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Neue jüdische Presse · 1913-10-15 · Heft 41 (15.10.1913) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 41 (15.10.1913)
Date
1913-10-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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ÜßiCage zu Ht. 41 des Jtanfefnrtec Ifmetififfe lamtMtottes. Raturwiffenschaft und Gottesglaube. (Aus einem Vortrag.) Bon Bezirksrabbiner Dr. Benno Fischer in Palanka. ^Fortsetzung.) , Robert Boyle (1626-1691.) - der Verbesserer der Lustpumpe, der Erforscher der Gesetze des Luftdruckes, der Auffindsr des — nach Mariottc benannten — Lustvolumgesetzes, der Untersucher der hydrostatischen Erscheinungen, der Erforscher der Wärmelehre und Borbereiter der Dampfmaschinen- Erfindung und Mitbegründer einer wissenschaftlichen Farbenlehre —, der vor allem zuerst die Grundbegriffe der Chemie bestimmte und zuerst bewußt aussprach, die Aufgabe der Chemie sei, die Erkenntnis zu fördern, wie die Berschiedenartigkeit der Körper auf eine Ungleichheit ihrer Zusantmensetzung beruht, und was die nachweisbaren Bestandteile der verschiedenen Körper seien; der die Chemie als eine besondere Wissenschaft begründet hat, und damit der „Emanzipator der chemischen Wissenschaft" ward — war gleich Newton ein eifriger Verfechter und Bekenner Gottes. Er befaßte sich mit Vorliebe mir religiöstheologischen Studien. Mit Eifer hebt er die teleologischen und kosntologischen BewÄse fiir die Existenz ^Gottes hervor; mit großem Fleiße und Begeisterung begründet er diö Berechtigung, nach Endursachen, nach weisen und planvollen Veranstaltungen des Schöpfers in seinen Schöpfungsworken zu suchen. So sagt er in seiner „Untersuchung über Finalursachen": „. . . Schon die anorganische Schöpfung läßt, obwohl verhältnismäßig am wenigsten deutlich und schlagend, weise Absichten des Schöpfers hervortreten. Die harmonische Ordnung im Laufe der Himmelskörper ist sicherlich nicht von ohngefähr; sie dient dem Menschengeschlecht und wohl auch noch anderen Geschöpfen Gottes. Im organischen Naturbereiche aber, zumal bei den beseelten Wesen, den Tieren, 'sind die Zwecke geradezu mit Händen zu greifen. Schon die kleinsten Organe erscheinen ihren lebenfördernden Zwecken angepaßt'; eines Hundes Kralle zeigt ErMlimgen aus Met und Talmud. Von 9K, Pnlv ermann. 'Der Hohenpriester und Alexander der Große. Zur Zeit König 'Davids zählte das jüdische Volk schon »(mehrere Millionen Seelen, eine Zähl, die sich in den I späteren Jahrhunderten noch bedeutend vergrößerte.?!Doch die benachbarten kriegerischen und feindlich gesinnten Stämme haben Hunderttausende hingemetzelt, Hunderttausende' als gefangene Sklaven in ftemde Länder geführt, sodaß, als der milde König Cyrus die babylonische Gefangenschaft aufhvb und die Rückkehr der Juden nach Palästina erlaubte, es kaum noch fünfzigtausend waren, die den Weg dorthin wieder antraten. Aber schon etwa hundert Jahre später, unter Esrd, Hitte ihre Zahl sich, wieder bedeutend vermehrt, und mit erstaunlicher Lebenskraft hatten sie sich wieder zu einem mächtigen Stamm entwickelt. Mit dem Schwert in der «inen Hand, um die arabischen Wüstenräuber in Schach zu halten, nsit der andern aber die Mauerkelle schwingend, waren Pie Mauern um die heilige Stadt bald erneuert und war der Tempel der Gottesverehrung aufs neue' errichtet. Trotz des 'Druckes und der Knechtung während der langen 'Leidenszeit Hatten sie ihr nationales Empfinden doch nicht eingebüßt; ihr Blut und ihre Rasse blieben rein und unvermischt, ob auch einige nichtjüdische Ideen sich bei ihnen eingeschlichen hatten. lAennoch aper fand bald eine Berührung mit einem andern ftemden VolkÄstamm statt, der von weit größerer: Bedeutung war. * Im Jahre 332 vor der üblichen Zeitrechnung war der Hohenpriester Faddua in großer Sorge und Aufregung, icjte tr dem Eindringen einer ftemden Heeöesmncht Hitgegentreten sollte, vor deren Kriegskunst und .Waffenmacht selbst die starken Festungen Tyrus und Geza wie Kartenhäuser' zusaMmenbrachÄr. Da erschien ihm Gott , im Traume, um ihm Mut und Zuversicht mehr Kunst als die berühmte lihr im Straßburger Münster. . . ." Er Preist die Vorzüge seiner Methode, der experimentierenden Naturforschung, die ihn: in seiner Gotteserkenntnis viel Förderung gewährt, in dem Maße, wie er tiefer in die Naturgeheimnisse cindringt. Es entschließt sich ihm so die Größe und Schönheit dieser Welt als Zeugnis für die Größe des Schöpfers. Bohle war auch ein unbegrenzter Verehrer und Förderer der Bibel. Charakteristisch für seine große Verehrung der Bibel ist folgender Ausspruch in einer seiner Hauptschriften, den „Betrachtungen über den Stil der heil. Schrift": „ . . Neben die Bibel gehalten find alle menschlichen Bücher, auch die besten, doch nur wie Planeten, die all ihr Licht und ihren Glanz von der Sonne empfangen." Der große niederländische Anatom Jan Swammerdam (1637—1680), der — infolge seiner hervorragenden Forschungen auf dem Gebiete der tierischen Anatonric und besonders der Infekten —, den Ehrennamen eines „Galilei des unendlich Kleinen" erhielt, ist in seinen 'Werken ebenfalls für den Gottesglauben entschieden eingctreten. In seinen, der Erforschnug des kleinen Tierlebens gewidmeten Schriften, die nach seinem Tode unter dem Titel: „Bibel der Natur" (Biblia naturae s. historia insectorum etc.) gesammelt und herausgegeben wurden, findet er oft Gelegenheit, gerade in der wunderbaren Zusammensetzung der kleinsten Lebewesen „Beweise der Mlmacht und Weisheit des Schöpfers" anfzudecken. So sagt er unter anderem: „Wenn ich die Art und den Bau der allergeringsten Kreaturen neben die der allergrößten halte, so werde ich genötigt, jene nicht allein in gleichen Grad und Würde mit diesen, sondern sogar noch Wer sie zu fetzen. In der Tat: merket Man mit Fleiß auf die Triebe der einen und die Art der anderen, so wird niemand leugnen können, daß ein verständiger und selbständiger Geist sie beide treibe und regiere. Ist derselbe wunderbar und unbegreiflich in den allergrößten Geschöpfen, eintzjuflößen. (Den§ Hohenpriester wurde beföhlen, die Stadt prächtig zu schmücken, die Tore zu öffnen und an der Spitze des ganzen Volkes, als Zeichen des Friedens in wpiße Gewänder gekleidet, dem ftemden Herrscher entgegenzugehen. Schon am nächsten Morgen war das ftemde Volk an der Stelle angelangt, die man ftüher „Soopus", den Ausblick, nannte, weil man von hier aus Jerusalem zuerst erblickte, gekrönt von dem herrlichen Tempel, der sich auf dem Berge Morija erhob. Von einem zahlreichen Gefolge seiner Feldherren (und tributpftichtiger Fürsten umgeben, ritt ein junger Held mtf einem prächtigen, weißen Roß an der Spitze des Heeres. Er war von einer seltenen Schönheit: aus seinen Augen strahlte ein helles, geistiges Feuer, und auf seinen Zügen war der Stempel der Hoheit ausgeprägt, während jede seiner Mienen den geborenen Herrischer verriet. Mit großer Geschicklichkeit lenkte er sein heuriges Streitroß, das er bald mit kräftiger Hand zügelte, um mit fteudigem Entzücken lange und schweigend die heilige Stadt zu betrachten. Plötzlich aber richtete er sich im Sattel' auf: ein Zug Weißgekleideter Männer kam aus dem Stadttor, an deren Spitze ein hoher Greis schritt. Der Greis mit langwallendem Barte war ganz in Purpur gekleidet, seine Bru st mit einem goldenen Schild geziert, in dem zwölf Edelsteine saßen, und seine Stirn schmeckte eine goldene Platte, auf der der unaussprechissche Gottesname eingraviert war. Mit Würde und Ehr- 'furcht ging er dem jungen Krieger entgegen. Me Phönizier,. Chaldäer- und all die andern Völ- 'kerscharen, die Alexander dem Großen freMg nach dem Lande der Judäer gefolgt waren, hoffend, die reichen Städte zu plündern und die Bewohner zu töten oder als Sklaven fortzuschleppen, sie alle fteuten sich hei dem Herannahen des Zuges und spotteten der törichten rJuden. die sich ihnen selbst auslieferten. Mer sie alle täuschten sich. Kaum hatte Alexander den Hohenpriester erblickt, als er schnell von seinem Rosse stieg, dem Ge- :salbten Gottes voller Ehrfurcht entgegenging, ihn fteund- Pctz begrüßte und sich dreimal ttef vor ihm verneigte. Parmenia, der Vertraute Alexanders, aber eilte dem Ktdherrn nach und fragte - voller Verdrossenheit, was so ist er in den aUerkieinsten noch viel unergründlicher." „ . . . Die Wunder der Natur find eine aufgeschlagene Bibel, die überall auf Gott, ihren .ewigen Ursprung, zurückweist. Nicht eher erheben wir uns über Natur und Kreatur, als wenn nur Gott allein und beharrlich lieben, und alles verleugnen, was nicht Gott ist." Swammerdam nahin auch Veranlassung, den Glauben von der Auferstehung der Toten mit einer analogen Erscheinung auf dem Gebiete seiner Wissenschaft zu stützen. Er sieht die zukünftige Palingenesie des Menschen in den Insektenmetamorphosen vorgebildet; der Berwandlungsprozeß, den wir bei verschiedenen Insekten beobachten können, wie sie aus Raupen zu Puppen und dann wieder zu fliegenden Insekten sich umwandeln, deute auf die einstige wunderbare Auferstehung des Menschen hin. „Man kann an den Raupen das Elend, den Tod und Ine herrliche Auferstehung der Leiber so deutlich zeigen und beweisen, daß man sie abgeschildert vor seinen Augen sieht und mit Erstaunen ausrufen muß, daß der große Gott unter allen Wesen unbeschreiblich ist in seinen Wundern!" Bon seiner Demut, die sein großes Wissen zierte und die Quelle all seines Wissens in Gott erkennen ließ, zeugt jene herrliche Mahnung ami Schlüsse seiner „Bibel der Natur", deren letzte Sätze lauten: „Es ist nichts besser, als daß Man alletzeit in sich selber ein Mißtrauen setze und behutsam wandte. Denn der elende Mensch ist überall unwissend; seine wahre Wissenschaft besteht darinnen, daß er seine Schwachheit und Eitelkeit wohl erkenne, die an und für sich selbst nichts besitz^ sondern alles von Gott empfangen muß." Albrecht v. Haller (1708—1777), bet Berner Arzt, Naturforscher, Staatsmann und Dichter, war in seinem vielseitigen Wirken überall ein warmer und eifriger Bekenner Gottes. Sein Bio» grpph I.- C. Zimmermann feiert ihn als eine Art von Geisteswunder des menschlichen Geschlechts, lind in der Tat, er war eins Phänomenale Erscheinung, der — wie Hypokrates unter den Aerzten des Altertums — als „der Große" schlechtweg genannt wurde. Seine Leistungen auf den Hauptgedieses zu bedeuten habe, daß der Welteneroberer, vor dem Könige und Fürsten im Staube liegen, sich nun vor dem Juden so demütige. Zllexander aber sprach ernst: „Nicht dem Menschen gilt meine Ehrenbezeugung, sondern der hohenpriesterlichen Würde, mit der der erhabene Gott diesen begnadigte. Wisset es," fuhr er laut fort, „diesen Greis habe ich bereits in einer nächtlichen Erscheinung gesehen. Es - war in Dios, itt Mazedonien, da ich noch lange überlegte und eifrig darüber nachdachte, wie es mir wohl gelingen könnte, den Sieg und die Herrschaft auch über Asien zu gewinnen. Da stand dieser Mann vor mir und riet mir, muttg über das Meer zu ziehen, er werde mir den Weg zeigen und mir beistehen, auch jene Völker mir tributpflichtig zu machen. Ich habe seinem Rat gefolgt, und es ist Euch bekannt, welch glücklichen Ausgang jener Feldzug genommen hat. Darum -ist es mein fester Wille, mit diesem Manne einen Bund des Friedens zu schließen." Die Umstehenden schwiegen und beeilten sich» dem Wunsche ihres Feldherrn zu folgen. Von den Bewohnern Jerusalems fteudig begrüßt, Agen nun der jüdische Hohenpriester und der griechische Hohenpriester Hand in Hand in die heilige Stadt ein. Beide begaben sie sich nach dem Tempel, wo Alexander nach Anweisung der Priester seine Opfer dem ewigen Gotte darbrachte. Alexander machte dem Tempel und den Priestern kostbare Geschenke. Er nahm auch jüdische Jünglinge in sein Heer auf, ihnen volle Religionsfreiheit gewährend- Mer auch die Juden zeigten sich dankbar; nicht allein standen sie chm in seinen Kämpfe» tre» zur Seite, sie ehrten chn noch besonders dadurch, daß sie alle Knaben, die im Laufe dieses Jahres geboren wurden, „Alexander" benannten. Die erste Berührung zwischen Juden und Wern hatte sich demnach unter den günstigsten und glückverheißenden Umständen vollzogen. Nach menschlicher Voraussicht durfte man auf eine freudige Zukunft hissen. Doch Gottes Wege sind wunderbar, und nach seinem heiligen Willen war es die Einleitung zu einem; Trauerspiel, das heute bereits länger als zwei Jahrtausende andauert.

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