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Neue jüdische Presse · 1913-09-26 · Heft 38 (26.9.1913) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 38 (26.9.1913)
Date
1913-09-26
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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-©ei» 2 rv s' nennt. Sie nennen ihn außerdem! noch „der! Gesalbte Israels, der große König, der Ausevwählle Gottes, der Herrscher der Nationen. Gne andere Frage, die die Falaschas leidenschaftlich beschäftigt, ist; das Wer und die Dauer bet Well. Dr. F. schildert ausführlich ihre sehr naiven Meinungen, und die unangenehme Lage, in die er durch ihre seltsamen Frage versetzt wird. Er .schildert dann, wie. er in Gon dar den Besuch einiger zum Christentum bekehrter Falaschas erhielt, die sich noch immer um das Los ihrer Brüder kümmern und.ihre Hoffnungen in die Zukunft Israels ebenfalls teilen. ' Er fährt dann fort: „In Gondar selbst gibt es keine jüdische Falaschas, denn diese wohnen in den umliegenden Dörfern wie Boleka, Quedusch- Toh.annes und Thedda. Diejenigen unter ihnen, die in der Stadt beschäftigt sind, arbeiten da tagsüber, und abends kehren sie in ihr Dorf zurück. Auch als Gondar die Hauptstadt des Reiches war, wohnten die Falaschas, die damals in diesen Gegenden zahlreich waren, nicht in der Stadl, sondern in den obengenannten Ortschaften sowie in Desitscha, Aba-Antonyos, Aba-Samuel, Avura und Azezo. Noch heute heißt das westliche Tal Kaila Mieda (Falascha-Tälf — Kailä ist gleichbedeutend mit Falascha —, wo sich nach der Tradition das Lager der Falaschasoldaten befand, als Gondar die Residenz der Kaiser war. Durch dieses Tal fließt der Fluß Qaha, und da Lunten sie ihre Waschungen am Abend vornehmen, bevor sie sich in ihre Zelle begaben. Die Nacht in Gondar verbringen, hieß für sie den darauffolgenden Tag fasten. Die Falaschas wohnen im allgemeinen in Dörfern, die fast ausschließlich von ihnen besetzt sind. Wenn sie sich in Ortschaften niederlassen, die auch won Nicht-Juden bewohnt sindtrennen sie ihre Häuser von denjenigen ihrer Nachbarn durch einen Zaun. Sie verbieten den Eintritt in ihre Häuser allen Andersgläubigen und selbst ihren Glaubensgenossen, die in unreinem Zustande sind. Wenn durch Zufall einer von diesen eingetreten ist, so wird das Innere des Hauses gewaschen urtd gereinigt. Jede Familie hat drei oder vier Hütten, von denen eine ausschließlich dem Empfang von Fremden dient. Die strenge Beobachtung der Reinüchkellsgesetze bedingt die soziale Absonderung der Falaschas von ihren Mitbürgern; sie bilden so Besondere Dörfer,' fteiwillige Ghetti. Andererseits Muß anerkannt werden, daß dank diesen Gesetzen die Falaschas physisch nick» Moralisch den edlern und gesundesten Teil der Beyölkerung Abessiniens bilden. Je mehr ich Abessinien und .den Charaller seiner Bevölkerung studiere, desto Mehr lerne ich diese unsere Glaubensgenossen schätzen, da ich immer mehr wahrnehme, daß sie den wahren Adel dieses Landes bilden und bestimmt sind, in einer nicht fernen Zukunft die Pioniere, und Förderer der Zivilisation zu sein. Ihre Erhöhung wird ein großes humanitäres Werk sein, und es wird dem Judentum große Ehre machen. In diesen letzten Sagest habe ich lange mit verschiedenen FalaschahäupllingeN der umliegenden Gemeinden über die Gründung der Schule, die wir für sie beabsichtigen, konferiert. Mr den Anfang und um schnell gute Resultate zu erzielen-: bitten sie mich, die Schule in DemVea zu gründen, und schlagen für diesen Zweck einige Dörfer in der Nähe von Gondar, die ihr Eigentum sind, vor, und versichern mich, hier keine.Belästigungen von irgend einer Seite zu haben. Natürlich kann ich ihre Vorschläge nicht im Detail diskutieren, bevor ich nicht darüber mft dem Ras Walda Ghivrghis gesprochen habe, blllige aber vollständig ihre Idee, eine lleine Schule in Dembea zu eröffnen, und bin überzeugt, daß, wenn es auch nur ein kleiner Che der unter Leitung von Ghetis wäre, würde es von großem Nutzen für die Entwicklung unseres Schulwerkes in Eritrea sein." . Dies der Inhalt des interessanten- Briefes. Hoffentlich gelingt es dem unermüdlichen Dr. Falllövitch, auch das Geld', das für ein solches grvß?- angelegtes Werk nötig ist, znsamMeüzubringen. Ben-David. Offenbaeber Druckluft - Anlage Offanbaob a. BL Telefon 123. (Anschluss mit Frankfurt). Bewährteste TapDlcbrwIntgan v. 100,000 qmjährlich sowie unübertroffene .Betten- und Bettfedernreinigung mittelst Druckluft und Wasserdampt Frankfurter Israelitisches Familienblatt. J| Betz&JK. Zimmer Damenschneider \ Z6il 6311.. - Frankfurt am Main Zeil 63II. ' empfehlen sich in feiner englischer und französischer Damansbhnetäerol Pariser Modelle On parle fran^ais. Massige Preise. English spoken. Aus den Ereignissen des Tages. Zur Jahresversammlung der jüd. Lehrer PalSftinas. In Jaffa hat vor kurzer Zeit die alljährliche Generalversammlung deis.Be rbandes der palästinensischen Lehrer, des „Merkas hamorim", stattgefunden. Der „Merkas hamorim" Mlt einen der wichtigsten Faktoren der Wischen Entwicklung Palästinas dar. .Als die Organisation fast sämtlicher hebräischer Lehrer repräsentiert er denjenigen Teil der palästinensischen Judenhell, der an den kulturellen Leistungen, die in ErG-Jsrael berells vollbracht worden sind, den hervorragendsten Anteil hat. Der „Merkas hamorim" wächst sich immer mehr zu der zentralen Instanz des jüdisch-kulturellen Lebens Palästinas aus. Was ihm diese Bedeutung gibt, ist neben seiner numerischen Stärke vor allem seine Begeisterung, mll der er sich seinen mannigfachen Arbeiten widmet, und seine unerschütterliche Kosequenz in der Betonung und! Fest- Haltung des hebräischen Standpunktes. Die Lehrer Neupalästinas sind ja die eigentlichen Schöpfer des dortigen hebräischen Lebens gewesen; kein.Wunder also, daß sie, sich als die berufenen Träger und Schützer desselben betrachten und betrachtet wissen wollen. Es war dieses Moment der radikale!» Betonung des hebräischen Gedankens, das der diesjährigen Versammlung ihre besondere Bedeutung verlieh. Zwei Beschlüsse hat die Generalversammlung gefaßt, die die extreme, keinerlei 'Konzessionen duldende Vertretung des hebräischen Standpunlles seitens der Lehrerschaft Palästinas nach außen hin machtvoll demonstrieren und auch für die neuere Entwicklung des Verbandes von Bedeutung sein werden. Vor allem würde beschlossen, daß der „Merkas hamorim" sich gegen jedweden Unterricht eines wissenschaftlichen .Gegenstandes in nicht-hebräischer Sprache in irgendeiner Schule Palästinas ausspricht, und es all seinen Mitgliedern Wr Pflicht Macht, für den lückenlosen hebräischen Unterricht in ihren Schulen mit aller Macht zu .kämpfen. Diese Resolution richtet' sich vor allem gegen diejenigen Schulen des Hilfsvereins, in denen noch in unverständlicher, die Einheitlichkeü der Schule untergrabenden Weise Manche Unterrichtsfächer in deutscher Sprache gelehrt werden. Dieser Zweihell und Halbheit, die vom pädagvigischen Standpunkte ebenso schädlich ist wie vom jüdischen, .soll ein Ende gemacht werden; und was das Bemerkenswerte an dem Beschluß ist, er wurde, obwohl ein sehr beträchtlicher Teil des Verbandes aus Lehrern des Hllfsvereins besteht, mll allen gegen 7 Stimmen gefaßt, und auch diese sieben widersprachen nicht dem Prinzipiellen Standpunkt, sondern opponierten gegen den Ausdruck „Mll aller Mcrcht kämpfen", weil es in Schulen, wo der Direktor auf anderem Standpunkt stehe, unmöglich sei, einen steten Kampf gegen diesen zu führen. Sieht man von dieser Differenz, die nicht von besonderer Bedeutung ist, ab, 'so kann man sagen: Auch sämtliche Lehrer des Hilfsvöreins ohne Ausnahme stehen auf de!m konsequent.. hebräischen Standpunkt. Diese Tatsachesollte doch den Leitern des Hllfsvereins in. Berlin, zu denken geben, und. auch das Kuratorium des Technikums in Haifa sollte Bei der bald zu erftilgenden Beschlußfassung über die Unterrichtssprache des Technikums diese einmütige Kund- - gebung der palästinensischen Lehrerschaft nicht, unbeachtet Waffen. Es wird dann manches gut gemacht werden können, was bisher verfehlt war, und! .manches für die Zukunft vermieden werden, was große Streitigkellen und Gefahren heraufzubeschwören geeignet ist. Der zweite trächtige BeMM der Jahresversammlung galt dem im letzten Jahre mll erneuter Energie wieder anfgeüoMmenen Kampf gegen die Missionsschulen nndsonstigenfre M-? den'Schulen, Pie alle mehr oder minder chrrA 5fc- 38 lich konfessionell sind. In diesem' Kampfe, auf! dessen Bedeutung wir wiederholt hingewiesen haben, I steht die Lehrerschaft an erster Stelle, und wenn! bereits in Jerusalem sehr erfteuliche Erfolge er-1 zielt worden sind, so ist dies vor allem! der uni erMüdlichen Arbeit der jungen Lehrer! zu verdanken. Es kann unter diesen Umständen > naturgemäß nicht von den Lehrern geduldet werden, I daß es in ihren Rechen Lehrer gibt, die ihre Kin-1 der in fremde Schulen schicken. Eine solche Hand- > .lungsweise Muß ihnen mll Recht als ein Verrat an der helligen Sache des jüdischen Schulwerks erscheinen, denn es besteht heute in Palästina die volle Möglichkeit, seinen Kindern eine dem fremden Unterricht vollwertige hebräische Erziehung zu ertellen, und die hebräischen Schulen verschmähen und ihnen die ftemden vorziehen, bedeutet'.natür-1 lich, für Lehrer besonders, xin durch nichts zu! entschuldigendes Zergehen. Es sind allerdings nur sehr wenige Lehrer da, die sich dieses Vergehens schuldig machen, und diese wenigen, die trotz allen gütlichen Zuredens sich davon nicht wollen abbringen lassen, hat der Verband nunmehr aus seiner Mitte ausgeschlossen. Diese Ausschließung wurde einstimmig beschlossen, ein erneuter Beweis für die innere Einigkeit der.Lehrer Palästinas. So bedeutet die diesjährige Generalversammlung des „Merkas hamorim" eine erneute wirkungsvolle Kundgebung des neujüdischvn hebräischen Lebens in Palästina. Als solche muß sie von all jenen, denen die jüdische Entwicklung Palästinas teuer und hellig ist, ernstlich beachtet werden. Die historischen Verdienste der Lehrerschaft Palästinas um den Aufbau des neujüdischen Lebens im Lande sind bisher noch nicht so erkannt und gewürdigt worden, wie sie es verdienen. Erst in letzter Zeit beginnt diese Erkenntnis sich durchzufetzen, und der Beschluß des XI. Kongresses, den „Merkas harnorim" materiell und moralisch zu unterstützen, stellt daserste Symptom dieser beginnenden Einsicht bar. Wir Höffen, daß auch die anderen in Palästina kulturell arbeitenden Organisationen, vor allen! der „Hilfsverein der deutschen Juden", dem „Merkas hamorim" die ernsteste Beachtung schenken und seinen Forderungen Rechüung tragen werden. Dadurch wird die Tätigkeit des „Merkas" erst ihre volle Wirkungskraft erhalten und sein unermüdliches Mühen um die Schaffung eines gesunden, harmonischen, rein hebräischem jüd. .Lebens im Lande der Väter von vollem Erfolg gekrönt werden können. _ _ I"Normal School Bovano I weserstr. 7. SprachBn-UBbBFSBtzungBii. Tel. IMS. I Privat-Zirkel- und Klassenunterricht. I Besondere Zirkel für Damen besserer Kreise. ■ Oeffentl. Probestunden Mittwochs um 11.5, 7 n. 9 Uhr. D Aus oller WeU. Deutsches Reich. München. Das Ministerium für Kirchen- und Schulangelegenheiten veröffentlicht die mit Allerhöchster Entschließung vom 13. Sept. genehmigten Satzungen für die Studierenden an den bayerischen Universitäten. Die »bayerische Staatszeitung" schreibt über die Bestimmungen, welche die Ausländer betreffen: ^Hinsichtlich der Zulassung der Ausländer zur Immatrikulation verlangten die bisher geltenden Satzungen nur, daß der Ausländer eine Vorbildung Nachweisen müsse, die ihn nach den Gesetzen seiner Heimat zum Universitätsbesuch berechtigte. Da nun die Anforderungen, welche einzelne ausländische Staaten an die Zulassung zum Universitätsstudinm stellen, geringer sind als die Anforderungen, die den Inländern für den Hochschulbesuch durch die Forderung des Reifezeugnisses einer neunklasstgen Bildungsanstalt gestellt werden, so ergab sich hieraus der zweifellose Mißstand, daß Ausländer unter Umständen unter leichteren Bedingungen an bayerische Hochschulen zugelassc» werden konnten, als Inländer. Die neuen Satzungen sehen -daher vor, daß Ausländer einen Borbildungsnachweis erbringen müssen, der als gleichwertig mit dem Reifezeugnis einer deutschen neun kl affigen Schule vom Ministerium anerkannt ist. Auch behalten sie weitergehende Vorschriften ausdrücklich vor, die das Ministerium etwa hinsichtlich einer Beschränkung in.der Zahl der aufzunehmenden Ausländer, der frühesten Jmmatrikulations- und Jnskriptionstermine .usw. im Interesse der inländischen Studierenden zu treffen durch die Umstände sich genötigt sehen kann. Endlich bestimmen sie, daß Ausländer die von de» Studierenden zu entrichtenden Gebühren — abgesehen von den Kvllegiengeldern — int doppelten Betrag tz zu zahlen haben und geben dem Ministerium die

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