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Neue jüdische Presse · 1913-10-31 · Heft 43 (31.10.1913) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 43 (31.10.1913)
Date
1913-10-31
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Wera Tscheberjak hat diese Antwort zu 'ihrem Unglück nicht gehört. Als Beilis' Verteidiger, Gruseuberg, sie fragt, ob Jablonowski derselbe Manu sei, [der ihr in Charkow 40 000 Rubel anbot, schreit sie laut: „Ja, das ist er!" Die Szene ruft lautes Lachen, im ganzen Saal hervor. Wera Tscheberjak hat sich durch > ihre Lüge vollständig diskreditiert. Der Offizier des Gendarmeuregiments Iwanow, der die Mörder Justschinskis suchte, kann gegen Beilis nichts [sagen. Er will die Leute, die die Mörder freiwillig suchten und zu dem Schluß kamen, Wera Tscheberjak und ihre Freunde, seien die Schuldigen, kompromittieren. Er. erzählt, diese Leute hätten für ihre Arbeit Geld bekommen. Und das ist alles. Uebrigcns, wenn das auch wahr ist, warum soll Arbeit und Mühe nicht bezahlt werden? Alsdann wird ein Untersuchungsrichter und ein Prokurcnrgehilfe verhört. Beide berichten nichts Neues. . Das Zeugenverhör ist beendet. L. K. Neu eröffnet! Cafe Corso Ecke Kaiserstrasse und Moselstrasse. __Franz Krisl. Die Landflucht und anderes. Eines der schwierigsten Probleme, welches die Sozialpolitiker aller. Parteien seit langer Zeit beschäftigt, ist die Abwanderung vom Lande, die sogenannte „Landflucht"; diese hat in einzelnen Teilen Deutschlands einen solchen Umfang augeuomineii, daß sic zur Erntezeit sich allmählich zur Kalamität auswächst. Auch die deutsche Judenheit hat Veranlassung, diesem Thema ihre Aufmerksamkeit zu widmen. Die Landorte entvölkern sich zu Gunsten der Großstädte immer mehr, und die Lasten der zusammengeschrunipften Landgemeinden wachsen den letzteren allmählich über den Kops. Wohl erhalten sie, z. B. in Bayern, freiwillige Zuschüsse von den Großgcmeiildeu und vom Staate; allein dies ist doch noch lange nicht genügend, und es leiden darunter die Schulen bczw. die Lehrer am meisten. Wie die Leiter der politischen Parteien, so zerbrechen die liberalen und orthodoxen Führer der Judenheit den Kopf darüber, wie dem „Uebel" beizukommen sei. Es fehlt aber beiden Parteien das richtige Rezept,' nicht aus Mangel an Vorschlägen, sondern, weil es eben ein unfehlbares Mittel nicht gibt. Mau kommt daher mich über akademische Erörterungen nicht hinaus, und die sogen. „Wohlfahrtskommissionen" müssen bei ihen Zusammenkünften immer wieder konstatieren, daß es ein „mit Sicherheit wirkendes und einheitliches Rezept" nicht gibt. Aus diesem Grunde sollte man auch die Landgemeinden mit Versammlungen, bei welchen die „Landflucht" auf der Tagesordnung steht, verschonen. Es ist ja sehr schön, ireun z. B. die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthöd. Judentums" notleidenden kleinen Gemeinden pekuniär beisteht, — aber alle Ratschläge und Aufklärungen über die Schattenseiten der Großstadt sind zwecklos. Die Leute vom Lande haben genügend Verbiubiudungen in den Großstädten und kommen oft genug selbst dahin, um Vor- und Nachteile kennen zu lernen. Wenn sie in Erwägung aller Umstände trotzdem die Großstadt vorziehen oder nur ihre Kinder dorthin schicken, tun sie ja nichts anderes, als was die Eltern der Großstädter in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Nürnberg usw. ihnen als Beispiel Vormächten. Es ist Schade für jedes Wort, das die Herren Städter in Laudesversammlnngen dieserhalb an ihre „lieben und geehrten Glaubensgenossen" vom Lande richten. Es klingt in den Berichten sehr nett, wenn man liest, daß der Vorsitzende „unter dem lebhaften Beifall der Versammlung dem Redner für seine klar durchdachten und formvollendeten Ausführungen dankte". Das Papier ist ja geduldig, und die Zuhörer sind meist zu bescheiden oder im Reden zu ungeübt, um die Wahrheit zu sagen. Aber was der größte Teil der Landlente nach einer solchen Versammlung in gegenseitiger Unterhaltung sagt, würde meist nicht angenehm für die Ohren der Dersammlungsarrangeure klingen (Schreiber dieses hat so manches nach der Versammlung in Kitzingen am 21. Sept. gehört). Fühlt man schon das Bedürfnis, agitatorisch! tätig zu sein, so ist es das Richtigste, unseren Brüdern auf dem Lande immer und immer wieder den Zusammenhalt zu empfehlen. Sie sollen sich unbeschadet der verschiedenen religiösen Anschauungen als Juden fühlen und in Frieden und Eintracht dem jüdischen Namen Ehre machen. Für die nötigen Bedürfnisse der kleinen notleidenden Gemeinden sollen die Inden des ganzen Landes durch Zentralkasscn usw. aufkommeu. Das ist in der Hauptsache alles, was getan werden kann. Ein bayerisch - fränkischer Jude. Schneiderei Crössmann Kalsaratrasma lOa. Entnosot. Kaiser Wilhelm-Passage. Telefon Amt I, 6930. Englische Jacken-Klßlder. Garantie für gute Passform. — Prima Stoffe und Zutaten. Solide Preise. — Auf Wunsch zuverl. koschere Verarbeitung. Frankfurter Israelitisches FsmiÜenLlaL. Jnlaid * binoleumtepoiche Muster durch und durch 200/300 cm gross Hk. 15,75. Ringfreie Tapeten-Iadustrie C. Kupscli. Altegasse 27/29._ Aus aller WeU. Deutsches Reich. Frankfurt a M. Die Handwerkskammer zu Wiesbaden schreibt uns betreffs Meisterprüfung im Fleischergewerbe: „Im Anschluß an das diesseitige Schreiben vom 29. September teilen wir ergebenst mit, daß die Handwerkskammer zu Osnabrück den in Rede stehenden Vorfall inzwischen allerdings bestätigt hat. Die genannte Handwerkskammer geht indessen mit uns darin einig, daß die zuständige Meisterprüfnngskommission im vorliegenden Falle nicht richtig verfuhr. Der bei der Meisterprüfung durchgefallene jüdische Schlachter hat gegen die Meisterprüfungskommission bereits Beschwerde erhoben und die Handwerkskammer Osnabrück dazu Stellung 'genommen, in dem sie anssprach, daß „von einem jüdischen Schlachter das Schlachten eines Schweines nicht verlangt weihen kann". Es ist anzunehmen, daß die Angelegenheit durch die Prüfungskommission in angemessener Weise erledigt werden wird." Berlin. Der ,/Bund JüdisLer Akademiker", die Organisation der gesetzestreuen jüdischen Studentenschaft, hat in den soeben beendeten akademischen Ferien drei talmudische Fortbildungskurse veranstaltet: 1. Hamburg-Altona: Es fanden folgende Schiurim statt: Talmud (Oberrabb. Dr. S. Spitzer, Oberrabb. Dr: M. Lenier), Jesajah (Rabb. Dr. Bamberger-Hamburg). Talmud und Rambam (Rabb. Dr. Plato), Orach Chajim (Rabb. Dr. Lichtig). Durch die glückliche Wahl der Dozenten und der Gegenstände gelang es, den Teilnehmern ein reiches Maß jüdischen Wissens zu über-. Mitteln und sie auch zu weiterem intensiven Forschen anznregen. Den auswärtigen Bundesbrüdern wurden die Sehenswürdigkeiten unserer Vaterstadt gezeigt, mehrere Ausflüge — einer in einer größeren Gesellschaft — führten in die schöne Umgebung Hamburgs, und allwöchentlich fanden gemütliche Mende statt, wozu auch die zahlreichen A. H. erschienen. 2. Posen: Bald nach Seinesterschluß begannen wir auch diesmal mit unseren Ferieuschiurim. Es dozierten Dr. Witkowski, Rabb. Blum, Pinczower und Piekarczyk. Durch Zusammenkünfte und mehrere schöne Ausflüge in die waldige Umgebung kam auch die Geselligkeit zu ihrem Rechte. 3. Berlin: Wie in vergangenen Ferien fanden auch diesmal die l iesigen Ferien - Schiurim statt. Bei Bbr. Rabb. Dr. Munk lernten wir 6 Wochen täglich und bei Bbr. Rabb. Dr. Biberfeld 3 mal wöchentlich Talmud. Oesterreich-Ungar«. Wien, 28. Okt. In der heutiaen Sitzung des Ab g e' ordnetenhauses brachten die Mg. Dr. Straucher und Genossen eine Interpellation ein, in der sie anläßlich des Kiewer Ritnalmordprozesses an die Pogromme in Odessa und Kiew erinnern und an die Gesamtregierung die Frage richten, ob sie geneigt sei. bei dem Minister des Aeußeren dahin zu wirken, daß dieser die Aufmerksamkeit der russischen Regierung ans die den Juden Rußlands drohenden schweren Gefahren lenke, damit diese rechtzeitig wirksame Maßnahmen treffe. OfFenbaeher Druckluft - Anlage Qffanbach a. M. Telefon 123. (Anschluss mit Frankfurt). Bewährteste Tannlcbretnllllinp. 100.000 qm jährlich sowie unübertroffene Betten- und Bettfedamrehdgung mittelst Druckluft und Wasserdampf. Großbritannien. London. Unter dem Borsitz von Sir F. Montefiore veranstaltete der englische Z i o n i st e n b u n d eine Prote st Versammlung gegen die Blntbeschuldigung. Es nahmen Mtglieder aller religiösen Bekenntnisse teil, wenn auch die große 'Mehrzahl der Protestierenden aus Juden bestand; der Schriftsteller Zangwill schrieb deshalb in seiner Antwort auf die Einladung: „Ich würde gern eine russische oder christliche Versammlung besucht haben, aber eine jüdische, nein." Bon den Bischöfen und von hervorragenden Politikern gingen Schreiben im Sinne des Protestes ein. 'Die Mitglieder der jetzigen Regierung enthielten sich aus internationaler Rücksicht einer Aeußernug. Lord Rothschild, der nicht erscheinen konnte, schrieb, er'hoffe. baß die russische Regierung, nachdem die Muthe nun Widerlegt sei, ihr Aenßerstes tun werde, um Exzesse gegen die Juden zu verhindern. Die Resolution wurde von dem Juristen Professor Dicey begründet und von mehreren anderen christlichen Rednern unterstützt. Die meisten Morgenblätter drückten ihre Uebereinstimmung mit dem Protest aus. Palästina. Jerusalem. Nach einer Meldung der hiesigen Zeitung ,Hacheruth" wird die französische Eisenbahngesellschaft Jaffa-Jerusalem, die die Konzession für den Bau des Jaffaer Hafens mv——r um—mini , Seite 8 erworben hat, die Banarbeiten schon am Anfang des nächsten Jahres in Angriff nehmen. Der Hafen wird dreimal so groß sein wie der Beiruter Hafen. Die Kosten sollen 25 000 000 Frcs. betragen. A«S der zionistischen Beweg«»-. London. Am letzten Sonntag fand hier ein Blumen« tag zugunsten des Jüd. Nationalfonds statt, dessen Ergebnis alleErwartungen übertraf. Man hatte auf hie Beteiligung von etwa hundert jungen Damen gerechnet und nur 12 000 Blumen vorbereitet. Mer am Sonnabend meldeten sich 250 Damen zur Teilnahme. Um 9 Uhr morgens waren bereits alle Blumen verteilt» und nur mit Mühe konnte man noch neue austreiben. Als keine einzige Blume mehr zu erhalten war, wurde der Verkauf beendet; über 25000 Blumen wurden abgesetzt und 140 Pfd. Sterl. (2800 Jfe) eingenommen. Das ausgezeichnete Ergebnis des Blumentages hat die Nationalfonds-Verwaltung veranlaßt, für den folgenden Sonntag, den 26. Oktober, einen Blumentag in ganz England zu veranstalten. Universitäts-Cafe Bocwa?t«lm*r " Eratklaamigaa Familion- Oa16m - MM- Mässige Preise. "W> Besitzer: Ernmt Dunkalm feuilMon. Besiegt. Erzählung von Clemens Berg. „Nein, mein Sohn, daraus wird nichts, ganz entschieden nichts, niemals! Das gebe ich nicht zu, und und wenn der Erzengel GabriÄ auf die Erde käme und für Dich und Deine Schockscharutante spräche!" Mutter Wassermann erhob ihre volle, rosige Hand, eine Hand, der niemand zugetraut hätte, daß ihre Besitzerin mit so harter, eigensinniger Stimme zu ihrem eigenen Fleisch uiü> Mut reden könne, und legte diese ihre Rechte schwer und fest auf die Schulter des Sohnes, der mit gesenktem Kopf neben seiner Mutter saß. Heinrich Wassermann hatte Zeit seines Lebens vor der Erzeugerin seiner. Tage einen ganz -ungeheuerlichen Respekt. Solange er denken konnte, hatte sie das Regiment im Hause geführt, gerecht, aber sehr streng; sie stand im Sommer um drei, im Winter um vier Uhr morgens mit dem Szepter in der Hand auf, um es erst spät zur Nachtzeit mit ihren Kleidern und Stiefeln wieder abzulegen. Wenn Vater Wassermann hin und wieder sich unterfing, den Hausherrn zu spielen, seinen einzigen Sohn, seinen Liebling, zum Nachteil seiner drei Töchter zu bevorzugen, da hätte einer Frau Caffilde sehen sollen. Ihr Gatte zog sich dann ebenso vorsichtig wie schnell wieder zurück, und Wochen und Monate vergingen, ehe sich der gute.Jakob, den die Natur mit einem Uebermaß an Sanftmut und Verträglichkeit ausgestattet hatte, wieder Mit einer anderen Meinung, als sie seine Eheliebste für gut und richtig befand, hervorwagte. Endlich gab er das bischen Opposition, mit dem er bisweilen seinen Mannesmut bezeugen wollte, ganz auf. Wozu auch widersprechen? Haus und Wirtschaft standen dank dem.Fleiß und der Umsicht der energischen Frau in voller Blüte; die Kinder waren wohlgeraten, die Töchter gut verheiratet und versorgt; das „Hotel Wassermann" genoß weit über, die Provinz hinaus den Ruf, eine vorzügliche Küche und die bestgehaltenen Fremdenzimmer auszuweisen, und wenn Vater Wassermann gerecht war, mußte er sich sagen, daß er zu all dem Wohlstand nichts beigetragen, als daß er in das Hotel „hineingeheiratet" hatte. Wozu sich streiten mit einer Frau klug wie Ruth, welcher die Ereignisse doch immer Recht gaben? Nur einer iM Hause hatte gewagt, seine eigenen Wege zu gehen, — das war der Thronerbe, der keck und dreist obendrein auf die Thronfolge verzichtet hatte. Heinrich war als sechzehnjähriger Schlingel seiner Mutter durchgebrannt; Frau Cassilde hatte zwar schnell genug die Spuren des Flüchtigen gefunden und ihn wieder eingeholt; sie war jedoch viel zu gescheit, um die Wahrheit zu verkennen: der Junge besaß Geist von ihrem Geiste, und zwei Hartköpse gleicher Art, alle Th. Briese Gegründet 1832. Frankfurt a. M. Telefon Amt 18679: 34 Goethestrasse 34 (nSchst dem Opernhaus! Moderne Wandand Stand-Uhren, Tase&ea-U&reir. Glashütter und Genfer Fabrikate. Grratnm ophorto. Offizielle Yerkaufsstelle der Deutschen Grammophan-A.-G.

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