Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 26 (4.7.1913)
- Date
- 1913-07-04
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 26. machniig durch Iuultiouäre drr „Orient Evlviiisiiiq Ov. Ltd." bewirtschasten lasse» uud erst »ach Fertigstellung der Pflanzuugen sich in der Kolonie ansicdeln. Die unlängst in Bialystok veranstaltete konstiruicrende Versammlung der Kolonisten hat eine ganze Reihe von Bestimmungen bezüglich der Anfaiigsaibcitcn und der Verteilung des Bodens ausgearbcitet und ein Komitee zur Führung. der Geschäfte der neuen Ansiedelung eingesetzt. Der genaue Bewirtschastungsplan soll .jedoch erst später an Ort und Stelle von den Funktionären der O. Cli. gemeinsam mit dem Komitee der Kolonie ansgearbeitet Iverden. Freudige Stimmnng erregte in der Versammlung die Mitteilung, daß Herr At anassewitz, der als Parzellen- Jnhaber an der Kolonie beteiligt ist, eine namhafte Stiftung errichte, aus der die Kosten der öffentlichen Institutionen — Synagoge, Schule, rituelles Bad usw. '— bestritten werden sollen. Die Versammlung beschloß, dem Stister zu Ehren die neue Kolonie „Kiriath Mosche" (die Stadt Mosis) zu nennen. Personalien n. Kleine Mitteilungen. Berlin. Siegfried Peiser. Oberingenieur und stellvertretender Direktor der Großen 'Berliner Straßenbahn, ist anläßlich seines 40 jährigen Dienstjubiläums zum königlichen Saucat ernannt worden. Karlsruhe. Gegenwärtig wird die S y n a g o g e der I s r. R e l i g i o n s g e f c l l f ch a f t renoviert. Die Stadt hat bis zur Vollendung der Renovation die Ausstellungshalle des Landesgewerbeamtes zur Verfügung gestellt. Mannheim. Die Hirsch Schwed'schen Eheleute in Heidelberg erhielten.anläßlich ihrer goldenen Hochzeit die goldene E h e j u b i l ä u m s m e d a i l l e.' — Der Privatier Samuel Netter in Ludwigs- Hase n vermachte der Stadt eine StiftunqvonlO 000 Mark. — In Knppenheiin beging Iran Judith Dreifuß den 08. Geburtstag. Göttingen. Geh. Justizrat Professor vr. zur et pdii. Ferdinand Frensdorfs beging seinen 80. Geburtstag. Nürnberg. In dem ehemaligen Schloß Vüg bei Fürth ist ein iSraelit. Erholungsheim, errichtet durch Stiftung der hiesigen Eheleute Adolf und Julie Schwarz, seiner Bestimmung übergeben worden. Das Heim ist besonders für Schulkinder bestimmt. An der Spitze der Verwaltung steht satzungsgemäß der jeweilige hiesige Rabbiner. (II.) Posen. Nachdem statistischen Bericht für bas Verwaltungsjahr 1912/1913 kamen hier 41 rein jüdische Eheschließungen vor. Von den unehelich geborenen Kindern waren 167 evangelisch, 555 katholisch^ 0 jüdisch. In Schocken beging Flora K o ch m a n n Wwc., geb. Oelsner, eine wegen ihrer Frömmigkeit sehr geschützte Frau, den 75. G c b n r t s t a g. Direktor Paul Lnbszynski in Samter erhielt den Charakter als Kommerzienrat.. Budapest. Baron Josef Hatvani Deutsch, Mitglied des Magnatenhauses, Präsident des Landes-Rabbiner-Seminar, des Israelit. Ungar. Literatur-Vereins re., ist in Bad Nauheim verschieden. Budapest. Große Bermächtnisse! — Frau Marie Berger geb. Helsinger hinterließ 60 000 Kr. dem Israelit. Spital, 60 000 Krdem Israelit. Stipendien-Verein, 40 000 Kr. für das Wechselmannschc Blinden- Jnstitut ^usw. usw. Paris. Max Lang, Ritter der Ehrenlegion und Tierarzt in der Kolonial-Artillerie in Noumea, ist zum Präsidenten der dortigen L a n d w i r t s ch a f t s k a mmer gewählt worden. — Die Akademie verlieh Dr. G o l d s ch m i d t - Straßburg für sein Buch „Autour de Strasbourg assiegs" den Fnrtado-Preis (500 Frcs.). Kopenhagen. Eduard Brandes, der Bruder von Georg Brandes, ist zuin Finanzminister ernannt worden. : , Kiew (Rußland. Im B e i l i s p r o z e ß ist der Hiniveis auf den rituellen Charakter des -Nordes in die Antlageschrift auf Verlangen des I n st i z m i n i - sters aufgenommen worden. London. Sir Sidney Lee, Dcktor der Literatur, und Dr. nied- Charles Gabriel Seligmann sind zu Professoren an der hiesigen Universität ernannt worden. Philadelphia. Richter Mayer Sulzberger, eine der führenden Persönlichkeiten der amerikanischen Judenheit, feierte den 70. Geburtstag. Mayer Sulzberger wurde in Heidelsheim (Baden) als Sohn von Abraham Snlzberger, genannt' ".Heb Solme, und Frau geb. Einstein geboren. Infolge der Wirren im Jahre 1848 wanderte sein Vater nach Amerika aus und siedelte sich in Philadelphia an. Mayer Sulzberger erlangte bereits mit 16 Jahren den Grad eines Bakkalaureus der freien Wissenschaften. Nachdem er einige Jahre im kaufmännischen Leben gestanden hatte, wurde er 1865 Rechtsanwalt. Infolge feiner guten jüdischen Erziehung nahm er bald den lebhaftesten, tätigen Anteil an allen jüdischen Interessen. New-Nork. Ein blinder Arzt! — Der 25jährige-Dr. Jacob W- Bo l o tin-Chicago ist als Assistenzarzt am Tuberkulose-Spital in Dunniug angestellt worden. Jerusalem. M u g i d B e y, der Gouverneur von Jerusalem, hat verschiedene jüdische Kolonien besucht. Jn Rechoboth sprach er den. Wunsch aus, dort demnächst die Sommerserien zu verbringen. Ans der Lehrerwett. . , Leipzig. Diese Woche wurden die neuen Räume der Israelit. Realschusc ciugewciht. Aran^strtrr MraeMsHe» KmüliaMK. Dr. Hildesheimer-Berlin begrüßte tut -Aufträge des Kuratoriums die Versammlung. Dr. Carlebach, der Direktor der Schule, führte in seiner Rede aus: Mit der neuen Schule soll die Erziehung der jüdischen Jugend znm wahrhaft sozialgebildeten Menschen ans der Basis der jüdischen Religion versucht werden. Mit dem gleichen Eriist und der gleichen Hinagbe sollen die großen Schätze der modernen Bildung gepflegt und soll versucht werden, zioischcn Wissenschaft und Religion diejenige Harmonie herzustellen, welche in sich gefestigte, gute uud zufriedene Menschen erziehe. Für die Regierung sprach Obcrschnlrat Dr. M ü l - l e r. Es sprachen ferner Realschuldirektor Stndicnrat Prof. Dr. Brause, Rabb. Dr. Carlebach -Lübeck, Realschnldireltor Dr. Lange- Frankfurt usw. Königsberg. Zum Rabbiner der israelitischen Religionsgesellschaft „Adaß Jisroel" wurde Dr. S a l o - m o n Frankfurter in L o b o s i tz (Böhmen) gewählt. (!-.> Posen. Der Verein „Lejchaun Limmadim" will eine „F e il ch enfeld' s che Lehranstalt" sür Fortbildung im Thorastudium begründen. Ein llngenannter hat bereits 10 000 JL gespendet. Lissa. Hauptlehrer a. D. Albert Herbst u. Frau feierten die goldene Hochzeit. A«S den Vereinen. Darmstadt. Der vor kurzem gegründete Jüdische Turnverein ist in befriedigender Entwicklung begriffen. Das bei den Mitgliedern zunehmende Interesse für die Turnübungen ist ein Beweis dafür, daß die Schaffung des Vereins einem großen Bedürfnisse entsprach. Durch das Entgegenkoinnren der Stadt, die dem Verein nunmehr dis wesentlich geeignetere Turnhalle am Ballonplatz mit Tnrnhof zur Verfügung gestellt hat, ist jetzt auch die Möglichkeit der Veranstaltung von Turnspielen im Freieir gegeben, Ivas in erster Linie dazu beigetragen hat, daß der Turnbesuch erfreulicherweise auch in der warmen Jahreszeit befriedigend war. Berlin. DieSportab teil» ng des jüd. Turnvereins Bar K o ch b a, die sich in den 3 Jahren ihres Bestehens einen geachteten Platz in der Reihe der Sportvereine Groß - Berlins errungen hat, hat die zahlreichen Akademiker, die sic zu ihren Mitgliedern zählt, zu einer besonderen A k a d e in i s ch e n Abteilung znsammengeschlossen. Anmeldungen: cand. med. Arthur Löwe n st ein- Charlottenburg, Kantstr. 38. Gleichzeitig richtet der Verein eine Jugend-Sporta b t c i l u n g rin sür Schüler von 14—18 Jahren. Bruchsal. Der Landesverein zur Erziehung israelit. Waisen im Groß Herzogtum Baden schloß das 25. Jahr seines Bestehens mit 112 Schützlingen, von denen 91 bei ihrer Familie, 13 bei anderen Familien, 5 in Anstaltsobhut und 3 als Lehrlinge tätig waren. Frankfurter Berichte. Die Berufswahl der jüdischen Jugeud. In einer sehr zahlreich besuchten 'Versammlung des „Mo n t e fio r e"-V erei n s sprach vergangenen Mittwoch Jakob M e s s i n g e r über die Berufswahl der jüdischen Jugend. Der Redner betonte zu Eingang seiner Ausführungen die dringende Notwendigkeit des tieferen Eindringens in dieses Problem, um einer wirtschaftlichen Notlage unter de» deutschen Inden vorzubeugen. 'Ausgehend von den bei der Wahl des Berufes ganz allgemein zu berücksichtigenden Momenten (Neigung, Fähigkeit, körperliche und geistige Entwickelung, niaterielle Mittel), wies der Referent hin aus die Ueberfüllung einzelner Berufe, die Abwanderung in die Großstadt, den allzugroßen Drang zur Selbständigkeit und den wirtschaftlichen Antisemitismus, was alles eine große Gefahr sür die wirtschaftliche Lage, der Juden bedeute. Er empfahl, dem Handwerk, Kunsthandwerk, der Landwirtschaft und dem mittleren Beamtentum viel niehr Beachtung zu schenken als bisher, den Kausmannsbernf nur bei guter Schulbildung zu ergreifen und forderte die Schaffung einer besonderen jüdische» Organisation, die Hand in Hand mit den Jugendvereinen und anderen Organisationen sich der Aufgabe einer Berufsumschichtung zu widmen hätte. Redner behandelte sodann die weibliche Berufstätigkeit. Zu empfehlen sei, die Mädchen möglichst häuslichen Beschäftigungen zuzuführen. An der sehr angeregten Diskussion, die bis 114/» Uhr dauerte, beteiligten sich Frau Rosen blatt von der Weibl. Fürsorge, die namentlich zur weiblichen Berufstätigkeit manche Ergänzungen machte, ferner die Herren Dr. Löffler, Dr. Ettlinger, Lehrer Albrecht und Zenkowsky. Nach eineni Schlußwort des Referenten, wurde eine Kommission gewählt, die gemeinsam mit dem Vorstand des Montefiorevereins sich mit der Frage der praktischen Anwendung der gegebenen Anregungen zu, beschäftigen haben wird. Wandergruppe des Vereins „Montefiore". Die Wandergruppe beabsichtigt, nächsten Sonntag eine größere Odenwaldtour zu unternehmen. Unter Führung der Herren Feist und Grüne bäum werden die Teilnehmer 6 Uhr 45 Min. vom Hauptbahnhof nach Darmstadt fahren und dann .durch das Mühltal und den Magnetberg nach Jugenheim wandern, wo gerastet und abgekocht wird. Der Marsch geht sodann nach Kurhaus Schloßberg, Alsbacher Schloß, Melibokus und Auerbacher Schloß bis Auerbach. Ankunft Frankfurt 9 Uhr 23 Min. Der Fahrpreis beträgt 1,50 Jk Besonders hervorgehoben sei, daß eine Anzahl auswärtiger Verbandsvereine sich dieser Wanderung anschließen Leite. II. iverden, sodaß dieselbe ganz besonders genußreich zu werden verspricht. Geselliger Nachmittag der A J.-J«ge«dgrnppe- Letzten Samstag nach 5 Uhr fanden sich mehr als 200 junge Leute in dem sabbatlich gedeckten Saale der Snppenanstalt ein. Die Veranstaltung war die erste, mit dem Zwecke. Fäden persöirlicher Beziehungen zu ziehen. — und in dieser Hinsicht hat die Veranstaltung sicherlich vielerlei Gutes gewirkt. Sechs Damen hatten die Rolle der Hausfrau übernommen, und sie faßten ihre Aufgabe nicht nur dahin ans, zu beivirten, sondern auch, die Unterhaltung anzuregen. Das - Wort an die gesamte Versammlung ergriffen Direktor Dr. Lange, L- Perlmutter u. 'S. Schachno w i tz. Direktor Dr- Lange betonte, daß der junge Mann sich in familiärer Beziehung. bisher zu sehr überlassen und hierdurch mancherlei Gefahren ausgesetzt gewesen sei, gegen die der Verkehr in den Familien schütze. Er hoffe, daß die neue Einrichtung der A. J-Jugendgrnppe, die geselligen Veranstaltungen, hier Besserimg schaffe. i . . . , ’; ' Tischlieder und Sologesänge schufen neben den Reden und der Unterhaltung Abwechslung, und mit lebhafter Befriedigung verließ die' Jugend den Saal. Stiftung. Ignatz Sichel, langjähriger Prokurist der Firma M. Av. Rothschild u. Söhne, hat durch letztwilligc Verfügung eine Stiftung von l1/» Millionen Mark errichtet, die zur Gründung eines Erziehungsheims für jüdische Schüler dienen soll. Der Verwaltung gehören der jeweilige Direktor des Philanthropins, sowie Vertreter des Vorstandes und Ausschusses der „Israelitischen Gemeinde", der „Bne Brith-Loge" und der Israelitischen Männerkrankenkasse an. Die Entscheidung der Frage, ob das Heim rituell gefiihrt werden soll, hat der Erblasser der künftigen Verwaltung änheimgestellt. Außerdem wurden aus dem Nachlasse des Heimgegangenen nach seiner Bestimmung 50 000 JL an verschiedene Wohltätigkeitsvereine und Stiftungen verteilt. Kleine Notizen. Die Radtererin Franziska Kahn-Redelshetin er ist — 40 Jahre alt — verschieden. Die „Franks. Ztg." schreibt über sie: „Franziska Rcdelsheimer stammte aus Nürnberg. Ans der alten Reichsstadt brachte sie die Liebe zu altertümlichen Winkeln, zu engen Gäßchen und spitzgiebeligen Häusern mit nach Frankfurt, wo sie als das stärkste Talent in Bernhard Mannselds Schule bald mit eigenen Arbeiten hervortrat. Malerische Auffassung, sichere Zeichnung und eine Vorliebe für die Kontrastiernng scharfer Licht- und Schattenpartien sind ihren Blättern eigen. Sie führte die Nadel energisch, fast männlich, und keiner hätte wohl beim Anblick dieser ganz und gar unsentimentalen Radierungen in dem Antor eine Frau vermutet. Noch ihre letzten Schöpfungen: Der Blick durch den Alten Markt auf den Dom und das Blatt mit der Mehlwage, dem Garküchenplatz und dem hochragenden Haus Fürsteneck, bekunden die Energie ihrer Hand und sind in der scharfen Herausarbeitung des Architektonischen von fast plastischer Wirkung. Gleichwohl fehlte der Künstlerin nicht der'Sinn für das Zarte und Intime in der Natur, wie ihre poetischen Bildchen aus der Umgebung Frankfurts beweisen." Fräulein Heny Schieratzky hat nach dreijährigem Besuche des mit der Religionsschule verbundenen Lehrerinnenknrsus soeben das Examen als Religionslehrerin mit sehr gutem Erfolge bestanden. Iüd. Turnvcrein. Die Damenriege turnt nächste Woche am Donnerstag abend, nicht wie sonst am Mittwoch. Bunte Chronik. Eine jüdische Hofsängerin des 1?. Jahrhunderts. Kurfürst Friedrich III. schrieb am 16. Juli 1690 aus Wesel an den Fürsten von 'Anhalt und die Geheimen Räte in Berlin: „Marcus Jsaac Juden sambt Seiner bey sich habenden Tochter Brentgen Marcus von hier nach Berlin gehen zu lassen, damit gedachte Brentgen bey Unserer hogeliebten Gemahlin mit singen auswarten und nach derselben gutfinden sich weiter in der Mnsic üben und perfectionteren, 'auch Ihre habende ungemeine stimme nach der Kunst und methode einrichten und employren lerne." Die Antwort des Fürsten von Anhalt lautete: „Der Jud ist angekommen, weil aber E. h. d. Gemahlin sich anitzo nicht hier, sondern zu Hannover befindet, so werde deroselben Ich von dieses Juden Tochter Brentgen Marcus und ihrer ungemeinen stimmen, die Ich selbsten gehöret und admiriret habe, alsosorth Nachricht geben und dero gnädigsten Befehl erwarten, ob diese Jüdin dorthin begeben oder bis zu dero Gott gebe! glücklicher Zurückknnfst sich atlhier aufhalten soll . . Bon den weiteren Schicksalen der jüdischen Hossängerin Brentgen Marcus ist nichts bekannt. Kunst und Literatur. Kinder der Liebe. Die Geschichte einer Familie von. Frances Külpe. München und Leipzig bei Georg Müller. 1912. 2. Auslage. Von Deutschen, die in Rußland wohnen, erzählt der Roman. In Heinz Stürmer lernen wir einen tüchtigen Verwalter großer Besitzungen kennen. In seinen Muße-