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Neue jüdische Presse · 1913-10-10 · Heft 40 (10.10.1913) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 40 (10.10.1913)
Date
1913-10-10
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seile 2 Graickfurter Israelitisches Nr. 40 E als di siert eine st Zeit, alters alters AÄer mit I gierm der ' ganc jomtei aber den M ihrem Volke fanden' nur die wenigste» zpÄck. Wieben sie haltlos, schutzlos inmitten der allgemeinen russischen Korruption und wurden nur alhjurasch von ihr angesteckt. Niedriger Egoismus, ^rechnendes Karrierentum machten sich breft, und die Folgen dieser Strömung lassen sich bereits überall erkennen. Gerade in den letzten zwei Jahren hat eine Abfallbewegung unter der jüdischen Jugend Rußlands eingesetzt, die .Pen Namen, den man ihr gegeben hat, Taufepidemie, vollkommen rechtfertigt. Man tröste sich da nicht mit der leeren, großsprecherischen Phrase, daß diese Täuflinge angefaulte Glieder seien, deren Abfall dem Volke nichts schade. Diese Täuflinge, .zählen meist zur gebildesten »ich intelligentesten Schicht des russischen Judenheit und würden bei andrer Erziehung und anderem MLeu gute, wertvolle Söhne ihres Volkes geworden sein. Und dieselbe Medergangsersch einung konstatiert ' Man auch auf allen anderen Gebieten des jüdischen Lebens in Rußland. Die religiöse Indifferenz wird don Tag zu Lüg größer. Die hebräisch« Literatur geht, sowohl was ihre quantitative Verbreitung wie auch was ihre qualitativ« Leistungen betrifft, zurück, und selbst die Jargonprasse, die doch immerhin bei aller qualitativen Minderwertigkeit ein positives Element int Leben der russischen Judenheft bildet, hat ihren Höhepunkt überschritten, und Ne russische Zeitung schickt sich an, die Stäle des Färgostblcfttes einznnehmen. Zu alledem kommt noch die all« Grenzen übersteigende KrMbelung seitens der russischen Regierung hinzu, ine jche intensive Arbeit sich! unmöglich macht. Wohin man im jüdischen Leben Rußlands schaut, erblickt man nur Medergang) .Auflösung und Verfall. In diesem trostlosen Bild sind nur zwei helle Punkte vorhanden: das jüd. Schulwerk und der palästinensische Gedanke. Me Erkenntnis, daß das vornehmst«, vielleicht das einzig Mittel gegen die NidstrgangsL'ewegung in der Schaffung eines umfassenden jüd. Schulsystems besftht, beginnt, sich immer mehr durchzusetzen, und hie und da ist Man bereits daran gegangen, di« Grimdlagen eines solchen Schulsystems zu legen. In verschiedenen Städten Rußlands sind hebräische Kindergärten und! Elementarschulen gegründet worden, und die lchte Konferenz der russischen Zionisten hat beschlossen, energisch an der Forderung solcher Institutionen mitzuarbeiten. Allerdings fragt sich, ob die Regierung nicht durch einen Federstrich , die mühsam vollbrachten Leistungen vernichten wird. Manche Anzeichen deuten auch darauf. Dies aber kann kein Grund, sein, die Arbeit einznstellen, denn die Schaffung der itötigen Bedingungen für eine gute jüdische Erziehung ist! das einzige Mittel, um innerhalb Rußlands der immer stärker nur sich greifenden Absallbewegung entgegenzustxuern. - Der andere erfreuliche Punkt ist der an Ausbreitung und Wirkungskraft stetig zunehmende palästinensische Gedanke. Je mehr die.russische Regierung die Judenheit zu vergewaltigen sucht, umso stärker wird bei Hunderten und Tausenden die - Sehnsucht, im Lande der Väter ein fteies jüdisches Leben zu führen. Gerade im Mittelstand macht sich ein starker Zug nach Palästina bemerkbar, und viele, die -aus materiellen Gründen nicht selbst hinüber können, schicken wenigstens ihre Kinder dorthin. Der Zudrang jüdischer Schüler aus Rußland .zu den Ünterrichtsanstalten Palästinas, vor. allem den Gymnasien üi Jaffa Md Jerusalemwird, immer stärker und stärker und wird jetzt, da das Jaffaer -Gymnasium von alleit europäischen Universitäten anerkannt rst, noch erheblich stärker werden. Daß aber Palästina heute noch keine LösMg für die russische Judenfrage bilden kann, ist llar, und so Neiden die Zukunstsperspektiven der russischen Judenheit, für die nächste Zeit wenigstens) recht trübe- und ungünstig. Erfreulicher, viel erfreulicher ist das Bild des inneren jüdischen Lebens in G alizien. Wenn auch die äußwL Lag« nach wie vor eine unbefriedigende ist, wenn die Materielle Lage eher sich verschlimmert als ^bessert hat, so wird doch der Puls des inneren Lebens zusehends lebhafter und stärker. Ungehindert durch Re Regierung, breitet sich die nationale Strömung in Galizien mächtig aus, und zu-. Mal die junge Generation M'HM^eklM'FeWr/unil einer Begeisterung erfaßt, die zu den besten Hoffnungen für die Zukunft berechtigten. Galizien, das im geistigen kulturellen Lebten der osteuropäischen Judenheit in den letzten Jahrzehnten immer um eine beträchtliche Zeitspanne nachznhinken pflegte, schickt sich an, den ihm gebührenden Platz im jüdischen Kulturleben der Gegenwart einznnehmen. Besonders die hebräische Bewegung macht große Fortschritte, und durch Errichtung hebräischer Schulen will man di« Jugend! von den ersten Jahren ihrer Ausbildung an hebräisch erziehen. Ein passives, wenn nicht gar störendes ElMent indieser stärken jüdischen Strömung bilden nur die chafsidischen Massen; aber auch bei diesen dürste es allmählich anders werden. In Westösterreich und Böhmen steht die akademische Jugend bereits fast geschlossen im Lager des nationalen Judentums. Wie stark der Einfluß des Zionismus in Westosterreich.geworden ist, erkennt man nirgends deutlicher als an derjenigen Gemeinde, die bisher ein Bollwerk der Assimllation gewesen war: .an der Gemeinde der Stadt Wien. Nicht nur, daß es gelungen ist, zwei Zionisten in den Vorstand! der Gemeinde zu wählen, es nehmen auch die alten Mitglieder desselben heute eine ganz veränderte Stellung ein. Das plötzlich erwachte Interesse für Palästina, die wannen Begrüßungsworte des Präsidenten Stern an die hebräische Konferenz mtd die vielsagende Begrüßung des Zionistischen Kongresses sind deutliche Symptome dieser beginnenden Wandlung. Was in Westösterreich noch zu wünschen wäre, ist jüdische Vertiefung; die bisherige einseitig organisatorisch-agitatorische Arbeit kann zu leicht zur parteidogumtischen Verstauung führen. Das in jüdischer Hinsicht traurigste Land der habsbnrgischen Monarchie ist und bleibt Ungarn. Auf der einen Seite eine oberflächliche Orthodoxie, die alle positive Arbeit verhindert und stört, und ans der anderen Seite eine radikale, würdelose Assimilation, — dies ist das Blld, das die ungarische Judenheit nunmehr seit Jahren bietet. Die Folgen des Bruderhaffes wirken und wirken, und man weiß kaum mehr, woher eine Besserung der Lage kommen soll. Eiitzig mtd allein die Hoffnung, daß. der nationale Gedanke, vor allem der Misrachi, endlich doch Verständnis bei der Masse finden werde, läßt nicht völlig an der Zukunft der ungarischen Judenheit verzweifeln. Von dem inneren Leben der Judenheit des Balkans ist in diesem Jahre nicht viel zu melden. Die entsetzlichen Leiden, die die Kriegswirren unseren Brüdern aus dem Balkan gebracht haben, haben all ihr Sinnen und' Sorgen auf die Bestrebungen zur Linderung des Elends gelenkt und für die innere Arbeit keine Zeit gelassen. Hoffentlich wird es den Balkanjuden gelingen, sich rasch von den Wunden, die ihnen der Krieg geschlagen hat, zu erholen) um dann mt die so dringende Ordnung ihres inneren.Lebens schreiten zu können. Und noch eine, andere Hoffnung knüpfen wir an die Zukunft der Balkanjuden. Von verschiedenen Seiten ist der Gedanke angeregt worden, daß ein Tell der Balkanjudenheit, besonders von dem jetzt unter die Herrschaft Griechenlands gekommenen, nach Palästina auswandern solle. Diese Idee ist zu schon und bedeutsam, als daß sie nicht innerhalb der Balkanjuden viel« Anhänger finden sollte. Wird ein Tell derselben mit diesem Gedanken Ernst machen und ihr neues Vaterland, dys ihnen nicht die besten Zukunstsperspektiven bietet, mit ihrem bisherigen humanen Vaterland und'., ihrer alten jüdischen.Heimat vertauschen, so wäre dies ein großer positiver.Gewinn, der einzige vielleicht, den uns Juden dann der in vielen Beziehungen so unheilvolle Balkankrieg gerächt haben würde. Ereignisse unerwarteter Art haben sich iM letzten Jahre innerhalb der Judenheft Italiens vollzogen. Der Erwächnngsprozeß eines großen Telles der italienischen Judenheit, der bereüs im vorigen Jahre in dem Jugendkongreß eingesetzt hat, ist fortgeschritten. Auch die Gemeindevorstände beginnen, sich zu regen, und mft Erstaunen blickt man auf diese von mcmchen schon völlig totgeglaubte üalienische tNtdenhÄt, wie sie neue Kräfte zu offenbaren beginnt. Dlüf -mpn Jwch hoffen,) daß, auch die franzö s i s ch e Judenheft bald eine Degeneration erleben wird? Das letzte Jahr hat . noch letftd Anzeichens gebracht, und schwache Versuche in dieser Beziehung,! die in Paris unternommen Wurden, haben vor-I derhand zu keinen nennenswerten Erfolgen geführt! Allein die Hoffnung braucht man' deswegen noch! nicht aufzngeben. Beginnt doch selbst die Alliance,! in ihren bisherigen Prinzipien sich einer Wandlung! zu unterziehen und in ihren Schulen im Orient! dem! Hebräischen mehr, Platz einznränMen; viel-! leicht, daß noch die Judenheit Frankreichs erwachen? wird und ein Tell derselben noch für das Juden- | tinrt wird gerettet würden können. England weist in der Bllanz lsts. inneren! jüdischen. Lebens keinen bed!eutsaMen Posten aus. j Der neue Chiefrabbi ist noch zu kurz da, daß man sagen könnte, ob. man von ihm die Herbeiführung eines neuen, stark pulsierenden jüdischen Lebens erhoffen darf. Und auch die Arbeit I der Zionisten läßt es an Energie und Intensität | fehlen. * Und nunmehr verlassen wir Europa und wein-1 den uns Amerika zu. Die Tendenz düs jüdischen Lebens Amerikas ist I dieselbe geblieben, wie sie in den letzten Jahren war: eine durchaus günstige. Die (^Wartungen,! die Man schon seft langem auf die amerikanische Judenheit setzt, beginnen, rMmer Mehr in Erfüllung zu gehen. Eine stark« jüdische Strömung beherrscht das jüdische.Leben Amerikas, und. auch! die führenden Männer der jMschen Hochfinanz! werden von ihr ergriffen. Die ungemein große Begeisterung, der Sokolow auf seiner Agftationsreise durch Amerika überall begegnete, und diie große Zahl von 53 amerikanischen Delegierten auf dem letzten zionistischen Kongreß legen Zeugnis davon ab. Auch der .Achusahgedänke, der von Amerika ausgeht und dort lebhafte. Verbrellung findet, zeigt dies. . Das jüdische Leben Antürikas bietet iwch viele ungelöste Probleme und Aufgaben, die ihrer Erledigung harren. Unter diesen stellen die Fragen der Organisierung der Gemeinden, für die die New Jorker Gemeinde unter der Leftung des verdienstvollen Dr. Mag» es ein gutes Vorbild gibt, und die Schaffung jüdischer Schnleir, die sehr notwendig sind, die zwei wichtigsten Aufgaben dar. Die Tatkraft und praktische Klugheft unserer Brüder in Amerika berechtigt Au der Hoffnung, daß diese Aufgaben in baldiger Zukunft erfüllt sein werden. Erst dann wird die Judenhüft Amerikas ihre vollen Kräfte im Dienste der Gesamtjudenheft entwickeln können und dem' jüdischen Volke all das geben, was es von ihr erwartet und erwarten darf. Der Kreis der jüdischen Zentren bis auf zwei ist geschlossen. Zwei Länder fehlen: Deutschland und die Türkei mft Palästina. Das eine, das Land, das uns in der Gegenwart aM lebhaftesten interessiert, das andere, das alle unsere heftigsten Zukunstshoffnungen in sich trägt. Erst die Betrachtung' des jüdischen Lebens dieser ' zwei Länder wird das Bild der inneren Lage des jüd Volkes vervollständigen und ein Gesamtnrteil über die Bedeutung des vergangenen Jahres für. das' Judentum ermöglichen. (Schluß folgt.) Neu eröffnet! Cafe Cor so Ecke Kaiserstrasse und Moselstrasse. Franz Krist. alle mendi gierui nicht llügei Val' schuft Ans den Ereignissen desTages. Kiewer Ritualmorvprozetz. . % Ich den Tagen der Versöhnung, hart an unserem! „Jom-Kipur", hat der Beilis-Prozeß in Kiew, der „heiligen" Stadt des „heiligen" Rußlands, Begonnen. Sieben Bauern — als Geschworene — sind von der russischen Regierung bestellt, die sollen ihr „Maßgebendes" Urteil abgeben, ob Wir, das Volk mx Propheten, Fn religiösen Zwecken Wenschenblnt branchjen oder nicht. schem einzi; über Skan Volk Tan Unr kom unsei der ' beter die . ein \ wird an . dein Ber! vrgc Jud „N. sich pfai nisi kem lebe sie der der erst Ab er ein eM ko ins ver Ko len sei tüi fre in un rei ra nn ot! ist AI ur in Te K

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