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Neue jüdische Presse · 1913-09-05 · Heft 35 (5.9.1913) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 35 (5.9.1913)
Date
1913-09-05
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Nr- 35 Seae 2. ritdfgclegie ^ttinidttujtgSSb^it friiirätt uiÄibetliÄn^l^l Windungsreich unddisharnümisch ist. Denn eserfordert dann Kraft und Zeit, N^e vielverschlungene Bahn der.Entwicklung in all ihren Wirrdüngen' W Werblicken und zurückzuverfolgen, und gar allzuleicht bleibt man in diesen Windungen stjeckerr. Je „reicher" die Vctrgangenhcit eines Menschen istuni so drohender die Gefahr dejs Jubiläums. Wessen Bahn aber eine gerade! und klare ist, der darf ruhig Jubiläum feiern. Für ihn existieren die Gefahren nicht. Die gerade, ziäsichere Entwicklung, die er hinter sich, hat, besitzt genug Energie und. Stoßkraft, ihn vorwärtszustoßen und ihn vor der Gefahr des Stehenbleibens zu schützen. Menachem Üssisch kin, der jetzt auf 3. Septi seinen 50. Geburtstag gefeiert hat, darf ruhig, seclenruhig sein Jubiläum feiern. Der Blick, den er Und mit ihm die vielen seiner Verehrer, und Bewunderer auf seine bisherige Eirtwirllung geworfen haben, hat ihnen eine gerade, schnurstracks verlaufende Bahn gezeigt, deren Geradheit den imposanten Charakter der vollendeten Geschlossenheit an sich tragt. Es gibt unter den großen Persönlichkeiten des 'öffentliche!» Wischen Lebens der Gegenwart nur sehr wenige, die sich mit Ussischkin an Geschlossenheit der Persönlichkeit, an innerer Einheit und Konsequenz, der Entwicklung messen können. Bon den ersten Tagen an, da deir junge Student von den Ideen Pinskürs und Lilienblums mächtig ergriffen wurde, bis zum heutigen Tage, da er als Leiter des Odessaer Komitees .der Chvwewei-Zion^ als einer der markantesten Führer des Zionismus eine so wichtige und bedeutsame Stellung in der Bewegung der nationalen Wiedergeburt einninrmt, ist er derselbe gebliebeir, stets sich treu, um kein Jota von seinen Prinzipien abweichend, konsequent bis zur Stiernackigkeit, unbeugsam bis Kur Grausamkeit. Man erimrert sich noch seiner Rolle in den Ugandatagein, der Charkow«: Konferenz, wie er mit Unbeugsamkeit und fanatischer Unnachgiebigkeit Herzl gegenüber auftrat; in jenen Tagen hat er die ganze Eigenart und Größe seiner Persönlichkeit offenbart. Man kann vielen Anschauungen Ussischkins nicht bestimmen, kann viele seiner Handlungen als falsch ansehen, kann ihm seine allzuunbeugsame Prinzipienfestigkeit vorwerfeU, gftspekt wird chm! niemand versagen können; man kann ihn nicht lieben, aber bewundern MUß man ihn. Denn in dieser gedrungenen, markigen Gestalt ruht wahre Größe. Es würde zu weit führen, hier alle die Leistungen und Erfolge Ussischkins aufzählcn zu wollen: es wäre dies fast gleichbedeutend mü einer Skiztzierung der Entwicklung der nationalen Bewegung in den letzten 30 Jahren; denn mit allen Phasen der PalästinaarLeft hat er-seinen Namen unzertrennlich verwoben. Allein ein Blick auf den heutigen Stand der zionistischen BÄvegung genügt, um die Erfolge dieses Mannes ermessen zu können. Dbr Zionismus, wie er heute ist ist de facto Ussischkinscher Zionismus, vielleicht mehr Ussischkinscher als Hcrzlscher. . . Ussischkin hat seit dein Tode Herzls immer mehr und mchr der zionistischen Organisation seinen Stempel aufgedrückt, und er, dessen 50. Geburtstag mit dam ersten Tage des 11. Kongresses zusammenfiel, hat allen .Grund, auf seine Erfolge stolz zu sein. Und auch derjenige, der dont Programme, das Ussischkins Name, darstellt, nicht beistimmt, der Wer seine Erfolge in der Formung der zionistischer »Bewegung nach seinem Gäste sich nicht ungetrübt ' freuen kann, auch sein schärfster Gegner wird Leim' Jubiläum dieses Mannes nicht umhin können, seinen Hut zu ziehen vor diesem .großen, tief- , empfindenden nationalen Juden, . der sein Leben ganz dem zionistischen Ideal geweiht hat, wird nicht umhin können, mit Bewunderung zu dieser markanten, eisernen Persönlichkeit aufzuMcken. Einem Ussischkin braucht man bei seinem Jubiläum keine Glücbvünsche für die Zukunft mitzugeben. Seine künftige Entwicklung ist klar und bestimmt vorgezeichnet; und bei ihm, der die Verkörperte Energie ist braucht Man nicht vor einem Stillstehen zu bangen. .Für DWnner von seiner Art ist Leben identisch Mit Schaffen und Wirken. Wie getrieben von Magischen Kräften durchwandeln sie ihre Bahn und geben ihreni Volke alles, was sie ihm nur geben Wunen. Aber ihre Bahn und ihr Tun bleiben dauernd verzeichnet in der Geschichte Frankfurts JsimeWiAies Damilienblatt,^ j ihres Nrjkxs.ATnd piäri^lfem Mpg wtis.Müß für UssisH^rAWlzeiKMaLoy seinHdHs».-.er Wr'seine ^schwäe, . M KHpserungsHille stntr so --örftlgreiche 'Arbeit zur Realisierung der nationalen Idee beanspruchen kann. 2, Zur hebr. Konferenz. \ Die hebräische Konferenz hat —. es tut leid, cs feststcllen zu -müssen die Hoffnüngeü, 'die man auf sie gesetzt hat,- nicht erfüllt. Lag die Schuld daran an der verfehlten Tagesordnung, die an die Spitze alle möglichen theoretischen Referate stellte,, svdaß kauist Platz?Wrig blich fiir die Behandlung der einzigen praktischen Frage, - zu deren Lösung man sich versammelt hatte, der Frage der Reorganisation der Histadruth? Lag. die Schuld an den Teilnehmern der Konferenz, die ihrem Redeflüsse meist allzusehr Lauf ließen, lag es an anderen Umständen, genug, die drei Tage der Konferenz vergingen in meist praktisch nutzlosen Debatten. Und sieht man selbst für einen Augenblick von dem praktischen Nutzerfolge ab, so hat die Konferenz, auch vom rein geistigen Standpunkte aus gesehen, enttäuscht. Die Referate und Debatten waren meist arm an Gedanken und Inhalt, und es waren sehr oft die gewöhnlichsten Gemeinplätze, die man zu hören bekam. Mft Ausnahme des herrlichen Referats von Bialik und der Reden von I. Epstein und Tr. Frischmann erhob sich keine Rede auf ein irgendwie außergewöhnliches Niveau. Auch die ganze Stirftmung, die die Konferenz beherrschte, war nicht jene feierliche, gehobene, die man erwartet. hatte. Äne gewisse Stimmung der Trägheit und Lauheit schwebte über der Konferenz!, die es oft fast vergessen ließ, daß Man hier in der Versammlung der Koryphäen der hebräischen Kultur sich 'befand. - Ueber die Zukunft der „Histadruth" wird noch zu sprechen sein. Für jetzt sei gesagt, daß wir nicht glauben können, daßeine wahrhafte Wiederbelebung der Histadruth erfolgt, daß es uns vielmehr wahrscheinlicher dünkt, daß iM wesentlichen alles Leim alten bleibt. Brief aus-er Türkei. Der Friedensvertrag Von Bukarest hat in der jüdischen Gemeinde Salonikis große Freude erweckt; der Präsident der Gemeinde sandte an den König und' den Premierminister Vcniselos heiße Glückwunschtelegramme (die auch beantwortet Wurden). Dem König wurde ein feierlicher Entpsang bereitet. Die Griechen und die Inden haben bei dieser Gelegenheit uriteinander Brüderschaft geschlossen und die griechischen wie die jüdischen Zeitungen unter einander Freundschastsgrüße gewechselt. Ob die Freude so berechtigt ist? — Wie es scheint, haben die jüngsten Geschehnisse den Traum von einer Autonomie Macedoniens fast ganz verscheucht. Man hoffte immer noch — selbst nach dem Londoner Vertrag —, .daß Makedonien von den europäischen Mächten als selbständig proklamiert werde, wodurch die ökonomische wie auch die jüdische Zukunft in diesem Lande gesichert gewesen wäre. Nun aber, da Bulgarien nicht mehr Saloniki fordert und sogar noch einige Städte den Griechen überläßt, ntüß man in Saloniki Pie Hoffimng auf eine Selbstverwaltung Macedoniens fast ganz aufgeben. Somit fragt sich wieder, was aus der früher so blühenden, reichen und Mächtigen jüdischen Gemeinde Salonikis werden, was das Schicksal per anderen Juden Macedoniens sein wird. Man sprach bis jetzt nur über rein ökonomische und materielle Fragen, die nationalen und kulturellen Interessen des neuen griechischen Judentums wurden fast außer acht gelassen. Und doch ist dieser Punkt sehr wichtig. Unter der gerechten ottom'anischen Herrschaft bildete die jüdische Bevölkerung eine nationale Einheit und war als solche seit jeher anerkannt. Sv besaßen auch die Juden Maced'oniens ihre besonderen nationalen und kulturellen Privilegien. Wird das auch unter der. hellenischen, bulgarischen oder serbischen Regierung der Fall sein? Werden die Juden auch ferner als eine Nation betrachtet werden? Mit dem- Antisemitismus des griechischen Volkes aus Gründen der wirtschaftlichen Konkurrenz muß auch fernerhin gerechnet svcrden, trotzdem der König ynd die Regierung sich gegen die Juden zuvorkommend zeigen. Zahlreiche Einzelheiten belegen letzteres. Vor kurzer Zeit wurde der Sicherheitsinspektor (Kolonel Beiras) von Saloniki entfernt, da er sich gegen die Inden gehässig geäußert hatte. Eine Zeitung in Athen, „Naa Jrrrrra", veröffentlichte feindliche Artikel gegen die Juden Salonikis, — sofort erschien in der offiziösen „La Liöertö" ein Gegenartikel. Ferner wurde der jüd. Gemeinde.bei Gelegenheit 'des Triumpheürzüges des Königs Konstantin XII., am 14. August, der erste Rang eingeräumt. Während des TedeumK-Ziu der Kirche stand die Jüdische Delegation höher als alle übrigen und wurde auch als erste beim König in Audienz empfangen. I. Kantorowitz. Schneiderei Crössmann Kalseratnaaao 10a» Entresoh Kaiser Wilhelm-Passage. Telefon Amt I, 6930. Englische Jacken-Kleider. Garantie für gute Passform. — Prima Stoffe und Zutaten. Solide Preise. — Auf 'Wunsch zuvor], koschere Verarbeitung. Die hebräische Konferenz in Wien. (Von unserem Berichterstatter.) Dienstag, 26. August. Die heutige Sitzung wurde mit dem Verlesen einer großen Zahl von Begrüßungen eingeleitet. Dr. Alfred Stern, Präsident der Wiener Knltusgemeinde, überreichte persönlich die Grüße der Gemeinde. Er wolle cs sich nicht nehmen lassen, selbst die hebräische Konferenz zu begrüßen. Er wies ans die große Bedeutung des Hebräischen für die Erhaltung des Judentums hin, erklärte, die Wiederbelebung der hebräischen Sprache in den letzten Jahren zu einer lebenden Umgangssprache sei ein Wunder, das vor einigen Jahrzehnten niemand .für möglich gehalten hätte und schloß mit dem Wunsche, der Same, den die Konferenz in Wien ausstreue, möge ausgehen. und viele Früchte bringen. Nach der mit vielem Beifall aufgenommcnen Begrüßung Dr. Sterns wurde die Debatte über das Referat I. Epsteins beendet und folgende Erziehungskom- Mission (für die Fragen des hebr. Unterrichts) gewählt: CH. N. Bialik, David Yellin, Meir Berlin (Sekretär des Misrachi), Jzchak Epstein, S. Sich i l l e r, Direktor des hebr. Gymnasiums in Jerusalem, Dr. Posnanski, Rabbiner in Warschau, Dr. Brande, Rabbiner in Lodz, S. L. Gordon -Warschau, ein bekannter hebr. Pädagoge, Dr. CH. Katzen elns o h n, der bedeutende jüd. Gelehrte ans Petersburg, Dr. Bogratschof vom hebr. Gymnasium in Jaffa und Oserkowsky, Lehrer in Jaffa. Es folgten sodann zwei bedeutsame Referate, erstattet von zwei Koryphäen de,r .hebr. Literatur. Der bekannte Kritiker und Feuilletonisl-David Frisch mann referierte über die „hebr. schöne Literatur". Er legte dar, daß die Zahl der Leser und verkauften Bücher der hebr. Literatur in den letzten Jahren zurückgehe,' daß die Lage derselben zurzeit recht unbefriedigend sei; die dringendste Aufgabe sei die, die Heranwachsende Generation als treue hebr. Leser zu erziehen. Dies sei aber nur möglich. durch Schaffung einer umfangreichen und wertvollen schönen Literatur in europäischem Stil, denn nur eine solche könne die Jugend fesseln und heranziehen. Dazu aber sei als materielle Grundlage die Gründung eines, großes Verlages, der die Förderung junger Talente zur Aufgabe habe, nötig. Auf das Referat von Frischmann, das vyn einer rechtpessimistische» Stimmung durchsetzt war, folgte das des großen CH. N. B i a l i k über „D a s hebräische B u ch." In seinem Referate von einer Schönheit der Sprache und des Stiles, die den genialen Dichter und unübertrefflichen Meister der hebr. Sprache in jedem Wort erkennen ließ, stellte er ein großes Programm f ü r die künftige Arbeit der Histadruth auf. Trotz der jahrhundertelangen literarischen Produktion unserer Ahnen, trotz unseres großen Einflusses in allen europäischen Literaturen, fehle dem heutigen hebr. Leser das hebr. Buch. Aus der alten Literatur, die so viel Großes und Originales geschaffen habe, vermag der Leser selbst nicht das Wertvolle aus dein großen Umfange des minder Wertvollen heranszuschälen. Die jüdischen Schöpfungen in fremden Sprachen seien alle dem hebr. Leser noch nicht zugänglich gemacht. Um das neue hebr. Buch, zu schaffen, ist es nötig, das zu tun, was schon dreimal im -Laufe der jüd. Geschichte getan worden ist: eine „Chatimah", eine Sichtung alles bisher Geschaffenen, vorzunehmen.' Es gelte, aus den jüd. Produktionen aller Zeiten das Beste zu sammeln und den: Volke zugänglich zu machen. Die alte Literatur, die bis heute unfruchtbar darliegt, müssen wir für den hebr. Leser fruchtbar machen; die jüd. Produktionen fremder Sprachen müssen wir , für den hebr. Leser erlösen; und die moderne hebr. Literatur müssen wir erweitern und vergrößern. Es würde zu weit führen, hier die Details des herrlichen Bialikschen. Referates wiederzugeben. Da cs bald im Drück erscheinen wird, wird noch- Gelegenheit da sein, über diesen großen Plan näher zu sprechen. . Nachmittags fanden die Debatten über die beiden Referate statt, die mit der Wahl der folgenden Literarischen Kommission endeten: C h. N. B i a l i k, D. Frischmann, Dr. CH, Katzcnelnsohn, Kaplan,

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