Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 33 (22.8.1913)
- Date
- 1913-08-22
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 33 Frankfurter Israelitisches Fanrilienblatt. Leite 5 Gründung einer jüdischen Universität in Palästina zur Debatte. — Neben dein Kongreß gehen noch eine Reihe von S ander v e r a n st a l t u n g e n anderer jüdischer Verbände,.her. Sa iverden die Jüdische Turuerschaft, der Verband Jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina, der Jüdische Hautilungsgehilfenvcrband, der Zionistische Jugendverband „Zeirc Zion" u. v. a. besondere Versammlungen abhalten. Am Sonntags den 7. und Montag, den 8. September findet auf dem Wiciina Sportplatz ein großes „T n r n - nnd Sportfest" der Jiddischen Turnerschaft statt, während die Jüdischen Akademiker am Sonnabend abend in der Katharinenhallc einen feierlichen „Akade m i s ch e n F c st a k t" arrangiert haben. Ilm Montag abend finden in allen Stadtteilen Wiens insgesamt 30 zionistische Versammlungen statt, und am Dienstag abend werden sich die Mitglieder der ncugewählten Leitung der zionistischen Beivcgung in zwei großen Meetings im Sophicnsaal nnd im Bccthovensaal vorstellen. Während des ganzen Kongresses sind die A u s st e l - lnngen des Jüdischen Nationalfonds, der Jerusalemer Kunstgewerbeschule „Bezalcl", des Indischen Verlages und die Spitzenausstellung des Verbandes Jüdischer Frauen geöffnet. Am Mittlvoch, den 3. und Donnerstag, den 4. September sind in der Neuen Wiener Bühne hebräische Theatervorstellungen angesetzt, und ain Montag, den 8. September, hält die Jüdische Tnrnerschaft im Sophicnsaal einen großen Kommers ab. Die Delegierten und die Gäste des Kongresses werden am Sonntag, den 7. September gemeinsam einen Gang zum Grabe Theodor Herzls unternehmen. Sämtliche verfügbaren Tribünen karten sür die Kongreßverhandlungen sind bereits vcrgrisfe», und es können nur noch für die Eröffnungssitzung eine Anzahl von Eintrittskarten in 'Wien ausgegebcn werde». — Die österreichischen Eisenbahnen gewähren.für Reisen znm 11. Zionistenkongreß ziemlich erhebliche Ermäßig ung e n. Legitimationskarten für diese Ermäßigungen sind vom Büro des 11. Zionistenkongresses, Wien I, Giselastraße 12 zu beziehen. Die Ermäßigungen gelten für die Fahrt nach Wien vom 25. August bis 7. September, für die Rückfahrt von Wien vom 6. bis 14. September. Auch die Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschgft und die Ungarische Fluß- und Seeschiffahrts-Gesellschaft sowie die Adria-Ausstellung gewähren den Kongreßd'elegierten nnd den Gästen des Kongresses nicht unbedeutende Ermäßigungen. —'Das Zentralorgan der zionistischen Beivegung, „Die Welt", wird während des Kongresses täglich erscheinen. Diese Äongreßnummern können beim Verlag der „Welt", Berlin IV. 13, Sächsischestraße 8, besonders abonniert werden. Jaffa. 10. August Seit etwa zwei Monaten wirkt Rabb. F i s ch in a n n, der Vertrauensmann des M i s - r ach i für Palästina, ,unermüdlich für die Verbreitung der misrachistischen Idee. Dank seiner Bemühung ist hier eine stattliche m i s r a ch i st i s ch c Ortsgruppe ins Leben gerufen worden, ,an deren Spitze der angesehene Kaufmann E. A. K a h a n a und der Leiter des bekannten Geschäftshauses M e i s e l, sowie Schriftsteller C h a d o - rowski stehen. Auch Se. Ehrw. Obere. Kuck ist für die misrachiftische Idee begeistert und ist bereits telegraphisch zur Teilnahme an dem Kongresse eingeladen worden. Rabbiner F i s ch in a n n ist ein cisrigcr Kulturzionist und ' beabsichtigt, in Gemeinschaft mit deni genannten Schriftsteller C h a d o r o w s k i eine. Zeitschrift hcranszugeben, die den Zweck haben soll, im Lager des ChalukajndentumS Kultur zu verbreiten. Am Abend des 0. August versammelten sich sämtliche zionistischen Vereine — die allgemeinen Zionisten, die Poal'ei-Zion, und die Misrachisten — in der Aula des hebräischen Gymnasiums, um die Delegicrtenwahlen 'zum 11. Zionistenkongresse vorzunehmen. Es ist dies das erste Mal, daß der Misrachi nnt den allgemeinen Zionisten und Poalei-Zion gemeinschaftlich, dazu im hebräischen Gymnasium, verhandelte. Gewählt wurden Prof. Dr. Bo - g r a tz o f, Gymnasialdircktor Pi oschcssohn und Bibliothekar B. Kos. B. A. ü Mllefon Das „Scheker-Btlbnl". Von C. Berg. (26. Fortsetzung). „Ich weiß nicht, meine Herren, woher Sensation in diesem Prozesse kommen soll!" seufzte ein kleiner, blonder Herr mit einem zartgeformten, weichen Gesicht, das eher einem hübschen Mädchen zu. gehören schien als dem Vertreter eines sächsischen Antisemitenblaites. Dieser junge Journalist war wegen feines einschmeichelnden Wesens bei den Kollegen von der Feder sehr beliebt. Die Herren befleißigten sich ihm gegenüber der größten Zuvorkommenheit. Leider gab es unter ihnen einige Galgenvögel, welche die Unerfahrenheit des ^zutraulichen Jünglings mißbrauchten, um ihm heimtückisch einen Bären aufzubinden. Der biedere Sachse erzählte jedem, er sei unzufrieden mit dem Gang des Prozesses, ja, er bereute ganz laut, daß er um dieser inhaltsleeren Geschichte willen die Reise von Dresden nach Ps. . . gemacht habe. „Wir vernehmen nichts als alltägliche, nüchterne Dinge," wehklagte er. „Daß Perez mit Vatersnamen Weichholz h'cjßt, daß am Tatort ein schmutziger'Rezeptstreifen gefunden wurde, von welchem der Angeklagte zugibt, daß er ihn dort in der Mordnacht verloren habe, während er das daneben gefundene Messer als fremdes Gut zurückwcisr. Warum leugnet der alberne Patron nicht rundweg oder gibt beides zu? Obendrein erregen sich über den Messerfund die Herren Verteidiger um die Wette. Der eine erzählt uns, daß er Philipp heiße, er aber, trotzdem sein Name gleichfalls mit einem P beginne, doch kein Messer unter seinen Effekten vermisse. Der andere versichert uns mit ungeheuerer Wichtigtuerei, daß, obwohl Pctersvn mit einem P geschrieben werde, dies ebensowenig ein absolut zutreffender Beweis sei, daß jenes Messer ihm gehöre, als daß es durchaus dieser Perez verloren haben müsse." „Und doch ist jenes Messer entschieden die Mordwaffe gewesen," sprach der Berliner bestimmt. „Woher wissen Sie das?" fragte der Sachse eifrig. „Weil selbst das P auf dem Messer ein hartes P war." „Ich sehe wohl, es ist nichts mit diesem Messer," rief der Kleine entsetzt, „und dabei hätten wir auf einen Ritualmord gerechnet'" „Das kommt vielleicht noch," tröstete der Posener, „man muß nie die Hoffnung auf das Gute aufgeben." Der Sachse schüttelte traurig das Haupt. „Ich hoffe nichts mehr, die Zeugenaussagen sindmir zu widersprechend. Während der Bürgermeister Hartmann den Perez als ein verkommenes, boshaftes Subjekt hinstellt, beschwören der Förster Hcgemann und der Obcramtmann Riegner, daß er ein fleißiger, ordentlicher Bursche sei, ein gutmütiger Trottel, welcher keiner Fliege ein Bcinchen ausrupfen könne. Und diese durchweg hochachtbaren Männer kennen Perez seit seiner Geburt!" „Vielleicht stutzen wir doch noch einen Mord aus Eifersucht heraus," ermunterte der Posener, in Seelenruhe seinen Bleistift spitzend. „Denken Sie au das -seltsame Verhältnis des Wasserträgers zu jener großen Unbekannten, der Pclagia!" „Ja," rief der Berliner begeistert, „die Pelagia! Das klingt so polnisch, so feurig! Halten Sie sich kampfbereit, junger Fcderheld, Sie füllen mit der Personalbeschreibung der Holden allein eine Spalte ans!" „Was beginne ich mit der Personalbeschreibung, wenn ich das Mädchen dazu nicht hier habe? Und da stehen wir aufs neue vor dem Unbegreiflichen: Tilnrann, der einfache, unschuldige Tilmann schwört, daß er mit leibeigenen Augen gesehen, wie Pclagia den Perez' geküßt habe, und sämtliche Hausfrauen Zladnos, die schöne 'Amtsrichterin an der Spitze, beteuerteneidlich: der Wasserträger sei ein Tugendbold, ein frommer Knecht wie weiland Fridolin." „Trifft vielleicht zu," meinte der Posener trocken, „denn wie Tilmann beschwor, hat Pelagia geküßt, aber wir hörten von keinem, daß Perez sie wiedergeküßt habe." „Dann verdient er erst recht bestraft zu werden, dieser Idiot! Aber wo soll da Leidenschaft, Passion, — mit einem Wort, wo soll da die Sensation Herkommen?" Die Glocke des Präsidenten machte d e K'agen des Sachsen verstummen: Frau Schmula wurde sieben wohl und munter von dem Gerichtsdier.e: wieder hereingrsührt. Der Vorsitzende begann sofort, die Zeugin s hr eindringlich zu verhören. „Haben Sie bemerkt, daß Perez in der Nacht vom sechsten zum siebenten Oktober fortging?" „Nein, das habe ich nicht bemerkt," sagte Frau Schmula, „nur den nächsten Morgen fiel mir Perez durch sein verstörtes Wesen auf." „Worin, zeigte sich diese Verstörtheit?" „Er jammerte so laut in seiner Kammer, daß ich hineinging nnd ihn fragte, was ihm fehle. Aber mein Mitleid ward schlecht belohnt, ich fand den Perez sehr grob und roh. Er war heillos betrunken und schlug nrir die Tür vor der Nase zu. Heute kann ich mir wohl denken, warum," schloß sie triumphierend, „er wollte nach der Mordtat allein sein." „'Angeklagter," wandte sich der Vorsitzende an Perez, „warum find Sie Ihrer Nachbarin so unhöflich begegnet?" Perez erhob sich. „Daß ich die Tür vor ihr zugeschlagen habe, das stimmt. Der Schmula ist ein sehr ordentlicher Mann, aber das Weib ist eine Schwatzliese und liegt den ganzen Tag in fremden Stuben. Daß ich betrunken war, ist gelogen, ich bin zweiundvierzig Jahre alt und war noch nicht eine Stunde in meinem Leben betrunken." Hier unterbrach den Angeklagten der Verteidiger Hirschthal: er bitte den hohen Gerichtshof um die Erlaubnis, die beiden Gastwirte ZladnoS eidlich zu vernehmen, dieselben würden bekunden, daß sie an Perez niemals Bier, Branntwein oder sonstige Spirituosen verkauft haben. Dieser Antrag der Verteidigung wurde als belanglos und zeitraubend abgel.hnt. Aus den schon verlesenen Wohlverhaltungszcugnissen, welche mehre, e angesehene Bürger Zladnos dem Wasserträger ausgestellt, gehe zur Genüge hervor, daß Perez kein Trunkenbold sei. „Hoher Gerichtshof," rief Frau Schmula, „ich beschwöre, daß ich an jenem Tage eine Flasche Wem in des Perez Stube gesehen habe." „Das ist richtig," sagte der Vorsitzende, „wir wissen, Perez, daß diesen Wein eine Wohltäterin Ihrer Mutter gesandt hatte. Sie haben in der Voruntersuchung dem Herrn Tr. Pauli zugegeben, daß Sie davon getrunken haben, weil Sie sich erregt und schwach fühlten von der Nacht." Perez antwortete ziemlich mürrisch: „Nun, wir Menschen können alle schwach werden. Und ich war noch sehr erschrocken." „Worüber? Wenn Sie schuldlos waren, kannten Sie von der Mordtat unmöglich schon Kenntnis haben; denn wie aktenmüßig festgestellt ist, haben Sie an jeneni Tage überhaupt nicht Ihre Wohnung verlafseir. 'Außerdem wurde die Leiche erst am Morgen des neunten Oktober aufgesundrn. Was erregte Tie also damals so heftig? Sprechen Sie!" Perez blickte den Präsidenten erschrocken an und blickte dann angstvoll auf seine Verteidiger. Dr. Peterso» und Hirschthal saßen, wie auf Berab.edung, angelegentlich in ihre Akten vertieft, sodaß sie seine um Rettung flehenden Augen gar nicht zu bemerken schienen. Zum Kuckuck, wozu waren die beiden da, wenn sie ihni bei dieser schrecklichen Frage nicht zu Hilfe kamen? Bald aber vergegenwärtigte er sich, welche unendliche Mühe Tr. Petcrson und Hirschthal schon mit feiner Verteidigung gehabt hatten; wenn sie sich augenblicklich still verhielten, mochicn wohl dafür G.ünde vorliegen, die er zu unwissend war -einzusehen. Er seufzte tief aus, erhob die Augen mit unendlicher Schwermut zu dem Präsidenten und schwieg. „Angeklagter, halten Sie an diesem Tage eine Unterredung mit der Geliebten des Ermordeten, mit der Pclagia?" „An diesem Tage, nein." „Also am nächsten Tage?" fragte der Staatsanwalts „Darüber werde ich nichts sagen," stöhnte Perez verzweifelt, „es ist nutzlos, mich damit zu quälen." Durch das Auditoriunr ging ein Zischen und Brausen, wie die Wasser toben, weiur das Eis über das Wehr bricht. Der Präsident gebot unnachsichtig Ruhe. „Angeklagter," sagte der Präsident verweisend, „Ihr Schweigen und direktes Anlwortvcnoeigeru sind mehr als unbegreiflich. Sie bieten uns überhaupt des Unbegreiflichen sehr viel. Bald sind Sie aufrichtig wie ein Kind, bald wieder bis zur Unvernunft verstockt und verschwiegen. Gestern, bei der Vernehmung dcr beiden Herren Sachverständigen, haben Sie über eine Aeußcrung des Herrn Kreisphysikus laut gelacht. Die Zeit war zu weit vorgerückt, um Sie über diese Ungehörigkeit zur Rede zu stellen; heute frage ich Sie: Waruni haben Sie gelacht?" (Fortsetzung folgt.) J. W. Albert, Optik Fitsn. Pincenez Double Mfc. 7.50, Nickel Mk. 4.00. Weissfrauenstrasse II, E.ke Neuo Mamzerstrasae. Kaiser Friedricfi Quelle - öSenbuh a. X. ■■ Gegen Sieht «ad Bhematimnga bewährt. Alleiniger General -Vertreter: Friedrich Stahl, Frankfurt a.Ä., Günthersburg-Allee 37. TeL259 n. 714» Wochen-Kalender. (Zeitangaben nach dem Luacb.) Samstag, den 23. August — 20 Aw.) Sabbat-Anfang in Frankfurt a M. 7 Uhr — Min Sabbat-Ausgang in Frankfurt a M. 8 Uhr 15 Min. in Berlin 8 Uhr 02 Min. Wochenabschnitt: Ekew. — Gott verheißt Segen im Haus, im Feld und Hände-Erwerb für die Treue gegen sein Gesetze Wiederholt wird cingeschärft, die heidnischen Gräuel iiu gelobten Land nicht fortbcstehcn zu lassen. Es wird erinnert an den Zug durch die Wüste und