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Neue jüdische Presse · 1913-07-18 · Heft 28 (18.7.1913) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 28 (18.7.1913)
Date
1913-07-18
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Seite 3 Nr- 28 Frankfurter JsraeMscheS FsmigeMM. Leben durchgeführt worden wäre, daß, sie hü st st eins von der Duma angeiwmmen worden wäre, — und welche Bedeutung hat die Duma in den Augen der Regierung? Nisselowitschs Enttäuschungen und Verwunderungen sind daher nicht zu verstehen, obwohl ich mir seine kurzsichtige „Realpolitik" durch die schreckliche und verzweifelte Lage der Juden, denen zu helfen er bestrebt war, wohl erKäreN kann. Vergebens betont Nisselowitsch die negative Bedeutung für die Juden des Umstands, daß der Mörder Stolypins ein Jude war. Auch das ist ein Zufall, der keine wahre Bedeutung haben kann. Bor kurzem sprach Kokowzow in der Dunta vom int Jahre 1905 ermordeten Oheim des Zaren, Serge:: „Welleicht fiel er eben darum, weil er den Juden in Ätoskau so feindlich gesinnt war." Seine Worte erlangten aber nicht den gewünschter: Beifall. Ein jeder versteht eben, daß die Juden bei ihrer Lage nMt regierungstreu sein können. Eine antisemitische Zeitung wie ,',Rowoje Wremja" zeichnete int Jahre 1905 folgende Karrikatur: Bor Port Arthur, das soeben vor: den Japanern eingenonttnön wurde Und welches daher nicht mehr zun: gesperrtorr Ansieblungsrayon gehört, steht ein Jude mit Sack :rnd Pack und fragt ungeduldig einer: anderen, der in der Stadt ist: „Jankel, kann ntan schon kommen?" Und ich fragte:r:ich: Ueber wen lacht Ihr!? lieber die Juden oder über den Rayon? Ueber uns oder über Euch selber? Leo .Kadinsky. Linoleum l einfarbig braun, Ia Qual. 3,6 mm U» IU Bei grösseren Qnanten Extraofferten. G. Kupschf Frankfurt a. M., Altegasse 27/29. ■ - Ringfreie Tapetenindnstrie. — Juden Razzias. Kiew, 9. Juli. Die allnächtlich stattfiudendcn Juden-Razzias Halter: nicht nur bei der jüdischen, sondern auch bei der christlichen Bevölkerung eine! große Erregung hervorgerufcr:. Wird doch auch jeder Hausbesitzer, in dessen.Hause ein „nicht,wohnbürechtigter" Jude gefunden wird, hoch bestraft! Daraufhin haben sich das Ministerium und der Generalgouverneur ists Mittel gelegt urrd dem übereifrigen Gouverneur ein Halt geboten. Jetzt soll erst am früher: Morgen nach den Sündern ohne Aufenthaltserlaubnis gefahndet werden dürfen und nur ihnen nicht aber auch den Hausbesitzern — eine hohe Geldstrafe auferlögt werden dürfen. Der Effekt bleibt also derselbe. Was das bedeutet, versteht nur der, der die Verhältnisse näher kemrt. Durch seine zentrale Lage inmitten des jüd. Ansiedlungsrayons wäre Kiew eigentlich dazu prädestiniert, ein jüdischer Mittelpunkt zu werden. Die Tatsache, daß beit um den Umkreis von Kiew herum nicht eine einzige Stadt auch nur annähernd an Kiews Bedeutung heranzukommen permag, Muß die Judenheit hierher treiben. Ueberhaupt kann Kiew von den Juden des ganzen Südwestens Mußlands auf keinen Fäll gemieden werden, eben weil es im Herzen des jüdischen Rayons gelegen ist und alle höchsten Anstalten des Südwestens, die administrativen, militärischen, gerichtlichen, sodann eine Reihe höherer Lehranstalten und Hochschulen konzentriert und den Handel- und Gewerbeverkehr der ganzen Gegend beherrscht. Darum drängt das Leben Hunderttausende von Juden nach dieser. Stadt zu ständigem oder zeitweiligem Aufenthalt und stößt die Schranken des Gesetzes um. Da entstehen tagtäglich die harten Kämpfe seitens der Polizei gegen die „Eindringlinge". Dünn Nicht wohnberechtigt in Kiew ist die Majorität der Juden, darunter gerade jene zahllosen Kleinhändler und Ermittler, die ohne — wenigstens zeitweiligen — Aufenthalt in Kiew auch an ihren Heimatsorten ihren Berufen nicht nachgehen können. Für alle diese ist aber das Leben in.Kiew eine einzige Kette polzeilicher Quälereien, die nicht selten nüt tragischen Folgen verknüpft sind. Mögen noch so viele sauer erworbene Rubel in die Taschen der Polizeibeamten fließen, nie find diese zu .füllen. So versichern Kenner der Verhältnisse, daß .die jährliche Einnahme eines Polizeileut-, uants in jedem..der Judenbezirke Kiews auf 20b'is 30,000 Rubel sich beläuft. Also pflegt es in Kiew zu gewöhnlichen Zeiten zju geschehen. Die Razzias der letzten Zeit indes hatten sämtliche ähnlichen Vorkommnisse der Vergangenheit in den Schatten gestellt- und Harum einen solch ' panischen Schrecken, bewirkt. Das ist nun gemildert worden. Doch Man wird auch fernerhin das traurige und abstoßende Bild beobachten können, wie ein großer Trupp anständiger Juden, vom einem Polizeikordon umgeben, nach den: Gefängnisse geschleppt wird. Ein starkes Stück mittelalterlicher.Stimmung steckt in jeder dieser Szenen, die .schlimmer als alle Pogronircdei: auf die unwissenden Massen wirken. „Rufs. Korresp." Brief aus der Türkei. Das Konstantinopeler Rabbinerseminar steht — infolge mangelnder Mittel — vor seinen: Ende. Diese einzige jüdische höhere Schule in der türkischen Hauptstadt hat bereits eine reiche Vergangenheit hinter sich, und ihr Gründer und Direktor, der bekannte sefardische Gelehrte Rabbi Abraham Da non, hatte sich die redlichste Mühe gegeben, seine Schöpfung groß zu mache::. 22 Jahre sind es her, daß Rabbi Danon die Initiative zur Gründung des Rabbinerseminars ergriff. Dank der winzigen Stütze - der „Anglo Jenstsh Association" und der Pariser Allianz gelang es ihm, eine kleine Anzahl von Schülern an sich heranzuziehen, und so wurde der erste Grundstein für das künftige Rabbinerseminar gelegt. Später wurde im Einverständnisse mit dem Zentralkomitee der Allianz und dem Großrabbiner der Türkei — das Seminar nach Konstantinopel verlegt. Der selige Großrabbiner Mosche Halewi war ein Gegner dieser Modernen Talmudschule, sodaß.die Tätigkeit des Direktors stark gelähmt wurde. Endlich aber, um 1903, wurde die Anstalt durch eine Jrade des Sultans offiziell als Rabbinerschule anerkannt. Dieser Fortschritt der Anstalt wirkte aber nicht auf ihre innere Entwicklung. Immer mangelte es an den :wtigen.Mitteln, und so blieb das Seminar stets eine Mischung von Schule unh Cheder. Manche Schüler haben hier die türkische Sprache völlig erworben und andere haben auch manche Fortschritte im Talmudstudium genracht. Rabbiner aber, — nur ein einziger ging aus ihr hervor. Als voriges Jahr an der Spitze der Gemeinde ein national gesinnter Vorstand sich befand, wurde ein modernes Programm ausgearbeitet — doch es blieb leider auch nur auf dem Papier. Die Konstantinopeler Gemeinde besitzt außer den Elementarschulen, .deren Zahl nicht zu groß ist, keine einzige höhere Schule. Das Rabbinerseminar, dem genannten Programme gemäß reorganisiert, könnte auch diese Lücke aussüllen. Es wäre also sehr bedauernswert, wenn die Schule geschlossen würde. Während der Entwaffnung der bulgarischen Garnison in Saloniki war die Angst der jüdischen Bevölkerung unbeschreiblich, da .die bulgarischen Soldaten sich meistens in dem jüdischen Viertel konzentriert und von dort aus sich gegen ihre Angreifer, die -Griechen, verteidigt haben. Me Lkusschreitungen gegen die Juden seitens der Griechen und Bulgaren während des letzten Krieges haben -fick — trotz aller Dementis — nach und nach bestätigt, und wer weiß, wieviel neue und schrecklichere Fälle wir bei dem neuen Kriege zu verzeichnen haben werden! Kantorowitz. Jüdisches Leben in Griechenland. linier den 5000 Juden Griechenlands ist die zionistische Idee sehr verbreitet. In sämtlichen Gemeinden bestehen zionistische Vereine. Trotz der ungünstigen materiellen. Lage infolge des Krieges sind in den ersten sechs Monaten dieses Jahres über 5000 Frcs. für zionistische Zwecke gespendet worden. Gegenwärtig wird eine Lotterie geplant, deren Gewinne in Reiseprämien zum Besuche des Heiligen Landes bestehen sollen. Die innige Liebe zum Lande der Väter hindert die griechischen Juden natürlich nicht, treue und hingebungsvolle griechische Staatsbürger zu sein. Die jüdische Gemeinde in Bolo zj. B. hat ihren Mitgliedern eine Steuer zugunsten der im Felde stehenden Soldaten und ihrer Familien auferlegt und liefert für diesen Zweck allmonatlich 1500 Frcs. ab. Diese Gemeinde besteht aus annähernd.120 Familien, die für Gemeinde- und. Kultuszwecke bereits erheblich belastet sind. Die jüdischen Gemeinden in Athen, Korfu und Molo tragen sich mit dem Gedanken, jüdische Schulen 'zu gründen, in denen das Hebräische als lebende Sprache unterrichtet werden soll. Eine jüdische Lehramtskandidatin wurde nach Saloniki und Jaffa entsandt, um sich zur Lehrerin des Hebräischen auszubilden. stadt. Restaurant und Gaß l Inh.: Anton Pfeiffer Friadhergar Ldstr. 42D. Tal. 4M t empfiehlt seine prachtrollen, schattigen Gärten, Terrasse, Saal, sowie diverse separate CteseOschaftsslnuner. -- Für Sommerfeste vorzüglich geeignet. . - Aus aller Wett. DeatscheS «eich. Berlin. Durch. die Erfolge der letzten Palästinafahrt der jüdischen Turner und Studenten veranlaßt, hat sich aus Vertretern der. Jüdischen Turnerschaft, des Bundes Jüdischer Korporationen und des Kartells Zionistischer Verbindungen in Berlin ein ständiges Komitee zur Veranstaltung von Palästinafahrten jüdischer Turner und Studenten gebildet. Dasselbe hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Erfahrung der letzten Palästinafahrt nutzbar zu machen, um die nötigen Vorbereitungen für eine jährliche neue Palästinafahrt zu treffen. Zunächst ist von den oben genannten Organisationen eine Palästinafahrt für das Frühjahr 1914 in Aussicht genommen. Das Komitee ist mit den Vorbereitungen derselben bereits beschäftigt und steht allen Interessenten mit jeder Auskunft gern zur Verfügung. Alle Zuschriften sind an das Büro Berlin W 15, Bleibtreustr. 25, zu richten. . Berlin. Soeben ist der Jahresbericht der Alliance Jsraelite Universelle erschienen. In knapper und übersichtlicher Darstellung wird über die Lage der Israeliten in Rußland, Rumänien, im Orient, in Marokko und in Persien berichtet. Das Schulwerk ist auch im letzten Jahr weiter ansgebaut worden. Es werden für die 170 Schulen, in denen 46000 Zöglinge unterrichtet, zumeist auch gespeist und gekleidet werden. 1500000 Fr. ausgegeben. Die Gesuche der Gemeinden um Errichtung neuer Schulen mehren sich von Jahr zu Jahr; — aus Mangel an Mitteln war es jedoch nicht möglich, allen Gesuchen zu entsprechen. Die Balkanwirren haben an die Alliance erhöhte Anforderungen gestellt. Das Hilfswerk für die Balkanländer wurde laut einem Brüsseler Beschluß der jüdischen Verbände zentraliifiert. Dieser Verband, dem auch die Alliance Jsraelite Universelle angehört, hat fast eine Million Francs zur Linderung der Not verausgabt. Der Bericht ist vom Deutschen Bureau der A. I. U. Berlin-Charlottcnburg, Grolmanstr. 48, kostenlos zu beziehen. Berlin. Auf Anregung der „Allg. Jüd. Kolonisations-Organisation" und in Angliederung au diese hat Markus Przedborski -Lenczyca (Rußland- 80000 Fr. für eine Palästina-Kolonisations- Stistung gespendet und zwar mit folgender Bestimmung: „In Anbetracht der unsagbar traurigen Verhältnisse, unter denen unsere Glaubensgenossen in meinem Heimatlande zu lewen haben, glaube ich meiner Stiftung keine bessere Bestimmung verleihen zu können, als die Förderung der Palästina-Kolonisation durch rationell erteilteil Kredit und durch Vorbereitung jüngerer Auswanderer zur Ausübung des landwirtschaftliche» oder gewerblichen Berufes in Palästina. Möge mein Beispiel hie Wirkung haben, daß in jeder Gemeinde mehrere ähnlich denkende Männer sich finden, die einen Teil ihres Vermögens der dauernden Versorgung ihrer, unglücklichen Glaubensgenossen widmen. Nur wenn jeder von uns dieser Pflicht nachkommt, kann das namenlose jüdische Elend beseitigt werden." Raesfeld. Unter überaus großer Beteiligung und in Anwesenheit der Behörden und der Geistlichkeit» beging in besonders feierlicher Weise die hiesige Gemeinde ein Fest, das dem 50jährigen Bestehen der Synagoge galt. Rabbiner Dr. M ich a l s k i - Recklinghausen hielt eine der Bedeutung des Tages entsprechende geistreiche Predigt. Ein von Lehrer Bär-Gemen eben erst gegründeter Synagogenchor intonierte in meisterhafter Weise mehrere Psalmen. Im Festsaale wechselten Konzertvorträge und theatralische Aufführungen mit zahlreichen Toasten ah. Erwähnenswert ist, daß Lehrer a. D. Cohen-Borken, der vor '50 Jahren das Gotteshaus seiner heiligen Bestimmung übergeben hatte, auch jetzt wieder als Ehrengast dem Feste beiwohnte. Dem Festbankett schloß .sich ein von vielen Hunderten besuchter Ball au, der erst am nächsten Morgen fein Ende fand. Oesterreich-llugaru. Wien. Der Jüd. Kolonilationsverei» hat dem Jüdischen Nationalfonds die «umme von 10 WO Fr. überwiesen mit der Maßgabe, für diesen Bettag 10 Jemenitenhäuser in einer der palästinensischen Kolonien erbauen zu lassen und diese Gruppe von Häusern nach dem verstorbenen Baurat Wilhelm Stiaßny in Wien zu benennen. Rußland. Petersburg. Der „Reisch" beschäftigt sich mit den Kiewer Jnden-Razzias. Er vermerkt, daß sich durch diese Zustände zahlreiche Juden das Leben nehmen und bringt den Fall L-piro

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