Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 43 (31.10.1913)
- Date
- 1913-10-31
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Caf6 n. Gonditorei Bütschly ■ Besitzer C« Heim I Gallus-Anlage 2. Tel. 201, 316, 878 I. ■ Gleichzeitiger Inhaber von: iMM d. Cafe Jerrimnä mpeliayer I Baden-Baden. I Eigene Erzenguisse von Pralinßes n. Bonbons. W Tage unter ein Dach gebannt, würden einander das Leben zur Hölle gemacht haben. So brachte sie ihn in der zehn Meilen entfernten nächsten Großstadt bei einem tüchtigen Kaufmann unter, und bei diesem lebte und wirkte der nun sünfund zwanzigjährige Heinrich noch heute. Alle WÄt war mit dem gescheiten, rührigen Menschen zufrieden, nur seine Mutter nicht, und das hatte seine schwerwiegenden Gründe. Die Gründe hatten Hände und Füße, wenn auch nur sehr kleine. Heinrich war aufgestandeu und streckte sich, und da er die Hand seiner Mutternicht mehr auf sich ruhen spürte, kam ihm ein großer Teil seines angeborenen Mutes zurück. Er war gutgewachsen, von mittlerer Größe, sah gesund und frisch aus, wie keiner der zu vielen unangenehmen Lebejünglinge der Großstadt. Vor dem Gemtzleben oder gar Vecknmmeln hatte den jungen Mann eine echte, reine Neigung bewahrt, und just dieser Schutzengel' seines Seelenlebens hatte ihm socken den Zorn seiner Mutter zugezogen. „Habe ich doch geglckubt. Du urteilst nicht vorschnell ab, wie ianbere Frauen," sprach Heinrich unmutig. „Sv lasse Dir doch einmal in Ruhe die Sache auseinandersetzen! Du weißt ja noch gar nicht, wer sie ist, und wie sie heißt-" „Ich weiß schon," sagte Frau Cassilde ungnädig, „ich wetz alles. Du hast Dich verlickt; das tun alle jungen Leute, warum sollst Du gerade eine Ausnahme bilden? Aber statt Dich wie ein Mensch mit Sinn und Verstand in die Tochter Deines Brotherrn zu verlieben, muß es ausgerechnet .seine Nichte sein, ein MckMsellchen mtt kahlem Fellchen, das Man aus Gnade und Barmherzigkeit ins''Haus genommen hat." „Mutter," rief Heinrich, und seine Stirn wurde bluttot vor Empörung, „wenn Du meine Rosa kennen würdest." „Deine Rosa?!" uitterbrach ihn Frau Cassllde, und bekam gleichfalls einen roten Kopf. „Noch ist sie nicht Dein, verstcmden?" „Ich verstehe wohl," gab Heinrich bitter zurück, „daß es meine Mutter fertig bekommt, ein braves Mädchen zu schmähen, nur weil das Schicksal vergaß, ihr einen mächtigerr Geldsack aus den Rücken zu binden. Wenn Du nur Rosa einmal sehen würdest," senkte er und blickte seiner Mutter bittend ins Auge, „wie hübsch mrd fletzig und brav sie ist." „Merkwürdig!" Frau Cassilde löste ihre Haubenbänder, was immer ein Anzeichen war, daß ein Sturm herannahte. „Merkwürdig," höhnte sie bitterböse, „daß immer nur arme Mädchen schön und tugendhaft sind. Es gibt gar feine reichen Mädchen, die was taugen? Ist die Tochter Demes Prinzipals etwa bucklig oder lahm? Ist sie boshaft, oder kann Man ihr sonst etwas schlimmes nachrcken? Haben Meyer und Kompagnie ihr Kind schlecht erzogen?" Heinrich war von Gemüt ein guter Kerl, aber er würde jetzt viel darum gegcken haben, wenn er an Fräulein Meyer einen Fehler hätte vufsinden können. So. begnügte er sich, etwas zaghaft seiner Mutter einzurcken, daß die junge Dame ihn nicht licke und überdies längst, mtt dem ersten Reisenden chres Vaters versprochen sei. „Warum bist Du diesem Menschen denn nicht zuvorgekommen?" fragte Frau Cassilde im höchsten Zorn. „Solch ein Einfaltspinsel! Sich eine Mitgift von zehntausend Talern entgehen zu lassen und statt dessen sich wie Hans TopS zu verplempern! . . Daraus wird nichts! Ich habe auch für meine drei Töchter Gckd zurechtmachen müssen; da sehe ich nicht ein, warum ich meinen einzigen Sohn für nichts und dreimal' nichts einer Fremden gcken soll!" ' 1L Etting er $ ölt ne FeJzIiandlimg und Pelzkonfefction. Anfertigung nach neuesten -Pariser und Wiener JHodellen.-- Frankfurt a. H. Langestrasse 31. Telephon Amt I, 5281. Frankfurter JsraeWsches FamiUenblaÜ. Gegen dieses Argument war nicht ünszufemmen. Frau Cassilde ging laut scheltend aus einer Tür, und Heinrich schritt schweigend aus' der anderen. * Wie immer, wenn er einen Strauß mit seiner licken Mutter ausgesuchten Hatte, suchte Heinrich den Vater auf, an dem er einen stillen, wenn auch herzlich machtlosen Verbündeten besäst Der Vater 'saß in einem Leinen Kontor hiMer der großen Gaststube, und legte Zeitungen zusammen, eine Verrichtung, die er sehr langsam, und umständlich besorgte; demr erlas jckes einzelne Blatt, ehe er es in den Journalhalter zwang, noch bis zur letzten Zelle durch, gründlich, fast begierig, ohne auch nur einen einzigen Buchstaben auszulassen. Er rauchte nicht, trank mäßig und verabscheute das Kartenspiel, worüber Manch einer seiner Gäste die Nase rümpfte. Ein Gastwirt so enthaltsamer Art ist ein weißer Rabe unter seinen Standesgenossen. Dafür bettieb er das Lesen mit wahrer Leidenschaft und konnte darüber alle Anforderungen des Lebens vergessen. So hatte er sich bei seinen Mllbürgern nun schon ein Menschenalter hindurch in den Ruf eines halben Gelehrten hiueingelesen und genoß im Städtchen, dank auch einer eigenen liebenswürdigen Bescheidenheit, das Renommee eines „stillen Chochem". In Wahrheit aber hatte er von all der Leserei nichts erworben als eine hochgradige Kurzsichtigkeit, tvie sie all diesen unersättlichen WcherwürMern zu eigen ist, und eine sich ins Schrankenlose versteigeude fahrige Vergeßlichkeit, die manchmal Ne legendäre Zerstreutheit der „Fliegenden Blätter"-Professoren noch um ein Erkleckliches überttaf. Dann konnte Frau Cassllde sehr verdrießlich werden; aber zu ihrem Ruhme sei es gesagt: sie gab ihrem Aerger niemals nach außen hin einen Widerhall; uM nichts' in der Wett hätte sie etwas geäußert oder getan, lvodurch ihr Gatte im Hause oder gar vor Fremden eine Einbuße an Achtung erlitten hätte. Heinrich nmßte den Vater ein paar Mal rufen, ehe er mit einem erstaunten „Was' ist denn?" von seinen gelickten Zeitungen aufsah. Als er seinen Sohn vor sich erblickte, machte er ein sehr erfreutes Gesicht und sagte: „Du List's, Heinrich! Schön, daß Dn wicker einmal gekommen bist! . . . Laß uns hinaus zur Mutter gehen!" „Ach, Vater," rief Heinrich verdrießlich, „wir beide haben uns doch schon vor einer Stunde gesprochen, und von der Mutter Jbntntc ich eben." „So, so! Was hat's denn gegeben?" Jakob schob den Kneifer auf und musterte prüfend den Sohn. „Fehlt Dir etwas? Brauchst Du Geld?" Der ganz bedürfnislose Mann war immer bei Kasse, und es war gut, daß dieser Umstand dank seiner Schweigsamkell niemand bekannt war: Vater Jakob wäre bei seiner großen Gutmütigkell schnell rattenkahl ausgeplündert worden. „Danke schön, tßnter! Da müßte ich lügen, wenn idj sagen sollte, daß ich in Verlegeichett wäre. Du weißt, ich habe immer mein Auskommen." „Ja, ja!" Vater Jakob klopfte ihm wohlgefällig die Schulter. „Du richtest Dich ein, das hast Du immer verstanden. . . Aber wenn Du kein Geld brauchst. Mein Junge, womit kann Dir Dein Vater sonst behülflich sein?" Die Frage klang etwas unsicher; Vater Jakob schien bereits zu ahnen, daß ein Etwas, den Hausftieden Störendes, hier die Lust verdicke. Heinrich faßte den etwas korpulenten, sich ungeschickt bewegenden Mann rundum und drückte ihn sanft wieder auf seinen Lehnstuhl nieder. „Deinen Rat brauche ich, Vater," sagte er heimlich, „eigentlich noch mehr als das. Deine Einwilligung, denn ich will mich verheiraten." „Das machst Du recht," erwiderte Herr Wassermann vergnügt. „Ich war noch zwei Jahre jünger als du zur Zell, da ich Deine Mutter bekommen habe. ... Ist es ein hübsches Mädchen?" „Blldhübsch und überaus tüchtig!" Heinrich erging sich in einer begeisterten Schilderung seiner Angcketeten. Der Vater lächelte und nickte: „Ja, ja! Ich glaub's. Deine Mutter ist auch einmal ein sehr schönes Aiädchen gewesen. Weiß es die Mütter schon?" „Die Mutter? Ja, die ist so komisch." Heinrich schwieg und zupfte nervös an dm Spitzen seines Bärtchens. „Hör ’ mal!" Vater Jafeb hustete und räusperte sich ein bischen und hatte eine giwße Weichheit in Ton und Blick, als müsse er den Sohn für die kommende Frage um EntschnLigung hüten, aber bann Rr. 43. Neu eröffnet! Telephon Amt I, 6723-| Wetssfrauen-llad Herren-Abteilung. Damen-AbteUnog.l Kur- und Bade-Anstalt I. Banges mit allem Komfort der| Neuzeit eingerichtet'. Frankfurt a.H., Weissfranenstr. 12,1., (Lift) Trambahn-I haltesteile Schauspielhaus Welssfrauenhof. OWannenbaderi:Kl.si.I)oiiobe,eI<g.eingerloht,lnkLWäsabeUk.4.~| 6 FlChtennmdelbUder lnkl, Wäsohe Mk. 6.— 6 elektrische Idchtbäder Mi. 10.—. Natar-Kohlensäure and aUe medio. Bäder and Massagen. schlüpfte es ihm doch, wenn auch sehr zögern, heraus:! „Hat sie denn etwas?' „Sie hat einen blitzgeschellen Kopf, zehn sleißigel Finger und das allerbeste Herz." Er sah den Vater bittend an, und dieser erwiderte den Blick, hilflos, bei-> nahe kläglich. „Ich sage gar nichts; mein KNlchen," murmelte| er, „ich sage gar nichts dagegen. Und wegen meiner, — nimm Dir das Mädchen schon morgen zur Fra»! Schön, gut und Lug, das sind gewiß drei vortreffliche Dinge. Mer, HM, es fehlt etwas; ein Untergrund! fehlt, und unsere Mutter, Du weißt, sie ist etwas sehr materiell . . . Siehst Du, hier in der Zeitung steht eine Geschichte, die ist beinahe, als handele sie von Dir: Da ist'auch ein junger Mann, bet] ein Mädchen liebt. Sie ist «her ganz arm, trotzdem sehr schön und imgcheuer klug; seine Eltern aber wollen sie durchaus nicht als Schwiegertochter anerkennen. I — Das heißt," verbesserte er sich erschrocken, „idj| würde es tun, ich weiß ja auch noch gar nicht, wie Mutter darüber denkt. Also die Eltern in 8er Geschichte hier bezeigen sich sehr hart gegen die Liebenden, und weißt Du, was passiert? Das' Mädchen macht eine Millionenerbschckst, und dann heiratet sie einen anderen." Heinrich lächelte. „Meine Mosa wird mir niemals! untren werden, dessen bin ich ebenso sicher, als sie! auch ebenso bestimmt von nirgendwo einen Taler erben wird. Sie ist eine Waise und besitzt weder Brüder noch Schwestern, aber fast alle ihre Onkels und Tanten erfrenen sich einer höchst zahlreichen direkten Nachkommenschaft, und Millionen, lieb« Vater, erben nur die Leute in den Zeitungsromanen." „Das ist schade." Jakob blinzelte ein wenig spöttisch dem Sohne zu. „In solchem Erbschaftsfalle würde Deine Mutter ihre Einwilligung gewiß nicht versage»; sie har nun einmal eine Keine Schwäche, und das ist die, — hm!! hm! — für Tausendmarkscheine." Aber Heinrich lachte gar nicht über des Vaters recht gut gemeinten Witz; er ging finster in dem kleinen Zimmerchen auf und nieber und sprach dann beinahe schroff: „Meine Rosa ist KoMmis bei ihrent Onkel, so gut wie ich; sie muß vou ihrem Gehalt leben. Wenu sie heiratet, werdeu ihr die Verwandten eine guet Aussteuer geben, das ist alles. Mer wemr auch feine Stecknadel ihr eigen tväre, ich heirate das Mädel. Da . gehen wir halt nach Amerika." „Nun, sei so gut! Das' hätte der einzige Sohn von Jakob Wassermann gersade nötig!" Bor Schreck ließ der alte Herr die Zeitungen auf die Erde fallen. „Ich Muß .gleich fort," sagte Heinrich, „in zehn Minuten fährt mein Zug. Lebe wohl, Vater!" „Fahr gesund," rief Jakob, „und Mache Dir keine Kopfschmerzen! Wenn die Mutter will, wie ich, so ivirst Du Deiueu Willeu haben." die Hand und eifte davon. Teppichhaus Eberhard ] Bshs ■■Lss.iaLi IM PbIib Fan.jMaaAaa /im 1 „Ja, wenn," seufzte Heinrich, reichte dem Vater 58 „Colui Sutbed — vor verdau beweg: und d Grund die tu Fixster lare AI sicher i Größt Himm des Sl und d fettige seinen in die vorzui von 5s den Wahn an bi bilde, Urarn kane, haufei prägte glaub! göttlii gab. lichen der G geschii losopl stehur neu! dann auf? die f Jde o1 nt on des <5 urfad ist ei kraft ihm Hinei versu sich anfei samn tialfr Frau Cassilde; standf oben in ihrer Speisekammer am Fenster, sah den Sohn quer über Yen Hof dem Torweg zuschreiten und war höchlich erzürnt, als sie Merkte, Heinrich reise ab, ohne von ihr Abschied zu nehmen. Sie ttöstete sich, er werde ihr in den nächsten Tagen einen herzlich-kindlichen Entschuldignngsbrief I senden. Die Vermutung bestätigte sich: In kaum zweimal! viernndzwanzig Stunden ttaf wirllich ein Schreiben von Heinrich ein, das Frau Cassllde mit siegesbewußter Miene entfaltete. Na ja, ihr Heinrich war doch ein! gescheiter Mensch; er hatte längst eingesehen, daß seine Mutter nur inüner sein Bestes wollte. Im Grunde ihres Herzens war sie stolz auf den Sohn, der von ihren Kindern eiüzig und allein ihre Charakterstärke und ihren festen Willen geeckt -hatte, während die unge lieg Hindi aufei Vera Welt v Hbub Halnzerstp. ZZ, Ecfee FriedEnssip. C^IZL"')j jun Sohl den.! berir m»M wäri spric Nom wie Ster irisse gras rolo erste r ■< So phie Eich dar;