Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 36 (12.9.1913)
- Date
- 1913-09-12
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 zu erzielen. Durch die Gründung einer.Parzellierungsgcsell-? schast habe man es kapitalkräftigen Elementen ermöglicht, aufgeschlossene Güter zu erwerben; die Errichtung der Großfarmen, Kinereth und Ben-Schemen habe die Ausbildung landwirtschaftlicher Arbeiter und 'die Erprobung aller technischen Neuerungen nröglich gemacht. Die „Tat von Kinereth" sei die Voraussetzung gewesen für die Entstehung blühenden jüdischen Lebens am Tiberiassee, für die Gründung von Merchawja und Mgdal und Dagania, für die zukunftsreiche Achusa-Bewcgung und schließlich für das -Entstehen der Mädchen-Farmen zur landwirtschaftlichen Ausbildung von Kolonistinncn. Ein Erfolg der.Farmen sei die Einführung du: Milchwirtschaft in den Kolonien. Natürlich sei es nicht angängig gewesen, bei den kolonisatorischen Unternehmungen den Profitstandpunkt hervorzukehren; daß aber gewerbliche Unternehmungen in Palästina gute Renten abwürfcn, dafür seien ein Beispiel die hohen Dividendenzahlen der Jmmobilien-Gesellschaft und die gut prosperierenden Pflanzungen in den judäischen Kolonien. Die Frage der Beschäftigung von jüdischen Arbeitern sei überhaupt keine Frage, sondern eine Notwendigkeit. Denn nur, menn wir als Exploitatoren der Arbeit jüdischer -Hände auftreten, erlangten wir auch das moralische Recht auf Besitz in Palästina. Die Umsätze des Palästina- -<ämtes haben sich in den letzten fünf Jahren verdreißigfachti ' Während 1908 ider Umsatz 208 OM Fr. betrug, ubcri schritt er im ersten Halbjahr 1913 -3z/» Mikl. Fr. j Da Vas Triets.ch-Berlin macht -dem Pa lässt ina-j amtden Vorwurf, daß es sich ein Mo,nopoI auf die 'Paläst i n a a r b e i t ursurpicrt habe. . Eine Menge Projekte würden so nicht ausgeführtweil das Amt selbst für die Mille dieser Aufgaben nicht vorbereitet sei. Redner übt scharfe Kritik an der Einrichtung der Oelbaumspende, die durch eine absolut verkehrte, auf viÄ zu kleine Grundlagen zugeschnittene Ausführung ihre ungeheuren Chancen absolut nicht ausgenutzt hätte. Verkehrt sei auch die einseitige Betonung des landwirtschaftlichen Charakters unserer Kolonisations-Unternehmungen. Durch Einführung von Industrien Würde nicht nur die Entwicklung des Landes erheblich gefördert, sondern auch ein zahlenmäßig viel stärkeres jüdisches Element in das Land gebracht und dort unterhalten werden. Notwendig sei die Errichtung einer besonderen P^lästinazentra le innerhalb der Leitung. . * I. H. Kanu-Haag beklagt das Bielerlei in der ' Palastinäarbeit. Ihm erwidert Dr. Schmarja Lewin. Zum Schluß wird eine P a l ä st i na k o m m i s s i o n gewählt. Montag, Nachtsitzung. - Zlatopolsky -Kiew erstattet das Referat des Herrn Feldstein-Warschau über den Kulturfonds „Kedem", für den Herr Feldstein bereits 50000 Fr. gestiftet hat. Dieser Fonds soll für Palästina die Errichtung jüdischer Berlagsunternehmen, die Herausgabe hebräischer Werke und insbesondere, die Schaffung von hebräischen Lehrbüchern fördern. M. Ussischkin referiert über jüdische Kulturarbeit in Palästina. Seine in hebräischer Sprache gemachten Ausführungen gipfelten in dem Verlangen, daß der Kongreß die Organisation zur intensiven Pflege der hebräischen Knlturbediygungen verpflichte. Die palästinensischen Schulen sollten nur insoweit unterstützt werden, als in chnen die hebräische Sprache zum Unterricht verwendet wird. In Jerusalem sei eine besondere Zentrale zur Wiederbelebung und Entwicklung der hebräischen Sprache einzurichten, die jüdische Nationalbibliothek auszubauen; das große Ben-Jchuda'sche Wörterbuch, die Lehrerverbändc, die Lehrer- und Lehrerinnen-Seminare in Palästina seien zu fördern. Zum Schluß verlangt und 'begründet Redner unter stürmischem Beifall des Ingresses die Errichtung einer jüdischen Universität in Jerusalem. Sodann erstattet Prof. Dr. W e i z m a n n ein ausführliches Referat über die Gründung einer jüdischen Universität in Jerusalem. Er erwähnt, daß bereits der fünfte Zionistenkongrcß j190l) das Aktionskonritee beauftragt habe, die Frage der Gründung einer jüdischen Hochschule einem gründlichen Studium zu unterziehen. Theodor Herzl hatte damals schon Schritte unternommen, um von der türkischen Regierung eine Konzession für die Universität zu erhalten. Verschiedentlich seien ernste Bedenken geäußert worden, die Universität könne die landwirtschaftlich: Kolonisation Palästinas schädigen; aber man müsse berücksichtigen, daß die Juden nun einmal von einer starken Geistigkeit erfüllt seien, und der ivahrc Kolonisator müsse mit der Psychologie des zu kolonisierenden Elementes rechnen und sich bemühen, dessen spezielle Anlagen wirtschaftlich nutzbar zu machen. Die Türkei und der ganze Orient eröffnen den ' an einer jüdischen Hochschule Ausgebildeten bedeutende Aussichten, und die Zöglinge einer jüdischen Universität Palästinas werden die besten Pioniere des zionistischen Ideals sein. Die Universität wird der Türkei die geschulten Kräfte zuführen, deren sie so dringend - bedarf, und sie wird auch die fteundlichen Beziehungen zwischen Türken, Arabern und Juden fördern. Die Gymnasien in Jaffa und Jerusalem beweisen, daß der Zionismus imstande ist. Schulen zu gründen und zu erhalten. Schließlich findet das Projekt seine Stütze auch in dem Notstand der jüdischen Studenten Osteuropas, und der Absperrungsbewegung gegen diese an den mitteleuropäischen Hochschulen, die seit 10 Jahren immer schärfer werden. Schon allein in moralischer Beziehung wäre die Existenz einer jüdischen Universität für die jüdische Jugend eine Hoffnung und eine Stärkung. Das Beispiel der Universitäten in Beyrouth und Brüssel . beweise, daß man auch mit sehr lleincn Mitteln anfangen kann, um das Institut durch Fleiß und lluge Leitung allmählich zu bedeutendem Ansehen zu bringen. Die medizinische Fakultät in Beyrouth wurde 1883 mit vier Professoren und elr Studenten eröffnet. Sie erhielt von der französischen Regierung einen einmalige» Kredit von Frs. 150000 und eine jährliche Subvention von Francs : ffronlfurter: UraeytifcheK. FamWenklD Nr. 36 30000. 1894 zählte die Fakultät 100 und heute über 400 Studenten, obwohl die ottomanischc und die sranzösischc Regierung erst 1898 die Diplome der Universität Beyrouths anerkannten. Auf Grund eingehender Vorarbeiten lassen sich für eine medizinische Fakultät die cinmälen Aufwendungen mit 1,240000 Frs. pnd der Jahresetat mit 240 000 Frs. annehmcn. Für eine juristisch-staatswissenschaftliche Fakultät Iverden 1M0M Frs. einmalige und 75 000 Frs. jährliche Ausgaben crfordüt. Als Lehrsprache käme sowohl aus nationaleil wie aus praktischen Gründen nur das Hebräische in Betracht. An das Referat Weizmann schließt sich die sogenannte Kulttlrdebattc, die bis spät in die Nacht hinein dauert. Es sprechen Chiefrabbi Dr. G a st e r - London, Rabbiner Daiches, Raffalävsky -Ekaterinoslaw, Dr. Mossinsohn-Jaffa und David Pellt»- Jerusalem. Die Sitzung schließt niit der Wahl von sechs Generalrcdncrn. Dienstag, Vormittagssitzung. Dr. Bendersky -Kieiv, einer der Initiatoren der Universität, gibt einen lieberblick über die Budgets der Universitäten in den verschiedensten Ländern und kommt auf Grmid derselben zu dem Schluß, daß die Gründung einer Universität in Jerusalem unbedingt tnöglich sei. Eine Reihe bedeutender jüdischer Gelehrter, mit denen er Rücksprache genommen habt, hätte sich zur Förderung der Sache schon zur Verfügung gestellt. Für das Zustandekommen der Universität müssen auch alle diejenigen eintrete,i, die die wachsende Taufbewegung, insbesondere in'Rußland, mit Unruhe verfolgen. Die Errichtung einer Hochschule in Palästina sei nicht nur prattisch von höchster Bedeutung, sondern auch ein polittscher Akt' von größter Notwendigkeit. Rabbiner Reines- Lida übt Kritik an dem hebräischen Gymnasium in Jaffa und insbesondere an de», dort gepflegten System der Koedukation, die er als dem jüdischen Geiste widersprechend bezeichnet. Hermann Struck -Berlin fordert von der Leitung eine scharfe Stellungnahme gegen die zunehmende Zahl der Mischehen und «ine Kontrolle der von zionistischen Organisationen herausgegcbenen .Literatur. ~ Dr. Klausner-Odessa, Redakteur der bekannten hebräischen Zeitschrift „Haschiloach", betont, daß alle großen Bewegungen und Gedanken durch Studenten verbreitet werden, und daß die Gründung einer Universität in Jerusalem daher sür die Ausbreitung des nattonalen Gedankens durch die an ihr ausgebildeten Studenten außerordentlich viel leisten könnte. Auch die ökonomischen Vorteile,- die der Bevölkerung Jerusalems durch das Zustandekommen der Unwersität erwachsen würden, sei nicht zu unterschätzen, wenn >nan bedenke, was in.dieser Hinsicht durch das hebräische Gyninasinm in Jaffa erzielt worden sei. Erst, wenn jüdische Gelehrte an einer jüdischen Unwersität lehren würden, würde die Welt erfahren, welche Ewigkeitswerte die jüdische Kultur hervorgebracht habe. Die Kulturdebatte wird unterbrochen und Dr. N. Katzenelsohu -Libau erstattet den Bankbericht. Die Jüdische Kolonialbank ist vor 15 Jahren gegründet worden und seit 10 Jahren aktionssähig. Sie hat ihren Weg nur unter großen Schwierigkeiten machen können, denn sie ist die einzige wirkliche Volksbank der Welt und hat mehr als 150 000 Aktionäre. Ihre Hanptgründung ist die Auglo Palestine Company, die zionistische Palästinabank, die an der gesunden Entwicklung des jüdischen Palästinas den größten Anteil hat und heute einer der größten wirtschaftlichen Machtsaktoren des Landes ist. Außerdem hat sie die Anglo Levantine Banking Co. in Konstantinopel eingerichtet. Die Jüdische Kolonialbank ist das wichtigste Kreditinstitut der zionistischen Institutionen geworden. Die Bank mit ihren Tochterinstituten hat über 10 Millionen Depositen. Das arbeitende Kapital der Bank verzinst sich mit 8,1«,«, natürlich leidet die Entwickelung des Mutterinstutetes darunter, daß der weitaus größere Teil ihres Kapitales zur Errichtung der Tvchteriustitutc gegeben wurde, die seit Jahren 4h° bis 4V,«/o Dividende verteilen. Wenn auch die Fortschritte der Jüdischen Kolonialbank nur langsam vonstatten gehen, so kann man doch di: andauernde Entwicklung »ach vorwärts konstatiere». Insbesondere wird die Anglo Palestine Company immer mehr der Träger der wirtschaftlichen Entwicklung Palästinas und einer der Hauptfaktvren zionistischer Palästinapolitik. Durch ihre Förderungen der Gcnossenschasten auf Gegenseitigkeit hat sie sich ein außerordentliches Verdienst um die wirtschaftliche Hebung des Landes erworben und dabei bisher fast keine Verluste gehabt. Ohne die Anglo Palestine Company wäre jede zion. Arbeit in Palästina unmöglich. Normal School Bovano Weserstr.7. SpraEMn-UeDBrSEfZUnp. Tel. 12428. Privat-Zirkeland Klassenanterricht. Besondere Zirkel für Damen besserer Kreise. OeffentL Probestnnden Mittwochs um 11,5,7 n. 9 Uhr. Aus aller Wert. Deutsches Reich. Berlin. Franz Pfempert sagt in seiner Zeftschrift „Die Aktion" den deutschen. Juden Wahrheiten, die sie sich zur Notiz nehmen dürfen. Er schildert kurz und packend das Martyrium der russischen Juden und ihren „heldenhaften Idealismus", der die Taufe verschmäht, die für sie die einzige Möglichkeit der Befreiung aus „unwürdiger Sklaverei" bedeutet, und fährt dann fort. „Ihr aber, deutsche Juden, reiche, machtvolle, königstrcuc, freisinnige, deutsche Inden, die Ihr aus jedem Traub einen Helden macht, wo seid Ihr? Wo seid Ihr im Augenblick, da Eure russischen Glaubensgenossen ihrer! Robert Gerlaoli Frankfort am Main, MainzerlandstrasBe-166 ’ Telephon-Amt I, 5375. . ■ ■ — Konstu. Bauschlosserei, Eisen-Konstruktionen, Schaufenster-Anlagen,Werkstatt für kunstgewerbliche Metallarbeiten in Eisen, Bronce. Messing, R°paratnrarbeiten. Glaubenstreue wegen stündlich beleidigt und verfolgt! werden? Weshalb schweigt Ihr wie feige Hunde? Weshalb duldet Ihr, daß Eure Presse stündlich auf der Lauer liegt, um Märtyrer der evangclischeit Kirche zlt züchte», j während sie die heldenhaften jüdischen Kämpfer gemein. im Stich läßt? I Die Zustände, die ich kurz skizzierte, sind der deutsche» Presse kein Geheimnis. Doch der Zar ist fern, und Mosse's Papierkörbe sind groß. Die deutschen Herrschaften habe» Wichtigeres zu tun. Man kämpft 'um das preußische Wahlrecht, um jüdische Offizierspatente, man kämpft gegen die „Unduldsamkeit" der christlichen Kirche, man wird sür die Menschenwürde der Marsbewohner leitartikcln ... Besäßen sie einen Funken vom jüdischen Stolz, ihrer russischen Glaubensgenossen, sie würden sich zur Tat aufraffen, unsere Juden . . . sie, die in ihrer Presse und in jhrem Gelbe eine Macht besitzen, die den Zarismus -bezwingen kann,-?i.sic schweigen. . Deutsche Juden bringen das fertig." Berlin. Der Berdand..der Deutschen Juden wird seine - 5. H a'üip' t versa m m l u n g ani.9. November.-in Hamburg halten. Abgesehen von dem üblichen Geschäftsbericht des Vorsitzenden, werden Vorträge gehalten werden von Rabbiner Dr. G o l d - sch m i d t-Königshütte über „Die soziale Fürsorge i» der jüdischen Religion" und von dem Reichstagsabgieordneten Dr. .Ludwig H a a s - Karlsruhe über „Die Juden im öffentlichen Leben Deutschlands". .Die Deutsch-Israelitische Gemeinde in Hamburg trifft besondere Vorbereitungen zu einem festlichen Einpfang der 4—500 Hauptversammlungsteilnehmer. Rothendura a. Tauber. Eine seltene freier b-achte uns der letzte Sabbat. Zum ehrendeil Andenken an ihren vor Jahresfrist verstorbenen Vater Moses Joses Mann — früher langjähriger Vorstand dahier — stifteten dessen Kinder für unsere Gemeinde eine Sefer Thora, die in Anwesenheit der Stifter ihrer Bestimmung zugeführt wurde. Die erhebende Feier nahm am .Freitag Abend in der prachtvoll dekorierten Synagoge mit Rezitation von Psalmen ihren Anfang. Ein freudiges Erwarten ging durch die versammelte Gemeinde, als man die vorhandenen Scforim der neuen - Sefer Thora entgegenbrachte. Während des Einzuges wurde von der Gemeinde Haudu gesungen. Dann folgten die Umzüge wie am Simchas Thora. De» Schluß der Feier bildete die Wciherede unseres Rabbiners Dr. K'ohn-Ansbach. Am Sabbatmorgen folgte nach einein Seelengcbetc die eigentliche Festpredigt. Bei gemütlicher Zusainmenkunst am Samstag Abend sprach ein Sohn des Verstorbenen namens seiner Geschwister, worauf Vorstand W i m p f h e i m c r dc» Dank der Gemeinde zum Ausdruck brachte. Neu eröffnet! Cafe Corso Ecke Kaiserstrasse und Moselstrasse. Franz Kr ist„ Ü leuiUetoii, Das „Scheker-Bilbul". Von C. Berg. (Schluß.) „Ich bitte um meine Strafe, — der Herr Pfarrer hat cs mir gesagt: ich werde nicht selig werden, und auch der Intel wird keine Rühe im Grabe finden, bis ich meine gerechte Strafe getragen habe. . . . Jetzt wissen die Herren, daß der Perez gar keine Schuld an. dem vergossenen Blute trägt. Er stand in der Nacht am anderen Kiwitza-Ufer und schrie, aber ich habe ihn nicht gehört. . . Perez ist: unschuldig und ein sehr guter Mensch, — das letzte gab er hin, als er mein Elend sah. O, lassen Sie ihn frei, meine gerechten Herren, wider besseres Wissen hat ihn diese Franja angeklagt! So, 'wie sie seinen Vater um das Haus gebracht, so wollen sie jetzt den Perez um sein Leben bringen, diese Luscheks^ diese Mordbrennerbande!" Pelagia schwieg. In das Summen und Flüstern der mächtig bewegte» Menge schallte, ehe die Zuhörer nur eine Minute Zeit gefunden,- sich von ihrem Erstaunen über Pelagias Geständnis zu erholen, die Stimme des Staatsanlvalts: „Die Pelagia Czorny ist augenblicklich zu verhaften!" Sie ließ sich lvillig abführen. Viele mitleidige und gerührte Augen folgten ihr. Zlbcr am Ansgange des Saales stellte sich ihr eine