Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 44 (7.11.1913)
- Date
- 1913-11-07
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2692297-2692819-2692863--08020-2703137- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
OCR text
Nr. 44. Tatsache gegründet, daß die! einwandernden Juden den Einfluß der fremden Machte erhöhen und so gegen das Wohl der Türkei arbeiten. Es war darum von Anfang an der Grundsatz aller wahrhaft in rein jüdischem Interesse in Palästina wirkenden Organisationen gewesen, den Schutz fremder Mächte zu vermeiden und türkische Institute zu gründen. So hielt es iMmcir 8er große Edmund Rothschild, so hielten es die zionistischen Institute, so ,$at es das hebr. Gymnasium in Jaffa gehalten, und die Resultats haben bewiesen, daß diese Politik die einzig richtige ist, Wenn nun die erste ' jüdische Hochschule in Palästina gegründet wird und diese nicht nur unter deNtschen Schutz gestellt wird, sondern auch in ihrer Unterrichtssprache und offiziellen Bürwaltungssprache ein rein deutsches Institut. wird, so kann es jeder begreifen, wie schädlich und gefährlich das wirken.Muß, und so gesehen, bedeutet das Technikum eher eine Stärkung der deutschen Kolonie in Haifa als eine solche der jüdischen Position in Palästina. Wie schädlich aber ein deutsches Technikum für die innere nationale Entwicklung der jüdischen Schulen Palästinas würden wird, hoben wir bereits auseinanderzusetzen Gelegenheit gehabt und verstehet sich für jeden, der die .Verhältnisse könnt, von selbst. Während ein hebräisches Technikum eine bedeutende Fortentwicklung des jüd. Schulwerks in Palästina bedeutet hätte, stellt ein deutsches Technikum eine Gefährdung des bisher Erreichten, ja, einen Rückschritt dar. Einen Rückschritt sagen wir! Dies dokumentiert sich ja schon darin, daß selbst Fächer wie Geographie und Geschichte die bisher in allen nationalen Schulen hebräisch unterrichtet Wurden, am Technikum deutsch gelehrt werden sollen, dies dokumentiert sich aber in noch höherem Grade darin, daß die Mittelschule in Haifa gleichfalls deutsch sein wird. Es ist wahrscheinlich, daß dies auf die bereits bestehenden Mittelschulen des Hilfsvereins zurückwirken wird und letztere, uM ihre Schüler fürs Technikum vorzubereiten, dem Deutschen einen noch breiteren Raum gewähren werden, als sie es schon vhndies bisher getan haben. Und all diese Gefahren beschwören die Herren des Kuratoriums leichten Herzens herauf, lediglich aus dem Wunsch und der Absicht, sich nm die deutsche Politik in PMstina perdienstvoll zu Machen. Es ist ein erschreckender Mangel an jMscheM Verantwortungsgefühl, eine erschreckende Verständnislosigkeit für die nationale Bedeutung Palästinas für das jüd. Volk, die sich itt dem Beschlüsse des Kuratoriums kundgegeben hat. Welches die Folgen dieses Beschlusses sein werden, was insbesondere von nationaler Seite aus nunmehr geschehen muß, darüber wird noch viel und klar gesprochen Wörden Müssen. Eine Folge hat ja dieser Beschluß schon nach sich gegjogen: den Austritt der drei Vertreter des nationaljüdischen Standpunkts aus dem Kuratorium. Wie nunmehr die jüd. OeffeNtlichkeit reagieren wird, ivie insbesondere die öffentliche Meinung Palästinas dazu Stellung nehmen und was die-Spender, deren Geld .gegen ihren Willen verwandt werden soll, zu An gedenken, wird ja die n ächst'Zukunft lehren. Es wird dann Gelegenheit sein, noch genauer aus die praktischen unmittelbaren Konsequenzen dieses Beschlusses einzugehen. Zunächst ist es das wichtigste und wesentlichste, seine Tragweite und seinen eigentlichen Sinn klarzustellen und. auf das Gefährliche und Verhängnisvolle dieses Beschlusses in unzweideutiger Form hinzuweisen. Vielleicht, daß sich Manche der Huratoriumsnritgliedör die Sache doch noch einmal überlegen und.'das Kuratorium die Frage einer nochmaligen Prüfung unterziehen wird. Mel Hoffnung ist dafür nicht vorhanden, wir wissen es wohl; aber wir wollen noch nicht alle Hoffnung aufgeben und die Antwort des Kuratoriums auf die Empörung der öffentlichen jüd. Meinung abwarten. Christ. Wilhelm Leux Telef. I, 8567. Hoflieferant. Goettae.tr. 21. Herren-, 2)amenu. Uvreeschneiderei. Spezlal-Sportgescbäft —■■. - Auf 'Wunsch koschere Verarbeitung. frankfurter JsraeWsthes Famillenblaü. Neu ergWn.tl Telephon Amt I, 6723. Weissfranen-lSad Herren-Abtellnng. Damen-Abteilung. Kur- und Bade-Anstalt I. Banges mit allem Komfort der Neuzeit eingerichtet. Frankfurt a. II.« Weiaafrauenstr. 12,1., (Lift) Trambahnhaltestelle Schauspielhaus Weissfrauenhof. 6 Wannenbäder I.Kt»m.BQaohe, eleg. eingerichk, inkLWäsohe Mt.4.— 6 Flebcennadelbäder Ink!» Wäsche Mk. 6 eletctrisebe Idehtbäder Mk. 10.—» Katar* Kohlensäure and. alle medio. Bäder and Massagen. Um die jüdische Volksschule. Der Beschluß des 6. Deutsch-Israelit. Gemeindeverbandstag.es „Neue jüd. Volksschulen sollen in den großen Gemeinden nicht errichtet werden" hat die .Lehrer veranlaßt, Stellung gegen den Deutsch-Israelit. GeMeindebund zu nehmen. Der D.-J. G.-B. hat sich bei seiner Haltung von einem Standpnnft leiten lassen, wie er den Anschauungen der liberalen politischen Parteien entspricht, aber nicht den nun einmal gegebenen wirklichen Zuständen. Religiöse, pädagogische, rechtliche und praktische Momente hätten ihn für die Ausdehnung der jüdischen Volksschule eintreten lassen sollen. Nach dem preußischen Volksschulgösetz ist der konfessionelle Charakter der Volksschule festgelegt, und auch die vielgerühmte Simultanschule ist eine rein.christliche Schule, nur daß Iö beiden christlichen Konfessionen gemeinsam ist. Auch in der Simultanschule ist der jüdische Lehrer ein Lehrer zweiten Ranges. Er erhält kein Klassenordinariat, und es ist ihm verwehrt, ssogenannten Gesinnungsunterricht zu erteilen, d. h. im Deutschen und in der Geschichte zu unterrichten. Dazu kommt, daß der jüdische Religionsunterricht in der christlichen Volksschule nicht zu seinem Rechte kommt, weil es trotz aller Bemühungen bis jetzt fast nirgends gelungen ist, mit behördlicher Genehmigung das Uebersetzen der Gebiete und des Pentateuchs in den Lehrplan aufzunehmen. All diese Verhältnisse beleuchtet ein soeben erschienenes Flugblatt des „Verbandes der jüd. Äehrervereine iMD eutschenReich e". Das Flugblatt hebt auch die jüd. und die sinanziellen Erwägungen hervor, die für die jüd. Volksschule sprechen. Die jüdischen Erwägungen sind folgende: Nur durch die jüd. Volksschule kann die Feier des Sabbats erzielt werden. Nur in ihr ist eine Beziehung des Unterrichts auf das Leben — Stärkung des Selbstgeftihls, Ausrüstung mit Wissen zum Zweck der Verteidigung des Jndentunrs — nwglich. Sie ist in erster Linie geeignet, jüdische Charaktere zu bilden. Aber auch finanzielle Erwägungen fallen stark für sie ins Gewicht. Die Lasten der Gemeinden werden verringert. Staat und Kommune nrüssen zur Erhaltung der Schule beitragen. Der Etat der öffentlichen Schule stellt sich für die Gemeinde günstiger als der Etat der Religionsschule._ Die jüdische Lehrerschaft darf sicher sein, daß in ihrem Kampf für die jüd. Bölksschule die Sympathien aller Juden, die eine Erhaltung des Judentums mit Ernst wollen, auf ihrer Seite stehen. Der Widerstand gegen die Errichtung jüd. Volksschulen ist unbegründet und dient in keiner Weise den Interessen des Judentums und der jüd. Jugend sowie unserer Kämpfe um die Gleichberechtigung. Der Wandervogel — antisemitisch. Was Eingeweihte schon seit langem sagen, was Unkundige nie glauben wollten, ist eingetreten, Der Wandervogel ist antisemitisch'geworden! Der Ausschluß der Juden aus der ältesten und größten Organisation für Schulerwandern steht bevor! .Schon Verweigert die Zittauer Orts - grupp e ungestraft die Aufnahme! jüdischer Kinder, trotzdem das Bundesffatut den Wandervogel ausdrücklich „politisch und religiös völlig neutral" nennt. Gin .energisches Eintreten der Bundesleitung für die durchbrochene Satzung ist nicht zu erwarten! Entschlossen stellt sich die überwiegende Mehrheit der Whrersch ast auf die Seite der Rechtsbrecher. «eite 3 Schlimmeres als die Oktober-Nummer der Wandervogel-Führerzeitung kann auch das schärfste antisemitische Pamphlet nicht bringen. Jüdische Eltern! Selbst wenn sich die Leitung des Wandervogels zu einem leisen Tadel ausschwingt, wollt Ihr Eure Kinder Führern anvertrauen, die sie öffentlich charakterisieren als „hinterhältig, nie harmlos, ewig lauernd", die von ihrer „angeborenen Scham- und Ehrlosigkeit" sprechen? Wollt Ihr Eure Jungen zum „Gegenstand der Hänseleien und des Spottes" ihrer christlichen Kameraden iverden lassen.? Die Wandervogel-Führörzeitung sagt es: „Hier gibt es nur eine Möglichkeit: Reinliche Scheidung"! Aber wie: Soll die jüdische Jugend jetzt der körperlichen und geistigen Förderung entbehren, die Wandern nach Wandervogelart mit sich bringt? Gerade wir Juden, die seit Generationen den Znsammenhang mit der Natur verloren haben, sind doppelt verpflichtet, unsere Kinder in Wald und Flur hinausznsenden, um sie vor den Schädigungen der Großstadt zu schützen. Jede Statistik lehrt, in wie erschreckendem Maße der Jude zu geistiger und nervöser Erkrankung neigt. Jeder Blick auf unsere Heranwachsende Jugend zeigt, wie nötig sie körperliche Kräftigung braucht. Heute, wo Tausenden von jüdischen Kindern die Möglichkeit dazu genommen wird, gilt es, vollwertigen Ersatz zu schaffen? Jeder Jude, 8er Berantwortlichkeitsgesnhl gegenüber der Heranwachsenden Generation besitzt, ist berufen, hier mitznarbeiten. Jüdische Eltern, mit Eurer Hilfe wird das große Werk der Fürsorge für unsere Jugend gelingen! Eure Kinder werden es Euch danken! Jüdischer Wanderbund „Blau-Weiß" Die Führerschaft i. A. Karl Glaser. Sir Harry Johnüon über die Zrrksnft Syriens. London Anfang Novbr. Sir Harry Johnffon, der bekannte Sozialrcformer und völkerrechtliche Schriftsteller, hat streben unter dem Titel „Common Sünse in Forreign Solicy" ein auffehenörregendes Buch erscheinen lassen. Er läßt darin die wichtigsten Probleme der internationalen Politik unserer Tage Revue passieren, erörtert im einzelnen die vielfach ineinandergreifendön Interessen- und EinfluWhären der verschiedenen europäischen Mächte in den der Kultur erschlossenen Gebieten Asiens und Aftikas und kommt im Verlause seiner Ausführungen auch auf die zukünftige Gestaltung der politischen Verhältnisse in Syrien und Palästina zu sprechen. Johnston ist der Ansicht, daß die vernünftigste Lösung des „syrischen Problems" ein wirtschaftliches Protektorat Frankreichs über Nordsyrien wäre, .das sich über Damaskus, die Libanonprovinz, Palmyra usw. erstrecken würde, während im Süden, in Judäa und Midian, im Sinne der zionistischen Bewegung ein jüdisches Gemeinwesen geschaffen werden sollte, in dem namentlich die unter unerträglichen Bedingungen lebenden osteuropäischen Inden eine gesicherte Heimstätte finden könnten. Die hochbegabte jüdische Rasse würde sicherlich aus Palästina ein „Belgien des Ostends" machen, — und' keine europäische Macht sei an der Bildung eines solchen „morgenländischen Belgiens" mehr interessiert als Großbritannien, namentlich im Hinblick auf das benachbarte Aegypten einerseits und die im Nordoskn bis nach Indien hin sich erstreckende britische EinfluUone andererseits. Th. Briese Gegründet 1832. Frankfurt a. Bi. Telefon Amt 18679.' 34 Goethestrasse 34 (nächst dem Opernhaus) Moderne Wand- und Stand-Uhren, Tasehen-Qhren. Glashütter und Genfer Fabrikate. GrraTmn optxoixe. Offizielle Verkaufestelle der Deutschen Grammophon-A-G