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Neue jüdische Presse · 1913-09-12 · Heft 36 (12.9.1913) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 36 (12.9.1913)
Date
1913-09-12
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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jftr. 36 Frankfurter JsraeWschös Famigenblatt. Leo Schwelnfest A Damenschneideral 7 empfehle tadellosen Sitz, gute Verarbeitung. M ftr. Eachenhelmerstr. 19. I._Telaf. 12206. entgegen, die ihr mit drohenden Geberden den Weg versperrte, — umsonst bemühte sich der Gendarm, die Rasende zum Schweigen zu bringen. „Mörderin! Mörderin!" gellte es unablässig an Pelagias Ohr. Da wandte sie ihr Haupt Franja zu und antwortete ruhig: „Mein Leben gäbe ich darum, könnte ich damit das seine wieder erwecken. Aber ehe ich den Julek Dir ließe, lieber würde ich ihn noch einmal ins Wässer stoßen . . ." Die Formalitäten nach Pelagias Verhaftung erledigten sich sehr schnell. Der Staatsanwalt verzichtete auf alle weiteren Ausführungen. Er erklärte, er lasse die Anklage wegen Mordes gegen Perez Wen, beantrage aber, den P. Weichholz wegen offenbarer Begünstigung der Flucht der eigentlichen Täterin mit vierzehn Tagen"'GefSngms! zu bestrafen.!i ' ■ 1 / 1 ■'■••• |3)r. Peterson erwiderte, er presse sich glücklich, ohne ein Wort der Verteidigung für Perez den A^ahrspic^ch der > Geschworenen erwarten zu können. Was die Perurteilüng h feines Klienten wegchr Z 257 des Strafgesetzbuches angehe^ so sei er sicher, daß ihm, die Milde des Gerichtes die vier Monate lange, unschuldig erlittene Untersuchungshaft in Anrechnung bringen werde. Nach zehn Minuten verkündete der Obmann der Geschworenen unter lebhaftem Beifall der Zuhörer, daß Perez einstimmig freigesprochen worden sei. „Komm, Christine!" Der Amtsrichter bot seiner Gattin den Arm, um sie aus deni Saal zu führen. Das Gedränge, das durch die massenhaft hinauseilenden Zuhörer entstand, war so beängstigend, daß Müller aus Rücksicht für Christine wieder umkehrte und sich entschloß, in den ihm wohlbekannten Räumen einen Seitenausgang zu suchen, der über einen langen Gang direkt auf den Hof des Gerichtes und von ba auf die Straße mündete. Allein mit ihrem Mann in dem menschenleeren Korridor, zog Christine ihren Heinrich an den Spitzen seines Schnurrbartes und fragte: „Wie denkst Du nun über das Rechtsgefühl Deiner Frau?" Müller antwortete zunächst gar nicht. Er hatte sich gebückt, um einen lleinen Gegenstand, welcher dem Muff seiner Frau entfallen war, aufzuhebcn.; Er betrachtete dieses gefundene, metallisch-glänzende Etwas eine ganze Weile recht aufmerksam und sagte dann bedächtig: „Wie kam das Cri-Cri in Weinen Besitz?" „Aber, Heinrich, was denkst. Du . . .?" „Ich denke, daß die Kaminröhre unseres Speisezimmers bis in den Keller unseres Hauses führt. Und ferner glaube ich, daß Heinz oder Hanne oder Du, vielleicht gar Nelly, auch mittelst solch eines oder gar zwei dieser scheußlichen Dinger es vortrefflich verstehen, vor dem Kämin, und auch anderwo, einen Spektakel zu erregen. Und dann erwäge ich, ob ich eigentlich mein eigenes Weib nicht wegen grober Zen-, genbccinflussung, begangen innerhalb und außerhalb des Gerichts, denunzieren nnißte." „Also bestrafe mich!" schmeichelte Christine, und legte ihre Arme um seinen Hals. Er zog sie an sich, — da hörten sie Schritte im Korridor, und schleunigst, wie zwei ertappte Diebe, eilten sie lachend davon. Perez war noch emmal in seine Zelle zurückgckchrt: er wollte seine geringen Habseligkeiten, seinen Hut und einige Wäsche mit sich nehmen. „Aber, Perez/' sagte der Wärterverwundert, „Du freust Dich ja kaum! Ich erwartete. Du werdest vor Freude über die wiedergeschenkte Freiheit bis an die Decke springen." „Wüßte ich nur, was ich mit dieser Freiheit beginnen soll," antwortete Perez trübe. „Was tue ich mir der Freiheit allein? Ein Vogel ohne Nest, — ich habe doch nichts, wo ich mein Haupt hinlegen werde!" „Du willst also nicht nach Zladno zurück?" „Niemals! Was soll ich dort? Mein Heim haben sie zerstört, meinen Hausrat zerschlagen. Meine Füße sollen nie wieder diese Stadt betreten, in der man mir so viel Böses tat — und noch mehr Böses zutraute!" „Nein, Perez, Du brauchst nicht nach Zladno zurückzukehren." Dr. Thorner und Philipp Hirschthal waren hereingekommen und sprachen ihm fteundlichst Mut zu. „Fürs erste bringe ich Dir eine Freudenbotschaft,", fuhr Thorner fort, „Dein Los hier hat hundert Taler n gewonnen!" (Das war nun freilich eine „fromme Lüge; der feinfühlende Mann - wählte» diese Form, um Perez dje Dpende stiller Freunde ohne Beschämung zu über- H'gehen.) „Außerdem habeHich Z^ichtigös mit Dir zu be- " sprechen ..." „Ehe Sie weiter reden, lieber Herr Doktor," rief Perez, „darf ich den jungen Herrn Doktor hier etwas fragen?" „Frage nur!" „Sagen Sie mir aus Erbarmen, — das eine nur —, wird man — wird man sie hinrichten?" In der Phantasie des Ex-Wässerträgers spukte noch unaufhörlich der Scharfrichter, der Pelagia den Kopf abschlug. „Nein, so schlimm wird es nicht werden," antwortete Philipp, „aber mache Dich darauf gefaßt: eine hohe Freiheitsstrafe wird sie erhalten." „Nun, wie Gott will!" „Mso, Perez, Du sollst uns einen Gefallen erweisen," nahm Dr. Thorner wieder das Wort. „Im Herbst wird meine Nelly Herrn Hirschthal heiraten, der sich, wenn es ihm glückt, hier in dieser Stadt als Rechtsanwalt niederlassen will. Dann braucht er einen Aufwärter für sein Büro, einen ehrlichen Menschen, der auch einmal der jungen Frau mit einer Dienstleistung zur Hand gehen wird. . . . Willst Du diese Stelle annehmen?" „Ob ich will!" rief Perez strahlend, „für Fräulein Nelly lasse ich mich in Stücke schneiden; aber," — seine Miene verfinsterte sich wieder," — „bis zum Herbst ist noch lange Zeit!" „Auch dafür ist gesorgt," erwiderte Thorner. „Der Vater meines Schwiegersohnes besitzt hier eine große litographische Anstalt und will Dich darin ausreichend beschäftigen. Du erhälst Kleidung und Gehalt bei ihm, auch sollst Du zwei hübsche kleine Atuben haben, in welchen Du mit der Frau wohnen kannst, die Dich pflegen und für Dich kochen wrA>." „Eine Frau?" fragte Perez zitternd, „was für eine Frau?" Thorner blickte zu dem lleinen Gitterfenster der Zelle hinaus. „Gehe nur! Sie erwartet Dich unten." Perez eilte hinab, so schnell er nur "konnte. Auf der Straße stand, auf den Stock gestützt, aber vor Freude ganz wohl aussehend, unter Tränen lächelnd seine Mutter. Ende. J. W. Albert, Optik Fits* n. Pincenez Doubld Mt. 7.50, Nickel Mk. 4.00. Weissfrauen Strasse II, Icke Neue Mainzerstrasee. Seite 5 Universitäts - Cafe Bechenheim er Warte Eratklaaalgaa Familien-Oafö. ■ -- WfF* Mässige Preise. Besitzer: Ernat Dunkatm Kunst und Literatur. Wie mache ich mein Testament ohne Rechtsanwalt und ohne Notar? Das Erbrecht. Gemeinverständliche Darstellung des Gesetzes nebst zahlreichen Testamentsentwürfen und -Beispielen von Hans Lustig, l.^lnfl. M 1,10. Baumgartens Verlagsbuchhandlung, Saarbrücken 36. Die Konkurs-Ordnung. Gesetzesabdruck >nit^ gemeinverständlichen Erläuterungen, übersichtlichem Sach- Sächregister und Formularen. Volkstümliche Ausgabe von Max L u st i g. Neudruck 1913. Jk 1.—. Kaüfm.- jurist. Verlag G. m. ö. H., Mainz. ii III Die Massenhygienc i n den Vereinigten Staaten von Nordamerika von Geza o. H o f f m a n n. 238 Seiten- 5 vife, geb. 6 , tf. München» I. F. Lehmanns .Verlag. ‘ [. Nordamerika ist wohl derjenige Staat, der'die meisten! Ansätze zurgesetzlichen Regelung der Rassenhygiene,, d. htj Regelung der Ehe, Unfrnchtbarmachen des Minderwertigen ünd Auslese bei?' Auswanderer," hat ünd diitüür ist dns vorliegende Buch, das uns mit der Durchführung und den Erfolgen dieser Gesetzgebung in den Bereinigten Staaten bekannt macht, mir'Freuden zu begrüßen- Der Wortlaut der Gesetze unH;-'ein sehr ausführliches Literaturverzeichnis ergänzen den Text. Geist des Ostens. Monatsschrift für Asiatenkunde mit Bildern. Septemberheft. Vierteljährlich 2,50 Jk München. Verlag des Ostens (H. v. Staden). Inhalt: Kaiser Mntsuhito und die Stellung der japan. Kaiser im Staat und Volk (Baelzi — Die Bergtataren (Distel) — Indische Denkweise im Sprichwort und Gleichnis (Schäfer) — Chinesische Lyrik (Oehler-Heimerdinger u. Oehler) — Brief eines ck)inesischen Studenten (Mell) re. Kaiser Friedrich Quelle > Offenbach a. M. — - Begea Sicht and Bheamatismw bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Stahl, Frankfurt a.M^ Gtlntberaburg-Allee 37. TeL259 u. 714. Woche«-Salertder. (Zeitangaben nach dem Lvacb.) Samstag, den 13. September (= 13. EUuL) Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 8 Uhr 15 Min. Sabbat-AuSgang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 30 Mim in Berlin 7 Uhr 15 Min. Wochenabschnitt: Ki-seize. — Zunächst wird uns von der Aneignung eines kriegsgefangenen Weibes berichtet. (Die Erlaubnis sie zu ehelichen, ist nach der Tradition gleichsam eine Konzession an den „bösen Trieb.") Das Erbrecht des Erstgeborenen. Die Bestrafung des ungeratenen .Sohnes. Schonung der Menschenehre auch beim Delinquenten, der gehängt wird. Znrückerstattung gefundenen Gutes. Strengzüchtige Geschiedenheit der Geschlechter in Kleidung. — Eine Bogelmutter nicht samt den Jungen und Eiern nehmen. Am Hausdach Geländer anbringen, um Blutschuld zu verhüten. Im Weinberg keine Mischgattungen säen. Tiere verschiedener Gattung nicht verbinden, ebenso Woll- und Leinenstoff in Kleidern. — Aufnahmefähigkeit heidnischer Volksgenossen in Israels Gemeinschaft. (Ammoniter, Moabiter, Edomiter, Aegypter? — Menschlich-züchtiges Verhalten bei Verrichtung menschlicher Bedürfnisse. Unzucht nie dulden in Israels Kreis. Nicht Zins von Volksgenossen nehmen. 'Heiligkeit getaner Gelübde. — Genußerlaubnis für Arbeiter in Feld und Weinberg. Vorschriften für notwendig gewordene Ehescheidung. Dispens vom Heeresdienst für Männer im ersten Ehejahre. Vorschrift für vom Aussatz befallene Personen. Pfändung von Schuldnern. Lohnauszahlung an Arbeiter bezw. Taglöhner. Armenrecht an „vergessenen" Feld- und Weinbergfrüchten. Die Geißelungsstrafe und ihre Ausführung. Die Pflicht der Schwagerehe, wenn der Bruder kinderlos starb. Richtiges Maß und Gewicht gebrauchen, falsches, auch wenn unbenutzt, nicht im Hause dulden. 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