Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 28 (18.7.1913)
- Date
- 1913-07-18
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Rr. 28. Güte 4. Frankfurter UraeWfches KümÜenblatt. in Erinnerung. Die Frau wurde, da sie infolge des Todes ihres Mannes das Wohnrecht verloren hatte, vor einigen Jahren verhaftet und per Schub abgeschoben, ihre Leiden in Kiew zurückgelassenen Kinder von 4 und 5 Jahren aber brachte man bei einem Bauer unter und ließ sie taufen.. Bis heute habe die Frau noch nicht wieder zu ihren Kindern kommen können. Palästina. - Jaffa» Hier fand eine Beratung bezüglich der Anlage neuer Jemeniten! tedlungeu statt, an der Vertreter des Palästina-Amtes und der verschiedenen jüdischen Arbeiterorganisationen teilnahmen. Es wurde beschlossen, für eine neue Siedlung in der Kolonie Rechoboth 10060 -Fr. und für die Erweiterung der Siedlung in Pcthach-Tikwah 7000 Fr. zur Verfügung zu stellen. Dies soll in der Weise geschehen, daß jede jemenitische Familie in diesen beiden Kolonien, die mit etwas eigenem Kapital den Bau eines Wohnhauses in Angriff nehmen will,' ca. 500 Fr. als Darlehen erhält. Jaffa. Zu „Chewrah Chadaschah" dem neuen jüdischen Stadtviertel, ist der Grundstein gelegt worden. Eine 18 Meter breite Hauptstraße wird an den Meeresstrand führen. Die schönen Bäume auf dem Terrain bleiben erhalten, und abseits vom Fahrdamm werden Spielplätze eingerichtet. , Dre Pläne für das neue Stadtviertel sind von Ingenieur I. Loewy, der das technische Büro des Palästinaamtes leitet, ausgearbeitet worden. Er hat auch die Oberaufsicht über den Bau der Häuser. Ezeruowitz. Hier kam es zu blutigen Prügeleien zwischen detrtschnätionalen nnd jüdischen Studenten. Die Veranlassung bot die Satisfaktionsverweigerung eines" hier . weilenden Mitgliedes der Wiener Burschenschaft Hubertus" gegenüber einem jüdischen Studenten. unter Berufung auf das Waidhofener Programm. Berittene Polizei mußte einschreiten. Es wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenomnien. Paris. Die Akademie verlieh oen Brüdern Eugen und Leo.« Bloch den Danton-Preis (1500 Fr.- für eine Arbeit über die Bedeutung der Strahlen und dem unter dem Pseudonym Jean Dornis bekannten Gu illau me Beer den Tausend-Francs-Preis für seine Arbeit „La sensibilite daus la Poesie francaise." Für militärische Werke erhielten Preise Dr. D. G o I d - schmidt (Stratzburg in der Belagerung) und Oberst Picard (Sedan 1870). Ferner der Dekan der Fakultät für Literatur in Nancy, Auerbach, einen 1500 Francs-Preis für das Werk „Frankreich und das heilige Deutsche Reich". Für seine verschiedenen Erfindungen des Autoinobilismus erhielt Fernand Forest einen bedeutenden Preis und ebenso G. Cahen für sein großes Werk „lieber billige Bolkswohnungen in Frankreich und dem Auslande". Philadelphia. Maurice I. Speiser, Mitglied des Repräsentantenhaus und einer der Frnhrer der republikanischen Partei, ist zuni „assistant district attorney" gewählt worden. — Dr. Meyer Jacobstein, vormals in der Universität North Dakota, ist zum Professor sür Wirtschaftsleben an der Universität Rochester ernannt worden. Amerika. Rew-Nork. Unter Anwesenheit von 71 Delegierten wurde in der Talmud Thora die Jahresversammlung der Bereinigung orthodoxer jüdischer Gemeinden, abgehalten. Präsident Dr. ,H. Pereira Mendes verlas den Bericht. Dem Berichte ist zu entnehmen, daß, die Organisation sich nicht nur um .religiöse, sondern auch in gleichem Maße um politische Angelegenheiten, die Juden betreffen, kümmerte, so war sie n. a. im Interesse der russischen und der rumänischen Juden tätig. Ans dem BÄchte sei ferner verzeichnet, daß die Sabbat- Abteilung von 3000 Bewerbern 1400 Stellen besorgte. Washiugto«. Im Repräsentantenhaus richtete I. Hamp ton Moore eine Anfrage an die Regierung wegen der Lage der rumänische n Inden. Er sprach den Wunsch aus, die Regierung möge Rumänien an die im Berliner Vertrag übernommenen Verpflichtungen erinnern. Neu eröffnet!- Cafö Corso Ecke Kaiserstrasse und Moselstrasse. Franz Krist* Personalien « Kleine Mitteilungen. Berlin. Von den in letzter Zeit aus dem Judentum Ausgetretenen seien hier folgende notiert: Oberlehrer Dr. Adalbert Silbermann, Pianist Artur Schnabel und Fabrikbesitzer Otto Bendix. München. Kommerzienrat Adolf Steinharter erhielt den Roten Udlerorden 4. Klasse. Hamburg. Vor kurzem ist hier unter dem Namen ,Z. H. May und Frau-Stiftung" eine Stiftung begründet, deren Zweck der Ban von Häusern für bedürftige Israeliten ist, Diese Stiftung hat sich' mit der Bitte an den Staat gewandt, ihr für die Errichtung von etwa 20 bis 25 zwei-und Sreizimmerigen Wohmmgen einen geeigneten Staatsplatz zu überlassen. Die Finanzdeputation hat hierfür einen Platz an der Bogenflraße in Vorschlag gebracht, der bei einer Front von 30 Metern ca. 1800 Quadratmeter groß ist, und über Diesen Platz einen Vertrag abgeschlossen, nach welchem derselbe — statt für 60 Mark —, für 25 Mark pro Quadratmeter an die Stiftung verkauft wird. (L.) Pose«. Rechtsanwalt Aronsohn-Bromberg erhielt den "Charakter als Iustizrat. In Rakwitz, früher eine der größeren jüdischen Gemeinden der Provinz, wird mangels Schülerzahl die jüdische Volksschule aufgelöst. LaugSdorf (Oberhessen). H. Klip pst ein feierte fein 25jähriges Jubiläum als wWr Vorsteher der jüdischen Gemeinde. Wie«. Kaiser!. Rat Engländer, Vizepräsident des Vereins reisender Kauflente, Schwiegervater des Rcichsratsabg. Hofrat Knranda, ist im 77. Lebensjahre verschieden. Budapest. Architekt Karl Bioü-Budapest, Großgrundbesitzer Josef Unger-Kossuthfalva und Ignaz Sommer-Nagykanizsa wurden in den Adelsstand erhoben. — Im verflossenen Jahre studierten an der hiesigen Universität 2234 jüdische Studenten (1097 med., 867 jnr., 159 phll.). — Anläßlich der 40. Jahreswende der Rezeption der Juden in Ungarn hat der 70jährige Schächter Hermann . Ehrlich- Rakoftercsztur ein Porträt des Königs in Glas- " Malerei angefertigt, das mit hebräischen Ornamenten verziert ist und den Text von 145 Psalmen in hebräischer Schrift enthält. Se. Majestät nahm das Geschenk an, Letz das Bild in seiner Bildersammlung untcrbringen zmd schienfte dem Künstler eine goldene Busennadel,„; Universitäts - Cafe Bockeaheimer Warte Eratklaaalgea Familien- Gafä. BW" HSssige Preise. Besitzer: Ernst Dunkel. leaiMm. Das „Scheker-Bilbul". Bon E. Berg. (22. Fortsetzung). So, so, lvcgen Franja war die Frau Amtsrichter eigentlich hergekommen. Sie hätte Hanne entlassen müssen. „Sie wissen, liebe Franja, Hanne war gar zu grob und ohne Manieren"; die Gnädige wünschte ein flinkes, junges Mädchen, die sie schon „anlernen" würde für den feineren Haushalt, und wenn Franja Lust zeige, — zwölf Taler erhalte sie das Vierteljahr, die Trinkgelder nicht eingerechnet. Wer Alte horchte auf: Zwölf Taler! Das war ein Lohn wie für ein Frauenzimmer iir.der großen Stadt! Er schielte nach dem Benediktiner — und was da iwch abfällt in entern so großen Haus; die reichen Leute können unmöglich alles allein aufesscn! Franja erschrak. In das Haus mit dem Gespensterkcllcr? Niemals! Der Antrag der Gnädigen schien ihr nicht geheuer; selbst das Schelte,l des Vaters, daß sie unnütze, faule Gans auf den Kniecn danken solle, daß die „Panni" sie aus reiner Güte in ihr Haus nehme, bestärkte sie in einein unbestimmten Verdacht. „Wenn Sic etwa schreckhaft sind, liebe Franja," sagte die Frau Amtsrichter, „so haben Sie in meinem Hause nichts mehr zu fürchten. Gestern, Sylvester, wie alljährlich hat uns der Herr Kaplan beehrt und hat alle' Räume vom Boden bis in den Keller geweiht." Franja wurde bald rot, bald blaß; der Wie aber blinzelte zn ihr hinüber: „Na also!" Schließlich gelang, cs weniger den Erntuntcrungen des Vaters, „ihr alle Knochen zu brechen", als dem lockenden Versprechen der Panni Amtsrichter, ein nachträgliches Weihnachtsgeschenk iwch zn gewähren, um die kleine Franja zu einer Zusage zu bewegen. Schon am nächsten Morgen trat Franja ihre neue Stelle an. Die Franja dient bei Amtsrichters! Tie schwarze Hanne ist Knall und Fall abgezogen! Ein erstaunlicheres Ereignis war seit Juleks Tod in Zladno nicht besprochen worden. Man hätte Hanne gern ein bischen ausgehorcht, aber das' Mädchen war nicht zu sehen; — sonderbar, wie Pelagia schien sic vom Erdboden verschwunden. Und man munkelte, man munkelte! Die Inden zogen finstere Gesichter, wenn Frau Christine an ihren Läden vorüberging; es lag auf der Hand: Perez, an dessen Schuld Natürlich keiner von ihnen glaubte, Perez hätte seine beste Beschützerin verloren. Franja stand alle Abend am Brunnen, reizte alles, was eine Küchenschürze trug, zum gelben Neid und prahlte: Es gche ihr wie den Engeln im Para-, dies — wenig Arbeit, gutes Essen, und die Frau behandle sie wie ein liebes Schwesterlein. Zladno, entsetzt über den Einfall einer Richtersfrau, ein so schlechtes Subjekt zu mieten, schüttelte die Köpfe, allm voran tat es der Herr Amtsrichter. „Ich weiß nicht," sagte er mißbilligend zu seiner Gattin, „was Dich bewogen hat, dieses schwatzhafte, unangenehme Ding in unser Haus zu nehmen." „O," erwiderte Christine, „das Mädchen ist ganz anstellig und geschickt." „Du mußt es ja wissen. Ich finde, sie liegt den halben Tag auf der Straße, die übrige Zeit putzt sie sich oder nascht und schläft. Man kömtte einen Preis aussctzen, ein fauleres Geschöpf in ganz Europa aufzutreiben." „Ihre Arbeit ist doch getan." „Das ist mir eben auffällig," entgcgnete Müller, seine Frau scharf fixierend, „es ist wahr, unser«! Wirtschaft geht ihren geregelten Gang fort, aber entweder Du überanstrengst Dich, meine Liebe, oder Franjas fortgesetzte Faulheit läßt mich an Heinzelmännchen glauben." . Christine antwortete mit abgewandtem Gesicht: „Was doch eine Antipathie alles zuwege bringt!" „Jawohl, das Mädel ist mir antipathisch," schloß der Amtsrichter verdrießlich, „mir ist diese Physiognomie unsäglich zuwider. Und der Junge teilt meine Abneigung: ich habe ..Heinz genau beobachtet; er, dev mit aller Welt gut Freund ist, geht dieser Person in' großem Bogen aus dem Wege." Allerdings, das Verhältnis zwischen Franja und dem kleinen Sohne ihrer Herrschaft war ein unverhnllt feindseliger Zustand. Man muß die Wahrheit sagen: Franja hatte alles getan, sich dem Knaben angenehm zn zeigen; sie sprach sehr unterwürfig zu ihm und bediente den Klemm mit großer Zuvorkommenheit. Mer war es ihr kriechend schmeichlerisches Wesen oder ihre Häßlichkeit, oder hätte das Kind aus Hannes Reden genug aufgeschnappt, um zu wissen, daß durch Franjas Angeberei sein geliebter Perez im Gefängnis saß —, vereinigten sich in Heinrichs Gemüt alle diese Gründe gegen die neue Hausgenossin? Der Junge verabscheute Franja, gab ihr ungezogene Antworten, schalt sie und schlug nach ihr, bis ihn seine Mutter durch eine tüchtige Tracht Prügel zwang, seinen Haß auf unbestimmte Zeit einzudämmen. Wenn Heinrich geahnt hätte, ivelchen Bundesgenossen er an seinem Vater besaß! Der Amtsrichter gab sich ordentlich Mühe, beit neuen Dienstboten aus dem Hanse zu bringen. Eines Tages sagte er zu seiner Frau: „Weißt Du auch, daß die Verhandlung gegen Perez nächste Woche beginnt?" Christine erbleichte. „Schon?" „Schon!" wiederholte der Amtsrichter, „ich dächte, es wäre die höchste Zeit, daß die unangenehme Geschichte ihren Abschluß findet. -Wird nett werden! Die halbe Stadt ist als Zeugen geladen, Du und ich, wir müssen natürlich auch hinüber." „Du, mein lieber Mann, natürlich, aber ich, was hätte ich dort zu tun?" „Die verehelichte Anttsrichter Christine Müller wird anfgcfordcrt, nach Recht und Gewissenüber die in ihrem Hause bcdicnstct gewesene Pelagia Czorny Zeugnis abzulcgen. Du hast die Vorladung ordmmgsgcmäß erhalten." Christine nickte. „Es ist ein Streich von Dir, damit ich Dich' begleite. Ein öffentlicher Prozeß, in dem ich als Zeugin erscheinen soll, — Du wirst einseh en, daß es dazu einer neuen Toilette bedarf, schwarz, der Situasion angemessen, mit Schmelz oder auch Jet." „Sprich ernsthaft, Frau, ich bin mit 'Dir sehr unzufrieden. Es verdrießt mich: wir sind in aller Leute Mund. Alles, was in dieser vertrackten Mordaffärv eine Rolle spielt, ging bei uns aus und ein . . . erst Perez, ein des Mordes Angeklagter —, dann Pelagia, seine Beihelferin, und jetzt haben wir, um das Maß voll zu machen, noch diese Franja unter unserem Dach." „Heinrich, wer Dich hört, halt uns für die Vorsteher einer Räuberhöhle." „Es läuft bald darauf hinaus," cntgegnete der Amtsrichter mürrisch; „jedem Fremden, der nach Zladno kommt, wird unser Haus gezeigt, plötzlich bildet sich eine Gruppe, husch findet sich Franja ein und erzählt die Mordtat mit immer neuen Einzelheiten ... Es macht auch unter den Juden hier sehr böses Blut, daß just Du die Anklägerin des armen Perez beschützt." „Des armen Perez! Herr Amtsrichter, das war doch früher nicht ..." „Dasist doch stark, Frau! Wer hat sich so für die Unschuld des Perez ins Zeug gelegt wie Du?" . „Das tat ich." Je mehr sich ihr Gatte ereiferte, desto ruhigye wurde CHristM, Wt fest anblickend, fuhr