Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 37 (19.9.1913)
- Date
- 1913-09-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Der Verband der jüdischen Lehrervereine verzichtet zum neuen Etatsjahrc, d. i. vom 1. April 1914 ab, auf die bisherige Subvention des Gemeindebundes. Außerdem wurde auch noch folgender Antrag Beckcr- Wollstein angenommen: „Der Berbandsvorstand spricht sein Bedauern darüber aus, daß der VI. Gcmeindcvcrbandstag die Anträge des Herrn Professor Blafchke angenommen hat." J. Betz & K. Zimmer Damenschneider Zeil 6311. ' Frankfurt am Hain Zeil 6311. empfehlen sich in feiner englischer nnd französischer Damenschneiderei Pariser Modelle On parle frac^aie. Massige Preise. Eoglish spofcen. Aus aller Well. DeMsches Reich. Offenbach a. M. Unter den hiefigm russischen Juden herrscht starke Erregung, da seit kurzem die Auscnthaltsbedingungen für aus Rußland gebürtige Ausländer erschwert 'worden sind. Die Erschwerungen sollen eine Revanche für die Behandlung deutscher Staatsbürger in Rußland fein. Unser.verehrter Rabbiner und der Vorstand unsrer Gemeinde sind bemüht, von Fall zu Fall zu intervenieren. Berlin. Die am 9. November in Hamburg tagende Hauptversammlung des Verbandes der Deutsche» Inden soll von der dortigen Deutsch-Israelitischen Gemeinde durch eine besondere festliche V c r a n st a l - tu n g geehrt werden. Außer einem Fest mahl am Abend des Hauptversammlungstages, wie cs bisher die Delegierten als Gäste der Gemeinde des ^Versammlungsorts vereinigte, wird am Vorabend eine F c st v o r st c l l u n g für die Versammlungsteilnehmer und ihre Damen stattfinden, die ein Prolog einleiten und an die sich ein geselliges Beisammensein in den Räumen des Theaters anschließen soll. Reu eröffnet! Telephon Amt I, 6723. W eissfranen-Bad Herren-Abteilung. Damen-Abteilnng. Kur- und Bade-Anstalt L Banges mit allem Komfort der Neuzeit eingerichtet. Frankfurt a. H., Weissfrauenstr. 12,1., (Lift) Trambahnhaltestelle Schanspielhans Weissfranenhof. öWannenll&derLKI.m.Doache, «leg. elngerlcht^ inkLWäsche Mk.4.— 6 Fichtennadelb&der Infcl. Wäsohe Hk. 6.— S elektrische UehtbSder Hk. 10.—. Katar Koblensänre und alle medio. Bäder and Massagen. Personalien u. Kleine MMellungen. Breslau. Prinz Joachim von Preußen hat dem Dizekonsul Ollen darf, dessen Gast er während der Kaisertage war, sein Bild mit Widmung und Unterschrift in kostbarem Rahmen verehrt. . Deffau. Justizrat Erich Eumpel erhielt die Ritterinsignicn 1. Klasse des Hausordens Albrecht des Bären, Hosagent Max Eppenheim in Cöthen, Kreistagsabgeordneter und Stadtverordneter, die Mitterinsignie n 2. Klasscdes selbe »Ordens' und Augenarzt Dr. Albrecht Obermcyer -Bcrnburg den Titel Sanitätsrat. (L.) Posen. Georg Jafse ist zum Handelsrichter ernannt worden. — In Hohensalza wurden zu Stadtverordneten gewählt: Leo Davidsohn, Sanitätsrat Dr. Warschauer, Sally Kayser und Bankier I. Levy. — In Amerika starb der aus Z c r k o w gebürtige Bäckermeister M o r i tz P o s e n c r unter Hinterlassung eines Vermögens von vielen Millionen. Isaak Posen er rn Wrescheu ist ein Verwandter des Erblassers. (L.> Posen. In Schöulanke geht der Bau einer neuen Mazzenfabrik seiner Vollendung entgegen. Die Fabrik ist das erste genossenschaftliche Unternehmen seiner Art. — In Birnbaum feierten Marcus Schwarz u. Frau die goldene .Hochzeit. — Zum Bau einer Synagoge in Z o p p o t schenkte Kaspar Silberstein-Berlin 50000 JL Schueidemühl. Stadtrat H, Falk erhielt den Roten Adlervrdeu 4. Klasse. -Ostrowo.' An Stelle des verschiedenen Rentiers A. Brandt ist Stadtrat Krauskops zum Vorsitzenden der jüd. Gemeinde gewählt worden. _ Budapest. Dr. Bertbold Stiller erhielt anläßlich seines Ausscheidens als Chefarzt des israelitischen Hospitals das Komturkreuz des Franz Joses- Ordens. Parts. Für heldenmütiges Verhalten in Marokko wurde Oberstleutnant Rueff zum Offizier der Ehrenlegion und Kapitain Kaufmann zum Chevalier der Ehrenlegion ernannt. Melbourne (Australien!. John Monash ist zum Brigade-General befördert worden. Rew-Aork. „The American Jewish Commiltee" wählte als Nachfolger Dr. Herbert Friedenwald's zu seinem Präsidenten den hervorragenden Journalisten Herrn a n n B e r n st e i n. — „The Royal Societies of Great Britain" wählten den Arzt und Schriststcller D r. Leonard Frankfurter JfraeWischeS FümiyeMaü. Keene Hirshbcrg zum korrespondierenden Mitgliede und Auslandsrepräsentanten. Ans der Lehrerwett. Filehue. Dr. Apt-Berlin ist hier einstimmig als Rabbiner gewählt worden. Prag- Ravbiner Prof. Dr-Nathan Grün ist versch ieden. Eger tBöhmen). Hier ist Rabb.Dr. Arnold Grünfeld in sein Amt eingeführt worden. Rew-Bort. DerChussidim-Rabbi David Mordecai, genannt der Tolnaer Zadik, ist hier cingetroffen. Er hat seine Heimat infolge Chikanierungen der russischen Negierung verlassen. Der dreißigjährige Rabbi folgte seinem Väter vor sechs Jahren. A«s de« Vereine«. Marburg. Die hiesige V. I A., die mit dem vergangenen Monat ihr 13. Seniester beendet hat, kann mit Befriedigung auf ein in jeder Hinsicht erfolgreiches Semester zurückblicken. In 5, 3 und Istündigen Schiurim, für die sich Bbr. Dr. Schlesinger, Provinzialrabb. Dr. Munk, Prov.-Rabb. Dr. Hirsch seid und Oberlehrer Berget zur Verfügung stellten, wurde Gcmoroh usw. vorgctragen. Großen geistigen Gewinn brachten auch hie wissenschaftlichen Borträge. Es sprachen: 1. cand. iur. Dav. Schlesinger: „Der Am-Hoorez und seine Stellung im Judentum." 2. stud. math. Leo Rothschild: „Begriff und Wesen der Gelübde ln der jüdischen Weltanschauung." 3. Bbr. Herr Dr. Schlesinger: „Aus dem jüdischen Ehcrecht." 4. cand. Phil. I. Klein: „Ueber die „Gebetreformen"." ö. cand. Phil. Leo C a h n: „Eine philosophische Anschauung vom Judentum." (Cohen.) 6. cand. iur. M. Oppenheimer: „Ueber das jüdische Zinsverbot". Alle 8 oder 14 Tage wurden Sonntags Ausflüge in die romantische Umgebung Marburgs unternommen. Auch im übrigen herrschte geselliger Freundesverkehr zwischen den einzelnen Bundcsbrüdern. Fast täglich kamen sie zu gemeinsamem Studium oder gemütlichen Erholungsstündchen zusammen. Etwaige Ansragen wolle man bitte richten an: Leo Rothschild, stud. math. Marburg (Lahn), Schwanallee 15. r Teppichhaus Eberhard > Heue Hainzersfp. 22, Ecfee Friedenssfr. Ö J EH Ißuifefon. EH Drei Tage a«s Großvaters Lebe«. Bon Helene Hanna Cohn. I. Großvater liegt aus seiner Pritsche im Zwischendeck und kann nicht cinschlafen. Es ist zum Ersticken; heiß, und er fühlt, wie das Schiff sich von einer Seite auf die andere neigt, hört, wie cs ächzt und stöhnt. Immer beängstigender wird dieses Lechzen, und eine bange Furcht krallt sich in Großvaters Herz.' Er richtet sich auf und sicht im schattenreichen Halbdunkel nach den anderen Schläfern hinüber. Sie liegen alle still und atmen lMt. Auch die zwei großen Jungen rühren sich nicht, und der Jüngste, der Dreijährige, hat das heiße Köpfchen in Großvaters Brust genestelt. Ein ganz klein wenig schlummert Großvater ein, aber gleich schreckt er wieder auf: das Schiff stöhnt noch immer, und die Angst liegt wie ein Reifen um Großvaters Herz. Er muß sich wieder aufrichten nnd zu Jsaacs leerem Platz auf der Pritsche hinüberstarren. Guter Gott, wie mag es seinem Sohne gehen? Ob er schläft? Ob er Schmerzen hat? Was war das für ein Entsetzen gestern abend, als er plötzlich auf dem Deck umficl und sie ihn ins Schiffshofpital trugen! Was mag ihm nur fehlen? „Vielleicht bloß eine Kleinigkeit!" hat der Arzt gesagt. Aber wenn es mehr ist? Wenn er ernstlich krank geworden ist und nian sie morgen nicht landen läßt? Wie Jsaac diese Landung im New Dörfer Hafen herbcigcschnt hat! Ordentlich übermütig ist er gewesen, als sie an Bord gingen. „Nun kommt's, Vater," hatte er gesagt, „das Glück, auf das wir solange gewartet haben. Laß mich nur erst in Amerika sein, dann werden wir nicht mehr hungern und frieren, dann werden die Kinder sich nicht mehr vor Steinwürfen fürchten; in die hohe Schule werden sie gehen und, v, so klug werden! Warte nur, Väterlich, wenn Du erst mit der Zigarre im Lehnstuhl sitzen wirst! Gott, wenn doch meine Chane noch lebte! Wie hat sie sich immer danach gesehnt, daß die Kinder es besser haben sollen als die Eltern!" Ja, ja, wenn Jsäac gesund ist, dann wird auch alles gut werden, daran zweifelt Großvater keinen Nr. 37. I Augenblick. Aber wenn-? Diese Angst, diese schreck-» liche Unruhe, und die großen Schatten ringsum, bitl drohend die langen Arme ausstrecken, und das AechzrM des Schiffes —, als ob ein Mensch mit Qualen und! Schmerzen ränge. Nimmt denn diese Nacht kein Ende?! Da kommt einer auf Fußspitzen durch die Reih«« der Schläfer, einer im weißen Leinenkittel, und fa» selben Augenblick ist Großvater aufgesprungen und weiß« der kommt zu ihm. I „Großvater," flüstert der Hospitalwärter, „kommt! mit, Euer Sohn — —". I Der Alte hört nichts mehr, er hat irgendein Klei-I dungsstück an sich gerissen, und die Zähne klappen I ihm laut auseinander. „Schlaf!" sagt er zu dem Klei-I nen, der aufgewacht ist und wie ein junges' Tier rvin-I seit, und dann humpelt er hinter dem Wärter drein, I mit schlotternden Knien. I In dem Hospitalraum brennen trübe die ver-I schleierten Lampen; nur über dem einen Bett strahlt! eine helle Glühbirne. "Daneben stehen der Arzt und diel Wärterin und flüstern miteinander. Mit versagende»! Knien strebt Großvater zu diesem Bett hin, und schon! bevor er es erreicht hat, weiß er alles. I Jsaac liegt da, und seine Augen starren nach oben, als sähen sie in eine überirdische Welt hinein. Ein Schrei drängt sich auf des Alten Lippen, aber . ct würgt ihn hinunter. „Jsaac," flüstert er, „mein Sohn, mein geliebter Sohn!" Der Blick des Sterbenden kehrt ans die Erde zurück und taucht in unsäglichem Schmerz in den des > Alten. „Vater," haucht er jammernd, „die Kinder, meine Kinder!" Der Alte wächst ordentlich in seinem heldenhaften Bestreben, auffecht und ruhig zu bleiben. „Ich wache über sie, mein Sohn," sagt er mild, „ich werde sie zu ordentlichen Menschen und guten Juden erziehen." „Meine armen, armen Kinder!" flüstert der Sterbende wieder, und dann wie ein Hauch: „Vater, das Sch'ma — —" „Sch'ma Jisroel," rüste der Alte mit bebender Stimme, und tonlos flüstern die Lippen seines Sohnes es nach. „Haschem Elokenu," schluchzt Großvater ans. Aber es kommt kein Echo. Nur ein tiefer, pfeifender Seufzer entflieht den Lippen des Sterbenden, dann streckt sich der Körper, die Augen schließen sich. Da stürzt Großvater zu Boden, daß seine Stirn auf die Diele aufstößt, und stößt einen Schrei aus, daß der Arzt und die Schwester zusammenschrecken. Jemand hat die drei größeren Kinder geweckt und herübergeholt, und die Jungen und das Mädchen stehen mit noch schlaftrunkenen, erschrockenen Gesichtern umher und können das Entsetzliche nicht fassen. Sie nehmen den Großvater in ihre Mitte und führen ihn mit Hilfe der Pflegerin auf das Verdeck. Ein erster Morgenstrahl schiebt sich durch die Wolken, und hinten in der Ferne erhebt sich ein grauer Streifen: Land! Der Alte bemerkt es plötzlich, und ein Zittern läuft über seine schlaffen Züge. Dann reißt er die Kinder an sich in anflodernder Angst- und ein trockenes, qualvolles Schluchzen ringt sich aus seiner Kehle. Als letzter der Passagiere schleicht Großvater mit den Kindern von dem Schiff herunter, das alle seine Hoffnungen getragen nnd die Leiche seines einzigen Sohnes, und betritt zagend den heiß ersehnten Boden. II. Großvater sitzt am Bett des Kleinsten und sieht mit vergrämte» Augen das Kind an: Wie blaß er ist, der Junge, die blauen Adern sieht man ordentlich durch die' Haut hindurch, und so abgezehrt die Händchen. Milch soll er ihn: kaufen, hat der Dlrzt gesagt, und eine Flasche Wein. Eine Flasche Wein? Wo soll ein alter Großvater mit vier Enkelkindern die hernehmen? Ja, cs gäbe wohl einen Weg, — aber nein, nein, das ist unmöglich. Großvater lehnt sich in seinen 'Stuhl zurück und dreht die Daumen über einander: was soll er auch anderes tun? Es ist ja Schabbos heute nnd sein Lädchen in der New Parker )Jtalienergasse geschlossen. „Sechs Tage sollst du arbeiten," hat der Herr gesprochen, „und am siebenten sollst du ruhen." Ruhen? Großvater sieht durch sein trübes Fenster direkt in die Wohnung gegenüber, gerade in Baruch Goldnianns Zimmer: Baruch mit den gelähmten Füßen sitzt am Tisch nnd daneben sein Weib, und daneben die Kinder, Offenbaeher Druckluft - Anlage Offonbatir a. JL Telefon 123. 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