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Neue jüdische Presse · 1913-07-04 · Heft 26 (4.7.1913) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 26 (4.7.1913)
Date
1913-07-04
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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!' i I r j Seite 16 | dehnung dieses Gesetzes auf die jüdische Religions- A gemeinschaft entschieden Front gemacht. Daher 8 schienen alle Anstrengungen, die bis dahin der I „Verband der deutschen Juden" in dankenswerter I Weise gemacht hatte, um die Gleichstellung durch- I xuführen, umsonst. Inzwischen hatte aber der 1 „Verband der Berliner Synagogenverjeine", als er von dem Resultat der zweiten I Lesung erfuhr, seinerseits den Beschluß, gefaßt, sich I mit einer neuen Eingabe an den Reichstag zu wenj den und in dieser Emgabc darzulegen, welche schweren Mißstände der Mangel an geeigneten, in-! ländischen Gemeindebeamten an vielen Orten Hervorrufe. Eine Kommission — Rechtsanwalt Dr. . Klee, A. Lewinsky, Moritz A. Loeb, Theod. Löwenberg und Direktor Wolpe — arbeitete in kürzester Frist, nach Fühlungnahme mit dem Verband der deutschen Juden, eine entsprechende Eingabe aus und ließ diese dem Reichstag zugeh«r. Es wurde ferner mit den Vertretern der vcr- ‘ schiedenen Parteien Rückssnache genommen, und das .erfreuliche Resultat war, daß vor allem! das Zentrum sich von der Gerechtigkeit der hier geltend gemachten Ansprüche überzeugen ließ, wozu auch dia Unterstützung beitrug, die der Antrag seitens dm „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" fand. Abg. G r o c b c r stellte bei der dritten Lesung den Antrag auf Einfügung der anerkannten Religionsgemeinschaften — zu denen ja das Judentum in allen deutschen Staaten gehört —, und dieser Antrag ging gegen den Widerspruch der Staatsvertreter durch. Wer da weiß, wie selten es vorkommt, daß zwischen der zweiten und dritten Lesung Gesetze noch in wichtigen Punkten geändert werden, wird der raschen und energischen Arbeit, die! hier seitens dm.Kommission des Verbandes der Berliner Synagogenvereine geleistet wurde, seine Anerkennung nicht versagen können. ■! | ] George Clemeucearr über die Jude« in Rumänien. {Efcntenccau, der gewesene französische Ministerpräsident, schreibt im „L'homine libxc" über die Juden in Rumänien. Er preist, „dass sie der türkischen Herrschasi entschlüpften." Freilich seien sic von dem einen Joch, in das andere geraten. Doch das runiänische Volk sei sonst seiner Anlage und Gesittung nach ein vornehmes Volk, ein Volk, dem ein hoher zivilisatorischer Geist inncwohne. Er geht dann auf den Berliner Kongreß .von 1878 näher ein. Der Gleichberechtigung der Juden in Rumänien widersprach nur Fürst Gortschakow, der erste Bevollmächtigte Rußlands. „Man dürfe nicht in eine Linie stellen die Israeliten in Berlin, Paris, London und in Wien, denen man gewiß kein politisches und gesellschaftliches Recht verweigern würde, mit den Juden 'von Serbien-, Rumänien und einigen russischen Provinzen, . die nach seiner Meinung eine wahre Landplage für die einheimische Bevölkerung seien. . Der Leser wird wohl einsehe», daß cs nicht genügt, ein Volk mit einer Landplage zu vergleichen, uni cs aller Rechte berauben zu tonnen. Hätte man die Juden befragt, so hätten diese gewiß auch ohne Zögern ihre»! Gegner das Kompliment zurückgegeben, und mit um so mehr Berechtigung, als sie die Opfer von Massakrcs waren, ober keine Peiniger." Doch die Gleichberechtigung der Juden wurde zu einer der Büiingungen für die Anerkennung Rumäniens gemacht. Rumänien mußte sich entschließen, seine Verfassung in diesem Sinne zu ändern, und am 13. (25.) Oktober 1879 bestimmt ein neues Gesetz, „daß alle Fremden ohne Unterschied des Glaubens die rumänische Staatsbürgerschaft erlangen könnten, — jedoch nur durch ein eigenes Votum des Parlaments. Dank dem Ausdruck „Fremde", den es auch weiter ans die Inden anwendete, selbst ans solche, deren Vorfahren seit Jahrhunderten im Lande ansässig ivarcu, war Rumänien in der Lage, die Mächte zu narren und sich seinen Verpflichtungen zu entziehen. Da die Mächte entschlossen schienen, sich mit diesem falschen Spiel nicht zufrieden zu geben, raffte sich Rumänien auf, ihnen Genüge zu leisten, indem cs eine sormetfe Erklärung seines Beitrittes zu dem Artikel 44 des Berliner Vertrages abgab. Oesterreich und Italien nahmen diese Versicherungen entgegen und notifizierten 1h« Anerkennung den, neuen Königreich. Großbritannien, Frankreich und Deutschland folgten nach einigem.Zögern, stellten aber besondere Vorbehalte auf für den Fall, wenn die Bestimmungen der Verfassung nicht ausreichen sollten, die Durchführung des Berliner Vertrages zu sichern. In einem Zirkular vom 16. August 1880, gerichtet an die diplomatischen Agenten Frankreichs, betonte M. de Freycinet, der Minister des Aeußern, ausdrücklich' bic* sen Gesichtspunkt. Rumänien, von nun ab ganz sein eigener Herr, sollte bald zeigen, ivie ernst es seine Verpflichtungen Frankfurter Israelitisches Familienblatt. »ahm. Es sind kaum 200 Juden, denen es innerhalb vierzig Jahren das Bürgerrecht verlieh. Die runiänischcn Jude» sind heute Fremde in dem Lande, wo sie geboren sind. Fremde, obwohl ihre Ansässigkeit in den Donaufürstcntüniern bereits von den Geschichtsschreibern des dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderts sestgcstellt ivurde, Fremde inmitten eines Volics, mit dem sie ihre Existenz verbunden haben. Fremde trotz ihrer Teilnahme an den öffcntiichcn Pflichten. . . Genießen sic wenigstens jene Sicherheiten, die in allen kultivierten Ländern den Fremden, die sie bewohnen, zngestanden werden? Keineswegs! Rumänien hat es ansersonnen, gegen diese angeblichen Fremden eine ganze drakonische Gesetzgebung zu erlassen, die nur auf sic Geltung hat, obwohl sie niemals ausdrücklich genannt sind, und die ihnen das Ergreifen jeder Laufbahn,, jedes Gewerbes oder Handwerks verivehrt, die, noch mehr, ihrer Jugend die Pforte der Elementarfchnlen, der Mittel- und Hochschulen verschließt. Der jüdische Soldat in Rumänien, der sei» Blut auf dem Schlachtfeld vergossen hat, tan» cs erleben, daß ihm die Aufnahme in eine Werkstatt verweigert wird, weil er ein Freinder ist. Seine Kinder iverocn vom Schulbesuch ausgeschlossen sein, weil sie die Söhne von Fremden sind. Die Israeliten der Dobrudscha, die von Rumänien im Jahre 1876 annektiert wurde, die von Silistria, das türzlich von Bulgarien abgetreten ivurde, .sind Bürger — vertragsmäßig —, aber die von Rumänien, die das Land seit Jahrhunderten bewohnen und die keinenr freinden Lande angehörcii, werden voit der rumänischen Regierung als Fremde bezeichnet, obwohl sic den Pflichte» aller rumänischen Bürger uiiterworfen sind, obwohl sie in jeder Lage Proben einer unzmeifelhaftcn Loyalität abgelegt haben, obivohl die Entwicklung des Landes zum Teil auf jhrc Tätigkeit zurückgeht. Ich habe den Wortlaut der Gesetze vor mir, die diese Ungeheuerlichkeiten bcibehalten. Ich bin bereit, sic anzuführcn, wenn inan sic in der Presse abstreiten sollte. „Die rumänischen Juden sind die letzte» Sklaven, die es noch in Europa gibt", schrieb im „Eorrierc dclla «era" am 3. März 1913 der allgemein bekannte M. Luigi Luzzcitti." Eine Kundgebung für die „Agrrdas Jisroel"-Orgauisation. Am Montag nnd Dienstag voriger Woche fand in dem Kurort Gorbatka (Goiivernement Radom) eine seit langem vorbereitete Versammlung der führenden chassidischen Kreise Polens statt, an .der die betaiiiitestcn Ehassidiinrcbbes — insbesondere die aus Gor, Radsin, Pilitza, Grvdisk, Ostroivictz, Sokolow, Sochatschciv, Lublin, Lütow, Jwangorod, Kölbel, Kvsenice, Bialvbzcg, Osrow- und Radom — sowie hervorragende Persönlichkeiten ans Warschau und Lodz tcilnaymen. Gegenstand der Beratung war — »eben dem durch deit Boykott hervorgerufencn ivirtschaftlichcn Notstand.in Polen — die Stellungnahme zur „Agudas Jisrocl". Nach gründlicher Aussprache wurde, wie das Sekretariat der Versammluiig dem Bureau der Agudas Jisrocl mitteilt, einstimmig folgende Resolution beschlossen: „Der Grundgedanke der „Agudas Jisrocl" entspricht uiiicreii Wünschen und Bedürfnissen, und seine Verwirrlichnng ist von z m i >l ge n d er No twe nd i g ke i t für die Gesamtheit in alten Ländern der Zerstreuung. Es yr P.slicht, an dieser Vereinigung aller Jereim zu Ehren des einzigen Gottes mitzuwirken, und die Versammelten erklären sich bereit, ihre Anhänger dahin zu beeinflusse», daß sie sich mit aller Kraft an der Arbeit der Äguda beteiligen. Voraussetzung sind hierbei die regiernngsseitige Legalisation, und die statutarische Gewährleistung inner selbständiger Führung 'aller inneren Laude s-Augelegeuheiten der Aguda in Polen durch die einheimischen rabbinischen und iveltlichen ■ Führer." Mit der Ausführung der Resolution wurde ein Ausschuß bctrailt. Damit hatte die bedeutsame Versammluiig, die — veranlaßt durch den Boykott — auch eine Reche bemerkenswertcr Beschlüsse aus ökonomischem Gebiete') faßte, die Verwirllichung des Agudas Jisroel-Gedankens im Osten ein gutes Stück weitergesördert. Ist ja die von der Versammlung gewünschte Autonomie der Landesorganisationen in allen inneren Angelegenheiten von vornherein als Grundgesetz der Agudas Jisrocl betont nnd auch in dem jetzt vorbereiteten Satzungsentwurf zu präzisem organisatorischen Ausdruck gebracht worden. IlL Berbandstag des Zeutral-Berbandes selbstst. jüdischer Handwerker Deutschlands. (Schluß.) ' Nach den Berichten der Vertreter der einzelnen Vereine wurden die Statuten beraten und aiigcnoninicii. Bezüglich der . Gehilfeusrage wurde folgender Beschluß gefaßt: „Die Versammlung beschließt, die Gehilfeusrage in die Aufgaben des Zentralverbandes aufzunehmcii uno den Vorstand zu beauftragen, den Einzelvereinen hierüber baldigst Bericht zu erstatten." *) Errichtung von Spar- und Leihkassen, Gründung einer großen Bank als Stützpunkt der kooperativen Kredit- Jnstitutioiien, Förderung der jüdischen Handwerker durch Arbeit, systematische Mitarbeit an der Eniigration. Nr. 26 Es entspann sich hierbei eine längere Debatte. M a r e ii s - Berlin forderte n. a. in jeder Stadt eine Stelle, wo sich die jüdischen Gesellen sowohl geistig bilden, wie auch geselligen Verkehr ,»iterei»aiider pslegen. könne». In den Jugendverejncn lvärcn diese Dinge zu teuer. G o l d »i a ii n-Hannover erwiderte, daß die Gesellen sich nicht absoiidern sollten. Der Vorsitzende des Kölner Gescllcnvcreins führte ans: Die „Vereine zur Förderung des Handwerks untcr den Israeliten" führe» in Massen Lehrlinge dem Handwerk zu. Damit kan» cs doch nicht getan sein. Sie sollten sich auch den Jntercsscn der Gesellen znwendcii, besonders deren Fortbildung. So würden die Meister tüchtige Geselle» und die Vereine tüchtige Meister bekvinme». Der nächste Punkt der Tagesordnung betraf die Schaffung eines B e r b a » d s o r g a n s. Die Erledigung dieses Antrags ivurde einer Kvniniissivn überlasse», die im Herbst den Einzelvereinen ein Communiqnv zur Beschlußfassung zuzzusenden hat. Sodann wurde der Vorstand wieder und Herr Cohn- Berlin neu in den Vorstand gewählt. Weis Haupt-Franks urr schnitt mm zu den» folgenden und letzten Punkt „L e h r l i n g s f r a g e" die Sabatfrage an. Es sei nicht recht, das; die. „Vereine zur Förderung 'des Handwerks unter den Israeliten" an die Lehrlinge die Frage stellen, ob sie den Sabbat halten wollen oder nicht. D. K a tz e » b e r g e r, der Verwalter. des Kölner jüd. Lchrlingsheims, erwiderte darauf, man könne eben heutzutage die Lehrlinge »leist nicht mehr in sabbatfreien Stellen unterbringe». Hingegen müsse er entschieden bestreiten, daß darum seine Zöglinge weniger jüdische Erziehung hätten; sie inüßten z. Bjeden Morgen Tefillin lege». Von den Handwerkern Kölns wurde betont, daß der Fortbildiingsschulc wegen der Sabbat, nicht freigegeben werden könne, da dann die Lehrlinge nur vier Tage arbeiten würden. Es sprachen »och mehrere Herren. Den Frankfurter Herren war es leider nicht mehr möglich, zu Worte zu kommen. Deshalb sei an dieser Stelle ausdrücklich betont, daß in Frankfurt viele Handwerker den Sabbat streng halten und bei den andern hinsichtlich des Freigebcns am Sabbat die Verhältnisse sehr günstig liegen. Es hätten gerade die Anhänger oer Orthodoxie deshalb die heilige Pflicht, die jüdischeil Handwerker zu beschäftigen. Vorbildlich möge in dieser Hinsicht die so viel versprechende Agudas Jisrocl - Jugcndgrnppe wirken, die bei ihrer Einrichtung unsere Mitglieder voll berücksichtigte. Ein jüdisches Kunstarchiv. Berlin, Anfang Juli. Die Quellen zur wissenschaftlichen Bearbeit u n g jüdische r Ä u u st deIikINülc r und der Biographien jüdischer K ü n st l e r sließen nur spärlich. Viele Gemeinden besitzen wertvolle Knnstgegeiistände, auch viele Familie» bewahren unter den Erbstücken Gegenstände, deren tunst- und kulturgeschichtlicher Wert ihnen nicht zur Genüge bekannt ist. An verschiedene» Orten bestehen bereits öfscutlichc Sammlungen von Knltusgeräten, Münzen, Handschriften nnd interessante» Drucken. Was aber das Erfordernis einer wissenschaftlichen Beaibeitnng aller dieser Dinge ist, die arehivalischc Kcnntnis, d. h. die sachgemäße Notierung und Vergleichung, fehlt noch vollkoinmeii. Das gleiche gilt aixch von der Kenntnis der jüdischen Wnstler unserer Zeit. Der häufig gemachte Einspruch, daß die Judeii als Künstler nichts Ursprüngliches zu leisten imstande seien, ist durch 'das tatsächliche Material bereits als irrtümlich »achgewiesen. Der bekannte Kunsthistoriker Karl Schwarz hat es sich zur besondere» Aufgabe gemacht, die jüdischen Klinstdenkmäker und die Werke der jüdischen Künstler zu studieren nnd hat ans Grund des von ihm bereits seit Jahren gesammelteil Materials ein jüdisches Knnstarchiv gegründet, dessen Zweck es ist, alle einschlägigen Dokumente nnd Nachrichten (auch photographisches Material) an einer Zentralstelle zu samineln und zu erschließe». Das Jüdische Kunstarchiv steht in Berbindung mit dem G e s a in t a r ch i v der d e u t s ch c n Inden (kl 24, Oranienburgerstraße 28). Durch diese Verbindung mit einem öffentlich anerkannten Institut ist die ordnungsgemäße Verwaltung und die Sicherstellung des Materials für alle Zeiten geivährleistet. Das Archiv enthält auch eine Lichtbilder zentrale, die für Vorträge über jüdische Kunst und jüdische Künstler geeignetes Material beschaffe» will. Kiriath Mosche. Eine ii tut jüdische Kolonie i n Palästina. Aus dem ca. 4800 Dunain umfassende», au der Jassa- Jernsaleiner Bahn gelegenen Terrain Kasr - Urieh, das ini vergangenen Winter von der „Palestine-Land- D e v c l o p m e ii t - C o. L t d.", genieinsam mit der „G e u - l a h" erworben wurde, wird demnächst eine »eue jüdische Kolonie entsteheii. Der Boden ist nämlich mit Hilfe eines von dem Finanzinstitut der A. I. K. O., der „O rient Colonisi n g Co. L td-", gewährten langfristigen Agrarkredits von Frcs. 118000 in den Besitz einer Kolonisteiigruppe von 30 Familien übergegangen, um deren Zusammeiistelluiig sich in erster Linie die Gründer und Leiter der „Bialystoker Landerwerbsgesellschaft", Moses M. M a n a s s e - w i tz und A. H o r o d i s c z, verdient gemacht haben- Von diese» 30 Familieil sollen 10 demnächst übersiedeln, Pie anderen 20 Parzellen-Jnhaber werden einstweilen ihre Parzelle» aus Grund einer besonderen AbiJto

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