Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 41 (15.10.1913)
- Date
- 1913-10-15
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. sgftautzurtrr WraelWche» KamftinMG. Nr 41. Keten der medizinischen Wissenschaft sind wahrhaft groß, so besonders aus dem Gebiete der Anatomie („Anatomische Tafeln 1743—1752) und der Physiologie (Grundriß der Physiologie 1747; Elemente der Physiologie des menschlichen Körpers 1759—1766); aber auch seine botanischen Forschungen (Geschichte der schweizerischen Pflanzengeschlechter 1768) sind hervorragend!, und auch als Dichter erwarb er schon in jungen Jahren einen guten Ruf („Die Alpen" 1724; Versuch schweizerischer Gedichte 1729). In allen seinen Werken — besonders aber in seinen apologatischen Schriften, wie „Briefe über die Einwürfe noch lebender Freiester", „Briefe über die wichtigsten Wahrheiten der Offenbarung" und in seinem „Tagebuch." —' föntpft er eifrig gegen Materialismus und Atheismus, namentlich gegen den französischen Freigeist Lantettrie und seinen Anhang, und legt Zeugnis von einem kräftigen, wissenschaftlich! gestützten Gottesglaubön ab. In den Briefen über die wichtigsten Offenbarungswahrheiten sagt er (11. Brief): „Ich Kn von der unumschränkten Größe des obersten Wesens überzeugt. Wir haben, wie uns Menschen gebühren Mag, ein Maß; die Größe des Unermeßlichen zu schätzen: die Welt, die selbst unermessene, fefflpt den Gesetzen der Natur zufolge grenzenlose Walt, die Stadt Gottes, wo Tausende von.Zäunen, Zehntausend«! von Erden die unzählvaren Häuser sind; wo eine! einzige Hütte, eine der kleinsten Kugän, Millionen von Menschen, Millionen von Tieren, beherbergt, in deren jedem die Weisheit des Schöpfers mir ebenso deullich in die Augen strahlt, als die Geschicklichkeit eines Künstlers in d« entfernten Nachahmung eines Tieres, in einer Uhr. . . . Dieses große, dieses alle Wellen regierende Wesen malen die Menschen sich freilich oft zu klein, ihnen selbst zu ähnlich vor, fast wie einen Schutzgeist einer Erde, eines Volkes. -Mich hat die Kenntnis der Natur gelehrt, höher von Gott zu denken, gegen den unsere Erde eines der kleinsten Stäubchen, die unter dem Fuße seines Thrones in unzählbarer Menge liegen." Eine wahrhaft religiöse Gesinnung begleüete diesen gvrßen Mann von seiner Jugend bis zu seinem Lebensende. Zur Charakterisierung dieser Gesinnung mögen hier tue Aeußerungen aus feiner Fugent^eit und seinem. späten Greisenaller stehen. In einem Hymnus an den Morgen singt der Sechzehnjährige: Schöpfer, was ich feh', sind Deiner Allmacht Werke, Du bist die Seele der Natur, Der Sterne Lauf und Licht, der Sonne Glanz und Stärke Sind Deiner Hand Geschöpf und Spur. Doch dreimal großer Gott! es sind orschaffne Seelen > Für Deine Titten viel zu Lein, 1 Sie sind unendlich groß, und wer sie will erzählen, Muß, gleich wie Du, vhn' Ende sein." Und acht Tage vor seinem Tode schreibt der seines nahen Endes bewußte Greis: „ . . So werden meiner Tage hier auf Erden nur noch wenige sein, und wahrscheinlich ist es das letzte Mal, daß ich die Feder führe. Ich kann es nicht verhehlen, der Anblick des nur so nahen Richters ist mir furchtbar; wie will ich vor ihm bestehen. . . O großer GLarmer! ich werfe mich in Deine Arme; Du hast mich im Laufe meines Lebens mit so unbeschreiblicher Geduld und Nachsicht gettagen; o erzeige mir die gleiche Gnade, wenn ich vor Deinem Richterstuhl erscheine. . . ." Der schwedische Naturforscher Karl Linne .(1707—1778), verehrt als der erste Klassifikator und Systematiker der Botanik, wurzell fest im Glauben an einen persönlichen, lebendigen Gott upd an sein weises, gütiges und gerechtes Wallen in Natur- und Menschenleben. Sein Riesengeist hat alle drei Reiche der Natur mit einem bewunderun^werten Detailwissen umspannt („Natursystem, der drei Reche" [öystema Naturae, s. tria regna naturae systematice proposita, etc ] 1735), am müßten aber war er doch auf dem Gebiete der Botanik, wo er die größte klassifikatorische Leistung vollbracht hat. Bon ihm stjammt die erste systematische Mitteilung der Pflanzen. Seine Artbenennungen find noch heute in der modernen Botanik üblich!. , Auf Reisen und Exkursionen sammelt er über 7000 Pflanzenarten, die er in seinem Hauptwerke „Die Arten der Pflanzen" (Genera plantarum 1733) und in anderen Schriften behandelt hat. Berühmt ist seine Lehre von der Unveränderlichkeit der Arten, wonach es keine neuen Arten geben kann, sondern sämtliche Spezies vom Anfang an geschaffen sind (Nullae species novae;3tot specie-» quot initio creatae) — eine Anschauung, die übrigens auch heute noch nicht ganz überwunden ist. Darauf gründet er seinen Beweis für Gott als Weltenschöpscr. So sagt er in den berühmt gewordenen kurzen Bemerkungen zu seinem §y8tema Naturae: „. . . Da neue Arten nicht mehr entstehen. . so müssen wir notwendig jene immer fortzeugende einheitliche Urkraft auf ein allmächtiges und allwissend^ Leben znrückfiihren, ans dm Gott, dessen Werk die Schöpfung ist" rc. Beachtenswert ist die! Sammlung von Bettachtungen, die er für seinen Sohn als Vermächtnis ausgezeichnet hat, und die, erst nach seinem Tode unter dem Titel „Göttliche Vergeltung"" (Nemesis divina) hcxausgegeben wurde. Es mögen hier einige Stellen zur Charakteristik seiner religiösen Gesinnung wiedergegeben werden: „Mein einziger Sohn! Du bist in eine Welt gekommen, die Du nicht kennst Du siehst den Wirt dieses Hauswesens nicht, .aber Du verwunderst Dich über seine Pracht. Du siechst daß alles oft konfus geht, ob niemand es sähe oder hörte; Du siehst die schönsten Lilien vom Unkraut erstickt werden: aber dennoch wohnt hier ein gerechter Gott, der jedem recht tut. . . Es war eine Zeft, wo ich zweifelte, ob Gott sich uM mich bMmmere. Viele Jahre haben mich gelehrt, daß^ich Gott verlassen hatte. Alle wollen glüMch werden, wmige vermögen es. Wlllst Du glücklich werden, so wisse, daß Gott Dich steht. Lebe schuldlos, Gott ist. nahe! (Innocue vivito, nnrnen ödest)!" ,. . . Ich sehe Gott nicht; auch das, was in Mir denkt, sehe ich nicht — — dennoch ist ein solches Etwas in mir, und zwar gerade mein Edelstes und Bestes. Kann ich mich selbst nicht wahrnehmen, was Wunder, diaß ich Gott nicht fassen und begreifen kann!" Wie er seinen Beruf als Naturforscher aufgefaßt hat, darüber gibt ein klares Zmgnis das akadermsche Programm, das er im Jahre 1752 hielt, und wo er u. a. sagt: „Ich danke der Vorsehung, hie Meine Schicksale so gelellet, daß ich nun lebe, und zwar glücklicher denn ein König von Persien. Ich gestehe die Wahrheit, wenn ich Mich für glücklich schätze. Ihr wißt est Väter und Mitbürger der Akademie, wie meine ganze Beschäftigung unser akademischer Garten, wie er mein Rhodus oder vielmehr mein Elysium ist Ich besitze da die R-eichtümer des Orients und Occidents. die ich wünsche, und die, glaube ich, prächtiger find als alle SeÄeingewänder Babyloniens und Porzellangefäße. Chinas. Hier lerne und lehre ich. Hier bewundere ich die Weishett des Schöpfers, die sich auf ihtitm neue Art zu erkennen jji&t, und zeige sie anderen." (Fortsetzung folgt.) Die Missionäre und die jüdische« Kinder in Jerusalem. In derselben Woche, in drir der Balkankrieg auskrach, erhielt ich aus Jerusalem folgendes von Privlttpersonen und Rabbinern unterzeichnetes Schreiben. Sehr geehrter Herr Dr. Kahn, Charlottenburg. Ihre wohlbekannte, unerschöpfliche Liebe für Zion und Jerusalem und unermüdliches Bestreben, das Wohl und Gedeihen der hier bestehenden nützlichen jüdischen Anstalten zu fördern, gibt uns Veranlassung, Ihre güttge Aufmerksamkett auf das hiesige Mädchenwaisenhaus zu lenken, mit der ergebensten Bitte, dasselbe nach Möglichkeit materiell und moralisch unterstützen zu wollen. Diese echt Mische Wohltätigkeitsanstalt dient als liebevolles, mütterliches Heim vielen, beinahe hundert und mehr armen, obdachlosen Waisenmädchen aus Rußland, Rumänien, Jemen und Marocco, deren unglückliche Ellern den Pogroms, den Judenverfolgungen und der unmenschlichst .Barbarei zum Opfer gefallen sind. Diese Anstalt dient nicht nur den lokalen Interessen Jerusalems, sondern kommt vielen Wai- Nr. senmädchen All gute, welche«, vvlil Schicksal verfolg!, hier ein neues, mütterliches Heim und eine väterliche Aufnahme gefunden habm. Es klingt fast unglaublich, wenn wir es sagen, doch es ist eine wahre Tatsache, daß diese allge- Meill-nützliche, höchst notweildige Anstalt, vor 10 Jahren entstanden, und zwar auf Initiative einiger hiesiger .hochherziges Männer, auf die lleincn Spenden und Erträgnisse der Sammelbüchsen, die hier in Palästina angebracht sind, angewiesen ist . . . Die Leistungen der Anstalt find groß. Aber der Existenzkampf für dieselbe ist ungeheuer. Es genügt wohl, die nackte Tatsache anzuführen, däß die« Anstalt weder einen rwch so winzigen Fond) noch irgend ein gesichertes Einkommen aufzuweistn hat. . . Eine tatkräftige Propaganda in Ihren werten Kreisen könnte unserer Anstalt zu einer einigermaßen gesicherten Existenz verhelfen durch Erlängnng eines Fonds, oder was am notwendigsten ist, Anschaffung einesgeeigneten Terrains und eines däzu nötigen würdigen Baues, — einer wirklich gesicherten Heimat — für die obdachlosen.Waisönmädchell. Immerhin, verehrter Herr Doktor, ist jede Art der Unterstützung, die uns von unseren Glaubens- Vrüdern gemährt wird!, von unendlichem Wert. Denn tatsächlich ist es nur ein täglich von den Missionaren den armen jüdischen Schulkindern gereichtes Stück Brot, wofür diese dem Judentum entrissen werden. Die Missionäre wissen, daß viele Eltern ihren Kleinen häufig nicht einmal des morgens dieses Stückchen Brot reichen Wunen. Darauf bauen sie ihre Pläne, führen die! jüdischen Kinder in ihre Räume, unterrichten sie in der christlichen Religion, und es erhalten dann diejenigen Schüler und Schülerinnen, die beim Abhören des Gelernten gut wiedersagen können, reichlichere Nahrung. So verliert das Judentum) ohne eine Uebertteibung auszusprechen, jährlich mehr als vielleicht 200 jüdische Kinder durch die Mission. Ist es uns aber erst einmal möglich, für die prMeN jüdischen Kinder eigene Räume Au schaffen, wv man sie unterrichten und mit nur etwas Nahrung speisen kann, dann hat auch die Mission keine Macht mehr übler sie. ... Um das dringliche Hllfswerk für die durch den Krieg ruinierten Brüder in .den Bälkanländern nicht Au durchbrechen, hielt ich die Veröffentlichung dieses Briefes bis jetzt zurück. Auch wollte ich ohnedies erst einen besseren Einblick in die geschilderten Verhältnisse gewinnen, bevor ich das Schreiben publizierte. Was ich durch Informationen inzwischen erfuhr, läßt die in diesem Briefe beschriebenen Zustände noch weit hinter der Wirklichkeit zurück, fast als rosig erscheinen. Ein nichtjüdischer Universitätsprofessor, sowohl als Bakteriologe wie als Hygieniker eine Berühmtheit, äußerte sich über das unsagbare Elend der jüdischen Armen in Jerusalem wie folgt: tl „Ich kenne die Straßen der Armut von Äon* don, Newyork und Chicago; die Elendsviertel von Warschau, die Armenquartiere von Shanghai, JvkohaMa und Tokio, von Melbvurne und Kalkutta. Doch in keiner dieser und noch mancher anderen Städte hake ich eine solche Armut angetroffen, wie unter den armen Juden in Jerusalem. Es fehlt einem oft das zutreffende Wort, um von diesem grauenhaften Elend der dort zusammengepserchtcn Juden ein Bild geben zu können. Unter diesen von Hunger ausgemergeltew Menschen, v— sie 'hungern in der Woche sieben Tage, und tagsüber solange sie wach sind — wütet neben akuten Infektionskrankheiten verschiedener Art die Tuberkulose. Einer steckt den anderen an, und die entsetzlichen antihygienischen Zustände fördern diese Krankheit unter den von Entbehrungen aller Art entkräfteten und widerstandslos gemachten Menschen. Unter diese Unglücklichen begeben sich die christlichen Missionäre und erkaufen sich die Seelen der .langsam Verschmachtenden für einige Stückchen Brot. ,Und doch widerstehen diese ärmsten aller Juden den Verlockungen dieser Missionäre mit einem Heroismus, den sicherlich keine andere Rasse unter ähnlichen. Umständen aufzubringön vermöchte. Nur die völlige Hoffnungslosigkeit und Apathie zeitigt unter diesen Menschen Erfolge der Missionare; in diesem Zentrum per? .manenter Hungersnot." An diese Schilderungen aus und über ^Jerusalem sollen hier keine wetteren Betrachtungen geknapst Spraä heran. meist ihre $ ivie e nachpr viele viele bitte spende zu st Mädel lomiu Mädel ( Lehre Nicht Umsei schass Eesel halb L e h' Tasch Zehn- Siliubi halte darbe den l ersah günst Elter Kind möge die. cinsa einer schon Die neu dein Mäd in c Telel Kei Aas geht lche Die 22 % 741? der jiibif l c it lonii diese liege erste -Mi daß Hab, gego »cn< als dei La ö«T;i Weil er t groj stete lche' so das stati Ma Rei Herl dirr . Md