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Neue jüdische Presse · 1913-08-22 · Heft 33 (22.8.1913) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 33 (22.8.1913)
Date
1913-08-22
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Veite 4. Ich soll berichtigen? Dazu bür ich nicht Kindskopf genug. Gegen schlechten Glauben Hilst .Loyalität mdjt. Meine Rede ist nach! einer stenographischen Äufnahim: in „Jewish Chroniclc" erschienen. Ich habe das Stenogramm nicht einmal zur Durchsicht .IekourMen. Es ist denn auch in den Einzelheiten vielfach unrichtig. Worte sind falsch gehört und verstanden, Sätze verwirrt worden. Aber die großen Linien sind wiedergegeben. Das von mir durchzusehende Originalstenogramm wird in der nächsten Nummer des „Echo de Sioniste" erscheinen. Wer die Wahrheü kennen will, kann sie aus diesen leiden Quellen schöpfen. Mit Zionsgruß Ihr ergebenster Dr. M. Nordau. Linoleum } einfarbig braun, Ia Qual. 3,6 mm } 0» I w Bei grösseren Quanten Extraofferten. Om Kupmokß Frankfurt a. JL, Altegasse 27/29. - Bingfreie Tapetenindustrie. ■■■- Aus aller Wett. Devtsches Reich. Serttn. Hermann L Strack, der bekannte Professor der Theologie an der hiesigen Universität, veröffentlicht znm , , Kiewcr Prozeß folgende Erklärung: „Mit Recht regt sich auch in Deutschland has Mitgefühl für den Juden Beilis in Kiew, der nun mehr als i?1/-! Jahre im Gefängnis ist, ohne daß eine gerichtliche Verhandlung stattgefunden hat.. Er ist bekanntlich beschuldigt, den Knaben Andreas Juschtschinski im März 1911 ermordet zu haben, und zwar, um dessen Blut für einen mit der jüdischen Religion zusammenhängenden Zweck zu verwenden. Die Hauptgrundlage für die „Ritualmord"-Beschuldigung bildet das gerichtlich erforderte Gutachten des römisch-katholischen Geistlichen Justin Pranaitis. Es wird vielen willkommen sein, zu vernehme», daß ich nm Beurteilung dieses Aktenstückes ersucht worben bin. Es füllt mehr als 50 Folioseiten in enger, russischer Maschinenschrift. Jetzt glaube.ich hier nur dies sagen zu dürfen, daß es nicht beweist, was es beweisen will und soll. Zur geeigneten Zeit werde ich mich eingehend in der Oeffentlichkeit äußern." Oesterreich-Ungarn. Wie«. „Bloch's Oesterr. Wockenschrift" schreibt üb.r tie Krakauer Jeschibah folgendes: Seit 12 Jahren besteht in Krakau eine Jeschibah, die einen stark gesuchten geistigen Mittelpunkt der galizischen orthodoxen Judenschaft bildete, wo berühmte Vortragende in altem Geiste Talmud, Dezisoren und talmudische Literatur vortrugen. Anfangs hatten sich die Krakauer Orthodoxen um diese wichtige Anstalt gekümmert, und zur Erhaltung derselben auch bedeutende Opfer gebracht. In den letzten Jahren war die Jeschibah vollständig sich selbst überlassen, so sehr, daß hie Bachurim in großer Zahl herbeigeströmt waren, sich selbst ein Schulgeld auferlegten, um die Sperrung der Jeschibah hintanzuhalten. Es scheint nun, daß die Krakauer Orthodoxen es doch nicht auf dieses Aeußerste haben ankonimen lassen wollen, denn vorige Woche traten unter Führung zweier angesehener orthodoxer Juden, und zwar des Kultusrates Liber Korngold und Nastali Rothenberg, Vater des Antwerpner Rabbiners, mehrere Mitglieder der orthodoxen Richtung zu einer Beratung zusammen, die damit schloß, daß ein neuer Vorstand gewählt wurde, der eine Gewähr dafür bietet, daß die Krakauer Jeschibah bei Aufrechterhaltung ihres guten Rufes auch für die Zukunft gesichert bleibt. Prag. Die „Selbstwehr" verzeichnet folgcnden unerhörten Vorfall: Eine Abteilung der Aussiger Handelsakademie unternahm unter Führung ihres Lehrers Prof. Zeidler eine Studienreise nach Deutschland und Holland. In Frankfurt am Main augekommen, wurden die christlichen Schüler in das „judenreine" Hotel „Kölner Hof" einlogiert, und den jüdischen Schülern wurde gesagt, sic müßten sich ein anderes Logis suchen. Rntzland. Jedwabno (Lomser Gouv). Dreidiertel unseres Städtchens sind innerhalb 2 Stunden ein Raub der Flammen geworden. 300 Familien sind obdachlos. Auch die etwa 150 Jahre alte Synagoge mit ihren wundervollen Schnitzereien sowie das Beth-Hamidrasch mit 14 vollständigen Schas sind vernichtet. Italien. Rout. Luzzatti, der frühere Ministerpräsident, regt im „Corriere della Sera" die Begründung eines internationalen Komitees an, das im Namen der Zivilisation Rumänien die endliche Emanzipation der Juden ausnötigen soll. Dem Komitee sollen angehörcn Balfour, Clenienceau, Professor Euckcv, Visconti Veuosta, Martini und andere hervorragende Männer, unter ihnen in erster Linie Prä¬ Frankfurter JsraeWsihes FüuriKeMM. sident Wilson. Einem derartigen moralischen Drucke werde Rumänien schließlich nachgeben müssen. Bekanntlich besteht auch in Amerika seit kurzem bereits ein Komitee für die Emanzipation der rmnänischen Juden, an dessen Spitzender Sprecher des Repräsentantenhauses, Chamv Elark, steht und dem sich neuerdings auch der Multimillionär Astor angeschlossen hat. Palästina. Jerusalem. Unter dem Vorsitz David 2) ellin's hat sich ein Jüd. Verein für die Förderung der Palästinakunde gebildet. Zweck: Einrichtung einer wissenschaftlichen Bibliothek und eines Museums für Landeskunde, die weitere Ausgestaltung der-meteorologischen Stationen sowie die Herausgabe geeigneter Schriften in hebräislKr Sprache, um die weitesten jüdischen Volkskreise für die Palästinakundc zu interessieren. Personalien «. Kleine Mitteilnngen. Berlin. Dr. Louis Katzenstein, Dozent der Nationaloekonomie, Lehrer und Vorstandsmitglied der „Freien Hochschule", ist verschieden. Berlin. Der neue jüdische Friedhof an der Heerstraße — südlich von Spandau — ist von der Regierung genehmigt ivorden. Berlin. Siegfried Brünn, Mitglied des Ausschusses des Deutsch-Israelit. Gcmeindebundes und bekannt als großzügiger Förderer des Verbandes der Jüd. Jugendvereine, feierte seinen 75. Geburtstag. — Am 1. Dezbr. 1910 gab es in Preußen 5516 jüdischchristliche Ehen. Berlin. Bei dem am 24. August nachmittags 3 Uhr auf dem Sportplatz des Sportklubs Charlottcnburg, Köuigsweg, stattfindenden Meeting des Bar-Kochba gelangt erstmalig auch ein Wanderpreis der Großloge für Deutschland 11. O. B. B. für die Meisterschaft im Fünfkampf zum Austrag. Die Stiftung des Preises entspringt der Initiative.des auf dein Gebiete der Jugendpflege hochverdienten Großpräsidenten Gehcimrat Timendorser. Hannover. Hermann Ph Wolfes. Mtglied dkl Handelskammer und Vorsitzender der Getreidebörse, erhielt den Roten Adlerorden 4. Klasse. Witzeuhansen. Markus Wallach feierte letzten Samstag sein 25jährigcs Jubiläum als Aeltcstcr der Synagogengemeinde. m. Neustadt (Kr. Kirchhäln), 15. August. Die älteste Einwohnerin der Stadt, Frau Witwe Herz Levi beging heute die Feier ihres 95. Geburtstages. Die Greisin erfreut sich noch einer seltenen körperlichen und geistigen Frische und entsinnt sich noch vieler Ereignisse, die vor bereits 80 Jahren sich zugetragen haben. Vor noch 5 Jahren hat dieselbe noch landwirtschaftlich? Arbeiten verrichtet. 6 Kinder, 27 Enkel und 13 Urenkel umscharen die Mutter, Groß- und Urgroßmutter an ihrem Ehrentage. An den vielen eingelaufenen Glückwünschen war sichtlich' zu sehen, welch großer Beliebtheit sich die Jubilarin, die stets einen sehr religiöse» Lebenswandel führte, bei der gesamten hiesigen Einwohnerschaft, ohne Rücksicht auf die Konfession, erfreut. Bade« (Schweiz». Die Einweihung der neuen Synagoge findet am 2. Septbr. statt. Soden a. Taunus. Hier fand letzten Donnerstag abend im Russischen Hof zum besten eines armen Knaben ein Wohltätigkeitskonzert statt. In liebenswürdigster Weise hatten hierzu der Tenorist Josef van C o l l c m - Frankfurt, seine Tochter Eveline, der Baritonist Daran und Herr Löwen st ein-Frankfurt, ein hervorragender Klävicrvirtuose,. ihre Kunst zur Verfügung gestellt. Stürmischer Beifall folgte jeder Nummer. Wien. Der berühmte Augenarzt Professor Fuchs, der 1907 öffentlich erklärte, daß er keine polnischen Juden behandle, hat sich wieder ein Stückchen geleistet. Ein Dozent hat ihn wegen der Verleumdung, er lasse sich Klienten durch Kellner und Hotelporticrs zuweisen, vor Gericht gefordert. Auf die Frage, ob er Beweise für die Behauptung habe, cntgegnete Professor Fuchs zynisch, daß er sic nicht besitze, daß es ihm aber genüge, die Ernennung des Dozenten hintertriebcn zu haben. Auf den Vorhalt, daß ihn der Dozent bei der Aerztckammcr und bei Gericht belangen lvcrde, erklärte Professor Fuchs, er werde gerne die paar Gulden Strafe bei Gericht zahlen und die Zuschriften der Aerztekammcr in den Papierkorb werfen. Auch förderte die Verhandlung zutage, daß Fuchs im Professorenkollegium wiederholt gegen die Ernennung von Assistenten aufgetreten sei, weil die Assistenten in der Praxis den Professoren Konkurrenz, bieten. Bndasteft. Flügeladjutant Oberst Ritter v. Margulli übcrbrachtc den Hinterbliebenen des Oberbürgermeisters Dr. Franz Heltai das Beileid des Kaisers. In dem Kondolenzschreiben Finanzministers Dr. Ritter v. B i l i n s k i an die Witwe heißt cs: ^Mit Wehmut gedenke ich der schönen Geselligkeit in Ihrem Budapester Heim, wo der Verewigte den Kollegen seines öffentlichen Lebens mitten in der herzlichsten Gastfreundschaft wertvolle Anregung zu großen politischen Gedanken zu geben Pflegte." _ Budapest. Interessante Details erzählen die Ungar. Blätter von der Agitationsrcise des jüd. Staatssekretärs V a d a s z, der sich in M a r m a r o s o z i g e t, einem echt jüdischen, chassidischen Zentrum, einer Wahl zum Abgeordneten unterzieht. Da der Staatssekretär am Samstag dort ein traf, hatten sich die Juden vom Empfang vollständig fern ge halten, ja als er am Nachmittag u. a. auch beim orth. Rabbiner C h a i m Rr. 33. Teitelbaum seine Visite machte, mußte er von demselben direkte Vorwürfe entgegennehmcn, daß er als Mitglied der orth. Gemeinde in Kisvarda am "Sabbat in der Stadt herumfahre. Auf die Entschuldigung Badasz', daß der Politiker im öffentlichen Leben nicht auf jedes Detail der Religion Rücksicht nehmen könne, meinte der Rabbi, der Lordmayor von London habe den Weg zur Schwurleistung samt seinem Gefolge zu Fuß zurückgelcgt, weil er den Sabbat nicht öffentlich entweihe» wollte. Alan glaubt, daß durch dieses Verhalten des Staatssekretärs auch seine Wahl gefährdet sei. Karlsbad. Hier verschied Dr. L o u i s P e i se r aus N e w y o r k, Chefarzt des dortigen deutschen Hospitals im 54. Lebensjahre. Er war aus Posen gebürtig. PelerSbura- Die Verhandlung des Kiewer Beilisprozesses ist nunmehr auf den 8. Oktober anbcraumt worden. Petersburg. Die Gouverneure hatten bisher in der flieget den jüdischen Soldaten des russ.- japan. Krieges nur dann das Wohnrecht in ganz Rußland gewährt, wenn sie an einer Schlacht beteiligt waren. Mit dieser unerhörten Einschränkung hat jetzt endlich die Regierung aufgeräumt. Petersburg. I B. Marko n, Herausgeber der hebräischen Enzyklopädie, ist zum ordentlichen Mitglied? der Kaiserl. Archäologischen Gesellschaft ernannt worden. — Bei der Preisbewerbung für den besten Plan eines Romanow - Jubiläums - Versorgungshauses für Adelige erhielt Architekt N a ch m a n n den ersten Preis. Kiew- Der Tod des Advokaten Demitri Pichno bedeutet für die Aufhellung der Politik, die hinter dem Beilis-Prozeß spielt, einen großen Schaden. Pichno wußte, was sich hinter den Kulissen zutrug. Saloniki. König Konstantin ernannte Abram E r g a s zu seinem H o f s ch n e i d c r. Auch der hiesig? Leibfriseur des Königs ist ein Jude. New-Aork. Der im 66. Jahre verstorbene Abner Tannenbaum war der bedeutendste und angesehenste Jargon-Journalist Amerikas. — Die Jury sür die A m e r i k a n i s ch e M e d i z i n i s ch e Goldene Medaille hat diese Prof. Dr. M. I. Rosenau-Brookline verliehen. Offenbaeher Druckluft - Anlage Oftunbaoh U. H. Telefon 123. (Anschluss mit Frankfurt). Bewährteste TupolChrulnlganD. 100,000 qm jährlich sowie unübertroffene Betten- und Bettfedernreinlgung mittelst Druckluft und Wasserdampf. Aus der zionistische« Bewegung. Altona. Die Tages-Ordnung des Dele» giertentages der Zionistischen Föderation „M i s r a ch i", der am 31. Aug. und 1. Septbr. in Wien, Restaurant Huebner, IV., Allcegasse 8, stattfindet, lautet wie folgt: Beginn der Tagung: 4 Uhr nachmittags. I. S i tz u n g: a) Eröffnungsrede — Dr. Franck, Begrüßungen, Wahl des Präsidiums, b) Bericht über die Tätigkeit während der Kongreß- Periode — Referent: Dr. Franck, c) Finanzbericht — Referent: Rechtsanwalt David d) Generaldebatte. Montag, den 1. September 1913: Beginn: 10 Uhr vormittags. II. Sitzung: e) Bericht über Palästina-Arbeit — Referent: Rabbiner Fischmann-Jasfa, k) Bericht über Tachkemoni — Referent: S. Wolfs- Antwerpen. Debatte. Nachmittags: III. Sitzung: g) Referat über Agitation und Propaganda — Reserent: Redakteur Berlin, h) Organisation — Referent: Rechtsanwalt David. Debatte. i) Wahlen, k) Diverses. Wien. Vom 2. bis 9. September findet hier — und zwar in einem der vornehmsten Etablissements, im Musik- ' vereinssaal — der 11. Z i v ni st e n k o n g r c ß statt, dessen Tagesordnung soeben bekanntgegeben wird. Die Eröffnungsrede hält der Vorsitzende des E. A.-C., Prof. Dr. Otto Marburg -Berlin. Außerdem wird in der Eröffnungssitzung, die am Dienstag abend in der Katharinenhalle staltsindet, N a h u m S o k o l o w - Berlin über das jüdische Leben in der Diaspora und Dr. Schmarja Levin-Haifa über das neue Judentum in Palästina sprechen. Den Tätigkeitsbericht des Aktiv ns-Com i t e § erstattet Rechtsanwalt Dr. H a n t k e - Berlin, der in feinem Bericht voraussichtlich auch die politische Situation ber zionistischen Bewegung behandeln wird. Die -praktische Arbeit des Zionismus wird in den Referaten von Justizrat Dr. Bobenheimer -Köln über die Tätigkeit des Jüdischen Nationalsonds seit dem 10. Kongreß, von Dr. Arthur RupPin-Jaffa über die zionistische Arbeit in Palästtna und von M. F e l d st e i n - Warschau über den jüdischen Kulturfonds Kedem besprochen werden. Ein Besonderes Referat ist auch der Tätigkeit der zionistischen Bankinstiticke gewidmet,. das von dem Direktor, des Jewish Colonial Trust Dr..R. Katzenels o h n - Libau erstattet tverden wird. Ideale Forderungen der zionistischen Bewegung — allerdings von weittragender praktischer Bedeutung — kommen in den Referaten von M. 11 ssischkin - Odessa über jüdische Kulturarbeit in Palästina und von Prof. Dr. W c i'z m a » n - Manchester über die Frage der

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