Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 42 (27.10.1913)
- Date
- 1913-10-27
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2692297-2692819-2692861--07995-2703110- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 4 Th. Briese Gegründet 1832. Frankfurt a. M. Telefon Amt 18679. 34 Goethestrasse 34 (nächst dem Opernhans) ■oderne Sand- und Stand-Uhren, Tasehen-Uhren. Glashütter und Genfer Fabrikate. G-rarnrnoplioiie. Offizielle Verkaufsstelle der Deutschen Grammophon-A.-G. David, der sich gleichfalls vollgtzgessen hatte, sagte zu Judkr: „Mir scheint, daß wir bis zum Tagesanbruch spielen sollten. Bloß an Kleingeld von den Tanzenden ist schon einige Rubel. Sadlowsli wird auch zahlen, Hat Viktualien versprochen." „Nun, und was wird mit Boruch geschehen?" „Bei Boruch werden wir morgen spielen. Sind wir denn nicht Musikanten, ist es für uns etwas Neues, nicht zu schüfen?" Judla war in'heiterer Stimmung, er fühlte in sich eine sonderbare Kraft, es schien ihm, er könnte nicht eine, sondern zehn Nächte hinter einander spielen, — trotz seiner grauen Haare, trotz der sechzig Lebensjahre. „Spiel!" rief er, „Anschel spiel, Chuna spiel, eine schwingende Polka!" Die Klänge der schwingenden Polka erschollen, die Jugend war außer Rand und Band. Die jungen Herren warfen den Musikanten polnische Guldenstücke und Zehngroschennrnnzen zu, die Mädchen baten um neue Tänze. „Es läßt sich nichts sagen," meinte Sadlowski, „achtbare Juden, sie wissen ein bedeutendes Haus zu schätzen, und wissen, was sie spielen sollen." „Und sie spicken schön." „Zinn Bewundern," fick eine alte, wohlbeleibte Adelige cm, „aufrichtig, bei solch einer Kiapcklc gehen die Bckne wie von selbst." „Nun, denn los," ließ Sadlowski sich vernehmen, „so Litte ich." Und der dicke Schlachziz umschlang die imposante Aiatrone und tanzte so fesch, daß von der Dicke Splitter flogen. Frärck^rter MraeWcheS FamMeMM „Uff!" rief. er aus, sich auf eine Bank fallen lassend uüd schmmfend, . „achtbare Juden, -prächtige Juden! Ich werde Euch mit Kartoffeln und Erbsen ausstopfen, daß Ihr bis Neujahr was zu essen haben werdet. Wie das Spick, so die Bckohnung. Daß Euch . . . eine herrschaftliche Kdpelle! Spickt nur weiter, und Ihr, meine Fräuleins, steht nicht wie Säcke mit Hafer an der Wand, sondern bewegt Euch, daß Ihr an die Hochzckt von Sadlowski denll! Mälgosch, braue nur für die Musikanten einen Krupnik in einem neuen Topfe. Juden, hört, rechtschaffen in einem neuen Topfe; in chm ist nichts trefe." Die Hausftau tunünelte sich. Krupnik ist ckn Getränk aus Spiritus, Met und Gewürz. Man trinkt chn heiß, und er hat die Eigen- , schast, daß er den stärksten Mann unterkriegt. Als die Musikanten sich mit diesem Getränk gelabt hätten, — und sie konnten sich dem nicht entziehen, denn Sadlowski bat, drohte mit der Fauste und war daran, loszuschlagen —, sank der Fiedelbogen aus Judkas Händen.!Dann kollerte das' Tamburin dröhnend zu Boden, und chm nach folgte Chuna Brummbaß. David und 'Anschel schliefen wie tot. Man trug sie nach der Scheune aufs' Stroh. Der Hausherr, müde und schläfrig, legte sich nebenan nieder. Es war schon Abend, als Judka zur Scheune hinausblicktc. Da er sah, daß in den Fenstern Licht war, ging er in die Stube. „Herr Sadlowski," sagte er zmn Wirt, der schon zum zehnten Mal mit Krupnik den Gästen zutrank, „mir scheint, daß es bald' Tag sckn wird." „Natürlich,"' entgegnete dieser, „sowie die Nacht vorüber sckn wird." „Nun, sie ist doch bald vorüber. Lassen Sie uns zu Boruch befördern." „Judka! Was hast Du im Kopfe? Komm doch zu Dir." „Wie denn? Ich denke, heute wird bei Boruch, von Mittag augefturgen, Hochzeit sein." „Aha! Suche den heutigen Mittag, wenn jetzt Nacht ist; es wird wahrscheinlich acht Uhr sein. Boruchs Dochjxr hat man schon längst das Kopfhaar rasiert." Nr. 42 „Ach, was mache ich! Herr Sadlowski, was mache ich! Boruch ist ein rckcher Mann, Boruch wird sich an .mir rächen." I „Rächen? Er wird Dir so viel tun wie der vorjährige 1 Frost, Es sthlt nicht an Juden auf der Welt, Du Mußt noch mehr auf Hochzeiten spielen." „Aber Boruch? Boruch . . . solch ckn reicher Mann." ] „Nun prahle doch nicht mit seinem Rckchtum, mit Boruchs Rckchtum. Bicklckcht könnte ich fünf solche Boruchs - kaufen und würde den Boden in der Truhe noch nicht sehen. Was kümmert mich Boruch!" „Solch ckne Hochzckt, solch ckne Hochzeit ohne Musik. Ach, was werde ich dadurch zu leiden haben?" „Du wirst das haben, was ich Dir geben werde, und jetzt wecke Deine Leute und spiele, denn die Gäste langweilen sich. Bck Sadlowski dauert eine 'Hochzeit drck Tage und drei Nächte, daß Du das weißt uiü l Dcknen Enkeln erzählst." 1 Judka versöhnte sich mit dem Schicksal, weckte die Kameradm, und sie spielten noch zwei Tage, aßen, tranken Krupnik, — und spickten wieder, und BruMmbaß! bat zu Gott, daß diese Hochzeit ckn ganzes' Jahr dauere. Sie kehrten auf einer mit Proviant beladenen Fuhre nach Hause zurück, hatten ein schönes Geld verdient, — aber gleich bei der Einfahrt in die Stadt bekamen sie Beschimpfungen und Verwünschungen zu hören. „Ihr Lumpen! Daß das Fieber Eure Knoche» durchschüttle . . . Schickt sich das?" „Ihr habt geschwindelt. Pack das!" „Solch ein Boruch, solch ein rckcher Mann, solch eine Person hat eine Hochzeit ohne Ptüsik gehabt!" „Nur Schneider haben ckn wenig gesungen, wie bei irgend einem armen Schlucker . . . pftti!" „Wo ist Eure Ehre-' Wo Euer Äort? Pfui, pfui!" „Er hat ckgens^'um Euch geschickt!" ( Teppichhaus Eberhard yJfeQB Halnzerstr. ZZ, Ecfee Friedensstp. i'SiSSSr)J Steinweg; Eckhaus Bossmarkt Telephon I, 6069. 1 Juwelen, ütnen. Gold d. Siläerwaien. Auswahlsendungen gerne zu Diensten. Atelier für Neuu. Umarbeitungen und für Reparaturen. «MMMMftM Spezlalhaus für Sdröüerflraße 16 * # * Max Maasen (inb. Victor Marx) Alte Bothofstrasse 6. Telephon I, 611. Bei Abnahme bis Ende November Rabatt laut Spezial-Offerte. Empfehle für dieFeiertage alle Sorten Obst und Südfrüchte. Frlsolie Felgen und. Datteln. Garnierung von Frnchtkörben und Obstschalen. Versand frei Hans. Obsts. Mfmdrte-Spedal-fiesdiäft. li GM, Ml 7. “Vs”11 >i4/iaä&e //« Gjtf/ Frankfnrter »T Carlsbader Mischung 14 Mischung per Pfand M. 1.60 per Pfd. M. 1.80 —Täglich frisch gerostet, hochfeine Qualität. > Joseph Milani, W., {Seidenste. 8-8. Hatfabrik O. Bertrand befindet sich jetzt 19 Taubenstrasse 19 (früher Schillerstr.). Efiie werden nach neuesten Formen rasch und schön, fafonnirt. Wachs Stahlspane Terpentinöl MfU Gj§. Bock-/ßoKr Werg, Putzwolle nUtUJim.il. Goethe8tra8ge 2o. TeL 863. $,Herdol.^ Beates Mittel nun Patzen and Polieren von Herdplstten-Etienand StablgegenstSnden. Entfernt mühelos Schmutz and Bost. Krebs & Co., G. n. b. H«, Vallendar a. Bh. IAlnmlnlnmrelnlgnngnflraget! Aluminit n. Bliniput^-Paketohen £* i In Geschäften verlangen. Dies ans- \ aohneldenl Tätige oder stille. teteter, also für jedermann auch alsNebenverdienst geeignet, von erstklassiger Lebensversicherungsgesellschaft gegen höchste Abschlussproviaion gesucht. GefLOff. unter S. 7936 an Haasenstein & Vogler, A. G., Frankfurt a. M. passend für StroMmtu, Zilrlurir» vermiete». fahiik betrisben. . - 4fLhsres hm. Frankfurt a- Nl. Jüngerer Berkäufer, Ist, welcher Herrenfonfektion gelernt hat, sucht zum. 1. Jan. 1914 anderweitig Stellung. Offerten erb. unt. I. D. 137 an die Expedition d. Bl. Suche per sofort einen Lehrling für mein Mehl-, Getreide-, Laudesprodukteu- «. Sämereiengeschäft dckail u. engros. Lenno korchhcuncr, Schwelufurt. Bon schöner, gutgelegener 5-Zimmerwobnung würden 2 bis 3 Zimmer mit Küche und Zubehör sofort oder später abgegeben. Gefl. Offerten unter 2676 an die Expedition dss. Bl. London. In orthod. guter deutscher Famllie findet ein junger Mann schönes Zimmer mit Frühstück Offert, u. B. JL a. d. Ev-d. Bl. In streng rituellem Haushalt sind 2 gut möblierte Z/mnop mit 1 u. 2 Betten und voller Pension per sofort zu vermieten KöuigSwarterstratze 13 p. bei Frau Levy. Kodifrsui religiös, streng zuverlässig und sauber,suchtuoch Beschäftigung. Offerten unt. 8.8050 an die Expedition d. Blattes. . Suche ''1.-15. Rov. ein tüchtiges Israel Mädchen zum selbständigen Führen eines stauenlosen Haushaltes. ' Haushalt besteht aus Suchendem und ckncku -Knechte. Offerten 1072 an dre Expedition dieses Blattes.' Zum Herbst finden 2-8 jg. Mädchen zwecks Erlern, des Haushaltes u. aesellsch. Formen äugen. Aufenthalt. Frau Apoth. Rothschild Ww. Straßburg t E., Ehrmannst. 7. Für auswärtige Metzgerei Erstgeselle gesucht. Samstag und Feiertag geschlossen. Offerten unter 8077 an die Expedition dieses Blattes.' ' Herren, die. hei der Privatkundschaft, bei Behörden, in Hotels etc. gut eingeführt sind, werden ersucht, sich bei der Generalvertretung der Pnouvac- Company, Mittelweg 25, Frankfurt a. M. zu melden zwecks' Uebernahme der für den SwBopor-Vaom Junges Paar sucht z. 1.12. evtl, ftüher bei intell. relig. Familie 2 gut möbl. Zimmer mit Mtttagstisch evtl, voller Pension a. hies. Platze. Auss. Offert, an Ingenieur M. A. hauptpostlagernd. LucheGatteu s.hübsch.bescheid. Mädch., 30I., a. gut. Fam. Mitgift 10600 3JH. Off. u. „Häuslich", Charlottenbg., Postamt 2. FeieriLgswuusek. Tüchtiges, häusliches Mädchen, mit ckwaS Vermögen, sucht selbst, jüd. Arbeiter zwecks Heirat. Frankfurt od. Umgeg. bevorzugt. Off unt.. 2074 au die Exped. d. Bl. " 940006735938