Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 42 (27.10.1913)
- Date
- 1913-10-27
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Bekanntlch) sind diese Kurse bestirnt für die intelligentere, besonders akademische Jugend, die den Wunsch hat,, sich die Elemciltarkcnntnisse der hebräischen Sprache und Literatur im Laufe eines halben Jahres anzueignen und diese Zeit in einer hebräischen Umgebung Palästinas zu verbringen. Diejenigen,, die an den Kursen teilnehmen wollten und bis nun noch nicht vorgcmerkt sind, mögen sich raschest anmclden. Informationen über die Reisebedingungcn nach Palästina erteilt das Palästina-Jnsormationsbiireau in Kien II, Karmeliterplatz 1. In Jaffa wollen die Teilnehmer sich an den Präsidenten des Lehrer-Verbandes, Herrn Dr. Lurie in Tel- Awiw, wenden. Es sind erschienen: 1. Aufruf des Zentralkomitees, 2. Statuten der Histadruth Jbrith. Demnächst erscheinen: 1. Arbeitsplan des Zentralkomitees, 2. Rechenschaftsbericht der Hebräischen Konferenz in Wien. (Sämtliche genannte Publikationen in hebräischer Sprache.) Das Zentralburcau hat Thrumoth-Blocks für das Jahr 5674 herausgegeben. Diejenigen Mitglieder, die noch im Besitze alter Blocks sind, wollen dieselben an das Zentralburean znrückschickcn und eventuell die Rechnungen begleichen. Me Vereine und Institutionen werden ersucht, mit dem Zentralbureau in direkte Verbindung zu treten. 2>ecorationsbluinen Brautkränze, Brautschleier Arrangements für Festlichkeiten geschmackvollst und billigst. Erankfarter Kunstblumenb. Kranzfabrik Wolschendorff & Meissner 88 T8ngesgasse 38. Personalien «. Kleine Mitteilungen- Berlin. Im Vortragsprogramm des Vereins für iii b. Geschichte und Literatur ist auch eine Borlrsung von Irene Triesch verzeichnet. Wir verstehen nicht, daß ein „jüdischer" Verein eine „getaufte Jüdin" berufen kann. Berlin. Ludwig Max Goldberger. Geh. Kommerzienrat) Präsident der Ständigen Ansstcll»ngskommissiou für die deutsche Industrie, ist — 65 Jahre alt — verschieden. Essen. Die jüngst eingeweihte neue Synagoge kostet nahezu eine Ali l l i o n Mark. Jin Hinblick Auf. das Elend der osteuropäischen Judenf/eit ' lii'ib auf sonstige dringende jüdische Aufgaben kann man den Luxus der Synagogcnbauten durchaus nicht gutheißen. Jltlinge«. Max E ich t e r s h e i m e r ist zum Bezirksältestcn für Heu Synagggenbezirk Brctten-Eppiugeir ernannt Wörde». Zloczow (Galizien) Im Dorfe CHolgowo entstand während des Kolnidre-Go ttesdienstes eine Panik; bei der 15 Frauen getötet und zahlreiche Personen verletzt wurden. London. Es wird davon gesprochen, daß Sir Ruf ns Jsaacs zum Justizmiuiister ausersehen sei. Jsaacs Beteiligung an der Marconi-Afsäre ist bereits ziemlich vergessen. Als Jurist dürfte wohl kaum jemand besser geeignet sein als er. Aber auch als Politiker ist er hervorragend, wie schon die Tatsache zeigt, daß er der einzige Ättorney-General ist, der einen Sitz im Kabinett hatte. . London. Jsaacs ist zum Justiz minister lLoid- Oberrichter) ernannt worden. Seinen bisherigen Posten hat der bisherige Soliciter-Gcncral Sir John S i m o n, gleichfalls ein Jude,, erhalten. London-; Während des Jomkippur- Gottesdienstes in der Westeurdsynägog« riefen mehrere' jüdische Sufragetten: „Möge Gott Herbert Samuel und Refus Jsaacs vergeben, daß sie zulassen, daß die Frauen gequält werden!" -Der Gottesdienst mußte infolge dieses Zwischenfalles für einige Zeit unterbrochen tverden. Petersburg. -Auf einer Bertammlung des Verbandes .russischer Schauspieler wurde der Beschluß..gefaßt, die Regierung zu ersuchen, den jüdischen Schauspielern in ganz Rußland das Wohnrecht zu gewähren. Kopenhagen. Georg Brandes sollte in der Petersburger Gesellschaft für Kunst lind Wissenschaft sprechen,'— doch wurde' ihm als „Jude" der. Eintritt, in Rußland verwehrt. Seine Einwendung, daß er „konfessionslos" sei, half nichts. ~ Rew-Port. Hermann Simon, der bedeutendste Seidenhändlcr Amerikas, ist im 63. Lebensjahre verschieden. Er tvar in Frankfurt a. M. geboren. M. Ettinger Söhne Pelzhandlung und Pelzkonfektion. Anfertigung nach neuesten -Pariser and. Wiener Modellen.-- Frankfurt a. M. Langestrasse 31.! . Telephon Amt I, 5281. . Leo Schweinfest O - .Damenschneiderei empfehle tadellosen Sitz, gute Verarbeitung. Gr. Fsobenhelmerstr. IS, 1. Telef. 12206. W Neu erBffnetl Telephon. Amt 1, 6723. Wehstfirauen-Bad Herreri-Abteilung. Damen-Abteilnng. Knr- und Lads-Anstalt I. Banges mit allem Komfort der Nenzeit eingerichtet. Frankfurt a. H.a WeiSBfrauenstr. 18,1., (Lift) Trambahnhalteatelle Schaospielbaos Welssfranenhof. 6 Wannenbäder I.K1. m.Donohe, eleg. eingerioht, lnkLWäsohe Mk.4.— 0 ricbtennadelbäder tnil, Wäsohe Mk. 6.— 0 elektrische Uebtb&der Mk. 10.—. Natur-Kohlensäure and. alle medio. Bäder and Massagen. Ans Hett Bereit»». Berlin. In einer außerordentlich stark besuchten Maffenversammlung des „Neuen Jüdischen Gemeindevereins" sprachen Rechtsanw. Dr. Klee und Fabrikdirektor Lichtenstein über die bevorstehenden Repräsentantenwahlen in der jüd. Gemeinde. Ausgehend von dem Grundsatz, daß jedes Gemeinde- Mitglied ein lebendiges, werktätiges Glied der Gemeinde sein solle, forderte Dr. Klee vor allem die I u d a i - sierung des Gemeindelebens. Unter den Gemeindemitgliedern bestünde infolge der Zentralisation aller Institutionen kein Zusammenhang und keinerlei persönliche Beziehung; die lebendige Anteilnahme des einzelnen an den Geschicken der Gemeinde und damit der Sinn für jüdisches Leben, für Schule und Gottesdienst, für hebräische Sprache und sogar die sozialen Aufgaben der Gemeinde schwinden immer ntcfjr. Diesen Mißständen könne nur wirksam begegnet werden durch Einteilung der Großgemeinde in Bezirke, die Kultus, Unterricht und Wohlfahrtspflege selbständig ordneten und eine möglichst große Anzahl der Bezirkseingesessenen zur lebendigen Mitarbeit heranzögen. Die Geineinde bleibt natürlich Zentralorganisation. Nicht minder wichtig sei die Einführung eines gerechten Wahlrechts, das den Minoritäten eine Vertretung sichere. Der zweite Referent betonte, daß man aus der Misere des heutigen Zustandes am liebsten auf friedlicher Bahn herauskommen wolle, und daß nur an der Hartnäckigkeit des liberalen Gegners der Jricdenswunsch des „Reuen Jüdischen Gemeindevcreins" scheitern könne, daß aber in diesem Falle ein rücksichtsloser Kampf gegen die wahren Feinde des Judentums im Judentum entbrennen werde. In der Diskussion, in der u. a. Dr. Felix Thrill) ab er, Dr. Zwirn, Gymnasiallehrer Dr. Baum und L. Wolfs, der Borsitzende des Handwerkerverein, sprachen, fanden die Ausführungen der Referenten eine uneingeschränkte Zustimmung sowie mannigfache Ergänzung über die nötigen Reformen auf den Gebieten der Krankenpflege, der Ausländcrsürsorge und der Fürsorge für das jüdische Handwerk. Als wichtigste Förderung würde allseitig das Proportionalwahlrecht anerkannt und dem Referenten Herrn Dr. Klee darin zugestimmt, daß bei der vom „Nciicn Jüdischen Gemeindeverein" in der Gesamtgemeinde hervorgerufenen Kampfstimmung für die Aenderung des Wahlrechts zweifellos die Liberalen nachgeben und das Proportionalwahlrecht bewilligen werden. Christ. Wilhelm Leux Telef. I, 8567. Hoflieferant. Goethestr. 21. Herren-, Samenu. Uvreeschneiderei. Spozlal-Sportgescbäft. — Anf Wunsch koschere Verarbeitung. ■■■ — Frankfurter Berichte. Jüd. Haushattungsschllle. Die Jüd. Haushaltungsschule muß ihr Heim im Gebäude des ehemaligen Rothschildschen Bankhauses, das in den Besitz der israelit. Gemeinde übergegangen ist und zum Frühjahr die Gemeindebüros usw. aufnehmen soll, verlassen. Sie will nun für 200 00V 'jü. das Haus des Vereins sür jüd. Krankcnpslegerinnen (Königswarterstraße) von der israelit. Gemeinde erwerben. Für diesen Zweck sind bereits folgende Suinmcn cingcgangcn: je 10 000 Jk Freifrau Wilhelm von Rothschild- Frankfurt, Baron Rothschild-Paris, Baron Rothschild-Wien und Lord Rothschild-London, je 5000 Jk Frau Eduard Cohen und R. N., je 3000 Jk Leo Wreschner und Luise Goldschmidt, je 2000 Jk Frau Raph. M. Kirchheim, Fritz Sondheimer u. Julius Goldschmidt; je 1000 Jk I. C. Weilt» Emil L. Hcidenheiincr, Kommerzienrat Leo Ellinger, Mayer Stern, Manfred S. Goldschmidt, Frau Pantine Stern- Mainz, Nathan Sondheimer, Mor. N. Oppenheim u. Felix W. Warburg-Ncwyork; je 500 Jk Frau Emma Stranß- Ellinger, Max Oppenheimer, Harry Fuld, Frau Julius Landsberg Wwc., Meier S. Goldschmidt u. Frau Kommerzienrat I. L. Beer. Dann kommen noch zahlreiche Beiträge von 4Ö0 bis zu 50 Jk Kleine Notizen. Michael M o s e s M a i n j ist vom Großherzog von Baden mit dem Ritterkre uz 2. Klas jedes Ordens vom Zäh ringer Löwen ausgezeichnet worden. Spielleute. Eine Humoreske von Klemens Junos za. , Uebersetzung von S. Horowitz. (Schluß.) Sadlowskis Gehöft war hell erleuchtet, durch die offene Hausfknrtür drang ein 'Dampf, wie aus einer «eite 3 Brennerei. In den, Stuben war es stickig und enge, die Ausdünstungen geschmorten Fleisches und Spiritualien erfüllten die Lust. „Ah, Judka!" rief Sadlowski, den Kapellmeister erblickend, „das ist gut! Schnell vom Wagen herunter, Tn wirst es nicht bedauern. Merke Dir, nicht beim ersten besten, sondern bei Sadlowski ist Hochzeit. Tn wirst drei Tage spielen, es wird Dir kein Unrecht geschehen. Du wirst Geld wie Eis einsammeln, und wenn Du Dich gut anfführst, bekommst Du soviel Kartofstln und Kraut, wieviel Ihr tragen könnt." „Aj, aj!" entschuldigte sich Judka, „der gnädige Herr verlangt Wunder, ich soll hier drei Tage spielen, und ich muß morgen um die Mittagszeit mit der Musik auf Boruchs Hochzeit sein." „£>, eine große Sache das!" »Zerr Sadlowski, das ist wirklich eine große Sache. Boruch ist ein reicher Mann." „Ach! Wer hat seinen Reichtum gezählt; überdies bin ich auch kein Hund, sondern ein eingesessener Edelmann, ich werde nicht mit Mist, — sondern mit Geld zahlen —, ich habe meine Ehre, und wenn ich in lustige Laune gerate, kann ich splendid sein . . ." „Nun, ich sage nichts, aber sehen Sie, Boruch ist Boruch, das ist eine Persönlichkeit, ich kann ihn nicht sitzen lassen, und da ich morgen bei ihm spielen soll, so muh ich heute ein wenig schlafen. Der gnädige Herr soll sich nicht ärgern, ich werde auch Ihnen zu willen sein, — ich werde spielen: ich werde bis Mitternacht spielen,' nun, wegen meiner noch eine Stunde länger, und dann werden Sie erlauben, daß wir uns in der Scheune ausschlafen, und dann werden wir uns zu Boruch fahren lassen. Fehlt es denn beim gnädigen Herrn an Wagen mid Pferden? Ha, ha! Ich weiß. Sie könnten auf ihre Fuhren ein halbes Dorf ausladen und nicht nur vier arme Juden, sogar nicht vier, sondern nur dreieinhalb, denn den kleinen Ch'una kann man nicht mehr als für einen halben Menschen rechnen." Sadlowski hatte schon einen tüchtigen Schwips» in solchen Fällen scherzte er nicht gerne und vertrug keine Opposition. „Nun," sagte er, „mein Judka, solange ich gut bin ... Nehme Deine Sippe zusammen, und marsch in die Stube, spielen, — und schön, herrschaftlich!" „Ja, lieber, gnädiger Herr, ich werde spielen, ich werde wie auf einer gräflichen, einer fürstlichen Hochzeit spielen, wenn ich nur morgen . ." „Morgen wird sein, was Gott geben wird, und jetzt vorwärts, marsch!" „Es ist gut ... marsch .... Polka- Marsch!" kommandierte Judka. Me Musikanten nahmen anf der Bank am Ofen Platz, und begannen, so forsch zu spielen, daß die Scheiben bebten. Brummbaß bearbeitete aus Leibeskräften das Tamburin. „Aus diesem kleinen „Ungläubigen", sagte der Schlachziz, „wird einst ein großer Musiker werden, er hat einen guten Anschlag und eine gesunde Faust." „Ganz richtig," bestätigte irgend ein Gast. Judka wußte gut, warum er spielte, und zauberte die kostbarsten Perlen vom besseren Repertoir hervor, sodaß der alte Sadlowski gerührt wurde. „Meine Malogosch," sagte er zur Frau, „stelle mir sür die Musikanten ein gutes Nachtmahl zusammen . . . nach ihrem jüdischen Ritus, sie mögen selbst wählen, was ihnen mundet." „Judka, schwelgt, auf daß ihr an die Hochzeit von Sadlowski denkt." Nach dem jüdischen Ritus stellten die Musikanten sich ein Nachtessen zusammen, bestehend aus Hering, Eiern und Bretzeln, Franken-Schnaps» Tee mit Rum, Bier, — und sie gerieten in gute Laune. Brummbaß war so seelenvergnügt, daß er selbst Lust bekam zu tanzen, denn er wußte sich nicht zu erinnern, ob er noch je im Leben, selbst am größten Feiertag, so satt gewesen war wie jetzt. Seine Backen wurden rot, die iilugen glänzten wie bei einer Katze. Er ergriff sein Tamburin, trommelte darauf aus Leibeskräften und rief aus: „Ich werde meine Kunst zeigen!" jSchlesicky - jStröhlein Kaiserplatz 1? Frankfurt a. BK. OptUs.. Pixotograplile.