Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 29 (25.7.1913)
- Date
- 1913-07-25
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 29. Frankfurter JsraeWsches FamilfenNatt. Leite 3. spräche ins Schwanken gebracht werden, das van all denen, die dieses Erziehnngsshstcm errichtet haben, nicht zum wenigsten von den Leitern des „Hilfsvereins der Deutschen Juden", als das allein richtige erkannt worden ist. So würde das Technikum, anstatt der letzte glänzende Schlußstein in denk Gebäude des hebräischen Unterricktswcsens in Palästina zu sein, ihm zur Gefahr und zum Schaden werden und diese Institution, die für die Entwicklung des palästinensischen Judentums epochal zu werden verspricht, ihrer bedeutendsten und segensreichsten Wirkung beraubt werden. Wir, die wir als die ersten Schüler des Technikums in Betracht kommen, die wir schon mit Ungeduld dem Tage seiner Eröffnung entgegenschauen und somit an der Frage seiner Unterrichtssprache das große Interesse haben, halten es für angebracht. Ihnen, sehr verehrte Herren, diese Gesichtspunkte zu unterbreiten und bitten Sie, dieses Memorandum zur Kenntnis zu nehmen und cs bei Ihren Entschließungen berücksichtigen zu wollen. Mit vorzüglichster Hochachtung Die Achüler der oberen Klassen 'des Lehrerseminars des ,Hilfsvercins der Deutschen Juden" in Jerusalem, des Hebräischen Gymnasiums „Herzliah" zu Jaffa, der Händelsrcalschnle des „Hilssvercins der Deutschen Juden" in Jerusalem. I. A.: M. Chertok. Die Darlegungen der Schüler enthalten, wie uns - scheint, kein Wort, das übertrieben oder unrichtig tväre. Ja, eher sind die Gefahren noch größer, als es im Memorandum ausgesprochen ist. Die Behauptuirg, daß die Einführung des Deutschen als Unterrichtssprache eine tiefe Rückwirkung auf alle anderen Schulet: Palästinas haben wird, ist durchaus zutreffend. Und tvir können es aus diesem Grunde nicht begreifen, welche Gründe die Herren des Kuratoriums zu ihrer Absicht bestimmt haben. Heißt es nicht einfach, sich selbst einen Schlag ins Gesicht versetzen, wenn dieselben Leiter des Hilfsvereins, die in zehn Jahren voller Arbeit und.Anstrengung ihr Schülwerk in Palästina auf der Basis des Hebräischen errichtet haben, nunmehr ihre Hand zur Errichtung eines deutschen Technikums hergeben, ja die eigentlichen treibenden Kräfte dabei sind? Entweder müssen sie behaupten, die gesunden Prinzipiell ihrer bisherigen Arbeit seien falsch gewesen, — und dann würde sie der Llänzende Aufschwung ihrer Schulen selbst und das gefaulte jüdische Leben Palästinas Lügen strafen, oder aber, wenn sie diese Prinzipien auchweiterhin für richtig halten, dailn ntüssen sie dafür Sorge träger:, daß das Technikunt die Entwicklnng des letzten Jahrzehnts fortsetzt, aber nicht uni Jahre wieder znrückwirft. Wir würden es verstehen, wenn gesagt lvürde, es sei in der ersten Zeit nicht möglich, alle technischen Spezialfächer in: Hebräischeil z:: unterrichten. Die Lehrer, die aus Europa kommen, werden dazu noch nicht iit der Lage sein, die Sprache selbst ist noch llicht dazu reif: es fehlt die Terminologie. Dann müßten aber die Fächer, die 'bereits im Hebräischen unterrichtÄ werden können, auch im Hebräischen gelehrt loerden, also abgesehen von allen historischen und Philosophischen Vorlesungen, die vielleicht am Technikinn eingerichtet werden sollen, jedetifalls Mathelnlätik, Physik, Chemie, Fächer, die bereits am Gymnasium iir Jaffa hebräisch unterrichtet werden. Wie aber aus den uns zugegangenen Nachrichten, wie aus dem Memorandum hervorgeht, scheint die Einführung des Deutschen als Unterrichtssprache für sämtliche Fächer gelten zu sollen, scheint dies mithin nicht auf dem Zwang der Verhältnisse, sondern auf einem von vornherein gesaßjein Prinzip zu beruhen. Und dieses ist. ebenso gefährlich! für den Hebraismus wie unverständlich von Seiten der Leiter des Hilfsvereins. Ja, wir halten die Gefahren für die hebräische Renaissanccbeweguna, die sich aus. einem deutschen Technikum ergeben werden und. ergeben müssen, für so grost daß sie die Vorteile, die es bringen wird, bei weitem in Schatten stellen müssen, und wir sprechen es offen aus: daß wir lieber gar kein Technikum haben wollen, als eines, in dein ausschließlich deutsch unterrichtet wird. Die jüdische Oeffcntlichkeit hat dieser Frage bisher keine Beachtung geschenkt, weil sie sich 'in einem falschen Glauben gewiegt hat. Nun, da die« Gefahr inkmer näher rückt, muß sie beginnen, sich ernsthaft mit der Angelegenheit zu beschäftigen und die Forderung des Hebräischen als Unterrichtssprache des Technikunls im Prinzip mit aller Macht ausffellen. Wir glauben, dies wird seine Wirkung aus die Maßgebenden Mitglieder des Kuratoriums nicht verfehlen. Wir hoffen, daß das Memorandum' der jüd. Schüler Palästinas, dieser Hilfsschrci unserer jungen Generation, die auf der Grundlage des 'Hebräismus herangewachsen ist und von der wir alle so viel erhoffen, von der jüd. Oeffcntlichkeit gebührend gewürdigt werden und auch das Kuratorium des Technikums ihm die nötige Beachtling schenken wird. Es wäre die Pflicht der Leiter des Hilfsvereins, die Oeffcntlichkeit über die ganze Frage auszuklären und ihre Stellungnahme darzulegen, da es sich hier um eine' Schicksalsfrage des Hebraismus handelt! Aus den Ereignissen des Tages. Gedanken zn den Ereignissen auf dem Balkan. Wahrlich, eine Schmach für die Christenheit sind die Ereignisse,, die sich auf denk Balkan abspielen. Lassen tvir diese Ereignisse kurz Revue passieren! Zunächst die beispiellose s l a w i ßch e „T r e n e" Bulgariens dem slawischen Bruder und Verbündeten Serbien gegenüber! Und dann die entsetzlichen Metzeleien! Frauen, Kinder und Greise, Kranke, Verwundete hingeschlachtet und ihre Wohnstätten verwüstet! Und von wein? Von den noch vor weingen Tagen Verbündeten, verbündet zn einem Kamps für das Christentum! Allein die „edelste" und . „schönste" Tat hat doch Rumänien geleistet. Während die „bösen" Nachbarn in den Krieg zogen, Zehntansende zur Schlachtbank führten und ihre Länder durch einen langen, mörderischen Krieg fast verbluten ließen, hielt das „treue", „edle" Rumänien Ruhe, war friedlich wie ein Lamm. Geduldig wartete es, bis die Kriegführenden halb oder ganz verblutet waren und Frieden schlossen, — dann aber verlangte cs Lohn, wie er einem braven Kinde für bewahrte Ruhe beim Streite gebührt. . . Es verlangte und bekam einen gar beträchtlichen Brocken. Es bekam ihn, — weil das verblutete Bulgarien sich fürchtete, das brave Kind zn reizen und es für seine Bravheit unbelohnt zu lassen. . . Null entzweiten sich die Verbündeten und beganncil zun: zweiten Male Krieg und zwar untereinander, zwei gegen einen. Der eine ist Bulgarien, das die größten Opfer gebracht, am meisten geblutet hat; die zwei anderen sind Serbien und Griechenland, die "weit kleinere Opfer als Bulgarien im Kriege gehabt haben. Da war' es um die Neutralität der braven, guten Rumänen geschehen! Es geht ja nicht ewig, als ruhiger dritter zn schauen, wie die-anderen sich die Augen auskratzen! Man ist doch schließlich Mensch, zivilisierter Mensch, das heißt: edel und human! Rnmünien zog das Schwert. Man sollte meinen: Rumänien eilte dem einen— den: Verbluteten — zur Hilfe; doch weit gefehlt! Rumänien ist ja stets sein und edel gewesen, noch nie hat cs sich irgend einer Blöße, irgend einer Unfeinheit oder Ungerechtigkeit, nicht einmal dem Schatte i: einer ungerechten Handlung in den Augen der Welt ansgesetzt! Ein Blick auf die glänzende Lage der Juden Rumäniens genügt, um dieses „humane" Volk zu beurteilen! . . . Bulgarien helfeil! Würde nicht die Welt gesagt haben: Der satte .Bissen ist den Ruinänen vor: den Bulgaren e i n g e h e i m st w o r d e n! Und Rumänien half den zweiten, den Starken! Dochivenn man so selbstlos, so edel wie Rumänien handelt, braucht nian nicht ganz leer auszugehen. . . . und siehe: Rumänien bekommt außer der ersten Provinz lwch eine zweite von T n r t u k a i, D vb' r i t s ch und B a l t s ch i k und dazu noch Zugeständnisse betreffend der Rumänen in Mazedonien. — Das ist der Lohn der Gerechten! Doch damit ist die schöne Episode noch lange nicht zn Ende. Die unglückliche Türkei, die die christliche Liebe der Balkanvölker um. fast ihren ganzen europäischen Besitz gebracht hat, wollte den Hader der streitenden Brüder beilützen, um wenigstens einen kleinen Teil ihrer geraubten Besitzungen, der fast ausschließlich von Muselmanen und Juden bewohnt ist, zn . retten; — doch die allerweisesten und allergerechtesteil europäischen Großmächte, die mit ihrem Verhalten gegenüber der rumänischen Aktion reichlich genug von ihrem „Gerechtigkeitssinn" Zeugnis ablegten, waren sofort zur Stelle, und mit nicht mißznverstchcnden Drohungen riesen sie der Türkei Halt zu. Die Türkei, die zur Genüge die christliche Liebe erfahren hat, machte halt. Kann man angesichts dieser Ereignisse noch pessimistische Allüren bekommen?! . . . Der nwderne Lehrer braucht nichts weiteres mehr als einen Hinweis auf diese glorreichen Taten der Zivilisation von heute, und die Schüler sind .förmlich in Humanität und Sittlichkeit gebadet. . . . * Doch was kommt für uns Inden bei diesem Handel heraus? Verhängnis und blos Verhängnis! Tie Schwächung Bulgariens ein B e r h ä n g n i s, der Z u w a ch s R u m ü n i e n s und Griechenlands ein Verhängnis! lind doch können uns all die Katastrophen seitens der christlichen Welt lange nicht so viel Schaden bringen, als die Würdelosigkeit unserer jüdischen „Notabeln". Ein Sir Sassoon, der Einladungen eines russischen Botschafters zur selben Zeit, da dieses Haman'sche Land auf dem 4. Mädchenhandelskongreß von seinem Chief- Rabbi ob der entsetzlichen Greuel, die es an seinen 6 Millionen Juden verübt, öffentlich gebrandmarkt wird, Folge leistet, schadet unserem Ansehen und verschlechtert unsere Lage weit mehr als alle anderen Katastrophen! Und doch ist es gut möglich und sogar wahrscheinlich, daß solche Schädlinge, die einen Krebsschaden an unserem Volksorganisinus bilden, bei uns Juden Repräsentanten und Führer werden! . . . Dies der Fluch des Goluth, dies die Handlungsweise des Ghetto- Judentums! Linoleum einfarbig braun, Ia Qual. 3,6 mm Bei grösseren Quanten Extraofierten. Gm Kupscb, Frankfurt a. R», Altegasse 27/29. ... . Ringfreie Tapetenindnstrie. >. Aus aller Wett. DerttscheL Reich. Berlin. Der Hilssverein der Deutschen Juden erhält aus Serres folgendes Telegramm: Serres, Ni. 7. 1013, abends 8 Uhr. Serres wurde von den fliehenden Bulgaren drei Viertel i n Br a n d ge st c ck t. Das jüdische Quartier mit S y n a g o g e und S ch u l e ist fast völlig vernichtet, der Markt ist niedergebrannt. 120 j ü d i s ch c F a m i t i e h sind obdach - l o s und befinden sich in tiefstem Elend. Berlin. Wie der Hilfsverein. der Deutschen Juden initteiit, sind durch den neuen Krieg unter den Balkanverbnndeten auch zahlreiche jüdische Gemeinde» — Jstip, Strumitza, Serres, Doiran, Drama, Kavalla — wieder in schwere Mitleidenschaft gezogen worden. Die Union des Associations Jsraclites, zu der alle größeren jüdischen Hilssgesellschasten gehören, hat durch die Komitees, die ihre "Delegierten, Dr. Paul Nathan-Berlin, Elkan Adler-London und Dr. Bernhard Kahn-Berlin, auf ihrer Reise durch das Kriegsgebiet eingesetzt hatten, den Bedrängten die nötige Hilfe zukommen lassen. Für die ain schwersten betroffene Gemeinde in Serres mit 1800 Inden, wo beim Rückzug der Bulgaren fast Vs der Stadt eingeäschert wurden — darunter der ganze Markt und 117 jüdische Häuser mit Synagoge und Schule —, sind durch das in Saloniki eingesetzte Komitee Nahrungsmittel, Kleidung und Decken geliefert worden. Hannover, lieber die verschiedenen Institutionen der S i m o n ' s ch c n Stiftung ist folgendes zn berichten: Auf dem L e h r g u t S t e i n h o r st hat dir Getreideernte begonnen, die trotz der ungünstigen Witterung einen guten Ertrag verspricht. -ln Heu wurden bisher 1100 Zentner cingebracht. Zum Herbst werden wieder einige Plätze frei. Das Interesse der Oeffentlichkeit air dem Simons ch e n Seminar für Gartenbau und Handfertigkeit zu Peine ist erfreulich rege. Am 1i. Juli wurde die Anstalt vom Herrn Regierungspräsidenten besichtigt, der sich anerkennend über das Gesehene aussprach. Auch aus dem Ausland melden sich Besucher an. Angesehene Fachzeitschriften haben bereits Anlagen, Organisation und Lehrplan der jungen Anstalt anerkennend hcruorgehoben. Bon den zur Zeit die Anstalt besuchenden Lehrern, die Fachkurse im Schulgartenbau und Handfertigkeitsunterricht durchmachen, haben fast alle die bestimmte -lussicht, das erworbene Können nach Schluß der Kurse fruchtbar und nutzbringend zu verwerten. Am 1. Oktober beginnen die ordentlichen Winterkurse, die neben allgemeiner Fortbildung wesentlich dem Handfertigkeits-Unterricht gewidmet sein werden. Anmeldungen: Direktor -ilexander, Timonschcs Seminar in Peine (Hannover!. Soeben ist die Bauerlanbnis für einen großen Kinderhort erteilt worden, den in der Hauptsache die Simon'sche Stiftung in Hannover errichtet, und der insa □ m