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Neue jüdische Presse · 1913-10-10 · Heft 40 (10.10.1913) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 40 (10.10.1913)
Date
1913-10-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Denn die MtualnWrdiProAösse des Mittelalters waren Ausgeburtö des Fanatismus, des Aberglaubens, der Kieiwer Prozeh dagegen istj mit kalter Berechnung von einer teuflichen Regierung, die genau die wahren Verbrecher aus der Mitte ihrer si«> erhaltenden „Hooligan e" kennt, Au innerholitischsn Zwecken ersonnen Worden! Die ganAe gesittete Welt weih dies alles zur Genüge. Doch Wo sind ihre! flaiWmenden Proteste? Wo bleiben die ^humanen" Regierungen Englands und Frankreichs? Wäre es nicht für Frankreich angebrachter, auch besser und klüger, anstatt Spanien nachzjulaufen odcir Bialkanbündnisse gegen dein Dreibund zu schmieden, sich lieber mit Deutschland Au verständigen nnd sich auf seine altün Ideen der Menschenrechte zu besinnen?! Warunt. hat sich kein einziger Monarch eingestellt, der dem Z ar Nikolaus über den durch seine Regierung heraufbeschworenen Skandal Aufklärung gegeben hat? Doch die Sache "geht nur das jüdische Volk an, — und diesem tut man schon seit Tausenden von Jahren und noch heute Unrecht; auf das Maß des Unrechts kommt es Wahrlich nicht an! . ... Wir, — in unserer Langmut, aber auch in unserer Großmut — schicken uns an, um Vergebung der Sünden auch des „Geier", des Fremden, zu beten. Doch Wer weiß, ob nicht dies Jahr über die Lippen Mancher guter Juden statt Vergebung ein F l u ch gegen unsere böswilligen Feinde koMmen wird! Denn was die Menschheit mit kaltem Blute an uns begeht, ist nicht mehr „Schegogoh", sondern „Sodann", Mutwille. Interview mit dem Grotzrabbiner -er Türkei. Rabbi Nah um hat bei seinem Aufenthalt in Berlin, der besonders der Schaffung einer Kreditvrganisation für die durch den Krieg verarmten Juden des Balkans galt, einem! Mitarbeiter der ,,N. I. K." ein Interview gewährt, in denk er sich über die auf seiner Palästinareise empfangenen Eindrücke äußerte. Er habe die Kolonien als Muftür gut organisierter nwderneir landwirtschaftlicher Siedlungen kennen gelernt. Auch die Ordnung des Gemeindelebens in ihnen könne als vorbildlich gelten, und sie brachten dem Staate nicht nur indirekt, sondern ganz unmittelbar durch die Harke Steigerung der Einnahmen großen Vorteil. Der Großrabbiner erwähnte sodann, daß der türkische Thronfolger die Absicht habe, demnächst nach Palästina zu reisen; er werde Gelegenheit nehmen, dem Thronfolger die eingehende, Besichtigung der jüdischen Kolonien Au empfehlen. Ueber die Verhandlungen des Zioniftenkongresses zeigte sich der Großrabbiner sehr informiert. Er habe den Verlauf des Kongresses verfolgt und freue sich, sagen zu können, .daß.die Kougreßberichte nirgends, wie früher oft, übelwollende Kommentare' hervorgerufen haben. Ueberhaupt sei die Stellung der türkischen Regierung und der türkischen Bevölkerung dein Juden gegenüber äußerst freundlich, und es sei ja bekannt, daß die Juden in der Türkei niemals unter ähnlichen Bedrückungen oder Verfolgungen wie in den meisten anderen Ländern litten. „Gerade die letzte Krise", fuhr der Großrabbiner fort, „hat aufs neue bewiesen, daß.Polk und Regierung keine! verläßlicheren Freunde als die ottoManischen Juden haben. Dieser Ueberzeugung ist auch S. M. der Sultan, der Mich vor meineir Abreise in einör halbWndigen Audienz empfing, und im Gespräch! diesen Gedanken und Gefühlen in fteundlicher Weise Ausdruck gab." Christ. Wilhelm Leux Telef.!, 8567. Hoflieferant. Goethestr. 21. Herren-, Samenu- Livreeschneiderei. Spozlal-Sportgescbäft. Auf -Wunsch koschere Verarbeitung. : — — : M. Ettinger Söhne Pelzhandlung nnd Pelzkonfektion. Anfertigung nach neuesten -' Pariser und Wiener Modellen.- Frankfurt a. M. Langestrasse 31. _ Telephon Amt I, 5281. _^_ Statistisches vom Wiener Zionisten- Kongretz. Die Zahl der Fremden, die aus Anlaß des Zioniffenkongresfes nach Wien gekommen sind, darf Mit 0000 angenommen Werden. Es ist klar, daß ein solch' großer Zustrom! von Fremden das Wohlwollen dür beteiligten Behörden erfordert. Dieses Wohlwollen bestand in hervorragendstem. Maße. IM Kongreßgebäude War ein besonderes Postamt eingerichtet, dessen Poststempel die Inschrift „XI. Zivnistenkongreß, Wien 1913" trug, und das seiner nicht leichten Abgabe glänzend gerecht geworden ist. Bei diesem Postamt und beim Postschalter des KongreMureiaus liefen in der Zeit vom 1. bis 10. September nahezu.200,000 Postsachen ein. Den Kongreß bildeten außer den 30 Mitgliedern .des Größen Zionistischen Aktions-Komitees 535 gewählte Delegierte. Außer diesen wohnten den Verhandlungen des Kongresses im Musikvereinssaal ca. 2000 Gäste bei, während die Eröffnungssitzung in der Katharinenhalle, dem größten Saale Wiens, von Äer 5000 Personen besucht war, wobei noch einige tausend Petenten keine .Einlaßkarten mehr erhalten konnten. An deint Gang zum Grabe.THerW. HerAls auf denx Döblinger. Friedhof beteiligten sich rund 8000 Personen, und die Zuschauerzahl bei deM Turnfest, an dem 1500 jüdische! Turner und Turnerinnen aus verschiedenen Ländern teilnahmen, überstieg nach zuverlässigen Angaben 10,000 beträchtlich. Die SuMme des von den Kongreßteilnehmern in Wien ausgegebenen Geldes schätzt das Kongreßöureau auf Mindestens 1,800,000 Kronön. Rechnet Man noch hinzu, daß viele der Wohlhabenderen ausländischen Juden in Wien große Einkäufe gemacht haben, und daß eine große Anzahl im Anschluß an den Kongreß in österreichischen Kurorten längere Zeit zur Erholung verblieb, so kann man sagen, daß der Zionistenkongreß über 2i/i Millionen Kronen nach 'Oesterreich gebracht hat. Die österreichische» Eisenbahnen .haben das Interesse des Landes am Kongreß von vornherein richtig einzuschätzen gewußt, indeNi sie den Teilnehmern ziemlich erhebliche Fahrpreisermäßigungen einräumten. Das Kongrüßbureau hat über 7000 stempelpflichtige Legitimationskarten für diese Reiseermäßigungen ausgegeVen. kormalSchool Bovano Weserstr. 7. Tel. 12428. Privat-Zirkelnnd Klassennnterricht. Besondere Zirkel für Damen besserer Kreise. OeffentL Probeatnnden Mittwochs um 11,5,7 n. 9 Uhr. Die Immatrikulation russisch-jüdisch. Studierender - au den deutsche« Universitäten. Nach einer Anordnung des Kultusministeriums, die seit einigen Tagen am schwarzen Brett der Berliner Universität aushängt, werden für das Wintersemester neueJmmatrikulatlonen von rnssischen Studierenden nicht vorgenommen. Andere Ausländer werden nach wie vor, wenn sie den vorgeschriebenen Bedingungen Nachkommen, zur Immatrikulation zugelassen. Auch soll die neue Bersügung, wie in Universitätskreisen verlautet, für solche russische Studierende, deren Muttersprache nachweislich die deutsche ist, keine Geltung haben. Aus alledem geht hervor, daß der Ministerialerlaß hauptsächlich die jüdischen Saldierenden aus Rußland treffen will, gegen die sich ja auch die bekannte Agitation der Klinikerschaft in Halle und anderen preußischen Universitätsstädten richtet. Dies beweist auch die Begründung, die von ossizieller Seite der betreffenden Ministerialnerfügung in der „Boss. Ztg." gegeben wird. Danach liege für Deutschland keine Veranlassung vor, der russischen Regierung die Sorge für die Ausbildung ihres intellektuellen Proletariats — denn bei den in Deutschland studierenden Russen handle es sich zumeist um Angehörige minderbemittelter Schichten — abzunehmen. *' - Wie aus Dresden gemeldet wird, verzichtet das sächsische Kultusministerium darauf, ähnliche Maßregeln wie die des preußischen Kultusministeriums zu tresfen. Das ist auch nicht nötig, denn Sachsen hat bereits Beschämungen eingesührt, die die Zulassung der meisten russisch-jüdischen Studenten unmöglich machen. Schon jetzt können die russischen Studenten, die Realgymnasien oder Oberrealschulen besucht haben, überhaupt nicht und die klassische Gymnasien besucht haben, nur dann zugelasseu werden, wenn sie mindestens zwei Semester auf einer russischen Hochschule studiert haben, auch müssen ihre Zeugnisse legalisiert sein. Diese Bestimmung findet auch auf diejenigen Studierenden Anwendung, d« bereits auf anderen deutschen Hochschulen studiert haben. Die Zahl der russischen Studenten an der Technischen Hochschule in Dresden ist bereits von 200 auf 40 zurückgegangen. * Natürlich steht man in Bayern auch nicht zurück. Ueber die dortigen neuen Bestimmungen lesen wir in der ,^8ayer. Staatsztg.": .hinsichtlich der Zulassung der Ausländer zur Immatrikulation verlangten die bisher geltenden Satzungen nur, daß der Ausländer eine Vorbildung Nachweisen müsse, die ihn nach den Gesetzen seiner Heimat zum Universitätsbcsuch berechtigte. Die neuen Satzungen sehen vor, daß Ausländer«-einen Borbildnngsnachweis erbringen müssen, der als gleichwertig mit dem Reifezeugnis, einer deutschen neunklassischen Schule vom Ministerium anerkannt ist. Auch behalten sie weitergehende Vorschriften ausdrücklich vor, die das Ministerium etwa hinsichtlich einer Beschränkung in der Zahl der aufzunehmenden Ausländer, der frühesten Jmmatrikulätions- und Jnskriptionstermine re. zu tresfen durch die Umstände sich genötigt sehen kann. Endlich bestimmen sie, daß Ausländer die von den Studierenden zu entrichtenden Gebühren — abgesehen von den Kollegiengeldern — im doppelten Betrage zu zahlen haben und geben dem Ministerium die Ermächtigung, außerdem noch eine besondere Semestergebühr von den Ausländern zu erheben. Diese Ausländergebühren sollen nicht so sehr eine Abwehrmaßnahme gegen einen allzu großen Andrang ausländischer Studierender darstellen, sondern eine Maßnahme ausgleichender Gerechtigkeit insofern, als derjenige Beitrag, der von Inländern oder ihren Eltern in ben allgemeinen Staaösteuern auch für die Universitäten entrichtet wird, von den Ausländern» die solche Staatssteuern nicht entrichten, in der Form einer besonderen Gebühr erhoben wird." r Teppichhaus Eberhai*fl v Hebe flainzgrstp. ZZ, Ecke FriBdensstP. \ j Aus aller Wett. Deutsches «eich. Frankfurt a. M. Die Handwerkskammer z» Wiesbaden schreibt uns betreffs Meisterprüfung im Fleischergewerber „Unter Bezugnahme auf den in Ihrem geschätzten Blatte vom 26. September, ,Rr. 38, auf Seite 3 mitgeteilten Fall aus Papenburg, wonach ein jüdischer Fleischergeselle bei der Meisterprüfung durchsiel» weil ihm die Kenntnisse in der Schweineschlachterei fehlten, teilen wir ergebenst mit. daß wir uns dieferhalb mit der Handwerkskammer zu Osnabrück in Verbindung gesetzt haben, um festzustellen» wie der Sachverhalt ist. Wir werden uns gestatten, eventl. noch einmal auf den Fall zurückzukommen. Schon jetzt aber sei bemerkt, daß im Bezirk der diesseitigen Handwerkskammer ein solcher Fall ausgeschlossen ist, da es diesseits für selbstverständlich gehalten wird, daß man von einem jüdischen Fleischergesellen bei der Meisterprüfung Kenntnisse über die Schweineschlachterei nicht verlangen kann und deshalb auch nicht verlangt." Köln. Im historisch interessanten Hoesselhaus der Webcrzunft — Mathiasstraße 0 — hat die Israel. Gemeinde einen , Kindergarten errichtet. Die Kinder haben Frühstück und Vesperbrot selbst mitzübringen und erhalten das Mittagessen im Kindergarten (Zahlung dafür 25 Pfg. die Woche). Zmn Mittagessen finden sich auch Schulkinder ein, die jedesmal 5 Psg. zahlen. Nach Tisch werden die Kinder gewaschen, schlafen auf bequemen Liegestühlen und gehen dann spazieren. (!,.) Posen. Hier fand die 15. ordentl. Generalversammlung des V-erbandes der Synagogen-Gemeindew des Regierungsbezirks Posen statt. Bankdircktor Goldschmidt begrüßte die Erschienenen, erstattete den Jahresbericht und gedachte in warmen Worten Rabbiners Dr. W. Feilchenfcld. Zn der Tagesordnung „betreffend den Anschluß von rabbinerlosen Gemeinden an ein Bezirksrabbinat" wurde das auf die Rundschreiben aus der Provinz Posen eingegangene Material Herrn Rabbiner Dr. Cohn-Rawitsch mir dem Ersuchen überwiesen, nach Sichtung des Materials geeignete Vorschläge zur praktischen Durchführung des Anschlußplanes vorznbereiten. Zn 3 der Tagesordnung „Vermehrung der Einnahmequellen für den Verband" wird beschlossen, zunächst einen Versuch zur Erlangung von Beitragsleistungen durch persönliches Borsprecheq der Mitglieder der Propaganda- Kommission zu unternehmen. Zu 4 der Tagesordnung „Antrag des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche wegen Berufung von Lehrern in den Derbandsausschuß" soll dem Anträge in der Weise Rechnung getragen werden, daß in die Fachkommission bei einer Neuwahl ein Lehrer berufen wird, sofern sich die Notwendigkeit hierzu heraüsstellt. — Zn 5 der Tagesordnung „Verschiedenes" wurde zur Kenntnis gebracht, daß die Angelegenheit, betreffend die beantragte Verdoppelung des jährlichen Zuschusses durch.

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