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Neue jüdische Presse · 1913-11-07 · Heft 44 (7.11.1913) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 44 (7.11.1913)
Date
1913-11-07
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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«Seite 2. heraus. Die Fceüdch Laß es mir vergönnt gewesen war, hier einige Tage An verbleiben, anb Lrr Schmerz, so rchchi wieder scheiLen zu müssen, stritten miteinander in meiner Seele, als ich — durch die festgttegte Reiseroute, die mich zu Pessach wieder nach Jerusalem zurückführen mußte, gezwungen — denTiberiassee verließ/ uM. in fünWndigem anstrengendem Ritte nach! SafeLund Rofch-Pinah Au gelangen. Ich bestieg Mein Roß, durcheilte die Abstoßenden Gassen Liberias', von denen man nicht weiß, .ob sie die Jerusalems noch an Schmutz und Häßlichkeit übertreffen (bei den Schmutzmassen, denen man Ich gegenüberböfindet, verliert man schließlich jeden Ausblick und jeden Maßstab), und befand mich bald außerhalb der Stadt. Der Weg führt die erste Stunde Ächt am Tiberiassee entlang und bietet ununterbrochen die schönsten Ansichten. Unterwegs ward mir das zweifelhafte Vergnügen beschert, den russischen Pilgerscharen, deren Bekanntschaft ich bei Merchawjah gemacht hatte!, wiederum zu Segegn-ün — sie zogen diesmal nach Magdala, dem Geburtsort Maria Magdalenas, und nach Kapernamn — und.bald, etwa nach 3^/e Stunden, sah ich Megdel vor mir liegen. Megdel ist eine .Privatfarm einer .Gruppe reicher Moskauer Zionisten — Dr. Tschlenow, Naiditsch u. a. — die erst einige Jahre besteht. So schon die Gegend ist, in der sie liegt — auf einem Berge am restlichen Ufer des Tiberiassees —, so verwahrlost und wild ist sie, sodatz die Eigentümer bereits große Summen ausgeben Mußten, bevor der.Boden überhaupt bebauungsfähig ward. Außerdem hatten und haben sie noch viel Schwierigkeiten mit den Arabern, die früher auf dem Bodwr Wohnten und nicht hinweg wollen, müssen endlose Prozesse führen — und es gibt in der Türkei WkannÜich keine kostspieligere Sache als Prozesse, wo ja nicht das Recht, sondern der Bakschisch erttscheidet —, und so hat ihnen ihre Farm! bereits eine hübsche Summe gekostet; doch da die Eigentümer nicht klagen und zufrieden sind, muß es der FreuÄe um so mchr sein; auch macht die Farm einen schr guten und wohlgeordneten Eindruck, und so verläßt Man sie denn mit ebenso guten Hoffnungen wie Wünschen fiir ihre . Zukunft. Unmittelbar nach Megdel geht es eine kurze Weile durch eineiu Keinen Hain, ein Genuß; der umso höher Kl bewerten M als man ganz Palästina durchreisen kann, ohne einem Walde Kl begegnen. Hat nmn aber dann Len Hain verlassen, so beginnt die eigentliche , anstrengende Tour. Steil hinauf geht es auf felsige Höhen, über die kein rechter Weg führt, und manchmal kommt man an recht bedenklichen, keineswegs Vertrauen erregenden Stellen vorbei. Allein die Pferde hier, an das Klettern gewohnt, gehen mit der größten Vorsicht, und es .gibt bei solch schwierigen Reitpartien nichts besseres, als ihnen völlig freie Hand Kl geben. Jegliches Lenken und Dirigieren macht sie wirr und kann Kl Lösen Folgen führen. Landschaftlich ist der. Weg stellenweise sehr schön, und. es ist nur .ratsam, ockle halbe Stunde Hall zu machen und einen Mick nach rückwärts Kl werfein, wo man den Tiberiassee in der Ferne glänzen sieht. Rach fünf Stunden recht ermüdenden Rittes gelangte ich nach Safed. * So leid es nur getan hatte, vom Tiberiassee scheiden Kl müssen, so schnell getröstet war ich; als ich nach Safed kam. Ich habe schon recht viel Städte gesehen, über ich wage die Behauptung auf- KuMlen, daß es kein Dutzend' Städte in Mropa gibt, die sich mit Safed an landschaftlichem Reize und an Schönheit der natürlichen Lage. Messen können. Kl einer Höhe von 800 Meter auf Bergen liegt ine StM, und' jede paar Augenblicke bietet sie neue, unvergleichlich schöne Ansichten. Im ©öbcn sieht Man den Tiberiassee daliegen, im Norden erhebt sich der Dschermak, der höchste Berg Palästinas, wenn man vom HerMon, der die Grenze gegen Norden bildet, absieht, und ringsum Berge und Täler, einfach sagenhaft schön. Mrchdem ich in Safed gewesen war, verstehe ich es, wieso gerade diese Stadt der Mittelpunkt ms . Kabbalat einst hat werden können, die StM des Meisters der Käbbcckah, des großen Rabbi Jizchpk Lurjeh; die Atmosphäre dieser StM inmitten .dieser Berge und Schluchten, umgeben von Sner wildromantischen Natur, ist scho n an sich erfüllt von Wundern und Geheimnissen; und man denke sichj erst gar die Frankfurter Israelitisches Familirnblatt. Mondnächte Safeds, wo der bleiche Glanz des .unvergleichlichen palästinensischen Mondes diese ganze sagenhafte.Landschaft mit seinem Zauber übergießt, und man braucht nicht allzu phantasiebegabt zu sein, um im Lispeln des Windes Geisterstimmen zu vernehmen und im Toben der Elemente — im kalten Winter — die Heerscharen Aschmedais durch die Lüste fahren zu hören. Denn zu dieser Natur stelle man sich nun noch das Innere her StM selbst vor: ein Labyrinth Von.engen Winkelgassen, die einen steil bergauf, die anderen bergab, überall geheimnisvoll und sagenhaft in ihrem Wesen. Dazu die mancherlei Höhlen innerhalb der Stadt, die wie geschaffen sind für Einsiedler und weltabgewandte Mystiker; — man.zeigte mir auch die Grotte Rabbi Jizchak Lurjehs — mrzum: Safed scheint.wie vorherbestimmt gewesen zju sein, ein Zentrum der Mystik und Kabbalah Kr werden, und auch heute ist ja der größte Teil seiner Juden — die im übrigen die typischen Chalukajnden sind — Anhänger des ChassiinsmUs und der Kabbalah. Die modernen Elemente der jüdischen Bevölkerung Safeds — diese sind nur schr gering an Zahl — beabsichtigen, auf ■ einem Hügel gegenüber der StM eine moderne jüdische Ansiedlung zu gründen, eine Art Tel-Awiw. Ich weiß nicht, ob.es bei ihrer kleinen Zahl und schwachen Kapitalkrast bald gelingen wird, ihre Absicht zu realisieren. Wird es ihnen aber gelingen — die A. P. C. will sie unterstützen —, dann wird hier in der Tat die landschaftlich schönste Siedlung Palästinas erstehen, und es wird ein beneidenswertes Geschick sein, in diesem' neuen Safed inmitten dieser paradiesischen Natur wohnen zu' dürfen. Von Safed führte mich mein Weg westlich; steil hinab ging es durch wilde Bergesabhänge, Wer hie kein Weg führt — das Pferd' sucht ihn sich selbst —, und nach dreiviertelstündigem Ritt erblickt man die zunächst armseligen Lehmhütten eines AraÜerdorfes, mrd dirßkt daran anschließend ziemlich viele moderne Wohnhäuser; es ist bereits Spätnachmittag, als ich ins Araberdorf hineinrette; HundegMll empfängt mich und begleitet mich bis zu den modernen europäischen Häusern, an denen ich Halt Mache; denn ich befinde mich! in Rosch- Pinah. Aus de» Ereignissen des Tages. Ein verhängnisvoller Beschluß. So ist denn das, was wir besuchtet haben, an dessen grausame Realität wir aber mich nicht ganz haben glauben wollen, eingetvoffen: das Kuratorium des Jüdischen Technikums in Haifa hat in der Frage der Unterrichtssprache sein entscheidendes Wort gesprochen, und diese Entscheidung hat eine langgehegte, stolze Hoffnung zu Grabe getragen: die Unterrichtssprache aM Technikum wird das Deutsche sein. Diesen Inhalt des Kuratoriumsbeschlusses gilt es präzise auszusprechen: denn die Resolution selbst ist so Lug und geschickt abgefaW, daß sie auf den ^ersten Blick viel harmloser erscheint als sie ist, und es wird gewiß Manche geben, die sich durch ihren Wortlaut irreführen lassen werden. DeM.Worttaut .der Resolution zufolge hat nämlich das Technikum gar keine offizielle Unterrichtssprache; vielmehr " stehen sich sechs — sage und schreibe sechs — Sprachen gleichberechtigt gegenüber: Hebmisch, arabisch, türkisch, deutsch, ftanzösisch und englisch. Doch wird. ausdrücklich bestimmt, daß alle wissenschaftlich-technischen Fächer deutsch unterrichtet werden sollen;da aber, wie wohl jeder versteht, ein Technikum z>u dem Zwecke gegründet ist, seinen Schülern wissenschastlich-tech'-. nische Kenntnisse zu vermitteln, so bedeutet der Beschluß äs fa<jto, daß die Unterrichtssprache im Technikum das Deutsche ist Wenn nun bei dem großen Raum, den .die wissenschaftlich-technischen Fächer am Technikum beanspruchen müssen, auch noch außerdem arMsch, türkisch, ftanzösisch und englisch unterrichtet werden sollen, so wird sich jeder wohl darüber Lar sein, wie die „eingehendste Pflege" aussehen wird, die Lew Hebräischen zuteil werden wird. Wetter als es dahin zu bringen, daß die Schüler die Bibel im Urtext lesen können, wird wohl, nicht möglich sein, und den Herren.vom KuratorttlM mag dies ja üus ihren weMiro.- Nr. 44 m'päischen Verhältnissen Maus schon als eine ganzi be- > tvächtlichie Leistung erscheinen, wenn die Schüler die Bibel im Original werden lesen können. J Außer .der Laren Feststellung dessen, was die Resolution in der Tat bedeutet, gilt es noch ein anderes in der breitesten jüdischen Qeffentlichkeit Au betonen: dies nämlich, daß dieser Beschluß ajus prinzipiellen Motiven heraus ge-1 faßt .worden ist Dies zeigt nichts deutlicher als die Ablehnung des vermittelnden Anttages, den.Pms. Philip pson geMlt hat, ein Mann, den . Man wahrhaftig nicht ohNe weüeres als einen Hebraisten nud zionistischen Heißsporn wird abtun .können. Prof. Philippson beanttagte, daß außer den jüdischen Fachern auch Geschichte und Geographie hebräisch unterrichtet werden sollen. Traten Herr Dr. Paul Na t h a n und seine Anhänger WirLich nur aus praktischen Zweckmäßigkeitsgründen für den Unterricht der wissenschaftlich-technischen Fächer in deutscher Sprache ein, warum haben sie denn nicht dvM Philippson'schen Antrag zustimmen wollen? Dem hebräischen Gcschichts- und Geographieunterricht steht doch Wahrhaftig nichts mehr im Wege, würden doch diese Fächer auch in den Hilfsvereinsschulen stets im Hebräischen unterrichtet. Durch die Ablehnung dieses Kermittelungsvorschlages hat .die Majorität Lar und deutlich bewiesen, daß es ihr darum! Kl tun war, das Technikum zu einem deutschen Technikum' zu machen, zu einem .Stützpunkt des Deutschtums in Palästina. Denn das ist es, was dieser ganzen Frage ihre große Bedeutung verleiht: es wird hiermit allgemein jüdischen Mitteln von einer allgemein jüdischenJnstitutivn deutsche Politik in Palästina getrieben, wie die Alliance ftanzösische Politik tteibt. Dieses Motiv, das die Herren des Kuratoriums bei ihrem verhängnisvollen Beschluß geleitet hat, ist es, das dem' Ganzen seine moralische Unzulässigkeit und Gefahr erst verleiht. Unzulässig ist dieser Beschluß, weil das Technikum gar keine Gründung deutscher Juden ist Ein beträchtlicher, tttemt nicht gar der größere Teil des Geldes stammt von russischen und amerikanischen Juden, und einWissvtzky hat gewiß nicht 700,000 Mk. für das Technikum. gespendet, damit die deutsche Politt? in Palästina einen neuen Stützpuntt gewinnen soll. Das gleiche gilt von Verschiedenen amerikanischen Spenden, das gleiche gilt vom 'Jüdischen Nationalfonds, der den Mruplatz zur Verfügung gestellt hat, ja, das gleiche gilt schließlich von der .ganzen jüdischen Oeffentlichkeit, die von vornherein das Projekt des Technikum Mit größter Sympathie aufnahm, weil, nun.weil sie einfach im wichtigsten Punkte irregeführt worden ist Ein Hebräisches Technikum in Haifa, so hieß das Projett vom' ersten Momente seines Austauchens an, und bis vor kurzer Zeit hat niemand daran gezweifelt, daß der stolze Bau auf dem Karmel ein hebräisches TechnittrM beherbergen Wird. Wenn nun das Kuratorium plötzlich ein deutsches Technikum gründen will, so tut es das mit der Httfe von Geldern, die ihm die wenigsten der Spender zju diesem Zwecke zur Verfügung gestellt haben, und der Austritt Achad- HaaMs, Sch. Lewins und Dr. Tschlenows aus dem. Kuratorium bringen ja dies offensichtlich zum .Ausdruck.. Wenn der „Hilfsverein der Deutschen Juden" deutsche Schulen in Palästina gründen will, niemand kann ihn daran hindern. Aber er .darf nicht die 'Kräfte und Unterstützung der gesantteu jüdischen Oeffenttichkett dazu heranziehen, die keinerlei Interesse an solchen Schulen foten kann. Gefährlich aber ist der Beschluß weil er damit das Mißtrauen der türkischen Regierung undder arabischenBelvölkerung gegen die Juden Palästinas steigern wird. Dieses .Mißtrauen hat sich imlmer aus der Küchen - Einrichtungen kaufen Sie preiswert in prima Qualität bei Breitwieser & Franke Kaiserstrasse 8. — Telephon-Amt I, 901 Ständige Ausstellung kompletter Musterküchen.

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