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Neue jüdische Presse · 1913-08-15 · Heft 32 (15.8.1913) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 32 (15.8.1913)
Date
1913-08-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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S»Üe 4. Frankfurter JsraeMsches Familienblatt. Nr. 32 Berlt«. Freiherr v. Zedlitz-Neukirch schreibt Sn „Tag": „Eine der größten Schwierigkeiten für die volle Ausnutzung unserer steigenden Bcvölkerungszahl für den Heeresdienst bildet die entsprechende Verstärkung der Ofsizierkorps, und zwar sowohl der Berufswie der Reserveoffiziere. Unter diesem Gesichtspunkt erscheint es als ein schwerer Fehlers daß, abweichend von Bayern, ini Bereich des preußischen Kriegsministeriums die Juden tatsächlich nicht nur von der Offtziersloufb ahn, sondern sogarvondemRescrvcoffizicrskorps so gut wie ausgeschlossen sind. Die österreichischen Erfahrungen lassen darüber keinen Zweifel, daß dadurch unserem Heeresdienst und namentlich dem Reserveoffizierkorps eine nicht unerhebliche Anzahl tiichtiger Kräfte entgehen. Auch ist die Befürchtung nicht abzmveisen, daß der Ausschluß der Juden zu einer laxeren Prüfung der individuellen Eignung für Len .Heeresdienst bei den andere» Bewerbern und somit zur Aufnahme minderwertiger Elemente in das Offizierkorps führt. Im Interesse des Heeresdienstes selbst wird dadurch auch im Bereich der preußischen Heeresverwaltung mit der bisherigen, mit der Verfassung schwer zu vereinbarenden Uebung zu brechen sein.' Die mir wiederholt entgegengehaltene Befürchtung «ner Ueberflutung des Offizierkorps mit Juden teile ich nicht. Bei strenger Prüfung der individuellen Eignung 'werden sich ungeeignete Elemente unschwer fernhalten lassen. Was nach sorgsamer Scheidung der Spreu von dem Weizen übrig bleibt, kann dem Heeresdienste nur zum Vorteil gereichen. Die politische Bedeutung einer solchen Wandlung bedarf der näheren Darlegung nicht. Wenn es die Aufgabe einer verständigen Regierung ist, die Ursachen berechtigter Unzufriedenheit zu beseitigen, so ist in dem vorliegenden Falle die Bahn fest vorgezeichnet. Hie Rhodus, hiesalta!" Leipzig. Zum Kapitel der 'unterschiedlichen Behandlung der ausländischen Juden in den jüd. Gemeinden Deutschlands liefert der Berwaltungsbericht der hiesigen Israelit. Rcligionsgemeinde einen charakteristischen Beitrag. Der Bericht leistet sich das Unbegreifliche durchweg zwischen deutschen und ausländischen Gemeinde- Mitgliedern zu unterscheiden! So heißt es in dem Bericht: „An Steuern zahlten die Reichsdeutschen 77 000 JL, die übrigen 1700 Gemeinde- Mitglieder, welche kein Wahlrecht besitzen, 42000 JL Armenunterstützungen an Deutsche und naturalisierte Ausländer wurden 4600 JL gewährt. Die Unter* Wtzungen an Ausländer sowie Beiträge an Wohltätigftitsvereine, Krankenhauskosten, Wanderarme usw. betrugen 58000 JL; hiervon wurden 35 000 JL au§ Stiftungen usw. vereinnahmt und 1.3000 JL durch freiwillige Beiträge — zum großen Teil von Ausländern ausgebracht. Die Gemeinde steuerte aus dem Etat im ganzen nur 13 700 Mark bei." Siebenzehntel der Steuerzahler sind Ausländer. Ein von dem Vorstand jetzt eingesetzter Ausschuß beschäftigt sich mit der Frage ihres Wahlrechts. Ob aber bei dem „jüdischen Antisemitismus" etwas herauskommen wird? Kissiugeu. In einer der wöchentlichen Logensitzungen der' hier anwesenden Brüdern und Schwestern der U. (Dl B. B. Logen hielt Frau Henriette May-Bcrlin, die Schriftführerin des Jüdischen Frauenbundes, vor vollem Saal ein Referat über den Jüdischen Frauenbund. Bon der Geschichte seiner Gründung ausgehend, entwickelte sie an der Hand der Satzungen sein Arbeitsprogramm, hob die bisherigen praktisch» Arbeiten hervor, wie das immer der Mittel bedürftig« Heim in Neu- Isenburg, das Krankenhaus für Moralkranke", berichtcte; über die Stellenvermittlungsfrage usw. Im Anschluß an die Mitarbeit im Kanrpfe gegen den Mädchenhandel konnte erwähnt werden, daß ein von der 1. Vorsitzenden des Bundes, Frl. Bercha Pappenheim-Frankfurt a. Dt., verfaßtes Flugblatt auf dem 5. internationalen Kongreß zur Bekämpfung des Mädchenhandels, London, 30. Juni 1013, zum internationalen Gebrauch angeiwmmcn worden war. Oesterreich-Ungar». Suczawa (Bukowina). Die Stadtvertretung hat in der Sitzung vom 4, August auf Antrag der jüdischnationalen akademischen Verbindung „Tikwah" e i n st i m - mig beschlossen, die bisherige Kreuzgasse, eine der verkehrrcichsteu Straßen der Stadt, in Theodor Herzlstraße umzubenennen. Gleichzeitig wurde ein Antrag des Gemeinderates Sterulieb angenommen, wonach die neu anzubringenden Straßenschilder in dieser Straße die Aufschrift in deutscher, rumänischer und hebräischer Sprache tragen sollen. Rußland. Warschau. Von den jüdischen Absolventen der hiesigen Mittelschulen haben, wie behauptet wird, mehr als 30 ihre Papiere bei dein Konsistorium mit der Erklärung eingereicht, sich taufen lassen zu wollen. Der Grund ist natürlich nur der, daß sie sonst nicht im Gymnasium ausgenommen werden. Um über Mittel und Wege gegen die Taus-Epidemie tzu beraten, hatte letzter Tage die jüdischnational gesinnte Jugend eine Versammlung. Vor allen Dingen wurde gefordert, nicht, wie bisher, die Tauffakten zu vertuschen, sondern sie schonungslos aufzudecken. Sodann wurde beschlossen, Dübnows Erklärung gegen die Taufe als Flugblatt zu brücken. Schließlich wurde auf die Pflicht der jüdischen Honorationen hingewiesen, 'der studierenden jüdischen Jugend in ihrer kritischen Lage zur Seite zu stehen, Was ja häufig nur eine Geldftage istl r«ifl4imlini'ff stidf. Restaurant und Cafe ■ UlilullllUI y, Friedberger Ldstr. 420. Tel.4,8'I empfiehlt seine prachtrollen, schattigen Gärten, Terrasse, Saal, sowie diverse separate Gesellschaftszimmer. Fttr Sommerfeste vorzüglich geeignet. Personalien «. Kleine Mitteilungen. Berlin. Die Rabbiner der hiesigen jüd. Gemeinde nahmen in der ersten Hälfte dieses Jahres 33 Frauen und 3 Männer ins Judentum auf. Berlin. Johanna Abraham geh. Brahn, Mitbegrüuderin des Vereins für Kinder-Volksküche» und Volkskinderhorte und Mitbegründern; und Vorsteherin des Israelit. Heimathauses und Volksküche, ist verschieden. Freidnrgi.Br. Zum etatsmäßigen Professor für anorganische Chemie und Techiwlogie an der Universität Freiburg i. Br., ist an Stelle von Hofrat Prof. Willgerodt der a. o. Professor Dr. Ernst Riesenfeld ernannt worden. R. ist 1877 zu Brieg in Schlesien geboren. Er lehrt seit 1805 in Freiburg. Diedenhofe«. Die mit einem Kostenaufwand von 100 000 JL erbaute neue Synagoge wird am 15. August eingeweih t. Esse«. Dr. med. Joses Levh und Frau Lina geü. Bendix übergaben zum Andenken an ihre am 11. Juli verstorbene Mutter dem Israelit. Frauenverein 10000 JL für eine Bertha Levy-Stiftung. Göttingen. Privatdozent Dr. Oswald Löb erhielt den Titel Professor. Halle n. S. Landgerichtsrat Max Radlauer ist zum Geheimen Justizrat ernannt worden. tL.) Posen. Geh. Sanitätsrat Dr. Joseph Pa Uly, früher Chefarzt des Stadtkrankenhauses, feierte den 70. Geburtstag. Bad Wildungen. Unsere Gemeinde, welche bisher nur einen gemieteten Betsaal hatte, baut jetzt eine neue Synagoge. Zu den 50000 JL betragenden Kosten haben reiche Kurgäste namhafte Beihilfen geleistet. Zwesten. Nachdem unsere Synagoge im verflossenen Jahr abgebrannt ist, hat die Gemeinde eine neue erbaut, die nächsten Sonntag ei »geweiht wird. Wien- Dr. Salom on Horowitz. Hof- und Gerichtsadvokat, «ine in weitesten Kreisen angesehene, sehr sympathische Persönlichkeit, ist verschieden. H. gehörte seit einigen Jahren auch der zionistischen Bewegung an. Dem Jüd. Nationalfonds hat er einen namhaften Betrag hinterlassen. — Hofantiquar Albert Pollack in Salzburg, der Gründer der dortigen jüdischen Gemeinde, feierte feinen 80. Geburt s t ag. Erzherzog Eugen Überbrachte ihm persönlich seine Glückwünsche. ~ Wien. Szenen bei einem Leichenbegängnisse. Am Ottakringer Friedhofe spielten sich bei einem Leichenbegängnisse sehr bewegte Szenen ab, die folgende Vorgeschichte hatten: Kassier Moritz Fuchs hatte 25 Jahre lang in glücklicher Ehe gelebt. Da faßte er eine liedenschaftliche Neigung zu der 23jährigen Jda B., verließ feine Gattin und seine fünf Kinder, um mit der B. zusammenzuleben. Als nun Fuchs seinem Ende entgegenging, ließ die V. den Mann taufen. Nach seinem Ableben ließ sie dann Partezetteln verschicken, in welchen es heißt: „Frau Anna Rimsch (die Mutter der V.) gibt im Namen ihrer am Totenbette nach katholischer Religion und kirchlichem Rechte angetrauten Tochter Jda die tiefbetrübende Nachricht von dem Ableben ihres innigstgeliebten Schwiegersohnes des Herrn Mauritius.Wenzel.Fuchs. . .", trotzdem die rechtmäßige Gattin des Fuchs noch lebt und von ihm nicht geschieden war. Zum Leichenbegängnisse erschien die V. im Witwenschleier und in Begleitung einiger Wachleute, Ha sie Demonstrationen befürchtete. Unter dem Schutze der Polizei schritt sie als erste hinter dem S>arge. Am offenen Grabe spielten sich dann höchst unerquickliche Szenen ab. In erschütternder Weise gaben die Kinder ihrem Schmerze über den Verlust des Vaters Ausdruck .und standen wehklagend am offenen Grabe. Da riß angeblich ein Wachmann eines der Kinder v o m Grabe zurück, um. der B. Platz zu machen. Die Angehörigen des Verstorbenen machten ihrer Entrüstung über die B. in lauter Weise Luft, und eine Schwester des Fuchs schleuderte der V. über das offene Grab hin Flüche zu. Die Szenen fanden erst ein Ende, als die Wachleute die V. und ihren Anhang durch das rückwärtige Tor aus dem Friedhofe führte». Budapest. Franz Heltai, Oberbürgermeister von Budapest, ist im 52. Lebensjahre verschieden. Er war zuerst volksloirtschaftlichen Redakteur; als solcher gab er mehrere große Werke heraus. Später wurde er Direktor der Budapester Gaswerke und nach Ablösung der Werke durch die Stadt städtischer Gasdirektor. Vor einigen Monaten wurde er zum Oberbürgermeister gewählt und bald darauf in das Magnatcnhaus berufen. Dem Reichstage gehörte er seit 1896 an. Er war auch Präsident des .Vereins Ungar. Journalisten. Budapest. Baron Dr. M o r i tz K o r n f e I d, der bekannte Philanthrop, erhielt den Orden dcrEisernen Krone 3. Klasse. Budapest. Im 70. Lebensjahre verschied hier Professor David Popper, einer der bedeutendsten Violoncellisten. Linoleum einfarbig braun, Ia Qual. 3,6 mm Bei grösseren Quanten Extraofferten. Om Kupaohf Frankfurt a. BL, Altegasse 27/29. - - Ringfreie Tapetenindustrie. ■ a □ m Debreczen (Ungarn). Eine seltsame Trauung fand heute vor dem hiesigen Matrikelführcr statt. Der Bräutigam war der 75 jährige Lehrer Lazar Kohut, die Braut war die 62jährige Witwe Frau Franz Ehrenreich. Das „junge" Ehepaar trat eine Hochzeitsreise nach Gyöugyös an. London. Hier fand letzten Mittwoch die Ziviltrauung von Sybille S a s s o o n , der einzigen Tochter, des vor nicht langer Zeit verstorbenen Parlamentsmitgliedes Sir Edward Sassoo», mit einem christlichen Grafen, Mitglied eines der ältesten und reichsten englischen Adelsgeschlechter, statt. Sein Vater besitzt nicht weniger als 34 000 acres Land. London. Die Zeitungen verzeichnen, daß Leopold M. Rothschild, der ein bekannter Sportsmann ist, sein Pferd gegenwärtig nicht laufen läßt und zwar wegen der „Neun Tage" zur Erinnerung an die Zerstörung Jerusalems. Auch am Samstag und an den jüd. Feiertagen bleiben Rothschilds Pferde im Stall. London. In „Dewish Chronicle"klagtA.M.Kaiser- Jäffa über das Missionsunwesen in Palästina. Er führt u. a. an, daß in Jerusalem kürzlich bei dem Leichenbegängnisse einer Nonne zahlreiche j ü d i s ch c K i u - der mit Kreuzen und christlichen Emblemen in den 'Händen hinter dem Sarge gingen. Moskau. Der bekannte Bildhauer Elijahn Ginzb»r g hat vor einem engen Kreis seine erste dramatische Schöpfung vorgclesen. Der Titel des Stückes lautet „Beim Sohn", und sein Inhalt ist aus dem jüdischen Leben eutliommeu. Man tziird es demnächst gedruckt lesen können. Kiew «Rußland). Die erste Folge der Einführung der Prozentnorm in der Kicwcr städtischen (von jüdischem Gelbe erhaltenen) Handelshochschule war eine Massentaufe jüdischer Studenten. 80 jüdische Hörer, die durch das neue Gesetz vom Handclsstudium verdrängt wurden, nahmen die Taufe und bewirkten dadurch ihre sofortige Wiederaufnahme. Rom. Die amerikan Akademie, die hiervon den Vereinigten Staaten erhalten wird, gewährt jährlich drei Stipendien an anierikanische Künstler. Diesmal waren zwei der Stipendiaten Juden: Bildhauer Leo Friedlaender und Maler G. Dawidson, beide aus Newyork gebürtig und Söhne cingewanderter Eltern. Mit den Stipendien iff dreijähriger freier Aufenthalt in Rom verbunden. New-Norf. Henry Mergenthau, ein gebürtiger Mannheimer, wird Botschafter in der Türkei. Es ist das zweite Mal, daß die Vereinigten Staaten durch einen Juden in Konstantinopel vertreten werden. Oskar Straus war der erste jüdische Botschafter. New-Aork. Binzent Astor, der bekannte Multimillionär, ist in das Exekutivkomitee der amerikanischen Liga zur Emanzipation der rumänischen Juden cingetreten. Er wolle nach Kräften für eine Sache wirken, die der Bemühungen der Besten würdig sei. New-Aork. „The Mwish Sabbath Association", „The Jjonng Ladies' and Men's Sabbath League", „Noung Israel", „The Hebrcw League" und „The Sons and Daughters os Israel" haben sich zu einen; Zentralkomitee vereinigt und 246 East Broadway ein Büro eröffnet, das sabbatfreie Stellen vermittelt. Neu eröffnet! B Cafö Corso I Ecke Kaiserstrasse und Moselstrasse. H -Franz Kr ist* p leuüfßtüii. Das „Scheker - Bilbul". Bon C. Berg. l?5. Fortsetzung). Sie öffnete die Flügeltüren. Drinnen ivar die Tafel aufs neue gedeckt, besetzt mit auserlesenenNachtischlcckcreien, mit Früchten und Torten, kurz mit allem, was einer gastfreien Hausfrau zur Ehre gereicht. In silbernen Kübeln winkte der Champagner. Christine ergriff einen der der hohen, spitzen Kelche, stieg die wenigen Stufen, die zum Erker führten, empor, winkte aber vorher erst ihrem Gatten, der eben die Pfropfen - knallen ließ, mit einer Flasche vor sie zu treten, damit er im gegebenen Falle ihr Mundschenk fei. „Willst Du noch eine Rede halte;:?" fragte Müller, erschrocken zu seiner Frau aufsehend. Sie lächelte von ihrem erhöhten Standpunkt überlegen zu ihm herab. „Warum wohl nicht? Dein vorwurfsvolles „noch" soll mir kein Hemnmis sein. Das, mein Teurer, ist der Unterschied: vorhin hielt ich eine Brandrede, um eine Hassende hinauszuseuern, jetzt, halte ich eine Staltdrcde, um ein paar Liebende hoch zu frier;;." „Gräßlich!" stöhnte der Amtsrichter. Christine aber überschrie ihn: „Meine Damen und Herren, ich bitte ums Wort!"

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