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Neue jüdische Presse · 1913-09-05 · Heft 35 (5.9.1913) · p. Seite 12

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 35 (5.9.1913)
Date
1913-09-05
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Frankfurter Israelitisches FamWenAatt. Seite 12 seinen herzlichen, aber oft. ungenauen Erinnerungen und stützt sich hierbei auf das Zeugnis von Marx jüngster Tochter, Eleanor Marx-Aveling. Liebknecht gibt mit der Freiheit eines echten literarischen Künstlers dieser Erzählung noch einen Zug ins Romantische, indem er durchb licken läßt, daß der junge Karl diese Beleidigung seiner Rasse, aus die er so stolz war, bitter empfunden und in seiner Jugendschrift über „Die Judenfrage" die Antwort darauf gegeben habe und daß „sein ganzes Leben eine Antwort und die Revanche" gewesen sei. Wenn wir die Schrift über die Judenfrage selbst studieren, so können wir. ihr keineswegs die Bedeutung für die geistige Entwicklung von Marx einräumen, wie es Liebknecht getan wissen will. Es ist nicht zu viel gesagt, wenn wir behaupten, daß die Schrift zeigt, daß der Autor in dieser Beziehung auf fast entgegengesetztem Äandpunkt stand. Marx war in seinem ganzen Lüben weit davon entfernt, die Tatsache zu bedauern, daß seine Eltern dem Judentum entsagt und das Christentmn angenommen hatten; er war ihnen sogar dankbar, daß sie ihn vom Joch des Judentums befreit hatten, das, wie er glaubte, ein großes Hindernis für viele Revolutionäre seiner Rasse war, mit Einschluß seiner Freunde Heinrich Heine und Ferdinand Lassalle. Man kann diese Legende in.. mannigfacher Form wiederfinden, so bei Adler in Deutschland, Dawson und Kirkup, in England und bei dem Autor selbst. Die Erzählung ist ganz gut ersonnen, und es ist schade, den schönen Wahn zu stören. Doch im Interesse der historischen Wahrheit muß notwendigerweise bekannt werden, daß sie einer tatsächlichen.Begründung entbehrt. Mehring und andere deutsche Autoren haben sie vollständig ihres mythischen Charakters entkleidet. Nicht in Folge eines amtlichen Ediktes oder irgend eines anderen Zwanges geschah es,, daß Heinrich Marx und seine edle Frau dem Judentum entsagten und die christliche Religion annahmen, sondern aus eigenem freien Willen. Mag dies zunächst auch seltsam und unverständlich erscheinen, so hatte sich doch der Schüler Voltaires — gerade als solcher — aus voller Ueberzeugung zu diesem Schritte entschlossen. Der eigentliche Familienname schien Mordechai gewesen zu sein. Diesen Namen legte der Vater Heinrichs ab und nannte sich statt dessen „Marx". Der genannte Mordechai, Großvater von Karl Marx, war Rabbiner, einer aus einer langen. Reihe von Rabbinern, die vom sechzehnten Jahrhundert an nie unterbrochen wurde, bis sein Sohn Heinruh, der Vater von Karl Marx, sich die Jurisprudenz statt der Theologie zum Beruf erwählte. Auf mütterlicher Seite konnte Karl.Marx ebenfalls auf eine lange Reihe von Vorfahren, die Rabbiner waren, blicken; und vielleicht verdankte Karl Marx auch, wie man öfters behauptet hat, diesen priesterlichen Vorfahren einen guten Teil jener wunderbaren exegetischen Kraft, die er in seinen Werken entfaltet. Die Mutter von Karl Marx, Line geborene Henriette Preßburg, hatte in Holland das Licht der Welt erblickt. Sie war der Sproß einer europäischen Judenfamilie, die sich früher im sechzehnten Jahrhundert hier, wo die männlichen Glieder der Familie Geschlecht auf Geschlecht, Jahrhundert auf Jahrhundert, Rabbiner waren, angesiedelt hatte. Gleich ihrem Manne war sie Christin aus Ueberzeugung. Wenn einige ihrer skeptischen Freunde sie wegen ihres Gottesglaubens hänselten, pflegte sic zu sagen: „Ich glaube an Gott, Nicht Gottes wegen, sondern meinetwegen." Sie war eine.einfache, gutmütige Seele, der Typus einer Hausfrau, ohne besondere geistige Gaben. Henriette Marx war eine treue, liebevolle Frau, ein gutes Beispiel der jüdischen Frauen ihrer Klassen. Da sie eine Holländerin war, sprach sie das Holländische als ihre Muttersprache und konnte nie eine andere Sprache, außer einem gebrochenen Deutsch." Eine jüdische MilliouSrStochter auf eigene« Füßen. Die „Gesellschaft" Amerikas hat wieder ihren „Sommerskandal", wie sic es nennt. Am Franklin-Denkmal oder vor dein Gebäude des Schatzamtes in Newyork kann man seit einiger Zeit ein sehr einfach gekleidetes junges Mädchen stehen sehen, Broschüren verkaufend. Das junge Mädchen ist eine Tochter der bekannten Millionärsfamilie Guggenheim. .Pünktlich verweigert sie an jedem Monatsersten die Annahme des 2000 .M-Schecks, den ihr Vater ihr schickt, und verdient sich ihren Lebensunterhalt als Mitarbeiterin von Zeitschriften. Sie hat bereits eine ganze Reihe recht guter Gedichte und kleiner Novellen veröffentlicht und nennt sich voll Stolz die einzige wirkliche Arbeitsdichterin Amerikas. .In der Nähe von Wall Street hat sie ein kleines Büro.gemietet, und hier kann man sie täglich von 7 Uhr morgens ab ihren Pegasus zähmen sehen. Einem Ausfrager erklärte die junge Dame lächelnd: ,'Meine Angehörigen bemühten sich jahrelang, mich durch Geld, Kleider, Juwelen und gesellschaftliche Vergnügungen zufrieden zu stellen. Man verbot mir, sozialistische Bücher zu lesen und erklärte mir, eine Frau dürfe keinen Ehrgeiz haben. Schließlich verzichtete ich auf die Korsette und die Roben und lief davon. Ein Jahr blieb ich in Europa; als ich zurückkehrte, wandte sich mein Vater von mir ab, denn ich begann, mich werktätig an der Besserung der Verhältnisse in den Armendistrikten zu beteiligen. Ich fühle mich sehr befriedigt und bin stolz darauf, mich selbst zu ernähren." Rr. 35. Ans einem Fremdenbuch. In der „Neuen Freien Presse" schildert Felix Phil i p p i seine Eindrücke beim Durchlesen des Fremdenbuches aus dem Rigi. Er schreibt da u. a.: „Interessant ist es zu beobachten, wie zunächst nur die Schweizer die Berghöhe aufsuchten, um sich stolz ihres Besitzes zu erfreuen, und nach ihnen kamen gleich — die Juden. Im Jahre 1850 wurde das große Rigi-Kaltbad-Hotel eröffnet, und die ersten, die dort eintreffen, sind Juden. Paris sendet die Heine, die Fou.lds und die Ephrussi; Wien die Köuigswarter, London schickt die Rothschilds, Berlin die Bleichröders und Mendelssohns, Frankfurt die Oppenheims. Denn nur diese Herren mit den überlebensgroßen Börsen konnten sich's leisten, weil die Fahrt allzu kostspielig war. Das Maultier voy Weggis z. B. kostete 5 Francs und der Zentner Gepäck, das die Hirten willig und billig heraufschleppten, wurd^.init .einem Franc berechnet, ein Ausflug, den sich nicht jeder leisten konnte. Einer von diesen, die den Rigi besuchte», war auch Ferdinand Lassalle." Knoblauch als LebenSverlöngerunaSmittel. Dem Knoblauch, der sich besonders in den östlichen Ghettis eines großen Zuspruches erfreut, widmet Sanitätsrat Dr. G u d r u m in einer Agrämer Zeitung eine sehr ausführliche Betrachtung. Dr. Gudrum hält den Knoblauch als ein Lebensverlängerungsmittel, weil er wegen seiner chemischen Beschaffenheit desinfizierend aus den gesamten Darmtrakt wirkt und dessen Erkrankungen verhütet. Dr. Gudrum schreibt cs dem reichlichen Knoblauchgenuß zu, daß er während seiner fünfjährigen ärztlichen Praxis in Bulgarien beinahe gar keine Darmerkrankungen katarrhalischer und entzündlicher Form beobachtete und dispevtische Erscheinungen nur selten zu konstatieren in der Lage war. Diese günstigen Gesundheitsverhältnisse sind in allen Schichten der Bevölkerung zu verzeichnen, und. der Zusammcnhang zwischen dieser Tatsache und dem Knoblauchgenuß liegt um so näher, als der Knoblauch in allen Kreisen mit Vorliebe verwendet wird. Der Knoblauch (Allium sativum) war schon in uralter Zeit bekannt. Die Israeliten aßen ihn in Aegypten, und die Aegypter betrachteten ihn als Leckerbissen. Als Volksheilmittel wird er noch heute demjenigen gegeben, welcher von giftigen Schlangen gebissen wurde. Mit Honig zu einer Salbe vermengt, heilt er Blutunterlaufungen, Husten; mit Weihrauch zerrieben, lindert er Zahnschmerzen usw. Celsus betrachtet den Knoblauch als ein scharf wirkendes, Wärme erzeugendes und den Stoffwechsel beförderndes Mittel. 'All dies deutet auf eine besondere Wirksamkeit des' Knoblauchs hin, dessen chemische. Zusammensetzung die günstige Meinung über dieses populäre Mittel nur bestätigt. Mir verlegen unser« Depositenkasse C am Montag, den 8. September d. J. dar 7 o i I 79 von der Gr. Friedbergerstrasse 6 IloWl UOl L 6 11 tu (Neubau der Firma W. Fubrländor Hachf.) 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