Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 34 (29.8.1913)
- Date
- 1913-08-29
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 34 Frankfurter Israelitisches Famillcnblakt. Seite S sozialen Empfiiidungen unserer jüdischen Mitbürger, die man so zu brüskieren wagte? Und wollen denn die Juden Hannovers sich das gefallen lassen? Ist es denn nicht kaum ein Jahr her, daß „Fahrende Gesellen" harmlose jüdische Ausflügler vor den Toren Hannovers anrempelten und verhöhnten? Hier ist der schärfste Protest am Platze. Die Subventionierung der Antisemiten durch die Stadtverwaltung verstößt ganz unztveifelhaft gegen die preußischen Staatsgesetze, die Glaubens- und Religionsfreiheit gewähren." Karlsruhe- Die neueste Ausgabe des. Verordnungsblattes bringt die Einnahmen und Ausgaben der isr. Zentralkasse, des isr. Landesstistes, des Religionsschul- und Pensionsfouds pro 1912. In den Landesfonds für soziale Zwecke sind pro 1912 im ganzen eingegangen JL 309 072, und es wurden ausgegeben für das Friedrich-Louisen- Hospiz in Bad - Dürrheim an Baukosten pro 1908/1912 ,IL '258545. Auch die übrigen Ausgaben für Einrichtungsgegenstände sind in dieser Aufstellung verrechnet. — Für den verstorbenen Bezirksältesten Hermann Halle in Hockenheim wurde Vorsteher Rechtsanwalt Dr. M. Pfälzer in Weinhcim zum Bezirksältesten des Synagogenbezirkes Heidelberg und Fabrikant Samuel Marx in Sandhaufen zum Stellvertreter ernannt. — Als Rabbiner für Freiburg und Sulzburg ist Dr. Julius Zimcls, bisher in Karlsruhe, ernannt und Herr Dr. H. Löb von Bruchsal ist als 2. Rabbiner nach Karlsruhe versetzt worden. Oesterreich-Ungar». Wie«. Der hiesige „Akademische Verein sephardischer Juden" erläßt einen Aufrnf, in dem er anläßlich des Zionistenkongresses zu einem Kongreß der s e p h a r d i s ch e n Inden des Balkans ciuladet. Großbritannien. London. Im Unterhause ist wiederum eine Sonntagsruhebill cingebracht worden, die zwar Äusnahmebestimmungen für Juden vorsieht, aber in wirkungsloser Form. Es soll denjenigen jüdischen Geschäften, die am Samstag geschlossen halten, am Sonntag bis 11 Uhr vormittags gestattet sein, ihre Läden zu össnen, vorausgesetzt, daß sie während dieser Sonntagsstunden nur Juden beschäftigen und — nur jüdische Kundschaft bedienen. Da werden wohl die Ladeninhaber von jedem Herr» und jeder Dame, die ihre Betriebsstätte betritt, die Vorlage eines Konfcssionszeugnisses von der zuständigen Behörde oder gar vom Oberrabbinate von London beanspruchen müssen! Rumänien. vnlarekt. 500 jüdische Freiwillige, die volle fünk Wochen alle Anstrengungen des Feldzuges mitgcmacht hatten, erhielte» die Nachricht, daß das Kriegsministcrium nicht berechtigt war, sie aufzunehme», da in der Armee „Ausländer"' nicht ausgenommen, werden dürfen. Diese _ einzigartige Gemeinheit soll verhindern, daß diese 500 rumänischen Juden das rumänische Bürgerrecht erhalten. Restaurant und Cafe Zur Festenburg Friedberger Landstr. 420. Tel. 49871. empfiehlt seine prachtvollen Gärten, Terasse, Saal n. diverse Gesellsch aftsräume. Für Nachmittagsspaziergänge sehr geeignet. Schöne Allee bis zum Restaurant. Ruhige staubfreie Lage. Um gfltige Berücksichtigung bittet Anton Pfeifform Personalien «. Kleine Mitteilungen. Berlin. Das neue Waisenhaus der jüd. Gemeinde — Pankow, Ecke Berliner und Hedlichstraße — wird in Kürze seiner Bestimmung übergeben. Es ist für 00 Schüler und 20 Lehrlinge bestimmt. Berlin. Moritz Lazarus, Direktor der Berliner Dampfmühlen, A.-G. und Mitglied des Aeltestenkollegiums der Kaufmannschaft, ist — 56 Jahre alt — v e r s ch i e d e n. AlSfeld. Das David Adler'sche Ehepaar feierte die g o l d e n e H o ch z e i t. Der Großherzog sandte sein Bild mit Unterschrift. Hannover. Auf der Gartenbau-Ausstellung in Forst i. L. wurde der Lehrgärtnerei her Isr. Erziehungs-Anstalt zu Ahlem für ausgepflanzte Rosenhochstämme der Ehrenpreis des Landtags-Abgeordneten Thurm, Sorau, von Jk 30 sowie die Goldene Medaille der Ausstellungsleitung zugesprochen. Für abgeschnittene Blumen erhielt sie ein E h r e n d i p l o m sowie eine P r ä m i e von Jk 30. Brückenau. Die Synagogeneinweihung ist in schönster Weise verlaufen. Ansprachen hielten Vorsteher Nathan G r ü n e b a u m, Distriktsrabbiner Dr. B a m - beiger und Bürgermeister Reinwald. Nordstetten. Unser Ort, die Eeburts- und Ruhestätte Berthold Auerbachs, zählt jetzt nur noch 34 jüdische Seelen. Schmieheim i. Baden. Emanuel Wachen- Heim e r u. Frau Helene geb. Beruheimer, erhielten anläßlich ihrer goldenen Hochzeit die Jubiläumsmedaille. Die israel. Gemeinde überreichte dem Jubilar einen Pokal als Anerkennung für die seit vier Jahrzehnten als Baal-Tesilloh an den hohen Feiertagen geleisteten Dienste. Crailsheim. Wolf Gold st ein sen. und Frau feierten unter allgemeiner Beteiligung die goldene Hochzeit. Lettinge« (Bayern). Josef Gut und Frau feierten die goldene Hochzeit. Ohla«. Carl Levp, Justizrat und Notar, daher. Hauptmann d. L., Stadtverordnetenvorsteher, ist verschieden. Wien. RituelleWürste. Vor dem Bezirksgericht hatten sich vier Fleischergesellen zu verantworten, weil sie als Angestellte des Fleischselchers Moritz Lazar einen Farbstoff in die Würste getan hätten. Die Angeklagten erklärten, daß sie sich keines Farbstoffes bedient hätten. Der als Sachverständiger vernommene Genossenschaftsvorsteher der Fleischselcher, Bieröckl, gab an, daß die Angeklagten km vorliegenden Falle auf keinen Fall ein Verschulden treffe, da sie nur nach Weisungen ihres Chefs vorgegangen wären. Auf dem Wiener Markte würden aber überhaupt keine Würste erzeugt, die den Vorschriften des jüdischen Ritus entsprächen. Es sei den Fabrikanten unmöglich, gleichzeitig den Anforderungen des Wiener Publikums und des Rabbinats zu entsprechen. Dadurch, daß das Blut ausgelaugt werde, verlieren die Würste ihren frischen Glanz und würden von niemanden gekauft jnerden. Nur in sehr beschränktem Maße erfolge die Fabrikation sogenannter „koscherer" Würste, die aber ausnahmslos nach auswärtigen Gegenden exportiert würden. Auf Grund des erstatteten Gutachtens sprach der Bezirksrichter die Angeklagten frei. Wie«. Der Kaiser bat dem Chefarztstelldertreter der Wiener Freiwilligen Rettungsgesellschaft Dr. Ignaz L a m b e r g das R i t t e r k r e n z des Franz Josef- Ordens verliehen. Wie«. Hier ist der 70j ährige Advokat Dr. Rudolf M a n h a r d (alias Mandelbaum) ans dem Judentum ausgetreten. Haag. Aus Anlaß der Eröffnung des FriedenSvalastes wurde dem Wiener Schriftsteller Fried das Ehrendoktorat der Universität Leyden verliehen. — Alfred H. Fried, der im Jahre 1911 den Nobelpreis erhielt, ist neben Baronin Suttner einer der eifrigsten Propagandisten der Friedensidee in Oesterreich. Fried ist Wiener von Geburt und steht im 49. Lebensjahre. Er ist der Verfasser zahlreicher pazifistischer Publikationen und Herausgeber der „Friedenswarte." Haag. Advokat W. de Pinto, der den Internat. Friedens! on greß eröffnete, und Kapellmeister I. M. Bolle, der den Chor dirigierte, sind traditionell gesinnte Juden. Paris.. Die Akademie der Wissenschaften hat Herrn Netter für seine Arbeit über die Gere* bro-Spinale Meningitis den Breant -Preis (2000 Francs) und weitere Preise in derselben Höhe aus dem A r g u t - F o n d für die Studie über den E f f e k t der X-Strahlen an Robert Crömienx und aus dem Bonaparte-Fond an A. A b r a h a m zur Vollendung eines wichtigen Werkes auf dem Gebiete der Physik verliehen. Kischinew -Rußland). In der Vorstadt Bajukani sind des Nachts von Soldaten der Jude Josef F r i e d m a n n und seine Frau ermordet und ihre Kinder und die Nachbarin Grabens schwer verwundet worden. Kiew (Rußland) Ein 20 jähriger Jude Namens Schwarz hat infolge der Wohnrechtschikanen Selbstmord verübt. — Etwa 150 j ü d i s ch e Schüler haben sich taufen lassen, um in die Handelsschule aufgenommen zu werden. Kiew tRußland). Zu der am 8. Oktober beginnenden Verhandlung des Be il is-Pr ozcsscs sollen 231 Zeuge» vernommen werde». Verteidiger Bcili's sind Gruzenberg (Jude), Kar ab ts ch e w s ky u. Z ar ud ny. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Wipper- Petersburg. Fast alle von der Verteidigung vorgeschlagcnen Gutachter sind abgelehnt worden, so der bekannte Talmudkenner Professor Dr. theol. Hermann L. Strack- Berlin, „weil dir Entfernung zwischen Berlin uild Kiew zu groß sei." Zur Illustration dieser 'Ausrede möge dienen, daß der katholische Geistliche In st in Pranaitis, dessen Gutachten die Hauptgrundlage für die „Ritualmord"-Beschuldigung bildet, in Taschkent wohnt, also zur Reise nach Kiewmehr als eine Woche brauchen wird. Rew-Aork. Der zum Botschafter in Konst a n t i n o p e 1 ernannte Henry M o r g a n t h a u ist 1857 in Deutschland geboren und wanderte in seiner Kindheit nach Amerika aus, wo er später an der City and Columbia University zum Dr. jur. promovierte. Nach Beendigung seiner Studien wandte er sich dem kaufmännischen Berufe zu. Er war zuerst Mitinhaber der bekannten Firma Lachmann, Morganthau and Goldsmid, sodann Direktor eines großen Bankinstituts in Newyork. Morganthau, der aus verschiedenen Gebieten des öffentlichen Lebens hervorragend tätig ist, bekundete auch für jüdische Dinge stets warmherziges Interesse. Er ist Präsident der Newyorker Free Synagogue und gehört dem Direktorium des jüdischen Mount Sinai-Hospitals an. Normal School Bovano I Wesorstr. 7. HWUlM-WüMlrllMII. Tel. 12428.1 Privat-Zirkelnnd Klassenunterricht. I Besondere Zirkel für Damen besserer Kreise. I Oeffentl. Probestunden Mittwochs am 11,5,7 a. 9 Uhr. M Rew-Aork. Bei einem Schilfs Unglück in der St. Lonis-Bay ertranken sieben Juden (Louis und Netty Lasky, Clara Goldstein, Ahron Segall und seine Kinder Benni, Philipp und Silvay). New-Rork. Im June landet-n in Amerika 13012 jüdische Emigranten, darunter 9372 aus. Rußland. Rew-Aork. Postmeister Jiidor Sobel inErie <Paj wurde als Präsident der Nationalvereinigung der P o st m e i st e r wiedergewählt. — Irving Berlin (Berlinsly) soll mit seinen 30 populären Liedern, darunter „Alexander» Ragtime Band", dieses Jahr ein Einkommen von 100 000 Dollar haben. Der Komponist ist erst 24 Jahre alt. Schneiderei Crossmann Kalsenmtraaao lOa, Entrost*/. Kaiser Wilhelm-Passage. Telefon Amt I, 6930. Englische Jacken-Klelder. Garantie für gute Passform. — Prima Stoffe nnd Zutaten. 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In meiner Eigenschaft als Schreiber der damaligen Leichenschau-Kommission kann ich versichern, und Herr Amtsrichter Müller wie die sämtlich hier anwesenden Mitglieder der Kommission werden mir bezeugen, daß die Halsbinde und die gesamte Kleidung der Leiche intakt waren. Die Halsbinde wies auf der Innenseite Blutflecken auf, war aber unzcrschnittcn und vollständig unbeschädigt." Die Billigkeit erforderte, daß dem Anträge des Verteidigers diesmal nachgegeben wurde. Die Aussage Hirschthals lvurde protokolliert; die ehemaligen Mitglieder der Leichenschau-Kommission beschworen, daß die Halsbinde des Ermordeten weder einen Schnitt noch Stich noch Riß gezeigt hatte. 'Der Kreisphysikus warf Perez einen bitterbösen Blick zu und überraschte hernach den Gerichtshof mit der Frage: „Es ließe sich vielleicht in Erwägung ziehen, ob der Mörder nicht etwa seinem Opfer, um die Tat zu verdecken, eine schon bereit gehaltene zweite Halsbinde umgelegt habe?" Alle Welt sah einander verblüfft an; Dr. Thorner und der Förster lachten seelenvergnügt, als habe ihnen der Kreisphysikus einen famosen Witz erzählt; zunr ersten Male während des Prozesses machten die Verteidiger ratlose Gesichter. Nur der Angeklagte, der trotz seiner Beschränktheit recht gut merkte, daß der. Kreisphysikus aus verletzter Eigenliebe heraus ihm llngelegenheiten bereiten wollte, erhob sich, ohne, was er noch nie verabsäumt, die Erlaubnis des Präsiden.eir abzuwarten, und rief hefttg: „Nun, das muß ich sagen, der Herr Kreisphysikus kennt sich bei Mordtaten aus! Vielleicht hat auch der Mörder dem toten Julek die Extrauniform angezogen und den Paradehelm aufgesetzt!" Seine Empörung war so hinreißend, daß Richter und Publikum davon mit ergriffen wurden. Im Journalistenwinkel begannen Sympathien für Perez reif zu werden. Der Berliner sprach es rund heraus: „Dieser Kreisphysikus ist offenbar verrückt." „Ich bin nicht Mediziner genug, um das zu verkennen," sagte der Posener, „aber ich habe eben nicht viel Hoffnung für die Kranken des Herrn Kreisphysikus." „Angeklagter, verhalten Sie sich ruhig," ermahnte der Präsident, „Sie dürfen hier nur sprechen, wenn ich oder der Herr Staatsanwalt Sie befragen. Geben Sie. mir jetzt Antwort: wann haben Sie den Ermordeten zum letzten Male gesehen, respektive gesprochen?" „In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag. Ich habe aber gar nicht zu ihm gesprochen, im Gegenteil, er sprach mich an, aber ganz vernünftigohne