .allen deutschen UmversitätÄr A.' einem vorläufigen Abschluß gekommen. In Preußen ist sie in der Weise geregelt, daß für alle Universitäten ein Höchstprvzentsatz der zu immatrikulierenden Ausländer festgesetzt ist. Die Prozentsätze sind bisher nicht veröffentlicht worden, doch ist bekannt, daß. an einzelnen Universitäten — z. B. Berlin und Königsberg — der Höchstprozentsatz bereits erreicht ist. so daß dort keine Ausländer mehr immatrikuliert werden. Um wenigstens einige Milderungen zu erreichen, entsandte das Präsidium' .des Bundes Jüdischer Korporationen, dessen Vertreter schon einmal in der Ausländerfrage einer Unterredung mit dem Dezernenten im Kultusministerium gehabt hatte, seinen Vertreter nochmals ins Kultusministerium. Der Vertreter des Bundes jüd. Korporationen wies zunächst darauf hin, daß von den Ausländerbestimmungen auch diejenigen betroffen würden, die schon seit Fahren in Deutschland ansässig seien, in Deutschland ihre Vorbildung erhalten hätten und iwren Eltern in Deutschland Steuerzahl e r seien. Der Dezernent, Geheimer Ooerregierungsrat Tilm'ann, .erklärte, daß eine generelle Anweisung zugunsten dieser Ausländer nicht angängig sei, er stelle aber anheiM, sich in jedem einzelnen Falle mit einem Gesuch an das Kultusministerium zu wenden. Es ist also denjenigen Ausländern, die in Preußen ansässig sind, zu raten, Me solche Eingabe an das Kultusministerium zu machen, nicht nur im eigenen Interesse, sondern auch dannt die noch nicht geschlossenen Universitäten für die nichtbevorzugten Ausländer reserviert , blechen. In einem Falle hat ein solches Gesuch bereits Erfolg gehapt. .. Der rationen diejenigen ohne weit heimrat. Merken, Studiere: dern.Fa! Der poratione redung i Parallelschlag g, aus Befr, hätte, di fünfte h Sch h Kaisi Ei Garantie 1 Solide Fri Z Aus pnties ward ( „Di auf ßie Lungen worden sich! We tragsschl königlich anderen Garantil der relic GeAeter kerungsk Frage d sitzversch Mächte Da würde l gebene Kontrol Bestimn nicht U Di verkünd Erhebw Kriege einer H tragen. Ir hälbam des G Mand sinnun. suchen, bleibt nicht stimm: Wer d es., da ersehev Wenn von r so sol lichen I nt i t i 1 deMv Diss i Auffü! scheu ' Rom> denz wohl fallen.

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