Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1913-09-30 · Heft 39 (30.9.1913) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 39 (30.9.1913)
Date
1913-09-30
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2692297-2692819-2692858--07944-2703056
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 4. Meinung für sich Ku gewinnen — was nicht allzu schwer sein wird —, so wird der Erfolg auf seiner ©eite sein, und vielleicht wird schon der. kominende Gemeindetag ihm diesün Erfolg bringen. Ho« erBffnetl Telephon Amt I, 6723. W eissfranen-Bad Herren-Abteilung. Damen-Abteilung. Kor- und Bade-Anstalt I. Bangeg mit allem Komfort der Neuzeit eingerichtet. ' Frankfurt a.H.a Weissfrauenstr. 12, L, (Lift) Trambahnhaltestelle Schauspielhaus WeiBBfrauenhof. BWMHiMihKdfjrLKLm.Dpnohe, eieg. eingeiichL, inkLWische Hk.4.— 6 PlebtcniuulelbSder infcl, Wäsche Hk* 6.— 6 eleUrlsdie Iiehfbäder Hk. 10.—. . ‘Sstairgohleiifl&are und aile medic. Bäder nnd Massagen. Deutsch - Israelit. Gemeiudebuud uud Lehrerverbaud. Am Sonntag, den 28. Sept., fand eine Sitzung des Ausschusses des D.-J. G.-B. statt, die sich nrit der von ihm einzunehmenden Stellung gegenüber den Verhandlungen und Beschlüssen des Lehrerverbandes vom 7. September und mit dem Anträge der.ProvinzialverbLnde in Rheinland nnd Westfalen, die Frage der Errichtung jüdischer Volksschulen auf die Tagesordnung des bevorstehenden Gemeindetages zu setzen, beschäftigte. Entsprechend der außerordentlichen Bedeutung der Verhandlungsgegenstände hatten sich die Ausschustmitqlieder in verhältnismäßig großer Anzahl — es waren 28 Herren, darunter 14 von auswärts erschienen — eingefunden. Es wurde beschlossen: „Der Ausschuß des Deutsch-Jsraelittschen Gemeinde- -bundes nimmt Kenntnis von den Verhandlungen nnd Bcschlüssen des Vorstandes des 'Lehrerverbandes, die gleichbedeutend sind mit der Loslösung vom D.-J. G.-B. Er erklärt, daß er seinerseits auf Entsendung eines Delegierten in Leu Vorstand des Lehrerverbandes verzichtet und geht zur Tagesordnung über." Diese Erklärung trögt den Beschlüssen des Lehrerverbändes und der Stimmung, unter der sie gefaßt wurden, Rechnung. Diese Stimmung ging, wie zweifellos aus dem Protokoll ersichllich ist, auf eine Loslösung des Lehrerverbanbes vom D.-J. G.-B. hinaus. Wenn man bisher auch in manchen Kreisen die beklagenswerte Trennung der beiden lange verbundenen Körperschaften als vermeidlich erachtet hat, so müßte diese Hoffnpng nach dem Bekanntwerden des Protokolls, wonach mehrere Redner die Erwartung ausgesprochen haben, daß der D.-J. G.-B. aus seine Vertretung im Vorstände des Lehrerverbandes verzichten werde, und angesichts der in der Ausschußsitzung des D.-J. G.-B. abgegebenen Erklärung des Verbandsvorsitzenden Herrn Feiner aufgegeben werden; denn letzterer sprach sich dahin aus, daß in der Generalversammlung des Lehrerverbandes, die im Dezember in Breslau stattfinden wird, der Antrag, daß die statutenmäßige Vertretung des D.-J G.-B. im Vorstand des Lehrerverbandes beseitigt werde, gestellt und höchstwahrscheinlich angenommen werden würde. Unter diesen Umständen war der Ausschuß des D.-J. G.-B. es seiner Würde schuldig, auf dieses Recht freiwillig zu verzichten. Selbstverständlich wird der D.-J. G.-B. gemäß seiner bisherigen Tradition feine Sorge nach wie vor in unverminderter Energie den Kultus- und Gemeindebeamten zuwenden. Zu dem anderen wichtigen Puntte der Tagesordnung wurde beschlossen: „Der Ausschuß steht auf dem Standpunkt, daß es. der von ihm stets gewahrten Autonomie der Gemeinden entsvricht, wenn alle Gemeinden in der Schulfrage diejenige Stellung eiunehmen, die sie auf Grund ihrer Beurteilung der örttichen Verhältnisse für richtig Halten." Den Erwägungen dieses Beschlusses dürfte sich kaum jemand verschließen, sie erscheinen geeignet, auch in dieser Frage den Weg zur friedlichen Beilegung des Streites herbeizuführen. Wir erhielten diesen Bericht erst nach Schluß der Redaktion zugesandt und müssen uns daher noch Vorbehalten, eingehend zu den Beschlüssen des D.-J. G.-B. Stellung .zu nehmen. Für jetzt sei bemerkt, daß diese Beschlüsse . eine Klärung der Sachlage und Verschärfung des Konfliktes bedeuten. So hat sich die Erwartung, die wir in den „Ereignissen des Tages" ausgesprochen hoben, daß dir Herren des D.-J. G.-B. nicht allzuleicht nachgeben werden, sehr rasch bewahrheitet. Rach den Beschlüssen des D.-J. G.-B. besteht nunmehr für den Lehrerverband die erhöhte Pflicht, den Kampf energisch aufzunehnien. Bei energischer Durchführung desselben zweifeln wir auch nach den scharfen Beschlüssen des D.-J. G.-B. nicht an dem Erfolg des Lehrerverbandes, der in diesem Fall nur die heiligsten Interessen der gesamten deutschen Judenhett vertritt. '' D. Redakt. Teppichhaus E b e rh a rd | HBDBflalnzerstr. 2Z, Me Friedensstp. J Aus oller Well. Deutsches Reich. Berlin. Der Verband der Arbeitsnachweise der Grotzloge hat an die ihm angeschlossenen 67 Arbeitsnachweise das folgende -• . Rundschreiben versandt: „Wie Ihnen aus den früheren' Protokollen bekannt ist, haben wir gemeinsam mit dem Kartell der Arbcitsgrmckfurter FsraeMsihes MtmiHenLIüll. Nachweise (begr. vom jüdischen Frauenbünde) unsere Verzeichnisse an die Gemeindebehörden, Rabbiner, Lehrer, Logen und sonstigen in Betracht kommenden Vereinigungen gesandt. Damit haben wir bezwecken ivollen, die Aufmerksamkeit unserer Glaubensgenossen auf unsere soziale Einrichtung der Arbeitsnachweise zu lenken und weitere Kreise der Judenheit zur Mitarbeit anzuregen. Unsere Arbeitsnachweise, die ihre Tätigkeit nicht im Geben von Almosen, sonder» im .Helfen durch Arbeit . erblicken, verdienen die tatkräftigste Förderung. - Wir sind bemüht, durch Zuweisung von Arbeitsgelegenheit die Bedürftigen und Verzweifelten zu ermutigen, sic aufzurichten und sie in den Stand zu setzen, durch eigene Arbeit für sich und ihre Angehörigen zu sorgen. Den Arbeitsnachweisen fällt aber jetzt noch eine neue Aufgabe zu, nämlich durch ihre intensive Zlrbcit den Abfall vom Judenttun aufzuhalten. Der wirtschaftliche Antisemitismus unserer Zeit, der die Anstellung von Juden in Banken, industriellen Etablissements und selbst in großen kaufmännischen Geschäften erschwert, hat so manchen Glaubensgenossen einer ausreichenden Erwerbsmöglichkeit beraubt und durch Nahrungssorgen zum Austritt aus dem Judentum veranlaßt, wie dies die statistischen Daten über die Taufbewegung in den letzten Jahren klar dartun. Selbstverständlich verurteilen wir aufs allerschärfste die Fahnenflucht. Aber damit ist nicht grholscn, vielmehr müssen wir durch Schaffung von Erwcrbsmöglichkeiten die Ursache der Austritte beseitigen. Durch, persönliche Bemühungen müssen wir bei unseren vorurteilslosen christlichen Mitbürgern dahin wirken, daß sie in ihren Betrieben Kaufleute, Bankbeamte, Chemiker, Ingenieure einstcllcu, und daß sic jüdische, arbeitsfähige und sachtüchtige Handwerker, Gewerbetreibende und Arbeiter beschäftigen. Insbesondere aber müssen wir bei unseren Glaubensgenossen, die in Banken und industriellen Unternehmungen ein gewichtiges Wort mitzuredcn haben, vorstellig werden, ihr Gewissen schärfen und sie an ihre Pflicht gegen die angestammte Bäterreligion erinnern, damit sie all' ihren Einfluß aufbieteu sollen, daß bei Besetzung von Vakanzen auch jüdische Bewerber mit berücksichtigt .würden. Unsere jungen Leute, Angestellte, Akadeniikcr, Handwerker usw. müssen die Ueberzeugung gewinnen, daß wir ihnen ihre Lebensbahn mitebnen zu helfen bemüht sind, daß sie in ihrem Daseinskämpfe nicht vereinsamt und verlassen dastehen. Dann werden sie nicht erbittert ihre Zugehörigkeit zum Judenttun verleugnen und sich von ihm zurückziehen. Wir bitten Sie, dieser neuen überaus bedeutungsvollen Aufgabe Ihre Aufmerksamkeit und Ihre Bemühungen zuzuwenden, dann werden die Arbeitsnachweise nicht nur zur Hebung der materiellen Loge unserer Glaubensgenossen, sondern hierdurch. zugleich auch zur Erstarkung des Judentums beitragen." Berlin. Die „Norddeutsche Allgemeine ZeUung" schreibt: .bekanntlich werden seit einiger Zeit in steigendem Maße Klagen darüber geführt, daß durch das übermäßige Anwachsen der Zahl der ausländischen Studierenden die Inländer an der zweckentsprechenden Benutzung unserer Universitätseinrichtnugen behindert werden. Die Prüfung hat ergeben, daß diese .Klagen der Berechtigung nicht entbehren. Der Kultusminister hat sich deshalb veranlaßt gesehen, eine Höchstziffer festzusehen, die von den Studierenden keiner fremden Nation überschritten werden darf. Wegen der Ausführung dieser Anordnung sind die Universitätskuratoren mit Anweisungen versehen. Die Maßregel crsttcckt fidjnicht auf diejenigen Studierenden, die jetzt schon zugelassen sind, sondern hat nur für die künftigen Immatrikulationen Bedeutung." Oesterreich-llugar». Men. Der Jüd. Handlungsgehilfen-Berb a u d erlaßt einen Aufruf in dem es heißt: „Mau hat die Juden in den Handel verdrängt; Handel und Arbeit im Handel, das sind die letzten Positionen, die das jüdische Volk und in erster Linie Ihr, Kollegen, zu verteidigen habet. Wällt dieses letzte Bollwerk, dann sind wir aus dem Wirtschaftsleben ausgeschaltet. Der jüdische Proletarier verschwindet und die großen Massen der jüdischen Angestellten versinken in Nichts, werden zu Luft'menschen, zum Lumpenproletariat. Erkennt die Lage. Schauet das Rifs, dem unser Lebensschiff entgegensleuert und wendet das Steuer, ehe cs zu spat ist. Die Verdrängung der jüdischen Angestellten aus dem Handel wäre eine Katastrophe nicht nur für Euch, sondern sie würde lien wirtschaftlichen und moralischen Ruin unseres Volkes bedeuten. .Kolleginnen und Kollegen, der I. H.-V. hat die Zusammenfassung der jüdischen Angestellten zur organisierten Selbsthilfe angebahnt. Er trägt den jüdischen Gewerkschaftsgedanken mit Erfolg hinaus in alle von Juden bewohnten Länder. In seinen Reihen ist Euer Platz!" Rumimieu. Bukarest. In der hiesigen großen Synagoge wurde in einer sehr zahlreich besuchten Versammlung beschlossen, daß in den nächsten Wochen Delegierte der jüd. Gemeinden Rumäniens zu . einem Kongreß zusammentreten sollen. Aufgabe des Kongreß soll der planmäßige Kampf gegen den Antisemitismus sein. Der Kongreß wird auch gegen die Ritualmordbeschuldiguiig im Beilis-Prozeß protestieren. Nr. 39 : Palästina. Jerusalem. Jeder Reisender, der den Orient bereist, f wird mit Entsetzen die große Zahl der Augenkrankc», völlig Erblindeten oder Einäugigen konstatieren, die aus allen Straßen und Plätzen zu treffen sind. Wie groß ist' aber der Schmerz der jüdischen Reisenden, wenn er Jcrusalein, die heilige Stadt betritt, und er auf Schritt und Tritt Augenleidenden^ halb erblindeten Gestalten begegnet, von denen er gar bald sehr viele als seine Brüder erkennen inuß. Die Augenkrankheiten bilden eine der furchtbarsten Plagen. der heiligen Stadt, und man kann sich eine Vorstellung bilden von der Ausdehnung und Verbreitung derselben, wenn man hört, daß' die Zahl der Augenkranken in Jcrusalein etwa 9 mal so groß ist wie die aller übrigen Kranken. Was aber die Gefahr dieser Plage noch größer macht, ist die seltsame Tatsache, daß für nichts geringere Sorge getragen wird als für die Bekämpfung der Augenkrankhcitcn. Bon all den vielen jüd. Vereinen und Institutionen, die in Jerusalem arbeiten, hat nieinand daran gedacht, den Kampf gegen das Hebel aufzunehmen. Der - Verein „Lemaan Zion" ist die erste jüd. Organisation, die sich der Riescnanfgabr unterzogen hat, die Augenkrankhciten aus Jerusalem zu bannen. Er hat das erste jüd. Augcnhospital in ganz Palästina errichtet, und nicht nur aus Jerusalem, aus ganz Aegypten,.Syrien und dem gesamten Orient strömen Kranke zu diesem Hospital herbei. Er hat einen erfahrenen Spezialisten aufgestellt, der täglich in der Poliklinik Hunderten von Kranken Linderung und Hilfe darreicht. In letzter Zeit hat der Verein das Hebel an seiner Wurzel auszurotle» begonnen, indem er in allen Schule» und Kindergärten Jerusalems alle Kinder ivöchentlich ärztlich untersuchen läßt nnd die kranken Kinder in Behandlung nimmt. Wie groß und schwer die Arbeit des „Lemaan Zion" ist, erkennt man am besten aus den Zahlen: in den letzten 4 Monaten sind 61339 behandelt worden, und an 4000 Schulkinder befanden sich in ärztlicher Untersuchung. . Es ist klar, daß der Verein zu einer solchen umfassenden Tätigkeit großer Geldmittel bedarf, und das jüd. Publikum hat ihm bisher leider noch nicht das Maß der Beachtung geschenkt, das ihm angesichts der unermeßlichen Bedeutung seiner Tätigkeit zukommt. So kann er aus Geldmangel nicht alle Forderungen erfülle», die sich aus den Verhältnissen ergeben: das Hospital müßte erheblich erweitert werden, es müßten noch mehr arztluhc Kräfte ausgestellt werden, aber noch hat der „Lemaan Zion" nichts unternommen, was nicht gerade im Moment notwendig war,' und schon steht er in der Mitte des Jahres vor einem Defizit. So sieht, sich der Verein gezwungen, jetzt erneut an die Opferfreudigkeit der deutschen Judenheit zu appelliere». Tausenden von Kraiiken bewahrt er dank seiner Hilfeleistung ihr.Augenlicht, Tausende errettet er aus Not uno Elend! Eine .solche Arbeit in der Stadt, die jedem Juden heilig und teuer ist, ist wahrlich wert, daß jeder Jude sein Scherflein zu ihrem Gelingen beitrage. Christ. Wilhelm Leiix Telef. I, 8567. Hoflieferant. Goethestr. 21. Kerren-, Samenu. Livreeschneiderei. Spezial-Sportgeschäft. Auf Wunsch koscheie Verarbeitung. Mlßfon. Im Wäldchen. Novelle von S. Ho r o w i tz. Jenseits des EiseicbahnviaduktcH dehnte sich dev Gottesacker aus. Die sandige Bodenflächc der Gegend wies Vertiefungen auf, da man anzählige Kubikmeter Erde zum Bau des Bahndammes entnommen hatte. Diese Bodenuncbenheiten begünstigten das Entstehen von Tümpeln, und verkrüppelte Sträucher und Schlingpflanzen . umsäumten. wie Schilfrohr die grünlich' schimmernde Pfütze. Abends quakten die Frösche recht wehmütig, und drüben, jenseits des schmalen Weichselarmes, ließ sich vom Anger, wo der städtische W'asenmejster hauste, regelmäßig ein konzertähnliches Hundcgebell vernehmen. Tie ganze Landschaft hatte etwas Nicderdrückcndes, Weltfremdes an sich, und nur der Schienenstrang, die längs desselben dahinlanscnden Telcgraphendrähte ließen die verwahrloste, melancholische Stätte als inmitten der Zivilisation gelegen erkennen. Der Judenfricdhof, von einer Mauer eingefaßt, nahm ein weitgcstrecktcs Areal ein, und dort, wo der „gute Ort" sich parallel mit dem Weichselsluß dahinzog, bildete ein weiter, mit Bäumen bestandener Platz, „das Wäldchen" genannt, einen Erholungsort für. die Bevölkerung des nahen Ghettos. Speziell am Samstag bot das „Gehölz" einen interessanten, farbenreichen Anblick. Nach dem Nachmittagsschläfchen und dem Minchagebet ergossen sich die Insassen der „Gasse" scharenweise nach der Promcmadc, und alle Stände, alle Altersklassen gaben sich hierein Rchenzvous. Das Flußufer war die. natürliche,, sozusagen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.