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Neue jüdische Presse · 1913-08-08 · Heft 31 (8.8.1913) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 31 (8.8.1913)
Date
1913-08-08
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Veite 2. sonders ist aber dem Ccntralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens eine Aufgabe erwachsen. Er mNß sein ganzes Heeresaufgebot aufwenden, wenn er nicht in seinem Kampf als Vertreter..des Rechts eine schwere Einehe erleiden will. Wird er sich dieser seiner Pflicht bewußt sein? Wird er zeigen, daß er auch das Recht der Juden vor Juden zu schätzen weiß? Oder wird er sich hinter der Ausrede, daß er nur tüls Recht der deutschen Staatsbürger vor Len Christen zu wahren sucht, verstecken? 2. Die Rebellion zionistischer Führer. Von dem XI. Zionistenkongressc sprachen wir in der vorigen Nummer. Dabei vertraten wir di« Ansicht, daß es hinsichtlich der allmählichen Pazifizierung des palästinensischen Bodens im zionistischen Lager nur eine Meinung gibt, und das; kein einsichtiger, politisch denkender Zionist im Ernst sich noch jetzt mit dem Herzelschen Charter- Gedanken abgibt. Nun kommen Tatsachen und stellen unsere Ansicht in Frage. Ereignisse der letzten Tag« beweisen, daß pwhl noch Zionisten vorhanden sind — und Kvar Zionisten von klangvollem Namen —, die an der alten Illusion des Charters festhalten. So Nordau und Marmorek, die in einer öffentlichen Versammlung zu Paris den Charter-Gedanken verfochten. Es ist unbegreiflich, wie ein so scharfblickender und scharfsinniger Kritiker und Verneiner, wie es Nordau ist, an einer solch luftigen Illusion wie dem Charter über ein so wichtiges und allseitig begehrtes Land wie Palästina festhalten kann? Wer soll den .Charter erteilen? Etwa die Türkei? Angenommen, daß sie es, was unwahrscheinlich ist, tun wölbte, — was würden die Araber, mit denen sie stark rechnet und rechnen muß, dazu sagen? Oder etwa die „gütigen" Großmächte? Die Großmächte, die nur aus ihre eigenen Interessen bedacht sind und aus die Hunranrtät pfeifen! Wer soll uns dazu verhelfend Etwa Frankreich wrd England, die Palästina in ihre, eigene Machtsphäre einziehen wollen! Wohl haben Oesterreich und Italien sich für die Selbständigkeit Albaniens eingesetzt; — doch sie taten es einzig in Wahrnehmung ihrer nackten Interessen und wahrlich nicht aus Humanität. Doch angenommen, die Mächte würden über Nacht einen Anfall von Humanität bekommen und wären gewillt, dem jüdischen Volke eilten Dienst zu erweisen, so würden sie vor die Frage gestellt, welchem Teil des jüdischen Volkes sie dienlich sein sollen: dem sich regenerieren wollenden oder dem zur Assimilation neigenden und daher in der Auflösung begriffenen, der von einem Judenlande nichts wissen will. Und bedenkt man, daß zum erstcren Teil die ärmeren Schichten des Volkes, zum letzteren albet die vermögenden und daher einflußreichen Klassen gehören, so ist die Stellungnahme der Nächte von selbst gegeben. Kurzum, auf eine solch' luftige Illusion kann nur ein unverwüstlicher jüdischer Optimist verfallen! . . . Nun wäre die Sache nicht von Belang, da in Wahrheit hinter Nordau und Marmorek keine jüdischen Massen schreiten, denn diese wissen ans Erfahrung genau, was sie von der Humanität der Mächte, vor deren Augen Pogrome und allerhand Entrechtungen sowie unerhörte .Gewalttätigkeiten sich abgespielt haben und täglich noch abspielen, zu halten haben; allein, wenn wir von den Mächten nichts zu erwarten haben, so haben wir gar vieles vom Wohlwollen der Türkei zu erwarten — keinen Charter, sondern Konzessionen —, und da bedarf es des Vertrauens. Die Türkei muß auf Grund von Tatsachen die Ueberzeugung bekommen, daß die Zionisten bloß von ihr, von ihr allein die Erreichung ihres Zieles erhoffen, und mithin bedeutet das Wohl Der Türkei das Wohl der Zionisten selbst! Doch das Verhalten Nordau's, des langjährigen Präsidenten des Zionistenkvngresses und des Führers nach außen, ist dazu' angetan, das Vertrauen der Türkei zu den Zionisten zu erschüttern. Besagt doch der Chartergedauke unter Garantie der Frankfurter Israelitisches Familienbtait. Mächte nichts anderes, als daßnicht dea Türkei das Verfügungsrecht über ihre Länder zusteht, sondern den Großmächten. Es ist ganz unbegreiflich, daß zionistische Führer rebellieren, daß einzelne Männer — mögen sie noch so hoch stehen — in so verderblicher Weise Politik auf eigene Faust treiben und damit die zionistische Arbeit erschweren! Gerade die Führer sollen ein Muster für Unterordnung und Disziplin sein. . . Es ist Zell, daß es Friede im zionistischen Lager wird. Der XI. Kongreß grüß.Mittel und Wge finden, die Gegensätze anszugleichen, und da nach unserer Ueberzeugung die Opposition — mit Ausnahme Nordaus — aus einer reinen Machtsrage resultiert, so müssen die Führer aus der Opposition zur Führung herangez/.gen werden und sichmit den gegenwärtigen Leitern die Macht teilen, damit sie auch die Verantwortung für ihre.Handlungen 'mittragen. Es will uns dünken, daß es gar keinen anderen Weg gibt als den, den wir öfters vorgezeichnet haben: eine Leitung aus 10 Männern, je 5 von jeder Partei. Nur so wird der Friede von Dauer sein. Linoleum einfarbig braun, Ia Qual. 3,6 mm Bei grösseren Quanten Extraofferten. Gm Kupsch, Frankfurt a. M., Altegasse 27/29. ßingfreie Tapetenindnstrie. Aus aller Weil. Deutsches Reich. Frankfurt a. M. Die „Deutsch-holländische Palästina- Verwaltung" schreibt uns: In der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes veröffentlicht Herr Nachum Goldmann einen Neisebrief aus Erez Israel, in dem unter anderem behauptet wird, daß der von unserer Verwaltung vor einigen Jahren unternommene Versuch einer Reform der „Deutsch-holländischen Chaluka" vollkommen rcsnltatlos geblieben sei. Es heißt alsdann weiter: „Und ein genauer Kenner Jerusalemer Verhältnisse, den ich auch nach dem Erfolg der Reform fragte, nahm mich zur Antwort unter den Arm, führte mich auf den Zionsberg, wo der Jerusalemer Vertreter der Deutsch-Holländischen Palästina-Verwaltung für das Büro derselben ein großes Haus hat erbauen lassen, zeigte mir dies Haus und sägte: „Dies ist der einzige bleibende Erfolg. Dasür ist jedoch auf der anderen Seite so und soviel Familien ihre jährliche Unterstützung völlig entzogen morden." Wir haben hierauf folgendes zu bemerken: 1. Das Haus auf dem Zionsberg, in dem .sich das Büro der „Deutsch-holländischen Palästina-Verwaltung" befindet, ist überhaupt nicht aus den Mitteln unserer Verwaltung und der Chaluka erbaut, sodaß schon aus diesem Grunde keine Rede davon sein kann, daß um dieses Hauses willen irgendeiner Familie die jährliche Unterstützung entzogen worden sei. Das Haus ist vielmehr von Frau Anna Fcuchtwanger in München zum ehrenden Andenken an deren Heimgegangenen Gatten aus eigenen Mitteln erbaut worden und zwar mit der ausdrücklichen Bestimmung, daß von den vier Wohnungen des Hauses drei als Armenwohnungen vergeben werden sollen, während die vierte als Dienstwohnung und Büroranm für die „Deutsch-holländische Palästina-Verwaltung" dienen soll. Für diese Wohnung entrichtet der Vertreter der „Deutsch-holländischen Palästina-Verwaltung", soweit er sie als Privatwohnnng benutzt, eine Miete von Frcs. 500.— jährlich aus seinem Gehalte, zu Gunsten der Kasse der Armen- und Pilgerwohnnngen auf Zion. Die ganze Behauptung des Gewährsmannes des Verfassers ist hiernach hinfällig. 2. Die Ziele der von uns eingcleitetcn Chalnkareform waren: a) die Aufhebung der sogenannten „kleinen Chaluka", d. h. der in Tausenden von kleinen und kleinsten Cinzelbeträgcn alljährlich. gezahlten minimalen Unterstützungen und Verwendung der freigcwordenen Summen zur Förderung gemeinnütziger Institutionen, d) strengste Nachprüfung der Einkommensverhältnisse und Bermögensverhältnissc der mit Chaluka bedachten Familien und Ausscheidung der Nichtbedürftigen, c) Schaffung von Erwerbsgclegenheit behufs Einanzipicrung von der Chaluka, d) die sogenannte moralische Rcforin, d. h. Bekämpfung der Auffassung, als sei die Chaluka ein mit der Geburt erworbener Rentenanspruch. Von diesen vier Ncsormpunkten ist Punkt 1 vollkommen und restlos verwirklicht worden. Die „kleine Chaluka" ist aufgehoben und stattdessen werden durch unsere Verwaltung eine Reihe kultureller und wirtschaftlicher Zwecke durch größere Summen gefördert. Nur noch 15«/o unserer gesamten.Eingänge werden für Chalukazwecke verwendet. ~ Punkt 2 ist ebenfalls durchgeführt worden, wie der Reiscbrief ja selbst zugibt: einigen Familien, allerdings nur einigen wenigen, ist die Chaluka entzogen worden, & □ m Nr. 31 weil festgestellt, ja sogar zugegeben wurde, daß die Betreffenden der Chaluka nicht bedürften. In anderen Fällen wurde arbeitskräftigen Elementen ein kleines Kapital zur Begründung' eines Erwerbs zur Verfügung gestellt, sodätz sie keine Chaluka mehr zu beziehen brauchen. Was den dritten und vierten Punkt betrifft, so handelt cs sich hier uni schwere Probleme, deren Lösung naturgemäß Jahre beansprucht. Indessen.haben uns eine Reihe von Beobachtungen in der jüngeren Generation der Chaluka-Empfänger bewiesen, daß selbst in Moralischer Hinsicht unsere Reform nicht spurlos vorübcrgegangen ist. Vielmehr hat unsere Verfügung, daß vom' 13. Lebensjahre an jeder Chaluka-Anspruch erlischt und nur noch Erziehungsbciträge von Fall zu Fall gewährt werden, dahin geführt, daß sich in der jüngeren Generation ein größeres Streben nach wirtschaftlicher Selbständigkeit geltend macht. Wir berufen uns in dieser Hinsicht im übrigen auf einen in Ihrem geschätzten Blatte vor längerer Zeit erschienenen Artikel, in dem unserer Verwaltung geradezu ein Korwurf daraus gemacht wurde, daß sie den naiven Glauben, cs gäbe für jeden in Jerusalem Geborenen ein Recht ans Chaluka, durch ihre Maßnahmen zerstört habe. Aus allem Vorstehenden erhellt, daß auch die Behauptung, die Reform bedeute einen totalen Mißerfolg, durch die Tatsachen widerlegt ist. Großbritannien. London. In der letzten Sitzung des Board of Deputies vor den Ferien lag ein Brief vor, in dem ein Jude aus dem Londoner Ostend den Board als Vertretung der englischen Judenheit um sein Interesse für die verfolgten Juden in Jemen und die boykottierten Juden in Polen ersucht und dabei ans das Autodafe in Weljun hinweist. Präsident Advokat Henricques leistete sich nun das unglaubliche Stückchen, das Autodafe in Weljun als Lüge zu erklären. Die Vertreter der Presse protestierten sofort, und es entstand ei» Tumult. Da die Vertreter der Presse natürlich keine Zeitungen mit dem Weljuner Bericht in der Tasche tragen konnten, so blieb der Board bei der Ansicht seines Präsidenten, — wie es auch für die Ferienruhe der Herren nötig war. Diese Herren, die nicht einmal die jüdischen Begebenheiten verfolgen, nennen sich Vertreter der englischen Judenheit! London. Im Eastend von London fand dieser Tage eine Versammlung des Vereins für Judenmission statt, itr welcher der Bischof von Stepney eine Aufsehen erregende Rede hielt. Der Bischof sagte u. a.: „Ich möchte auf eine Tatsache Hinweisen, und das ist, . daß wir die Beobachtung machen konnten, daß unserer.Werbearbeit in dem abgelaufenen Jahre etwas stärkere Opposition entgcgcngestellt wurde, als in den verflossenen Jahren. Ich muß sagen, daß ich diese Tatsache nicht beklage. Die jüdischen Behörden tun nur das, was ich als recht und billig anerkennen muß ... WärcicheinJudc und würde jene Mittel sehen, die angewendet werden, um unsere Arbeit zu noch größerem Erfolge zu führen, ich muß sagen, ich würde mich gewissermaßen zu der höchsten Kraftanspannung aufrasfen, um dieser Arbeit ein entscheidendes Hindernis in den Weg zu stellen." Amerika. Rew-Aork. Die „New-Iorker StaatSztg." berichtet aus Albany über einen Fall, der zeigt, daß man auch in Amerika bemüht ist, das Offizierskorps jndenrein zu halten. Der bekannte Gouverneur S u l z e r hat gleich energisch zugegriffen. In dem ihm erstatteten Berichte heißt es, daß der betreffende Oberst dem jüdischen Sergeanten Littman gesagt hatte: „Sergeant, Sie sind Geschäftsmann und ein verständiger Mensch. In meiner Eigenschaft als Kommandeur möchte ich Ihnen raten, selbst, wenn Ihre Führungsatteste gut sind, . nicht eine Stellung in einem Offizierskorps anznnehme», in welchem Sie der einzige Ihrer Rasse sein würden"..— „Die Untersuchung", heißt es in dem Bericht weiter, „hätte schon bei diesem Punkt stehen bleiben können, .weil die angeführte Aussage des Obersten Barthmann mich vollständig davon überzeugt, daß gegen Sergeant Littmau wegen seines Religionsbekenntnisses diskriminiert worden ist und daß, gleichviel wie tüchtig er sich zeigen mochte, in dem 47. Regiment der Umstand, daß er ein Israelit ist, seine Beförderung zu einer Stellung verhindern würde, welche ihn zu dem einzigen Juden in dem Offizierskorps machen würde. Das mir vorliegende Beweismaterial zeigt, daß die bestimmenden Faktoren, welche den Oberst Barthmann zu dem Beschluß bezüglich der Kandidatur des früheren Sergeanten Littinan bewogen haben, in seiner Mitteilung an de» Generaladjutanten vom 28. Februar d. I. nicht angegeben worden sind, sondern daß die Besorgnis, c s möchte für einen Juden kein Vergnügen sein, dem Offizierskorps anzugehören, der wahre Grund seiner Opposition war." L i t t m a n erklärte, zwischen 30 und 40n.'<> des Regime n t s seien Juden, doch habe das Regimcnt nie einen jüdischen Offizier gehabt. Es sei notwendig, die Untersuchung auch auf die anderen Regimenter der Stadt auszudehnen, denn das Vorurteil gegen die Juden sei in den anderen R e g i m e n t e r n ebenso stark ausgeprägt. Arabien. Jemen. Wieder sind von hier traurigcNachrichten zu melden. Da der an dem Schwager des Obcrrabbiners von Sanaa vor einigen Monaten verübte Mord ungesühnt

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