Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 35 (5.9.1913)
- Date
- 1913-09-05
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 35 incr der Leiter des „Achiassaf", Schneiur, der junge, ochbegabte, hebr. Lyriker, Dr. I. Klausner, der ekannte Schriftsteller und Redakteur des „Haschiloach" und >achoever, einer der jungen Kritiker. Mittwoch, 27. August. Dr. I. Klausner in seinem Referate „D a s »cbräischc als Umgangssprache" wies jstorisch nach, daß das Hebräische niemals öllig aufgehört habe, Umgangssprache zu sein, gab eine ilizze der Wiederbelebung des Hebräischen in den letzten 0 Jahren in Palästina und gab dann eine Schilderung es bereits Erreichten. In Palästtna sei das Hebräische ercits zur völlig lebenden Umgangssprache geworden. Im Koluth sei dies in dieser Weise unmöglich; was möglich mb notwendig ist, das ist die Errichtung hebr. Kinderärten und Schulen und die Schaffung hebräisch sprechen- >er Kreise in allen jüd. Zentren. Der Referent schloß mit zwei Vorschlägen: einmal beantragte er, daß jeder, der des Hebräischen mächtig ci, auf dem Zionistenkongreß sich desselben bedienen olle, ferner daß die Konferenz dem Kuratorium des jüd. kcchnikums in Haifa ein Memorandum unterbreiten möge, oorin die Einführung des Hebräischen als Unterrichtsprache gefordert werde. An das Referat von Dr. I. Klausner schloß ich' eine längere Debatte, in deren Mittelpunkt die Frage >cs Technikums in Haifa stand. Sämtliche Redner varen der Ansicht, daß die Einführung des Deutsche n ils Unterrichtssprache im Technikum der hebr. Entwicklung Palästinas viel schaden würde. Besonders schärf und wirkungsvoll sprachen S. S chiler, der Leiter des Gymnasiums in Jerusalem und Dr. Lossinsoh n. Dr. S ch. L e w i n, Mitglied des Kuratoriums, erklärte, aß vordcxhand, noch keinerlei Beschlüsse gefaßt worden eien; er hoffe, haß einige der Hauptfächer hebräisch nnterichtet würden. Es wurde schließlich eine Kommission zur Abfassung ines Memorandums an das Shtratoriunt gewählt. Nachdem die Debatten beendet waren, erstattete Dr. rchcmarjahu Lewin ein Referat über „Das Ziel nnd >ie Bewegung in der Wiederbelebung der 8 p r a ch e", worin er aussührte, daß das letzte Ziel der jebräischen Bewegung Palästina sein müsse, da dort allein ine wahre Wiederbelebung der Sprache möglich sei. Der Nachmittag wurde den Berichten gewidmet, die >ic Vertreter der verschiedenen Landesorganisationen über den Stand der hebr. Bewegung in' ihren Ländern erstatteten. H. Slatopvlski -Kiew, der unermüdliche Leiter der russischen Landesorganisation, schilderte in eingehender Weise die Arbeit und die Erfolge der „Histadruth" in Rußland. Es herrschen zwar vielfach noch recht nnbericdigende Zustände bezüglich des Hebräischen, doch sei zu tzcssiinismus keinerlei Grund vorhanden. In.den Massen des Volkes lebe die Liebe zunr Hebräischen, es fehle nur an den Führern, an den Arbeitskräften, die die Forderungen des Volkes befriedigen. Bei energischer Arbeit sei viel zu erreichen. In gleichem Sinne klangen auch die Berichte der übrigen Referenten aus: für Rumänien Dr. I. Nacht, für Galizien Tischler, für Amerika A. Goldberg- Ncwyork (der Berichterstattersür Deutschland, Dr. H. L ö w e, konnte nicht zur Konferenz erscheinen). ( 'Donnerstag, 28. August. Arbeit ist nötig, energisches, zielsicheres Tun, hatten die Vertreter der verschiedenen Sünder einhellig erklärt,. Reden und Referate bringen uns nicht vorwärts, und die Konferenz hatte die ersten zwei Tage fast ganz mit Reden »erbracht, ohne zur eigentlichen positiven Arbeit, der Beratung über die Reorganisation der histadruth", zu schreiten. So beeilte man sich denn' Donnerstag früh die noch auf der Tagesordnung stehenden Referate zu erledigen: es waren zum Teil sehr interessante darunter. David. P e l l r n - Jerusalem erstattete ein inhaltreiches Referat über, den „Waad hälaschon" in Jerusalem, der die Aufgabe hat, die zentrale autoritative Institution für alle Fragen des Hebräischen zu sein und durch Schafung einer großen Zähl neuer Ternrina bereits wertvolle Arbeit geleistet hat. Dr. B. M o s s i n s o h n hielt ein interessantes Refe-> rat über ,/Die kulturelle Arbeit in Palästina", in dem er in umfassender,. sehr objektiver Weise all die verschiedenen Strömungen der .kulturellen Arbeit in Palästina besprach und die bereits erzielten Resultate aufzeigte. S. M a s e, der bekannte Moskauer Rabbiner, referierte über h a t e ch i a h", den zu gründenden hebr. Verlag. Dieser werde auf drei Gebieten arbeiten: einmal die vorhandenen jungen Talente der hebr. Literatur fördern, sodann die Meisterlverke der Weltliteratur ins Hebräische übertragen lassen und endlich durch Uebersetzungen der bedeutendsten hebr. Schöpfungen in europäische Sprachen die Kultürwelt über den Stand der hebr. Literatur unterrichten. Da diese drei Aufgaben große Mittel erforderten, werde erst mit der Arbeit begonnen werden, wenn 200 000 Mark vorhanden sein werden. 60000 JL sind bereits da, weitere 70000 sind versprochen; den Rest hofst inan in kurzer Zeit beisammen zu haben, «m dann energisch an die Arbeit schreiten zu können. Die Nächmittagssitzung wurde mit einem Referate R. Sokolows über „Kedem" eingeleitet. „Kedem" ist die an der Hand der Zionist. Organisation gegründete Institution zur Förderung der hebr. Kulturarbeit in Palästina, zu dem der War- Wauer Zionist Feldstein den Grundstock gespendet hat. Sokolow skizzierte die Aufgaben und Arbeitsmöglichkeiten dieser Institution und legte ihre Bedeutung dar. Damit war die Reihe der Referate erschöpft, und man ging zur Beratung über die Reorganisation der.Histadruth" über. Frankfurter Israelisches Famigenblatt. Leite 3 L. Motzkin, der unermüdliche Leiter des Zeutralbüros in Berlin, legte ein neues Orgänisationssta tnt vor, wonach in Zukunft, die histadruth" 511 einer umfassenden Organisation aller jüd. Verbände und Institute äusgebaut werden solle. Nicht nur Einzelpersonen können Mitglieder der „Histadruth" werden, sondern auch Institutionen und Verbände (Vereine, Schulen, Gemeinden), sofern sie die hebr. Sprache als die nationale Sprache des jüd. Volkes anerkennen und einen Beitrag der Histadruth zahlen. Nach einer kurzen Debatte wurde das Statut on bloc akzeptiert. Eine längere Debatte entfesselte die Frage, wo der Sitz der neuen Leitung sein solle. M0tzkin schlug Palästina vor. Nachdem Dr. Bograt schoss für diesen Vorschlag, Scheinkin dagegen gesprochen hatte, wurde er abgelehnt und Berlin als Sitz des Zentralbüros bestimmt. Die nun folgenden Wahlen ergaben folgendes Resultat: Ins Zentralkomitee wurden gewählt: für Rußland: Ussi.schkin, Dr. Tschlenow, Bialik, Rabbiner Mase, S. Epstein, Rabb. Dr. .Posnanski, Dr. I. Klausner, Naiditch, Slatopolski, E. Kaplan, Dr. Münz; .für .Deutschland: Dr. H. Löwe., Dr. I. Klatzkin; für Oesterreich: Dr. Torzyner; für Rumänien: Dr. I. Nacht; für England: Achad- Haam;.für Amerika: R. Brainin; für Palästina: Ben-Jehndah, D. Pelliy, Scheinkin, Dr. Bo grätsch off, M. Kah an, I. Eisenstadt, Dr. Mossinsohn, Dr. Lurjeh, Dr. Maseh; außerdem werden die Landesorganisationen Galiziens, Aegyptens und Amerikas noch je einen Kandidaten ins Zentralkomitee delegieren. Zu Mitgliedern des Zentralbüros in Berlin wurden gewählt: L. Motz kin, R. Sokolow, Dr. Sch. Lewin, Dr. Jak. Kahan, Dr. Perlmann, sämtlich in Berlin ansässig. Nach Schlußreden von R. Brainin, Dr. I. Klausner, David Pellin, L. Motzkin und H. Slatopolski wurde die Konferenz geschlossen. Leo Schweinfest A Damenschneiderei empfehle tadellosen Sitz, gute Verarbeitung. W Gr. E8chenhelmerstr. 19, I. Telef. 12206. W Deutsches Reich. Berlin. Dem Hilssverein der Deutschen Juden ist die Nachricht zugegangcn, daß die Einwohner von Strnmitza aus Furcht vor der Besitzergreifung des Ortes durch die Bulgaren die Flucht ergriffe» und Strnmitza in Brand gesteckt haben. Die Flüchtlinge, darunter etwa hundert jüdische Familien, wanderten nach Saloniki und Diran aus, auch aus Newrocop beginnen die Bewohner auszuwandern. Das jüdische Hilfskomitee in Saloniki hat sofort eine Delegation in die genannten Gebiete entsandt, um Hilfe und Beistand zu leisten und genaue Informationen einzuziehen. Der Hilfsverein der Deutschen Juden, an den aus Saloniki dringende Appelle gerichtet wurden, hat dafür Sorge getragen, daß die Mittel zur Linderung der Not zur Verfügung gestellt werden. Die vielfältigen schweren Notstände, die durch die beiden Balkankriege geschaffen wurden, erfordern noch immer das Eingreifen der jüdischen Hilfsorganisationen. Abgesehen von dem Hilfsmerk, das die Verhältnisse in Bulgarien noch erforderlich machen, sind erhebliche Aufwendungen u. a. namentlich für Serres, Adrianopel, sotvie für die vor den Kriegswirren nach Konstantinopel geflüchteten Fainilien, deren Heimsendung noch nicht erfolgen kann, notwendig. Bremen. Aus der „George Washington" starb während der Ueberfahrt nach Newyork der 32jährige Isaak Singer. Damit seine Leiche nicht ins Wasser versenkt werde, veranstalteten die armen jüdischen Allswanderer sofort eine Sammlung, so die jüdische Pietät spontan anss tresslichste aufzeigcnd. 1000 JL übergab man dem Kapitän, 700 JL für die erforderliche Einbalsamierung und den Rest für die Hinterbliebenen. Offenbaeher Druckluft - Anlage Olfenbach a. H. Telefon 123. (Anschluss mit Frankfurt). Bewährteste TePDlchrslnlgang, 100,000 qm jährlich sowie unübertroffene Betten- und Bettfedernreinigung mittelst Druckluft und Wasserdampf. Aus der „Agudas Jisroel"-Bewegung. Halberftaüt. Ein Jahr ist avgelaufen, seitdem die erste deutsche Ortsgruppe der „Agudas Jisroel" in ilnserer Stadt gegründet wurde. .Wir haben die Ortsgruppe mit 52 Mitgliedern gegründet, heute zählt sie bereits deren 110. An Jahresbeiträgen haben wir im abgelaufenen Jahre 1303 JL, an Spenden: für deir Thorasonds 137 JL, für den Palästinafonds 6 JL und zur Unterstützung der durch die Preßburger Brandkatastrophe geschädigten Brüder 2024 JL der Frankfurter Zentrale zur Verfügung stellen können. Außerdem haben einzelne Mitglieder unserer Ortsgruppe für den Propagandafonds namhafte Beiträge gespendet. Die von uns vor kurzen! eingerichteten Verkaufsstellen für die Agudas Jisrocl-Markcn bewähren sich gut. Bis zum Jahresschluss wurdeil für 128 JL Marken verkauft. Vier größere Versammlungen hatten sich; eines starken Besuches zu erfreue» und trugen viel zur Vertiefung und Verbreitung der Idee von der Zusammengehörigkeit aller Treugesinnten in Israel bei. j Frankfurt a. M. Noch ist das erste Semester der Tätigkeit unserer wackeren „Jugendgruppe der Agudas Jisroel" nicht zu Ende, und schon können wir mit einigem Stolze auf das Erreichte zurückblicken. Unsere Jugendgruppe mit ihren jetzt 850 Mitgliedern umfaßt bereits fast die gesamte gesetzestreue Jugend Frankfurts. Die eingerichteten Schiurim auf allen Gebieten jüdischen Wissens erfreuten sich auch während der Sommermonate eines überrascheild guten Besuches. Uilsere Klublokalitätcn sind für die Hunderte auswärtiger junge» Leute, die sonst jeder religiösen Beeinflussung in ihrer Lcbenssührung entraten mußten, eiir gemütliches und jederzeit gern ausgesuchtes Heim geworden. Die neuerdings eingerichteten zwanglosen Zusammenkünfte ani Sabbätnachmittag bedeuten einen weiteren Fortschritt zilr Anbahnung engerer Beziehungen unter den gesetzcstreuen Jünglingen der verschiedensten Kreise unserer Stadt. Auch iin Aufbriugeu der Geldmittel für die Erhaltung ihrer Institutionen und Beranstaltilngen leistet unsere Jugendgruppe das ihrige. An Mitgliedsbeiträgcn vereinnahmte sie bis jetzt 2500 JL, für den Miet- und Einrichtungsfvnds ca. 4000 JL In den Lokalitäten der Jugendgruppc lvurden für 100 JL Agudas Jisroel-Marken verkauft. vialyftok. Hier haben sich zur Gründung einer „Agudas Jisroel"-Ortsgrnppe die Vorsteher sämtlicher Bethänser zu einem Komitee vereinigt. Mehr als 600 Mitglieder traten sofort bei, und das Komitee hält allwöchentlich einmal eine Sitzung ab, in der die weiteren Maßnahmen beraten werden. Präsident des Komitees ist der weit über unser Land hinaus bekannte Philanthrop und Palästinasreund (der Gründer der Kolonie „Kirjas Mosche" in der Nähe Jerusalems) M. M. Manassewitz, Vizepräsident Bankier A. Horodyschz, Kassier Salomon Heilprin, Schriftführer sind Samuel Riwkind und M. W. G r 0 d s e n s k y. Wilna. Aus einer Reihe von größeren und kleineren Gemeinden laufen Nachrichten über die Gründung von Ortsgruppen ein, so u. a. aus Prusany, Briansk, Beissagola, Knpischock, Altczechnowtze, Kalinkiewitz. Zakopane (Galizien). Unser Kurort hatte in diesem Jahre das Vergnügen, einen der eifrigsten Vorkämpfer der Agudas Jisroel-Bewegung in Galizien, I s a a c T h um i m aus Przemysl, unter seinen Gästen zählen zu dürfen. Herr Thumim ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen, auch unsere Gemeinde mit den Bestrebungen der Agudas Jisroel vertraut zu machen. Unser verehrter Rabbiner Elias Eichen st ein rief eine Versammlung ein. Nach der Begrüßungsansprache des Herrn Rabbiners ergriff Herr Thumim das Wort, und mit der ihm eigenen zündenden Beredsamkeit, gepaart mit bewunderungswürdigen Kenntnissen in der gesamten rabbinischen Literatur, legte er die Idee der .Agudas Jisroel dar. Seine Worte ernteten reichen Beifall. Zum Schluß sprach nochmals Rabbiner Eichenstein; auch seine Rede hinterließ bei den Zuhörern einen tiesen Eindruck. Eine Ortsgrrchpe wurde auf der Stelle gegründet. In den Vorstand wurden gewählt: Rabbiner Elias Eichenster» (Bors.), 'L a rnucl Holländer und Lehrer H. Frauwirth. Schargorod (Gouv. Podolien). Die Gründung des Thorafonds ,L e s s 0 d H am aal 0" durch die Agudas Jisroel^Organisation wird auch hier als ein lange empfundenes Bedürfnis mit Begeisterung begrüßt. Endlich ist eine Institution ins Leben gerufen worden, die sowohl den begüterten als auch den minderbemittelten Thorafreunden die Möglichkeit schasst, größere und Heinere Stiftungen und Legate zur Förderung des Thorastudiums unter Kontrolle der jüdischen Gesamtheit zu errichten. Ein Mitglied unserer Gemeinde, H i l e l R a ch m i n 0 w i tz, hat damit dieser Tage den Anfang gemacht, indem er für den Thorafonds der Agudas Jisroel ein Legat vermachte mit der Bestimmung, daß von dem.Erträgnisse seiner Stiftung alljährlich zwei palästinensische Jeschiwos unterstützt werden. Möge dieses Beispiel in allen Kreisen des gesetzestreuen Judentums recht viele Nachahmer finden. Aus der zionistische» Bewegung. Wie«. Florentin und Pardo, die Kongreßdelegierte von Saloniki, sind hier an der Cholera erkrankt. Wie«, 1. Sept. Ach ad Ha am, der jüdische Denker, ist hier zum Kongreß eingetroffen. FMelm. Das „Scheker-Bilbul". Bon C. Berg. (27. Fortsetzung). Franja blickte den Präsidenten furchtsam an. „Ja," sagte sie zögernd. „Warum?" „Er stellte mir nach." „Da hört aber doch alles auf!" Perez rang empört die Hände. „Herr Gerichtshof! Erbarmen Sie sich! . . . Ich hätte ihr nachgestellt? Ich!?" lieber die Lippen des Vorsitzenden zog ein fast unmerkliches Lächeln. „Warum soll das so unwahrscheinlich sein?"