Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 40 (10.10.1913)
- Date
- 1913-10-10
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Diese Tatsache, aus .die tvir so stolz sein dürfen wie irgend eine andere Gemeinschaft auf ihre Herkunft, läßt sich nicht .verwischen, wie heftig auch der antizionistische Aufruf die deutschen Juden nach Kultur und Sprache und Nationalgefühl für das Deutschtum (fast für das Cheruskertnm) reklamieren möchte. Ein einfaches Beispiel, das mir besonders naheliegt: Sind nicht die deutschen und englischen Juden in einem ganz anderen Sinne Brüder, als die deutschen und englischen Christen? Darüber Hilst kein Jonglieren mit so strittigen Begriffen wie Volk, Nation oder dergleichen hinweg. Noch ein Beispiel: der deutsche Kaiser — doch sicherlich ein guter Nationalist — freut sich über das kräftigdeutsche Nationalgefühl der Deutsche-Amerikaner, und wer von den Unterzeichnern des antizionistischen Aufrufs wollte ihm Unrecht geben? — Was aber für die amerikanischen Staatsbürger deutschen Stammes gilt, hat zweifellos auch für die deutschen Staatsbürger jüdischen Geblüts volle Geltung. Wenn Sie und Ihre Freunde an der Hand zahlreicher Tatsachen, die ich und viele andere Anhänger des Zionismus Ihnen jederzeit darlegen können, sich überzeugen lassen wollten, wie realisierbar (und in den Anfängen schon vielfach realisiert) unsere Bestrebungen sind, so würden Sie — darüber habe ich keinen Zweifel — statt eine große Sache zu bekämpfen, in der bereits Hunderttausende diesseits und jenseits der Grenzen .der Kulturländer ihre beste Hoffnung sehen, uns mit Ihrer wertvollen Mitarbeit unterstützen. Sie selbst haben es unterschrieben: „Die Berechtinung kolonisatorischer Bestrebungen im Interesse der östlichen Juden soll dabei nicht in Abrede gestellt werden, sie wird van den Juden aller Richtungen anerkannt." Das ist die Hauptsache am Zionismus. Ein Antizionist, der das unterschreibt und auch wirklich danach handelt, ist mir und vielen anderen lieber als zehn Zionisten, die nur Worte zu machen verstehen! Wollen Sie in diesem Sinne Ihre eigene Unterschrift respektieren? Ich hasse es und stelle Ihnen von Herzen gern meine nicht unbeträchtliche kolonisatorische Erfahrung zur Berfügung in gemeinsamer Arbeit zu Gunsten unserer verfolgten und zurückgesetzten Brüder. Aus dieser Arbeit heraus werden Sie dann vielleicht auch vieles andere schätzen lernen, was Ihnen bisher an der zionistischen Bewegung mißfallen haben mag. Mehr kann ich Ihnen heute und im Rahmen eines kurzen Briefes nicht sagen, stehe Ihnen aber gern mit Weiterem zur Berfügung. Mit vorzüglicher Hochachtung Henry Samuel. London W., 11 Cleveland Square, Hyde Park. Bunte Chronik. Ei« jüdisches Kunstwerk im „Weißen Hanfe". Präsident ,Wilson hat eine Statue erworben, die einen Juden darstellt, wie er aus seinem Heimatsortc vertrieben wird. Mit dem Wanderstabe in der Hand, zieht er in die große weite Welt ins Ungewisse. In > der einen Hand den Wanderstab, auf dem - anderen Arm ein kaum dem Säuglingsalter entwachsenes Kind und — die Thora. Sein Gesicht verrät Eleitd, Not und Schrecken. Das Kunstwerk' stammt von dem Bildhauer Butensky, einem aus dem Minsker Gouvernement in Rußland vor zwölf Jahren nach Newyork ausgewanderten Juden. Die Statue wurde ursprünglich sür den reichen Finanzier I. Goldberg angefertigt und hat solchen Beifall gefunden, daß der Künstler selber auch eine für die Sammlung des Jakob H. Schiff und für die Privatsammlung der Gattin des gegenwärtigen Präsidenten der Bereinigten Staaten Mrs. Wilson, die selbst eine anerkannte Malerin ist, anfertigen mußte. Nun hat auch die Direktion der Kunstsammlungen des Weißen Hauses ein Exemplar dieses berühmten Kunstwerkes vom Künstler unfertigen lassen und erworben. Butensky hat vor ungefähr 4 Jahren auf Bestellung des Bankiers Jakob H. Schiff eine andere, gleichfalls berühmt gewordene Statue angefertigt, welche die bekannte Prophezeiung Jesaias, daß der Wolf mit dem Schäflein in Frieden Zusammenleben werde, darstellt. Dieses Kunstwerk ist von Jakob H. Schiff dem Newyorker . Metropolitan kunsthistorischen Museum zum Geschenke gemacht worden. Firmane Ser Sultane gegen das Ritualmordmärcheu. Im Zeitalter des Beilis-Prozesses liest man nicht ohne Bewegung den Text der Firmane, die von den Sultanen Abdul-Medjid (1840) und Abdul Asis (t860) gegen das von christlichen Fanatikern verbreitete Ritualmordmärchen erlassen worden sind. In dem ersten Firman heißt es mit Bezug auf die damals gegen die Juden in Damaskus und Rhodus gerichtete Blutbeschuldigung: „Bor nicht langer Zeit sind einige Juden von Rhodus nach Konstantinopel berufen worden, um sich zn verantworten, doch sind sie als unschuldig befunden worden. Außerdem sind alle religiösen Bücher der Juden von sachverständigen Männern geprüft worden, die die hebräische Sprache vollständig beherrschen. Bei dieser, Prüfung hat sich ergeben, daß die Juden nicht nur kein Menschenblut, sondern nicht einmal tierisches Blut verwenden. Auf Grund dessen schließen wir, daß die Beschuldigungen gegen die Juden auf reinen Verleumdungen beruhen". Der Firman verbietet dann jede Belästigung der Juden, verbürgt ihnen ihre Gleichberechtigung mit allen anderen Untertanen und die freie Ausübung ihrer religiösen Bräuche. Der Firman des Sultans Abdul Asis vom Jahre 1880 ist an den Polizeiminister gerichtet und bestätigt die Bestimmungen des ersten Firmans. Kunst und Literatur. Die Memoiren des Ascher Levy aus Reichshofen im Elsaß (1598—1635). Herausgegeben, übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Dr. M- Ginsb u r g e r. Jk 3,50, Luxusausgabe Jfe ss,—. Berlin, Louis Lamm. '' Die Memoiren des Ascher Levy, eines Verwandten des Cers Levy, des zweiten Gatten der Gluckel von Hameln» enthalten eine Fülle hochinteressanter Mtteilungen, die uns vollkommen Aufschluß geben über eine ganze Reihe von jüdischen Gemeinden und jüdischen Familien aus der Carl Grebenan, “m1 »»»«■■"■■ Telephon I, 6069. ' Auswahlsendungen gerne zu Diensten. 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